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Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
18
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Tomate, heike2, Pauline, gast, rembrandt, Gast, hgfj, kokolores65, FelixMum, minjong, MichaelaM, Katja Stein

"strammgezogener Hosenboden"

Startbeitrag von Tomate am 17.02.2006 09:34

In einem vorangegangen Thread meinte eine Userin zu einer unangemessenen Äußerung eines Kinder, daß es bei ihr in diesem Fall "wohl mal einen strammgezogenen Hosenboden gegeben" hätte.

Ich möchte hier nun die entsprechende Userin darum bitten dies genauer zu erläutern. Ist damit gemeint, daß körperliche Züchtigung als Erziehungsmittel in manchen Fällen gerechtfertigt und angemessen ist?

Oder ist die Formulierung quasi im übertragenden Sinn einer "deutlichen Konsequenz" gemeint?

Wenn letzteres der Fall ist, würde ich gerne hier im Forum diskutieren, inwieweit in Forumsdiskussionen so etwas wie "sprachliche Hygiene" zur Anwendung kommen sollte. Ich würde es auch als unangemessen empfinden, wenn jemand schreibt, daß er etwas "bis zum Vergasen" tut - auch wenn er es nicht so meint. Ebenso daneben würde ich finden, wenn jemand von "Negern" schreibt, obwohl er nichts gegen Schwarze hat und nicht beabsichtigt sie zu diskriminieren.

Will sagen, meines Erachtens transportiert Sprache eben schon auch Weltanschauung, weshalb ich es für wichtig halte, nicht unreflektiert politische oder in diesem Fall pädagogische Implikationen zu verbreiten, die aus heutiger Sicht als unmenschlich gelten.

Dies sozusagen als Vorleistung für die hoffentlich fair geführte Diskussion, auf die ich mit Spannung warte.

Antworten:

Tut mir leid, Tomate, ich dachte du möchtest über Albert Wunsch und seine Thesen diskutieren.

Sprachliche Hygienemaßnahmen sind nicht mein Thema. Ich leide nicht an "political correctness" wie du vielleicht.

Gruß und schönen Tag

von FelixMum - am 17.02.2006 10:44
Nö, als "leiden" kann ich das nicht empfinden.

Allerdings finde ich Dich "undiskutabel".

;-)


Tomate

von Tomate - am 17.02.2006 11:07
Hallo Tomate,

Frage 1 kann ich dir natürlich nicht beantworten, aber "sprachliche Hygiene" ist für mich, auch wenn du ihn in Anführungszeichen setzt, ein ebensolcher Ausdruck, den man, wenn man denn die berühmten Wörter auf die Goldwaage legt, mit unschönen Säuberungsaktionen gleichsetzen könnte...

Meiner Ansicht nach sollte jeder seine Sprachwahl für sich selbst überprüfen. Ich persönlich empfinde Metaphern und Euphemismen als wunderschöne Stilmittel, um unsere allzu dröge Sprache etwas lebendiger zu gestalten. Ich achte jedoch bei meinen Kindern sehr darauf, dass sie nur das sagen, was sie auch wirklich meinen. Man sollte Sprache so gebrauchen, dass sie unmissverständlich und nicht verletzend ist. Jemanden als "A.....loch" zu titulieren finde ich in dem Zusammenhang nicht halb so schlimm (denn das ist eine reine Reduzierung auf einen winzigen Teil unseres Körpers ;-) ) wie die Beschimpfung als "schwule Sau".

Es gibt hier im Forum Erwachsene, die sich klar und deutlich aussprechen, andere, die in der deutschen Grammatik und Rechtschreibung nicht unbedingt sicher sind. Die einen schreiben freundlich, die anderen vorwurfsvoll, die einen üben Kritik, die anderen stecken ein, die einen suchen Rat, die anderen erteilen ihn.
Davon lebt doch so ein Forum.

Schwierig wird es nur, wenn persönliche Gefühle verletzt werden. Aber das geschieht unbeabsichtigt auch in Gesprächen. Kein Problem, man entschuldigt sich oder geht sich aus dem Weg.

Hier Vorschriften für eine korrekte Verwendung der deutschen Sprache zu schaffen finde ich nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich.

Man kann schlecht Toleranz fordern, aber Intoleranz ausüben.

Oder wie mein alter Lateinlehrer sagte: Si tacuisses philosophus mansisses.....

Heike

von heike2 - am 17.02.2006 11:07
Hallo Tomate,

finde das Thema eigentlich recht intressant. Gerade hier im Forum wird man ja danach beurteilt, wie man schreibt, bzw. was man schreibt. Sollte man sich eigentlich vorher gut überlegen. Allerdings kommt manches vielleicht - gerade wenn man sich über etwas sehr aufregt - negativer rüber als es gemeint ist. Kann ja aber korrigiert werden, wenn derjenige darauf "angesprochen" wird. Es braucht auch keine "political correctnes" um Äußerungen über "pädogogische Maßnahmen" klarzustellen, wie man sie gemeint hat.
Also liebe FelixMum, warum kannst du nicht schreiben, wie das mit dem Hosenboden gemeint war. Fühlst du dich angegriffen? War es tätsächlich, die körperliche Züchtigung, oder im übertragenen Sinne? Würde mich auch interessieren. Hätte eigentlich noch mehr Fragen an dich, gehört aber nicht hier in diesen Thread. Würden andere dann vielleicht nicht mehr als fair empfinden.

Gruß
Pauline

von Pauline - am 17.02.2006 11:09
@ Heike2,

du schreibst die einen üben Kritik, die anderen stecken ein. Eigentlich sollte jeder, der Kritik übt, solche auch für sich einstecken können. Ich kann Leuten, die mir nicht liegen aus dem Weg gehen, aber hier im Forum nicht. Denn hier kann jeder antworten (was ja eigentlich auch so gedacht ist), ob er "gefragt" wurde oder nicht. Natürlich kann ich dann hingehen und bestimmte Namen nicht anklicken, aber ist das der Sinn der Sache? Finde ich auch schade. Jeder sollte seine Meinung äußern können, aber man sollte doch nie einen verletzenden Ton anschlagen. Klar man kann sich natürlich entschuldigen. Dazu muß man aber wissen, dass man jemanden verletzt hat und auch einsichtig sein.
Ein Forum sollte nicht dazu dasein andere "fertig zu machen".

Liebe Grüße
Pauline

von Pauline - am 17.02.2006 11:28
Hochinteressantes Thema!

Sprache ist unser wichtigstes Bildungsgut und zugleich eine spannende und lohnende Aufgabe. Sie ist die Nabelschnur unseres Geistes, die uns nährt und mit der Menschheit verbindet. Über die Sprache lernen wir, denken wir und teilen wir uns mit. Dabei ist Genauigkeit äußerst wichtig. Sprachliche Nachlässigkeit führt zu Vorurteilen, Trugschlüssen und Missverständnissen. Mit Genauigkeit meine ich hier nicht politische Korrektheit und auch nicht Orthographie und Zeichensetzung, sondern das Bemühen, das Gemeinte genau zu unterscheiden und so gut wie möglich auszudrücken.

Sprache führt zu Denken und umgekehrt. Daher ist sprachliche Hygiene zugleich eine Hygiene des Denkens, und in meinen Augen äußerst wichtig.

Ein Beispiel: Gestern sprachen wir in der Familie über Betragensnoten. So nennt man in Ö die Noten für das Arbeits- und Sozialverhalten in der Schule. Ich sagte, dass ich in Betragen 'nur die Note 'Sehr Gut' im Zeugnis sehen will, sonst ...'.

Dann stockte ich. Ich war im Begriff gewesen, zu sagen '... sonst setzt's 'was', aber was sollte es denn setzen? Hiebe etwa? Nein, niemals. Also was sonst? Ich sagte schließlich in meiner Verlegenheit "... sonst staubt's", und verbrachte den Rest des Abends damit, zu überlegen, wie ich mich ggf. wirklich verhalten würde.

LG, minjong

von minjong - am 17.02.2006 11:45
Um Vorschriften ging es mir nicht, ich habe versucht eine Diskussion anzuregen. "Hygiene" ist in meinen Augen kein Unwort, nur weil es in "Rassenhygiene" als Wortbestandteil auftaucht.
Körperliche Züchtigung von Kindern gehört in meinen Augen weder praktiziert noch verbal verharmlost.
Ich gehöre zu den Leuten, die auch einen Leserbrief schreiben, wenn ich in der Lokalzeitung von einem "Sittenstrolch" lesen muß...

von Tomate - am 17.02.2006 11:59
Ich dachte immer, in einem Forum dürfe jeder auf seine Art seine Meinung zum Ausdruck bringen....

Es gibt einige Leute, deren Meinung mich nicht interessiert - habe ich recht schnell festgestellt. Aber die kann ich ja nicht aus dem Forum ausschliessen - aber ich kann mir die Einträge nichtangucken. Bemerke auch, dass andere gerade diese Forum-Teilnehmer schätzen.

Zum Hosenboden: ich benutze manchmal bei meinem Sohn den Ausdruck "die Ohren lang ziehen" - kann aber mit Bildmaterial beweisen, dass seine Ohren dieser Tortur noch nie unterzogen wurden....

Es gab schon Beiträge, die "sprachhygienisch" einwandfrei waren, wo ich mir mehr Gedanken über den Erziehungsstil des Schreibenden gemacht habe....

Gruss,
HeikeKokolores

von kokolores65 - am 17.02.2006 12:03
Pauline schrieb:

Zitat

@ Heike2,

du schreibst die einen üben Kritik, die anderen stecken ein.
Eigentlich sollte jeder, der Kritik übt, solche auch für sich
einstecken können. Klar man kann sich natürlich entschuldigen.
Dazu muß man aber wissen, dass man jemanden verletzt hat und
auch einsichtig sein.
Ein Forum sollte nicht dazu dasein andere "fertig zu machen".


Hallo Pauline,

habe ich denn nicht genau das gesagt?

Zitat



@ Heike Kokolores,

ich nehme mir meine auch gerne mal "zur Brust", aber Stillen tue ich sie deshalb noch lange nicht mehr :-)

Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht genau, was Tomate mit dem Thema bezwecken will.

Wenn es eine Diskussion über den manchmal fahrlässigen Umgang mit unserer Sprache gehen soll, finde ich es ja in Ordnung und sinnvoll.
Aber glaubt sie im Ernst, dass sich FelixMum hier "outet", dass sie ihren Sohn schlägt???

LG, Heike


von heike2 - am 17.02.2006 12:26
Die eine benutzt eine Metapher, die die andere politisch nicht korrekt findet. Als die keine Lust zum Diskutieren hat, wird sie gleich mal schnell von der sonst doch so anspruchsvollen Schreiberin als indiskutabel bezeichnet.

Super. Für mich lebt das Forum von seiner Vielfalt. Dazu gehört, dass man manchmal auch Dinge liest, die einem nicht gefallen. Na und? Die Grenze wäre für mich bei persönlichen Beschimpfungen überschritten.

Aber eigentlich ist es Sache der Forumsbetreiberin solche Regeln zu setzen oder nicht. Im Prinzip finde ich es unverschämt, ihr diesbezüglich etwas vorschreiben zu wollen.

Die Bemerkung selbst habe ich eigentlich verstanden, wie sie ja wohl gemeint war. Wo ist da also Diskussionsbedarf. JPRs Rundumschlag gegen die Kirche fand ich wesentlich gewöhnungsbedürftiger. Aber selbst das kann man ja anscheinend diskutieren.

Michaela

von MichaelaM - am 17.02.2006 12:34
Hallo,

Respektvolle und befruchtende Kommunikation ist auch eine Frage der Intelligenz.
Schreibstil und Inhalt lassen bedingt auf diese rückschliessen. So gewichte ich gewisse Beiträge stärker, andere kann ich nicht sonderlich ernst nehmen.
Solange nicht wirklich persönlich verletzende Beiträge hier stehen, ignoriere ich solche mit für mich uninteressantem Inhalt.
Sich virtuell mit Mit-Userinnen zu fetzen halte ich für Zeitverschwendung.
Aber ich gestehe, dass ich bei einigen Beiträgen denke: Bin ich froh, kenn ich die nicht persönlich. Ist aber selten.

LG Katja

von Katja Stein - am 17.02.2006 12:42
---

von hgfj - am 17.02.2006 13:38
Hallo Heike2,

wobei wir wieder beim verstehen des Anderen sind. Habe dich so verstanden, dass
die einen halt nur Kritik üben, die einen nur einstecken. Tut mir leid. Wir sind also der gleichen Meinung. Find ich gut.

Gruß
Pauline

von Pauline - am 17.02.2006 16:12

Re: an alle (inkl. mich)

...Einige Menschen sind von Geburt an in einer dunklen Höhle so festgebunden, dass sie immer nur auf die ihnen gegenüberliegende Höhlenwand blicken können, die lediglich durch einen über ihnen angebrachten Schlitz beleuchtet wird. Ein Stück entfernt von der Höhle, auf der Seite der Lichtöffnung, befinden sich, hinter einer niedrigen Mauer, andere Menschen. Hinter diesen Menschen brennt ein Feuer, vor dem sie – ähnlich Puppenspielern – Figuren von Lebewesen und Dingen an Stöcken über der Mauer halten und bewegen. Diese Gegenstände werfen – von hinten angeleuchtet durch das Feuer – flackernde, unscharfe Schatten durch den Lichtschlitz, an die den Menschen in der Höhle gegenüberliegende Wand. Die Wahrnehmung der Welt außerhalb ihrer Höhle beschränkt sich für die an die Höhle gefesselten Menschen also auf unscharfe, flackernde Schatten von künstlich erzeugten Figuren von Lebewesen und Dingen die ihnen gezeigt werden. Da sie nichts anderes wahrnehmen, halten die Menschen diese Schattenbilder für die wirklichen Dinge. Dies bleibt auch so, als einer von ihnen, der losgebunden wurde, von draußen in die Höhle zurückkehrt und den anderen über die wahren Verhältnisse Aufschluss zu geben versucht....

von gast - am 17.02.2006 16:13
Ich möchte mich gar nicht zu sehr in Eure Diskussion einmischen und trotzdem auch auf andere Sprachstiele verweisen. Lest mal Briefe von Mozart und ihr werdet übder den Sprachstil staunen. Jeder nach seiner Fasson...

Viele Grüße,
Astrid

von Gast - am 17.02.2006 16:30

Re: an alle (inkl. mich)

gast schrieb:

Zitat

...Einige Menschen sind von Geburt an in einer dunklen Höhle
so festgebunden, dass sie immer nur auf die ihnen
gegenüberliegende Höhlenwand blicken können.......


Ist schon klar, Schattengleichnis von Platon.

Sollen wir jetzt zur hohen Bildung gratulieren oder was sollen uns diese heheren Worte sagen ;-)

Heike

von heike2 - am 17.02.2006 18:50
Hallo Tomate,

werde mal locker. solche ´Diskussionen sind müßig. weißt du ich habe einfach keine lust auf meinen ausdruck zu achten,wenn er dann daneben ist.Das mache ich in meiner Doktorarbeit!
Kennst du eigendlich Blondinenwitze ?? Ich kenne sogar Schwarzhaarigenwitze?
Diese verkrampfte Gereede um stramgezogene Hosenboden finde ich einfach total uncool,schließlich könnte man es ja auch folgendermaßen in Prollsprache ausdrücken: Ich haue dir gleich den A.... voll oder wie ich mal nach einem Lehrergespräch äußerte:Beinahe hätte ich ihm eine aufs M... gehauen.. Weiß du wen ich auf meiner Seite hatte?? Die ganzen Akademiker,die bibbernd beim Elternsprechtag von den Lehrerzimmern saßen.
tut mir leid,aber diese Verkrampfung ist einfach ätzend! Im Übringen mußt du mir das nicht übelnehmen,da ich in meinem bösen Leben mal ein Punk war!du weiß ja überhaupt nicht,was Sache ist! :cool: :hot:

von rembrandt - am 17.02.2006 20:58
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