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Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
MarionPE, _Etu_, grauseldis, Riewesiesje, anni11, Takahe, minjong, gugol

Hochbegabung als Thema in Lehrerbesprechung

Startbeitrag von MarionPE am 09.11.2006 09:20

Hallo!

Nächste Woche haben wir mal wieder eine Dienstbesprechung. Seit einiger Zeit nehmen auch wir Vertretungskräfte regelmäßig daran teil. Und manche Lehrer akzeptieren sogar, dass wir auch etwas zu den Themen sagen können.

In der Einladung stand, dass ein Punkt die Hochbegabtenförderung sein soll. (Ja, ich weiß, darüber könnte man alleine viele Konferenzen machen). An unserer Schule springen gerade 2 Kinder.

Ich möchte Euch bitten, hier kurz aufzuschreiben, was Eurer Meinung nach angesprochen werden sollte, welche Punkte wichtig sind, welche Ideen Ihr zur Förderung habt... Kurz: Lasst Euch aus. Ich kann nicht an alles enkjen, sicherlich habt Ihr noch andere Ideen. Vielleicht hat der eine oder andere auch gute Konzepte, von denen er berichten kann.

Danke

Marion

Antworten:

Da fällt mir ein Detail ein zum Thema Springen:

Wenn ein Kind eine Klasse überspringt, finde ich es wichtig, dass das in beiden Klassen klar ausgesprochen wird. Das Kind soll sich von der einen Klasse verabschieden können und in der nächsten Klasse begrüßt werden. Damit meine ich, dass die Lehrer ganz einfach sagen, z.B. "Der Martin probiert jetzt, oder er in der nächsten Klasse mitmachen kann" bzw. "Das ist der Martin. Er kommt aus der ersten Klasse und wir versuchen, ob er jetzt bei uns mitmachen kann. Er ist neu hier und kennt in unserer Klasse niemanden - bitte helft ihm, sich bei uns wohlzufühlen."

Das klingt banal und selbstverständlich, aber als meine Tochter sprang, wurden diese Selbstverständlichkeiten unterlassen. Sie saß auf einmal in einer neuen Klasse und kein Lehrer sagte etwas Erklärendes. Es gab dann Gerüchte und Gerede und beinahe eine Tabuisierung. Die Lehrer wollten kein Aufhebens machen, damit das Springerkind nicht in eine Aussenseiterrolle gedrängt wird - aber sie erreichten damit gerade das Gegenteil.



von minjong - am 09.11.2006 11:55
Hallo Marion

Kennst du das Schulische Enrichment Modell (SEM)?

Ich erlaube mir, dir eine mail zu senden mit einer kleinen Tabelle im Anhang, die ich grade diese Woche zusammengestellt habe.
Für mich ist SEM die im Moment beste Möglichkeit zur Begabtenförderung, aber sie braucht Mut und etwas Engagement von allen Seiten.

Gruss gugol

von gugol - am 09.11.2006 14:16
Hi Marion,

mir wäre wichtig für die Schule eine regionale Liste von Stellen zu erstellen, bei denen sich LehrerInnen Rat und Unterstützung holen können bzw. an die sie Eltern verweisen können, wenn sie einen Verdacht haben, das Kind sei HB.

außerdem fände ich es gut, das Thema in die Schulprogramme aufzunehmen und da konkret zu beschreiben, auf welche Weise begabte Kinder in der Schule gefördert werden. So kriegt es was Verbindliches.

Lienbe Grüße

Takahe

von Takahe - am 09.11.2006 17:24
Danke!

Die Mail ist angekommen. Ich werde es mir am Wochenende mal durcharbeiten.

Aber wenn es Mut und Engagement fordert, dann ist es nur eingeschränkt nutzbar. Das kann man doch nicht erwarten - von Lehrkräften mit jahrelanger Erfahrung. O-Ton unserer letzten Dienstbesprechung: "Soll etwas alles, was wir in den letzten 30 Jahren gemacht haben falsch gewesen sein?"

Das gilt natürlich nicht für alle.

Marion

von MarionPE - am 10.11.2006 07:36
Hallo Marion!
Zitat
MarionPE
"Soll etwa alles, was wir in den letzten 30 Jahren gemacht haben falsch gewesen sein?"


Leider trifft das oft zu. Ich bat letztens die Lehrerin meines Sohnes (55) dem Lehrer Herrn ... zu erklären, dass es einen Unterschied zwischen Hochleistern und Hochbegabten gibt und dass HB's nicht immer die Klassenbesten sein müssen und für ihre guten bis sehr guten Leistungen auch (meist) nichts tun, da es mich und meinen Sohn nervt, ständig zu hören, "du bist doch gar nicht der Beste".
Da war sie ganz überrascht und fragte mich "Gibts da tatsächlich einen Unterschied..., oh dann waren meine Kinder Hochleister, denn die haben immer fleißig gelernt und so ihre Einser bekommen."
Am nächsten Tag habe ich meinem Sohn die Weiterbildungszettel des Hbf-e.V. mitgegeben und er hat diese den beiden Lehrern in die Hand gedrückt mit dem Kommentar: " Ich glaube, da sollten Sie mal hingehen, denn das könnten Sie sich mal anhören." Bisschen frech aber trifft dem Nagel auf den Kopf.
Auch bei erfahrenen, engagierten Lehrern gibt's da noch falsche Vorstellungen, von den jungen unerfahrenen ganz zu schweigen. Da gilt hier noch, wer zappelig ist und nervt, hat ADS und ist überfordert, mal überspitzt ausgedrückt.
Du kannst ja hier einige Anregungen rausnehmen

www.hbf-ev.de/plakate/nichtfoerderung.pdf

Und nochmal zum Thema "Springen" Nicht jeder, der springt und es dann schafft, muss HB sein und nicht jeder HB muss springen.

Und zum Schluss würde ich vielleicht noch den kleinen Unterschied zwischen HB-Mädchen und HB-Jungen erwähnen.

Viele Grüße

Etu



von _Etu_ - am 10.11.2006 08:37
Hallo gugol,

könntest Du die Infos zum Schulischen Enrichment Modell auch zukommen lassen? Das wäre nett. Vielleicht kann ich damit die kommenden Gespräche in der Schule vorbereiten.

Lg

Anni

von anni11 - am 10.11.2006 10:28
Hallo Marion,

hier steht, wie die HB-Förderung im Saarland abläuft: [www.iq-xxl.de]

Ich weiß nicht, wie groß eure Schule ist. An unserer vierzügigen Grundschule ist der Förderunterricht nicht mehr in der letzten Stunde nur für die Schwachen, sondern 2 x wöchentlich in der dritten Stunde, es gibt dann vier Gruppen (so beschrieben von Sohnemann): Förderunterricht für die Schlauen, Förderunterricht für die ganz Schlauen und Förderunterricht in Mathe und Förderunterricht in Deutsch. Die Lehrerinnen haben die Klassen durcheinandergewürfelt und jede kümmert sich dann um eine Gruppe. Das scheint sehr gut funktionieren, die Lehrerin hat am Elternabend berichtet, dass alle Kinder glücklich und zufrieden aus diesen Förderstunden kommen, die einen, weil sie den Anschluss wieder finden und die anderen, weil sie was für sie Interessantes machen konnten. Bei einer großen Schule ist dieses Vorgehen meiner Meinung nach ohne großen Aufwand möglich und es hat auch nicht den Beigeschmack der oft verpönten Eliteförderung.

LG Grauseldis



von grauseldis - am 10.11.2006 11:31
Hallo Grauseldis!

Das hat die Grundschule meines Sohnes auch, zur Zeit nur in Mathe; aus drei Parallelklassen einmal in der woche vier Gruppen, eine "gute" (Knobelaufgaben....), zwei "Normale" , einmal die "Schwächsten" (Förderunterricht); das läuft hier unter fördern und fordern., dafür habe ich schon gekämpft, als meine Mittlere vor Jahren an der Schule war. Leider ist das die Stunde, die als erstes gestrichen wird.
In Deutsch könnte man das sicherlich auch machen.
Manche Eltern haben aber (mal wieder) ein Problem damit. es sin d nämlich nicht nur die Lehrer, die Probleme machen. Gerade lehrer, die individuellen Unterricht machen haben es oft bei den Eltern schwer.

Ich habe mich letztens noch mit einer Lehrerin unterhalten, die Förderunterricht gibt. Förder in der 6. Stunde empfinden viele Kinder einfach als Strafe für schlechte Leistungen. und das soll es ja nicht sein. also durchsuchten wir hunderttausend Bücher nach netten Aufgaben, mit denen die Kinder nicht nur etwas lernen, sondern bei denen sie auch noch nebenbei etwas Spaß haben.

Ich bin gespannt, was sich bei der Konferenz ergibt, ansonsten bewerbe ich mich weiterhin als "Quereinsteiger" fürs Gymnasium. Drückt mir die Daumen.

Marion

von MarionPE - am 10.11.2006 13:35
Bei uns ist der Förderunterricht mittendrin in der zweiten oder 3. Stunde und zwar 2 Mal die Woche, mein Sohn ist allein, und bei den Schwachen, die dann jeweils ein Mal Mathe und ein Mal Deutsch machen sind es etwa 4-5, die dann immer rausgepickt werden (etwa 15 haben es nötig), dann empfindet das niemand als Strafe. Im Gegenteil, sie freuen sich, wenn sie zur Lesestunde dürfen. Sie werden ja aus dem normalen Unterricht rausgenommen. Bis jetzt läuft das ganz gut, ob es hilft, kann ich noch nicht beurteilen.
Ich finde das insoweit gut, dass dann nicht alle nochmal das kleine Einmaleins durchkauen müssen, bzw. warten müssen, bis der letzte den Text kapiert hat. Deutsch lesen und Deutsch verstehen sind 2 verschiedene Dinge gerade bei den Türken, geht mir ja schließlich auch manchmal so bei Fremdsprachen.

Etu

von _Etu_ - am 10.11.2006 15:10
Hallo Marion, in welchem Bundesland bist du denn, da ist die Gesetzeslage schon unterschiedlich.
Riewesiesje

von Riewesiesje - am 01.12.2006 20:52
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