Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
FelixMum, bellis, minjong, Gast

underachiever! und kein lehrer versteht das!

Startbeitrag von bellis am 11.02.2006 11:16

meine tochter (8) geht jetzt in die zweite klasse.

schon im kindergarten und auch weiter in der schule gibt sich meine tochter alle erdenkliche mühe, etwas NICHT zu können.

schon vor der schule hatt sie sich selbst das lesen und rechnen beigebracht, aber vor anderen will sie es nicht zugeben.
"das darf doch keiner wissen, nur du!"

anscheinend hat sich diese verweigerung inzwischen schon so verselbständigt, dass sie da selbst nicht mehr rauskommt.
wir haben uns jetzt hilfe bei einer psychologin gesucht, die hoffentlich dazu beitragen kann, dass die mauer bricht.

mein problem sind aber hauptsächlich die lehrer, die mich für blind und blöd halten, weil ich behaupte, dass mein kind schon lange lesen und rechnen kann und in der schule nur so tut, als ob sie nur mit mühe und ganz viel hilfe man gerade die aller einfachsten aufgaben lösen kann.

die lehrer kapieren nicht, dass meine tochter sich mit so viel intelligenz dumm stellt, dass die lehrer es nicht durschauen!

hat jemand schon ähnliche erfahrung gemacht?

Antworten:

Hallo,

könnte sein, dass hier wirklich nur eine psychologische Beratung helfen kann, wenn es so schlimm ist. Das ist extreme Anpassung oder irgendwas muss schon im KiGa passiert sein, dass deine Tochter Probleme mit der Anerkennung ihrer Leistungen durch andere hat. Vielleicht wurde sie durch Erzieherinnen schon zurückgesetzt oder es wurden permanent andere gelobt außer ihr? Ein Kind braucht irgendwann auch Bestätigung von anderen Leuten außer den eigenen Eltern, um ein Selbstgefühl und Selbstwert zu entwickeln. Da hift es nicht mehr, wenn nur die Eltern toll finden, was das Kind kann und macht.

Wenn sie mit 8 in der 2. Klasse ist, kann es gut sein, dass Springen ihr helfen würde. Das kann aber genau dann zum Problem werden, wenn ihre Leistungen gegenüber den Lehrern so nicht gerechtfertigt werden können. Ihr solltet das Vorgehen mit der Psychologin besprechen, evtl. dann noch den Schulpsychologen einschalten, je nach dem was rauskommt.

Wenn das Kind mehr gefordert würde, könnte sie evtl. wieder mehr Freude an der eigenen Leistung und Anerkennung finden. Das kann aber hier nicht passieren, wenn sie in der 2. Klasse bleiben muss.

Gruß

von Gast - am 11.02.2006 12:01
Hallo,

mit 8 Jahren in der 2. Kl sieht für mich auch erst mal nach totaler Unterforderung aus. Wenn ein Kind pfiffig ist, muss es sich dort einfach zu Tode grämen. Eigentlich gehörte sie doch bestimmt schon in die 3. Klasse.

Deine Tochter sollte wissen, dass es im KiGa ja noch anging, wenn sie sich dem Niveau dort anpasste und ihr Licht unter den Scheffel stellte. Jetzt aber, in der Schule, MUSS sie es zeigen, weil die Lehrer doch sonst nicht wissen können, was sie alles kann und dass sie vielleicht sogar die nächste Kl. überspringen sollte. Aber dafür brauchen sie "Beweise" - und es genügt nicht, dass nur Mama zuhause weiß, was sie alles schon drauf hat.

Sie muss es auch den Lehrern zeigen. Sonst können die das nicht bewerten. Und da wir in einem Bewertungs- und Leistungssystem nun mal leben, ist das in der Schule notwendig. Es kann kein Lehrer von allein raten, was im Kopf deiner Tochter steckt. Mit 8 Jahren kannst du mit ihr darüber reden. Wenn sie sich nicht weiter langweilen will und evtl. sogar springen könnte, dann geht das nicht ohne dass sie ihr Können auch zeigt. Und wenn sie so weiter macht, macht sie am Ende auch echte Rückschritte, weil sie dann das was sie schon kann, nicht oft genug anwendet und sich selbst nach unten schraubt. Dadurch folgt Demotivation usw. es geht weiter bergab. Das muss nicht sein, absolut nicht.

Rede mal mit ihr darüber und eben parallel mit der Psychologin, was in der Schule weiter passieren soll. Vielleicht könnte man sie mal testen, ob sie in einer 2. Klasse noch weiterhin viel zu suchen hat, muss kein IQ-Test sein, aber eine Bestandsaufnahme ihrer Fähigkeiten. Diesen Test könnte man dann hernehmen, um vor den Lehrern zu argumentieren, dass das Kind eigentlich schon viel weiter ist als es den Anschein hat.

Natürlich muss deine Tochter verstehen, warum das dann alles nötig ist und dass sie sich wenigstens bei einem solchen Test nicht auch total verweigert. Sonst hätte aber alles keinen Sinn und es würde ihr dauerhaft nur noch schlechter gehen. Das ist wie ein Arztbesuch, bei dem eben der Zustand festgestellt wird und Maßnahmen vorgeschlagen werden, damit sie sich in der Schule besser fühlt. So ähnlich kannst du ihr das auch erklären.

Viele Grüße

von FelixMum - am 11.02.2006 14:06
du hast ja recht!
aber inzwischen ist es ja so, dass meine tochter da selbst nicht mehr rauskommt. es hat sich bei ihr schon so automatisiert, dass sie gar nicht anders mehr kann.
sie ist selbst ganz unglücklich daüber, aber da ist anscheinend eine blockade, die sie nicht überwinden kann!

das schlimme ist ja aber, dass ihr, außer der psychologin und ich, keiner hilft.

alle anderen verstärken ihre blockade, in dem sie mitmachen. " komm, ich erklär dir das noch mal.." anstatt zu sagen: mädel, hör auf! das kannst du doch längst!
also mach es !"

wer jahrelang eine rolle spielt, kann da aufeinmal nicht wieder raus.auch wenn sie jetzt anscheinend wirklich raus will. aber das ist jetzt auch relativ neu! vorher hat sie sich in ihrer rolle ganz wohl gefühlt!

ich weiß nur nicht, wie ich die lehrer dazu bringen kann, dass sie mit mir an einem strang ziehen.
so wie es bis jetzt läuft, arbeiten wir gegeneinander!

von bellis - am 11.02.2006 14:19
Hallo bellis,

dann ist das ein Problem, das du nicht allein lösen kannst. Dann ist es ganz richtig, wenn ihr euch beraten lasst. Die Psychologin ist ja auch eine "externe" Person, also kann sie das zwischen dir bzw. den lehrern und deiner Tochter schon bestehende Verhaltensmuster evtl. besser durchbrechen. Gut ist ja auch, wenn deine Tochter sich damit jetzt so unwohl fühlt, dass sie selbst etwas dagegen tun WILL. Das ist eine gute Voraussetzung für Veränderung.

Lasst euch auch beraten, was z. B. mit einem Sprung in Kl. 3 nötig ist. Ich könnte wetten, deine Tochter würde wieder aufblühen und auch gern zeigen, was sie kann, wenn ihr diese Blockade überwunden habt.

Aber versuche jetzt nicht, das Problem allein mit den Lehrern zu lösen. Das bringt nichts.

Viele Grüße, alles Gute

von FelixMum - am 11.02.2006 18:04
Ich finde es gut, dass du Hilfe von außen holst. Gleichzeitig möchte ich dir noch ein Buch empfehlen, besser gesagt, ein Hörbuch, für deine Tochter: Die Möwe Jonathan, von Richard Bach. Falls du es nicht kennen solltest: Es geht um eine Möwe, die wegen ihrer fliegerischen Hochbegabung massive Schwierigkeiten mit ihrem Stamm bekommt. Sie versucht vergeblich, sich nach unten anzupassen und wird dabei sehr unglücklich. Schließlich lernt sie aber, zu sich selbst zu stehen und findet so zum Glück. In dieser Geschichte kann ein hochbegabtes Kind sich gut wiederfinden und sieht seine Möglichkeiten, ohne 'in Therapie' zu müssen.

LG, minjong

von minjong - am 11.02.2006 18:54
Ja, die Möwe Jonathan gibt es auch verfilmt, aber der Film gefällt mir nicht. Die Filmmusik (von Neil Diamond, wenn ich mich recht erinnere) ist allerdings sehr berührend.

von minjong - am 12.02.2006 18:57
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.