Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
don't click
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
cat, crazy, dr.yoghurt, ðØÿØ

rumpelkammer

Startbeitrag von cat am 03.07.2001 17:01

er rief mich an ...und hatte eine bitte...
obwohl ich krank bin will ich ihm die bitte erfüllen....
er möchte den ort seiner kindheit....wiedersehen...
30 jahre war er nicht da gewesen....
wer weiss woher er kommt....vom ausland...vielleicht ...?
denke ich...
ich verstehe die bitte und mache mich auf den weg...

vor dem haus angelangt...erwartet mich ein aufgewühlter mann...
ich erkläre ihm....das sich alles verändert hat ...seit damals...
alles ist umgebaut und er wird sicher nichts mehr wiedererkennen...leider..

ich fragte ihn ...nach den menschen von damals....
fragte ihn....woran er sich erinnert....
abwesend antwortet er mir ....
an nichts....... eigentlich würde er sich an nichts erinnern....

die unruhe die ich ihm vorher schon ansah....
schien sich zu verstärken....auch benahm er sich ganz und gar nicht
wie ein gast....er schien...mit jedem schritt...mit jeder bewegung...
alles in sich aufnehmen zu wollen...

das beunruhigte mich etwas....was er wohl sucht...?
was hoffte er zu finden?

ich führte ihn durch alle räume....und er beginnt zu erzählen....
das er leidend wäre....und hier eine ursache seiner leiden vermute....
das er fühlen möchte was damals geschehen ist...
er suche schwingungen und ähnliches....

sein ausdruck und seine sprache verändern sich...
suchend, hilflos aber auch fordernd und trozig
ich erahne.... das sich dieser mensch...
langsam innerlich in das kleine kind das er vor 30 jahern war verwandelt..

wir nähern uns..... der tür der rumpelkammer und ich fühle ....
das seine anspannung ins unerträgliche steigt....
er will wissen was hinter dieser tür ist...
ich öffne die türe...kurz und erkläre...hier können wir nicht hinein...
ich kann hier niemand reinlassen...
und schliesse rasch wieder die tür...

der raum ist bis zur decke voll mit erledigten und unerledigten kram...
unmöglich...auserdem schäme ich mich etwas für die unordnung hier...
wollte man diesen raum betreten...müsste man sich reinzwängen...
und sehen würde man nichts....nur eben viel kram...

ich denke wir können weitergehen...und dreh mich um...
er aber öffnet die tür...und er sieht so aus als wollte reinspringen...
in diesem raum...meiner abgelegten sachen....

ich rede mit ihm ...und panik kommt in mir hoch...
er soll doch bitte...die tür schliessen und weiter gehen...
er aber steht mit weitaufgerissenen augen vor diesem raum...
und es scheint...als würde er mich gar nicht hören...
ich werde lauter ..aber nicht zu laut ....
denke an die kinder die im nebenraum spielen....

mir wird einerseits...klar wie sehr dieser mensch hilfe braucht...
andrerseits weiss ich aber auch..dass ich nicht helfen kann...
ich hab angst........ vor dem wie sich die situation weiter entwickelt...
ich rede auf ihn ein....ich drohe....ich will ihn nur da weghaben...

irgendwie schaffe ich es das er mit mir zum ausgang geht...
wir reden noch über sein leiden und sorgen...
ich höre zu..... möchte aber das er geht.......fühle mich überfordert.....
er meint.... nur in dieser rumpelkammer könne er sein problem lösen...
er möchte dort verweilen und meditieren...

unmöglich.... es ist doch alles bis zur decke vollgestopft...
gerade da kann man nicht rein....
er bietet mir geld an....ich will kein geld...ausserdem geht es eben wirklich nicht...
er ist verzweifelt...und ich auch..... ich sehe wie schlimm er sich fühlt...
und fürchte er könnte sich umdrehen .....
und sich irgendwie in diese rumpelkammer stürzen...

als er geht....denke ich noch viel über ihn nach....
und überlege ob die rumpelkammer von bedeutung für ihn ist...
wegen vergangener ereignisse....
oder deshalb weil es der einzige raum war
wo ich ihm den zutritt verweigern musste...

Antworten:

Das ist eine Geschichte, die nur so das Leben schreiben kann.

Darf ich mal wild spekulieren ?

Ich denke, dass gerade dieser Raum für ihn der Schlüssel zu seiner Kindheit war/ist.
Ob das nun für ihn eine positive oder eine negative Erfahrung war, vermag ich nicht zu sagen.
Aber um das Erleben von dam,als und die Auswirkungen auf heute zu verarbeiten braucht er diesen Raum.
War das sein Raum ? Sein geheimer Ort ?
Oder war es eine "Strafmaßnahme", die ihn in diesen Raum scheuchte damals ?

Ist es der einzige Raum, der nicht umgebaut ist ?

Ist es denn ned möglich, ihm den Raum mal zu öffnen, ihn dort rainlassen ?

von crazy - am 03.07.2001 19:52
hat das leben geschrieben........
er denkt....... das dieser raum den schlüssel hat.....
ob es so ist weiss ich nicht......
was wäre wenn es das haus nicht mehr gäbe ?
ja es ist der einzige raum der nicht umgebaut wurde.....
aber sehr anders verstellt......mit schränken und so......

ich fürchte es war wohl etwas sehr negatives was er aufarbeiten versucht...
leider......!
damit hab ich zwar nix zu tuen.....ist lang vor meiner zeit.......

es ist im moment leider wirklich nicht möglich da wem reinzulassen.....
und selbst wenn es möglich gewesen wäre....
im normal betrieb sicher nicht......
er hätte vielleicht laut geweint...und anderes.....für solche reaktionen....
hab ich vielleicht die menschliche bildung....aber ich bin da keine fachfrau......
angst hab ....mich überfordert fühl.....

von cat - am 03.07.2001 20:28
Das Gefühl in solchen Situationen überfordert zu sein, kenne ich auch.
Und du kannst da auch gar nicht die Hilfe leisten, die er vielleicht bräuchte.

Doch die eigene Hilflosigkeit in solchen Situationen können einem auch schwer zu schaffen machen.

von crazy - am 03.07.2001 20:51
wenn du es kennst.....
verstehst du vielleicht auch ein bisschen.....

das war der punkt ich kann nicht die hilfe leisten die er bräuchte.....
kann ich nicht.....leider

man möchte es vom herzen gut und richtig machen.....
und wird von eigenen ängsten überwältigt.......

und es macht mir wirklich schwer zu schaffen........

von cat - am 03.07.2001 21:19
Ja, das beschäftigt einen. Nur musst du dir auch klar darüber sein, dass du dir da keine Schuldgefühle einreden darfst oder solltest.
Alleine in dieser Situation wäre ich mir auch sehr hilflos vorgekommen.
Vielleicht findet sich ja noch einmal die Möglichkeit für euch, zumindest noch einmal über alles zu sprechen.
An einem ganz neutralen Ort.

von crazy - am 03.07.2001 21:23

hm...meine erste assoziation

wäre, in der rumpelkammer ist ihm als kind schlimmes widerfahren...
vielleicht wurde er da eingesperrt und/oder verprügelt
oder es geschah sonstetwas da drin, das sein weiteres leben entscheidend beeinflusste...

von dr.yoghurt - am 09.07.2001 17:06

das gefühl

das man eine lawine lostreten würde, wenn man das zuließe,
dass er er dort in sich gehen kann...
man nimmt quasi die verantwortung auf sich
ab dem zeitpunkt

da find ichs allemal besser, zu sagen:
stopp!
bis hierher und nicht weiter
um schlimmeres zu verhindern...
sonst sind beide überfordert...

von dr.yoghurt - am 09.07.2001 17:10

hmmmm

will auf doyos.....antworten.....
" meine erste assoziation"
irgendwie gelingt es mir nicht mich richtig einzuklinken.......

ja .....ich könnt mir vorstellen......
das da.... etwas für diesen menschen sehr negatives geschehen ist.....
aber mit diesem raum und meiner person.....
hat er.....
den schlüssel zur aufarbeitung und lösung noch .....
nicht gefunden......leider........

ich beantworte die frage mal für mich......dummerweise.....
aber ich kanns halt im moment nicht anders.....

meine antwort.....mein erster schritt wäre....
unabhängigkeit.....
von zeit und raum......(?)

zu denken jetzt hier und sofort kann ich es lösen......
muss ich es lösen...... (was auch immer)
geht ned........es geht ganz einfach ned......
nicht im bezug zu örtlichkeiten.......nicht im bezug zu persönlichkeiten.....

die antwort.....die lösung ......liegt immer nur im selbst..... UNABHÄNGIG

es geht nicht um verweigerung von hilfe.......
es geht um verantwortlichkeit......
um erstens, zweitens, drittens bei mir.....(was ich hier nicht schreiben.......)

aber auch um verantwortlichkeit für ihm an mich.....
für ihm als mein mitmensch.......
und für ihm als mein mitmensch konnte ich nicht viel mehr tuen.....
als ihm meine grenzen zu zeigen........leider.....

auch konnte und durfte ich nicht die .......die rolle.......
(die er für mich vorgesehen hatte...wie ich spürte)
übernehmen.............

von cat - am 18.07.2001 20:45

Re: das gefühl

danke für dein verstehen....!

was mich and der situation überrascht hat .....
war zu erkennen .....das ich (nach meiner erfahrung)....
jedes kind im arm nehmen kann und trösten beruhigen usw.......
aber nicht jeden erwachsenen .......
für mich war das merkwürdigerweise bisher kein unterschied.......
eben bis ich meine grenzen erkannte.......

und ich erkannte auch wieder einmal......
wie schmerzlich es sein kann grenzen zu zeigen.........

von cat - am 18.07.2001 21:21

da gehts mir aber

ähnlich...
wenns einem kind schlecht geht, hab ich viel wenige rprobleme, das zu trösten als bei einem erwachsenen...
bzw überhaupt...wenn ein kind spinnt, wütet oder was auch immer, kann ich das viel besser annehmen als bei einem erwachsenen...



vielleicht hab ich ja einen job diesbezüglich...naja, wird ma sehn...

von ðØÿØ - am 20.07.2001 17:09
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.