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vor 9 Monaten, 3 Wochen
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Dirk SaDiablo, brejlovec750, schumlau, Joachim Piephans

Letzte Grüße von der Gailtalerin (m. 16 B.)

Startbeitrag von Joachim Piephans am 01.01.2017 16:18

Werte Forengemeinde,

wer in den 80er Jahren mit Wolfang Ambros sozialisiert wurde, der denkt natürlich bei der Überschrift gleich an jenes Weibsbild aus dem "Watzmann", das männerverführend die Burschen auf jenen Gipfel schickt und sie dort umkommen läßt: "Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bisd so grouß, und i nur a Zwerg". Aber von jener Gaildålerin soll hier nicht die Rede sein, auch wenn das "Rustical" von Ambros/Tauchen/Prokopetz uns an jenem Dezembersamstag vielleicht hier und da im Kopf herumgespukt ist, im Gailtal.

Uns - das war die Reisecombo des "Arbeitskreises Abschiedskultur", die zum AKAK VIII geladen hatte und sich schon frühzeitig - dank ansonsten ausbleibender Reiseverkehrsverkraftungen - auf das Obere Gailtal festlegen konnte. Hier in Oberkärnten, in der Talfurche zwischen den Karnischen (auf deren Kamm die Grenze zum italienischen Friaul verläuft) und den Gailtaler Alpen, sperrte man zum Fahrplanwechsel das hintere Teilstück ab Hermagor der Gailtalbahn Arnoldstein - Kötschach-Mauthen zu. Und läßt das Tal damit verkehrstechnisch auf den Stand der vorletzten Jahrhundertwende zurückfallen.

1915 wurde nämlich in aller Eile die in Hermagor endende Lokalbahn durch das Militär bis zum Doppelort Kötschach-Mauthen verlängert, um den Nachschub am hiesigen Abschnitt der mörderischen Dolomitenfront zu sichern. Bautechnisch bot das keine Schwierigkeiten, weil es immer durch den flachen wie breiten Talboden geht. Diese Militärbahn wurde dann alsbald für den öffentlichen Verkehr ausgebaut, u.a. mit einheitlichen Stationsgebäuden, und von der Staatsbahn übernommen.
Schon zum Hundertjährigen ließ sich kein Politiker sehen, hörte man vor Ort - die wußten in Klagenfurt schon, daß sie dieses Salamizipferl abschneiden würden, nach der niederösterreichischen Methode Pröll, während man bis Hermagor schnellstens elektrifizieren und die S-Bahn fahren lassen will.


Nun also ein kleiner Bericht vom Samstag, 10.12.2016, als sich die sechsköpfige Combo hier und da im Oberen Gailtal herumtrieb. Mangels anderer Möglichkeiten korrekter Einstellung in die Unterforen muß dies unter "Dies & Das" erfolgen. Deshalb meine Anregung an den Moderator, speicherneutral das Fotoforum Ungarn mit dem Balkan zusammenzulegen (oder die beiden allgemeinen Balkanforen) und ein neues "Fotoforum Allerlei" einzurichten. Mancher möchte auch was zeigen, was nicht in die bisherigen Kategorien paßt, möchte dies aber hier in vertrauter Runde und nicht in einem ganz anderen Forum tun. Zumal etwa die Republik Österreich ebenso ein Erbe des alten Österreich ist wie unsere geliebten böhmisch-mährisch-schlesischen Bahnen darauf fußen. Bezüge gibt es genug. Vielleicht könnte Michael mal darüber nachdenken.

Meine Aufnahmen sind alle Scans vom Diafilm Fujichrome Provia 100 F, nach eigenem Gutdünken bearbeitet.


Wir logierten beim "Kirchenwirt" in Kötschach, mit eigener Fleischhauerei und Selcherei im Hause, sehr schönen Zimmern, Gösser im Ausschank und einem Blauen Zweigelt, der zu späterer Stunde wie Öl hinablief. Alles bestens also!




Samstagmorgens um halbneun: 5022 026 fährt in Kötschach-Mauthen ein. Die ÖBB haben den Villacher Desiros übrigens einen Dampfgenerator spendiert, damit im Gailtal nicht mit Typhon, sondern mit richtiger Pfeife Signal gegeben werden kann ;) Auch beim Erreichen des Endbahnhofs läßt der Maschinist die Dampfpfeife kräftig erschallen, damit man bis hinauf zum Plöckenpaß hinauf weiß - heute fährt sie noch einmal, die Gailtalerin!




Bis zum Talgrund hinab reicht die Sonne noch nicht, uns werden nur wenige Sonnenstunden bleiben. R 4803 steht am breiten Mittelbahnsteig; das Stationsgebäude wurde vor nicht allzulanger Zeit modernisiert. Noch ist es kalt an der Gail, ziemlich kalt ...




Wir fahren mit dem R 4810 um 8.54 Uhr bis zum Haltepunkt Watschig, unweit von Hermagor. Dort erwarten wir den Gegenzug, zuerst für Bilder desselben zwischen dem alten Watschiger Schulhaus und der hier gezähmten Gail, und dann für die Rückfahrt bis Dellach. 5022 024 rollt heran und nimmt uns unter der Zugnummer R 4805 auf.




Mein Lieblingsbild des Tages: R 4805 im Bahnhof Dellach im Gailtal, darüber thront der Reißkofel (2.371 Meter über Adria)




Wir taten's trotzdem ...




Die Schwarze Fahne hängt - Zeichen, daß die Verkehrseinstellung nicht allen gleichgültig ist. Fahrpläne o.ä. gab es übrigens nicht mehr, weder anzuschauen noch einzustecken. Wie man später in einem Netzbeitrag las, soll schon an jenem Samstag sehr früh ein Lieferwagen mit Wiener Kennzeichen alle derartigen Dinge an den Stationen eingesammelt haben ...




Bahnfahren ist ja sooo gefährlich!! Du kannst dem Zug zu nahe kommen, du kannst zwischen zwei Züge geraten, am besten halte dich fern! Am besten sperren wir die Bahn zu, dann kann auch nix passieren ...




Hat schon einer seine Trauer über die Stillegung in einem Gösser ertränkt und die Flasche als Mahnmal und Manifest an der Laderampe hingestellt.



Eine saubere Bahnhofstraße haben jetzt die Dellacher, die der Abteilung Spießbürger angehören. Kein Kaugummipapierl mehr, das unerzogene bahnfahrende Schüler einfach auf diesen Prachtboulevard fallen lassen. Derweil der 28er Steyr der einzige Diesel in der Bahnhofstraße ist, der sich noch ab und zu hören lassen wird ...

In Dellach sind wir beim Dorfwirt eingekehrt, vor dem nun die Busse durchs Gailtal halten. Mittlerweile war es dreiviertelelf, beste Jausenzeit also, und so gab es ein Gösser, ein paar Wiaschdln mit Senft (Frankfurter sagen sie hier zu den Wienern) und hinterher einen Verlängerten. Dann auf zu Fuß ins nahe St. Daniel, dem Ort vor Kötschach.




5022 024 kehrt nach seiner langen Pause im Endbahnhof wieder Richtung Villach zurück und nähert sich St. Daniel. Wir blicken auf den Röten (1.308 m) und den Bergstock der Mussen, dahinter die Spitzen der Lienzer Dolomiten in Osttirol.




Entgegen kommt - nach der Kreuzung in Dellach um 13.00 Uhr - R 4807, welcher mit 5022 026 geführt wird. St. Daniel ist die Urpfarrei des Oberen Gailtales, erbaut auf einem Schuttkegel eines Bergsturzes, welcher sichere Lage über dem seinerzeit immer wieder überschwemmten Talboden gab.




Hinterhergeschaut ... solche Perspektiven mog i ...




Anschließend war ein ausführliches Fotoshooting unseres Gründungsmitglieds an "seinem" Haltepunkt eingeplant. Ob er wollte oder nicht, er mußte. Hochkant, quer, in Riefenstahl-Manier vor dem Reißkofel und betrieblich beschäftigt ... er gab sich wirklich redliche Mühe zu posieren ... :xcool: Wir waren alle sehr zufrieden.
Der Fernsprecher war übrigens schon länger abgebunden und außer Funktion, wahrscheinlich muß da erst ein Lieferwagen mit Wiener Kennzeichen, aber eines anderen Geschäftsbereiches kommen.


Unser Viererbande (zwei waren schon seit dem Morgen auf die Höhen um Hermagor gestiegen und betrachteten das ganze Geschehen aus abgeklärterer Perspektive ...) gönnte sich sodann ein Taxi nach Kirchbach und Rattendorf-Jenig, um auch bei den Zügen um 15 Uhr noch was reißen zu können. Wir wären sonst auf den hintersten Abschnitt festgelegt gewesen.




Die Frage war, wo es um kurz vor und kurz nach drei noch Licht am Talboden geben würde, nachdem die Sonne den Spitzen der Karnischen Alpen schon wieder bedrohlich nahe kam. Ich pokerte mit Kirchbach i/D und stieg dort aus der Droschke. Zunächst war die Dokumentation der sauber ausgeführten Arbeiten der Infrastrukturpflege erforderlich. Kreuzen braucht man hier nicht mehr, und das Ladegleis ist damit auch gleich abgetrennt, daß auch ja keiner auf die Idee kommt, hierher einen Güterwagen zu bestellen. Das Sägewerk hat nämlich bedrohlich viel Holz herumliegen ...




Die Frage ist, ob hier eine besonders kindgerechte Form von Park+Ride erprobt wurde (sicher ein EU-geförderter Modellversuch), oder die dörfliche Nachkommenschaft schon mal an die vierrädrige Straßenmobilität gewöhnt werden soll.




14.41 Uhr, 5022 029 hält als R 4827 in Kirchbach im Gailtal. Ich wollte eigentlich schräger fotografieren, doch als ich nach einer Brotzeit auf der Bahnhofsbank eine Viertelstunde vor dem Zug um die Ecke trat, stand da ganz weit hinten auf einmal einer mit aufgebautem Stativ. Näher wollte er nicht treten, im Weg wollte ich ihm nicht stehen, also blieb nur die lange Achse und die 90er Brennweite. Im Nachhinein ganz in Ordnung. Hinten die langen Schatten des Karnischen Bergzuges auf dem Gegenhang. Zehn Minuten später war die Sonne dann auch hier total weg, das Tal versank in der Dämmerung.


Die anderen hatten mit dem Sonnenpoker mehr (Rattendorf-Jenig) oder weniger (Reisach) Glück gehabt. Im Gegenzug fanden wir uns zusammen, tranken im Hermagorer Bahnhofsbüffet ein Gösser oder einen Verlängerten und fuhren dann mit dem von einer 2016 geschobenen Wendezug (einzig Abweichendes an diesem allerletzten Tag) talauf nach Kötschach-Mauthen. Weil dann (nicht nur) ich um sechs bereits den Kirchenwirt vorzog, war nur die Hälfte der Gruppe zur letzten Abfahrt mit eben jenem Wendezug, Zeitzeugen und Blasmusik drunten am Bahnhof. Die Dokumentation jenes Ereignisses mögen also die Reisegefährten hier anhängen, ebenso den aus dem Plöckenpaßtunnel ankommenden Zug vom Freitagnachmittag ;)

Wir genossen nochmals die Küche von Meister Engl, stießen kräftig an, spülten die Bitternis des Abschieds mit nichts anderem als einer Wachauer Marille (was denn sonst seit 2010!?) hinunter und tranken ein letztes Achtel vom Zweigelt am Tresen. Phänomenale Hauptversammlung des AK!

Sonntag früh um sieben erwartete uns der wohlbekannte Taxiunternehmer mit seinem Kleinbus und brachte uns über den Gailbergsattel hinüber nach Oberdrauburg am gleichnamigen Gewässer. Zweie fuhren via Spittal und Tauern nach Hause, wir vier anderen via Lienz (Verlängerten am Markt), Pustertalbahn (Pizza in Franzensfeste) und Brenner.


Gaildålerin adé, und nächstes Jahr zum Staatsbahnabschied am Heizhaus Wallern!


Euch allen hier im Forum wünsche ich ein behütetes, gutes Neues Jahr 2017,
Joachim

Antworten:

Auch noch was aus dem Gailtal 10 B.


Bild 1: ¾10 Uhr in Hermagor sind die 24 mit dem Dampfgenerator und die 26 zur Kreuzung verabredet.

Konditorei, Buchladen, ein Fabrikverkauf und der lokale Adventsmarkt der 7000er Kleinstadt werden frequentiert.
Danach gehts von 580 m über Triest den Hügel hinan bis auf 750 m und wieder hinab...


Bild 2: ...


Bild 3: ...zu den Bergwiesen bei Mitschig auf der südexponierten Seite der Gail.
Hinten die ewig lange, kunstbeschneite Abfahrt von der Madritschen nach Schlanitzen und Tröpolach über 1250m fallende Meter.


Bild 4: In Postran, wie schön slowenisch „hinter/an der...Leite, Seite, Berg, Hang...“ oder so ähnlich, trifft ½1 Uhr die 26 bergwärts ein. Die wird nun für 2 Haltestellen bis Tröpolach genutzt.


Bild 5: Ein gut gangbarer, mäßig ansteigender Forstweg hilft, nun von 600 m über Kleinbergl bis auf 850 m aufzusteigen. Das Gailtal aufwärts blickend, voraus der Bahnhof Rattendorf-Jenig.


Bild 6: Die Kulmination am Bergweiler Stattmann auf der Zwischenalm.
Dann führte der Weg wieder talwärts nach Jenig. Dort T. einen Kaffee in der letzten Bastion ländlicher Infrastruktur - einer Benzinplumpe - in sich hineinstürzend. Und beide zwei neue Fahrplanhefte des oberen Gailtals, versehen mit glühenden Vorworten der regionalen Politgewaltigen, einem Gemeindebriefkasten entnehmend.


Bild 7: Die 29 auf Bergfahrt gegen ¾3 Uhr in Rattendorf-Jenig. Die Schatten greifen ins Tal. Es wird Zeit, nochmal nach Hermagor und dann mit dem Wendezug retour zur heimeligen Schenke in Kötschach zu fahren.


Bild 8: Nächsten Vormittags in Lienz ...


Bild 9: ...die Lausitz – so fern und so nah oder "Der Sachse liebt das Reisen sehr..." (Jürgen Hart(+), 1979).
(Budissiner Solisten und das Orchester gestalten einen Wiener Operettenabend.)

Prosit Neujahr und lasset uns frohlocken...


Bild 10: Die Gailtalbahn in den frühen 1930er Jahren, dürftiger Fahrplan, aber sicher sehr lange dampflokbespannte Personenzüge.

Es war sehr schön...

von schumlau - am 02.01.2017 22:09

Allerletzte Grüße von der Gailtalerin (nochmal 15 B.)

Servus miteinander,

der Vorworte sind genug gefallen, weshalb ich nahtlos an meine beiden Vorschreiber anschließen kann. Man möge mir die eine oder andere zynische oder ironische Anmerkung entschuldigen.



Da rauscht sie also am vorletzten Betriebstag der Hinteren Gailtalerin heran, die Ratte Nummer A.030, hat sich als tagesletzter "Zug" durch den erst vor wenigen Jahren durchnagten Plöckenpaßtunnel gearbeitet, passiert die klar und deutlich ÖBB-Infrastruktur-abgeklemmte Lokomotivremise. Hätte sich nicht schon eine hohe Wolkendecke der Sonne bemächtigt, wäre sie am Freitagnachmittag hinter den Gipfeln der Karnischen Alpen versunken, deren höchste Erhebungen gnädigst flockenbestäubt waren. Den überlieferten Erzählungen nach rückte noch am folgenden Sonntagmorgen ein Lastwagen mit Wiener Kennzeichen an, um das provisorische Tunnelbauwerk auf seinem österreichischen Teilstück zuzuschütten und alle daran erinnernden Spuren restlos zu tilgen. Seit dem 11. Dezember 2016 muß zur Weiterfahrt nach Österreich in Calalzo-Pieve di Cadore-Cortina vom Zug der unerschütterlich Richtung Gebirge strebenden Trenitalia in den komfortablen Hellö-Bus umgestiegen werden. Gottlob muß auch das Lagerhaus des Alois Klauss (dessen Name auch als Herausgeber historischer Postkarten herhält) nach Meinung von Rail Cargo Austria nicht mehr mit Wagenladungen belästigt werden. Damit haben die Anwohner des gailen Tals ENDLICH Ruhe vor diesem lärmumtosten Schienenstrang. Man könnte sich die Ohren zuhalten.



Gerade noch rechtzeitig – aber unter Ausschluß der Öffentlichkeit – konnte Ratte A.030 am Morgen des 9. Dezember 2016 von der versammelten Politprominenz auf den Namen Kötschach-Mauthen/Plöckenpass (nur echt mit Doppeless) getauft werden. Spuren des Sektempfangs kleben noch an der wohlgeformten Frontpartie. Für die vorangereisten Herren der AKAK-Zunft (nur echt beim Henry am im Zug via Tauern ... und das bei Sonnenschein!), die zu o.g. Zeremonie nach einem besonders kritischen Artikel unter dem Motto „Niederösterreichische Verkehrtpolitik – Kommissar Coltello Salame übernimmt“ im LOK Report selbstredend nicht zugelassen waren, war es nun an der Zeit für die feierliche Schlüsselübergabe im Englschen Gasthause, eine kurze Ruhephase, einen Kaffeehausbesuch mit vorgelagertem Durchstöbern eines benachbarten Buchlädchens. Kurzum: Das ganze Dorf wußte nun, daß wir da waren.



Schwerer Andrang herrschte am verkehrsletzten Reisetag der Oberen Gailtalerin besonders am fahrzeugbasierten Fahrkartenvertrieb. Der Rückstau am redlich bemühten ÖBB-Verkaufsautomaten war wohl darauf zurückzuführen, daß nahezu alle Mitreisenden erst einmal in dessen zugegeben kinderleichte Bedienung einzuweisen waren. Um allerdings Fahrkarten mit entsprechendem Lokalkolorit (Kötschach-Mauthen - Watschig, Watschig - Dellach im Gailtale) erwerben zu können, war der Einsatz der FIP-Ermäßigungskarte als Joker unerläßlich. Ich fasse das jetzt mal als besondere Sozialleistung auf. Die Pudelmützenparade täuscht darüber hinweg, daß das Ratteninnere dank dickem Winterpelz vernünftig beheizt war. Draußen aber hatte der Wiener LKW bereits am frühen Morgen die Heizkörper demontiert, so daß vom alle Herzen wärmenden Gewerbegebiet bis zum Bahnsteig eine Tiefkühlzone zu passieren war.



Es geht los! Von St. Daniel, um dessen Besiedlung sich die Eisenbahn in den 1930ern noch nicht scherte (wie uns schumlau lehrte), bis nach RATTENdorf-Jenig reicht soeben die Monitorauflösung. Ich bitte darum, diesbezüglich keine Zusammenhänge herzuleiten.



Nach erfolgreicher Abnahme des Vormittagszuges der Oberen Gailtalerin an den hellen Ufern der schönen Gail und dem unverzüglichen Entern des pelzigen Fotogefäßes zur Fahrt nach Dellach im Gailtale trafen wir auf dem kurzen Fußweg zum Frühschoppen auf diesen urgemütlichen Ureinwohner, der sich allerdings jede Einmischung in innerösterreichische Angelegenheiten verbat. Auf freundliche Nachfrage hin war seine Durchlaucht aber bereit, das Fotoshooting in riefenstahluntypischer Pose über sich ergehen zu lassen. Elegant, nicht wahr? Später erwachte ihre Majestät, geküßt von den wärmenden Strahlen der Frühwintersonne, und schon am Abend ward kein Nagetier im Oberen Gailtale mehr gesehen. Mahlzeit!



Die Würschtl sind vertilgt, das Bierchen aus Göss halbgestürzt, der Verlängerte zelebriert. Auf nach St. Daniel! Am Ortsrand dann diese historische Begegnung mit BM Karl Mörtl alias "Dr. Jackson", dem jüngeren Bruder des weithin bekannten Jiří Mertl, der sich beim bihmschen Nachbarn um die optische Zierde der staatlich verwalteten Empfangsgebäude verdient macht. Den Weichenbaukasten entnahm man dem aufgelassenen Bahnhof Kirchbach im Gailtale, wo ein erster Versuch, die Anwohner vom höllischen Bahnlärm zu befreien, in letzter Sekunde scheiterte. Kollege Pröll von RCA dürfte aber aufgeatmet haben, denn der nunmehr getilgte Salamizipfel zu Kirchbach bedrohte angesichts der unübersichtlichen Holzstapel neben dem abgeklemmten Ladegleise seine Beamtenruhe. Beschwerden bezüglich dieser verfehlten "Verkehrspolitik" nimmt der darin erfahrene BM Dr. Dobrindt entgegen, der allerdings gerade mit seinem in Österreich zugelassenen Dienstwagen einige Ehrenrunden von Salzburg nach Bad Reichenhall dreht. Und wenn er nicht gestorben ist ...... Nach dem Bier ist vor dem Bier. Und vor der Marille. Nur echt aus der verkehrsoptimierten Wachau. Hicks.



Der Pelz ist ab. Jiří Mertl nutzte einen Gastauftritt, um alle Empfangsgebäude im Oberen Gailtale verkaufsfein herzurichten. Porträt- und Landschaftsfotograf Daniel T. nutzte die rattenfreie Periode am frühen Nachmittag, um den tadel- und zwecklosen Zustand für die Nachwelt festzuhalten.



Hier die Dorfpartie von Jenig aus sicherer Entfernung. Rattendorf dagegen ergab sich rücklings im tageslängenumfassenden Dauerschatten der Karnischen Alpen. Recht so.



Dann brach unabwendbar die Nacht herein. Und mit ihr kam der Mond (für die Nachtaufnahmen von Dirk recht nützlich, nicht wahr?!) und der wehmütige Abschied. Während die Hälfte der Truppe unter Angabe diverser Gründe dem Ereignis ausnahmsweise fernblieb und sich über Bett gleich ins Lokal setzte, begaben sich drei Unentwegte unter Zuhilfenahme eines alkoholangereicherten Heißgetränkes vom lokalen Mini-Weihnachtsmarkt zum Bahnhof, um den Tönen der Obergailtaler Trachtenkapelle Kötschach zu lauschen. Die Drei Damen vom Grill waren vom Programm auf dem Bahnsteig ganz angetan und gingen dem Datenvernichter ohne Widerstand sofort ins Netz. Da auch Andreas Kreuz als Beschützer aller geblendeten Automobilisten einen Sibe zur Veranstaltung schickte, stand der finalen Abfahrt nach Hermagor ja nichts mehr im Wege.



Halthalthalthalthalt, nicht so schnell! „Wo ist der ORF?!“ rief Herbert Wieser – seines Zeichens letzter Fahrdienstleiter in Kötschach – als inoffizieller Vertreter der ÖBB-Netzsparte. Ohne den Kameramann des Kärntner Regionalstudios des Österreichischen Rundfunks ging an diesem Abend auf dem proppenvollen Bahnsteig in Kötschach nichts. Zumindest nicht viel. Während also die graue Eminenz mit unnachahmlicher Mundart zu einem allerletzten Statement vor der Kamera ausholte, hatte das Orchester für einen Moment Sendepause. Gut kann man auf dem Monitor die vorherige Aufnahme erkennen, zu sehen ist dort u.a. Andreas Mühlsteiger, Obmann des „Vereins Gailtalbahn“, der sich für eine touristische Nachnutzung der Strecke Hermagor – Kötschach-Mauthen einsetzt.



Mit seiner angemessenen Kleidung, aber auch seiner stattlichen Statur, zog Herbert Wieser in den letzten Minuten vor der allerallerletzten offiziellen Abfahrt um 18.53 Uhr die Blicke ganz auf sich. Auch der extra entsandte Redakteur des AKAK trachtete nach einer passablen Aufnahme, wofür er allerdings einige Protagonisten unsanft zur Seite drängen mußte. Unter dem einsetzenden Trauermarsch „Dona vobis pacem“ und einigen Tränen entschwanden 2016.047 und Klassen schließlich in der Dunkelheit. Immerhin ließen sich auch die ÖBB nicht lumpen und schickten einen letzten richtigen Zug auf Reisen. Auch wenn die Möblierung der Stadtschüttelwaggons nicht der Weisheit letzter Schluß ist, war der gebotene Unterschied zwischen bisheriger Beförderung und nunmehrigem Reisen spürbar.



Das Licht ist aus, wir gehn nach Haus, rabimmel, rabammel, rabumm… Unsere Bande zerschnitt nach kurvenreicher Taxifahrt im leicht reduzierten Bahnhof Oberdrauburg, der von den gestrigen Ereignissen im Nachbartal nichts mitbekam. Zwar war es schweinekalt, doch mit dem Entschwinden des talentierten 4024.104 gen Spittal-Millstättersee schickte Klara ihre ersten Strahlen auf den imposanten Hochstadel.



Hatte man wirklich nichts mitbekommen, in Oberdrauburg? Auf ganz rätselhafte Art und Weise hatten sich einige Werbeblättchen des fast noch jungfräulichen Vereins Gailtalbahn zwischen die schicken Hochglanzbroschüren der ÖBB geschmuggelt, welche im geheizten Wartesaal (Hallo, DB StuS!) auf die mehr oder meist weniger schienengebundenen Angebote der Bundesbahnen aufmerksam machen. Gailtalbahn und Bus passen ja endlich auch auf wunderbare Art und Weise zusammen. Den hier dokumentierten Frevel kritischer Meinungsäußerung nehme ich allerdings nicht auf meine Kappe!



Die um 2P reduzierte Hauptreisegesellschaft wählte - wie bereits geschildert - den landschaftlich besonders attraktiven Weg über Lienz, Dolomiten und Brenner, war erstaunt über die rege Inanspruchnahme des Zuges von Lienz nach Fortezza, freute sich über die Stationsansagen im melodischen Italienisch (die viel mehr Sympathie versprühen als ihre deutschen Äquivalente), verspeiste oberleckere Mafiatorten im Hotel nebst dem Bahnhof Fortezza/Franzensfeste und wunderte sich nach bis dato pünktlicher Beförderung auch nicht wirklich über den 50-minütigen Zwangsaufenthalt in Brannenburg („Wollen wir übern Wendelstein fahren?“), da sich an klassischer Stelle (Rosenheim) Personen im Gleisbereich aufhielten. Eine wunderbare Fototrophäe hielt der Bahnhof San Candido besonders für Joachim bereit: Eine gut erhaltene kuk-Höhenmetermarke, politisch korrekt in die italienische Version transformiert, respektable 1178,221 Meter über Meeresspiegel anzeigend. Womit an dieser Stelle auch norditalienische Fotos tolerabel sind, oder nicht?!

Beste Grüße
Daniel

von brejlovec750 - am 16.01.2017 12:54

Re: Allerletzte Grüße von der Gailtalerin (nochmal 15 B.)

Moin aus Norden,

ja es war wieder eine sehr interessante Veranstaltung des AKAK. Hier nochmal eine Aufnahme des letzten Planzuges von Kötschach-Mauthen nach Hermagor.
Während ein großteil des AK kurz Richtung Pension entschwunden ist bin ich am Bahnhof geblieben.

Hier der letzte Zug während seiner Pause in Kötschach-Mauthen.



Wie hieß es doch dort in einer Zeitung? "Endlich Ruhe im Gailtal" Allerdings ist mir während unseres Fotoaufenthalts bei St.Daniel nur der Straßenlärm aufgefallen. Der Zug auch wenn es eine "Ratte" war, hat man kaum gehört. Die heutige Verkehrspolitik muß man nicht verstehen.



Bei St.Daniel

Grüße aus Norden im Norden, den am weitesten angereisten Mitglied des AK,

Dirk!

von Dirk SaDiablo - am 08.02.2017 21:25
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