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DAB Digitalradio Forum
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drahtlos, PEQsche, Jassy, Kabelfuzzi, DH0GHU, iro, Bolivar diGriz, Ihre Majestät, CBS, Spacelab, dxbruelhart

EBU für Radio (UKW)-Digitalisierung mit DAB(+) und DRM+

Startbeitrag von dxbruelhart am 27.03.2013 06:15

http://www.rein-hoeren.de/radio/drm/2013/ebu-will-ukw-digitalisieren/1704?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

EBU will UKW digitalisieren

Mario Gongolsky 26. März 2013

(Bonn/rh)
Die European Broadcasting Union (EBU) hat im Februar eine neue technische Empfehlung abgegeben. Ziel es es, das Radio in Europa zu digitalisieren. Hierzu wird empfohlen, den DAB+-Standard zu verwenden und überall dort, wo ein flächendeckendes DAB+-Netz nicht realisierbar ist, auf dem bestehenden UKW-Rundfunkband Aussendungen mit DRM+ zu ermöglichen. Ein Plan, mit zweifelhaften Erfolgsaussichten.

Über Jahre hatte man sich gewünscht, dass Europa mit einer Stimme die Digitalisierung vorantreibt. Geschehen ist fast nichts, die Hörfunkdigitalisierung wurde der Dynamik der nationalen Radiomärkte überlassen. Mit einem Euro-DAB-Chip trat erstmals eine Initiative ans Licht, dem Fortbestand von UKW eine industriepolitische Forderung in den Weg zu stellen. Die Initiative von Deutschlandradio und BBC, sich für die Verwendung digitaltauglicher Tuner-Chipsätze stark zu machen, wurde von der EBU einhellig begrüßt. Der "Euro-Chip", der bei größeren Stückzahlen nur wenige Euro kostet, sollte eine Art Mindeststandard für alle neuen digitalen Rundfunkempfangsgeräte darstellen. Vielen Radiohersteller ging das aber zu weit. Sie beklagten, der EBU-Vorstoß lasse die notwendige Technologieneutralität vermissen.

Dass die TU-Kaiserlslautern jetzt ein DRM-Kofferradio auf Basis des preisgünstigen Noxon-DAB-Stick als Prototypen vorstellt, ist wohl kein Zufall. Im Februar veröffentlichte die EBU ihre Empfehlung R 138, mit der erneut dem analogen UKW-Rundfunk ein Verfallsdatum aufgestempelt werden soll. Demnach könnten digitale DRM+-Radiosendungen neben herkömmlichen UKW-Sendern lizenziert werden. Die technische Verträglichkeit einer solchen Mischbesetzung auf UKW wurde bereits vor Jahren bestätigt. DRM+ erfordert neue Planung. Ob das Bespielen von Frequenzen mit digitalen Signalen bei der deutschen UKW-Bandbelegung tatsächlich leidlich reibungslos durchführbar ist, ist unter Fachleuten umstritten. Wahrscheinlich müsste das UKW-Netz hierfür neu geplant werden, denn das digitale Sendesignal benötigt weit weniger Sendeleistung. Das Problem wäre aller Voraussicht nach nicht die Nachbarkanaltrennung, sondern die Wiederverwendung einer digital bespielten Frequenz durch ein analoges Signal. Störungen des analogen FM-Signals durch noch darunterliegende DRM-Signalbestandteile könnten die störende Folge sein. Über solche Umsetzungsprobleme schweigt sich die EBU bei ihrer Empfehlung allerdings aus.

UKW-Digitalisierung in den USA ohne Erfolg

Dabei ist DRM ähnlich wie DAB als rein digitales System ausgelegt. In seiner Papierform ist der sanfte Umstieg vom Analog- zum Digital-Radio mit der IBOC-Lösung, die in den USA mit dem HD-Radio der Firma Ibiquity verfolgt wird, der verträglichere Weg. „HD“ steht dort nicht für etwa High Definition, sondern für Hybrid Digital. Dabei wird dem UKW-Radiosignal eine unhörbare digitale Tonspur mit aufmoduliert. Auch hier zeigt sich in der Praxis allerdings ein Störpotenzial an der Grenzreichweite des HD-Senders; die digitale Signalkomponente hat mehr Reichweite und erzeugt Störungen am Signal des analogen Frequenzwiederverwenders. Zudem kann man inzwischen bilanzieren, dass das HD-Radio in den USA etwa so erfolgreich ist, wie der erste Versuch, DAB in Deutschland einzuführen. Ein Jahrzehnt nach dem US-Start der Technik liegt der Marktanteil im Auto bei 2 %, der Bekanntheitsgrad von HD-Radio liegt bei 54 % und im stationären Bereich führen die Hörer des Public Radios – also der kleinteiligen Landschaft des öffentlich finanzierten Rundfunks, bei einer Geräte-Penetration von 6 %. Im Vergleich zum Vorjahr 2011 sind die HD-Hörerzahlen offenbar sogar wieder leicht rückläufig. Im Wesentlichen halten die Hörer an UKW und Mittelwelle fest oder verwenden gleich Tablets und Smartphones als Radioempfänger.

Kaum Stückzahlanreize für die Radiohersteller In Europa könnte DRM+ nun in diese US-Fußstapfen treten. DRM, als System zur Digitalisierung des Auslandsrundfunks auf Kurzwelle gestartet, findet keine ausreichend großen Märkte, um die Industrie zu veranlassen, geeignete Radios herzustellen. Selbst versprengte Versuche in der EU und in Brasilien das Übertragungssystem im VHF Band II (UKW) zu installieren, dürften die namhaften Hersteller noch kalt lassen. Die Frage, wie man einem hiesigen Programmmacher erklären will, warum er auf UKW in DRM+ senden soll, ohne dass es geeignete Empfänger in den Geschäften gibt, bleibt ohne schlagkräftige Antwort. Content bleibt King Wenn man aus dem zarten Erfolgspflänzchen DAB+ in Deutschkand eine Lehre ziehen kann, dann doch wohl die, dass ein abwechslungsreiches digitales Programmangebot einen wirkungsvolleren Beitrag zum Gelingen der Hörfunkdigitalsierung leistet, als alle EBU-Empfehlungen zusammen.

Mehr Informationen
EBU-Empfehlung R138 (PDF)

Antworten:

Guter Beitrag von Mario, aber was bringt das ganze noch, wo im Moment wieder alles dafür getan wird, dass in Deutschland das "zarte Pflänzchen DAB+" knallhart plattgetrampelt wird.

von Ihre Majestät - am 27.03.2013 06:33
Man kann nur hoffen, dass dieser Chip verbindlich vorgeschrieben und man dem Kasperletheater der Platzhirschen endlich ein Ende setzt!

von PEQsche - am 27.03.2013 07:08
Hm,

Zitat

Die technische Verträglichkeit einer solchen Mischbesetzung [DRM+] auf UKW wurde bereits vor Jahren bestätigt.

vs
Zitat

Ob das Bespielen von Frequenzen mit digitalen Signalen bei der deutschen UKW-Bandbelegung tatsächlich leidlich reibungslos durchführbar ist, ist unter Fachleuten umstritten.

vs
Zitat

der sanfte Umstieg vom Analog- zum Digital-Radio mit der IBOC-Lösung, die in den USA mit dem HD-Radio der Firma Ibiquity verfolgt wird, [ist] der verträglichere Weg


Naja, welche "Experten" sind es denn hier mal wieder? Abgesehen davon ist die EBU Empfehlung hier auch schon diskutiert worden.

von CBS - am 27.03.2013 09:13
Klingt für mich wieder nach furchtbarem BlaBla. Hauptsache die EBU hat mal wieder was gesagt und ein Lebenszeichen von sich gegeben. :rolleyes: Und die von CBS bereits angeführten Widersprüche lassen mich auch nur noch den Kopf schütteln.

Übrigens haben damalige Tests mit DRM+ in Kaiserslautern gezeigt das Gleichkanalbelegungen sehr problematisch sind. Nicht nur kann das digitale Signal einen analogen Sender stören. Sondern ein analoger Sender macht auch sehr schnell das digitale Signal undecodierbar.

Ich bin der Meinung das hiesige UKW Band ist für solche Spielchen einfach zu voll. Da bräuchte es schon eine komplette Zerobase. Wobei ich mir sicher bin das man dann ein Problem behebt, an anderer Stelle aber wieder ein neues entsteht. Vielerorts wollen zu viele Sender in das UKW Band.

von Spacelab - am 27.03.2013 11:13
Alles gekaufte Lobbyisten, die gegen jede Vernunft und Bedarf zwangsweise eine neue Technik durchdrücken wollen. Passt zur Brüsseler Kleptokratie und steht in einer Linie mit Glühlampenverbot und E10 Sprit.

UKW ist in den meisten Ländern pickepackevoll, die Sender stören sich gegenseitig. Klar, dass man eine Frequenzerweiterung mit einer modernen Technik verbindet, also DAB+. Gute Sache, bin ich natürlich für. Aber warum zum Teufel deswegen UKW abschalten? Darüber kann man reden, wenn die Nachfrage mal entsprechend sinkt, weil DAB+ etabliert ist. Ähnlich wie es mit dem analogen Antennenfernsehen passiert ist, als wegen Kabel und Satellit die Zuschauerzahl über Antenne im niedrigen einstelligen Prozentbereich war. Oder wie es zur Zeit mit der Mittelwelle passiert, weil sich die Ausstrahlung einfach nicht lohnt. Bei UKW ist es gegen jede wirtschaftliche Vernunft und gegen die Wünsche sowohl der Programmveranstalter als auch der Hörer, zwangsweise eine Abschaltung durchzusetzen.

Sollte UKW wirklich abgeschaltet werden, wäre ich dafür, die Verantwortlichen mit ausrangierten UKW-Radios zu steinigen.

von Bolivar diGriz - am 27.03.2013 11:44
@Exidor

Aus folgendem Grund:
Dank dem Besitzstandswahn der Platzhirsche wird ja DAB+ ausgebremst und am Etablieren stark behindert. Anscheinend verstehen einige keine andere Sprache mehr als die radikalste (Abschaltung). Es würde ja für den Anfang schon reichen, es bundesweit so zu handhaben wie in Bayern: Ohne DAB+, kein UKW.

Mich kotzt es unendlich an, wenn man nach dem freien Markt ruft wenn es zum eigenen Vorteil ist, ihn aber gleichzeitig verhindert wenn man merkt, dass man mehr Konkurrenz bekommen könnte.

Nichts anderes macht der VPRT:
Man schiebt erfundene Lügen vor, um DAB+ zu verhindern (angeblich kein Mehrwert, oder mangelnde Akzeptanz - der Markt solls regeln), die Wahrheit ist aber eine andere. Man will Konkurrenz um jeden Preis verhindern, deshalb das krampfhafte Festhalten an der veralteten, analogen Technik. Man weiss dass das Band voll ist und nahezu kein Konkurrent mehr dazu kommen kann.

Es ist einfach unendlich dreist, der Technik DAB+ mangelnde Akzeptanz und Nachfrage vorzuwerfen, wenn man doch selbst mit konsequenter Nichtbewerbung des Empfangsweges dafür sorgt, dass es keiner kennt.

Nich dreister ist es zu behaupten, DAB+ wird von denen, die es nicht kennen, abgelehnt!

von PEQsche - am 27.03.2013 12:00
Es läuft wieder mal da hinaus, dass man DRM+ vermutlich mit DAB+ ins selbe Band integrieren will, um damit unter keinen Umständen UKW den Garaus machen zu müssen.:-( Immerhin wäre es von Vorteil, wenn Band 2 und 3 durchgehend mit allen Betriebsarten zu empfangen wäre. Zur Not halt auch UKW;-). Hätte dann wenigstens den Vorteil, nach Abschaltung von UKW auch DAB+ dort betreiben zu können - sofern gewollt.

Wir haben 90% fernöstliche Empfängerprodukte, ich glaube nicht daran, dass diese irgendwelche Chips aus Europa verbauen werden - ausser sie sind billiger und besser als ihre eigenen Produkte. Dieser Europa-Chip wird vermutlich wieder einiges nicht haben, was WorldDMB für die Receiver Profiles 1-3 vorgeschlagen hat - Profile 2 wäre jedoch das mindeste, was ich erwarte, d.h. inkl. TPEG. Gegen einen vollgraphischen Bildschirm hätte ich auch nichts. Ich lasse mich mal überraschen. Ich glaube nicht, dass Deutschland noch die Verbreitung von DAB "europaweit" verhindern kann - höchstens verlangsamen. Inzwischen haben ja auch die Verantwortlichen in UK bekanntgegeben (vorgeschlagen), keine DAB- Empfänger mehr zu entwickeln.

von drahtlos - am 27.03.2013 13:30
leicht OT:

Zu allem Unglück ist der VPRT ein nationaler Verein, welcher somit auch ziemlich viel Potential gegenüber den ÖV's mitbringt, da diese alle nur kleinere Räume abdecken, mal von DLR/DLF abgesehen, welche aber wiederum kaum mehr Gewicht haben als der VRPT. In keinem anderen europäischen Land ist die Radiohierarchie so geregelt. Daher wird es Deutschland immer schwerer haben als andere Länder Digitalradio einzuführen.

Entgegengesetzt verläuft es in Frankreich, wo die kleinen Privaten (SIRTI) kaum die Macht haben, die UKW-Hierarchie der "Platzherren" zu durchbrechen und setzen daher auf Digitalradio.

Wieder anders ist es In Italien, wo die nationalen, kommerziellen Platzhirschen doch auf DAB setzen um damit den Frequenzproblemen aus dem Weg gehen zu können. Der nationalen RAI fehlt wiederum das Geld um hier mit gleichlangen Spiessen sich messen zu können.

von drahtlos - am 27.03.2013 14:13
.. Oder in die Niederlande, wo die DAB Lizenz an UKW gekoppelt ist und man die UKW Platzhirsche es möglich macht ein zweiten Sender onair zu bringen, was sehr attraktiv für die Sender ist (Radio 10 Gold, Classic FM sind da nur zwei Beispiele).

von Jassy - am 27.03.2013 14:38
Wie oft und in wie vielen Threads soll das Thema DAB Zwangseinführung und Euro-Chip eigentlich noch diskutiert werden? :rolleyes:

Wobei die Leute sich heute bei "Euro" schon denken, dass das nichts Gutes sein kann ;-)
http://www.cdu-fdp-ade.de/

von Kabelfuzzi - am 27.03.2013 16:41
Wenn Dir nicht gefällt, lies halt einfach den Thread nicht. Hast ja schon am Titel erkennen können, dass es ein Thema ist, das Dir nicht gefällt.
Ansonsten: Ich sag nur Nuhr.

von DH0GHU - am 27.03.2013 17:06
Zitat

Wie oft und in wie vielen Threads (...)

Möglichst in allen, damit Du auch ordentlich was zu meckern hast!

von iro - am 27.03.2013 19:05
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