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DAB Digitalradio Forum
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Spacelab, Nordlicht2, Habakukk, DH0GHU, RheinMain701, Felix II

Fragen zur echten Erweiterkarbeit von DAB

Startbeitrag von Felix II am 03.09.2013 04:57

Wie ausbaufähig ist das System "Digitalradio".
Was ist konkret realisierbar ? Nicht finanztechnisch sondern frequenztechnisch.

Hier im Forum liest man (sinngemäß) immer wieder: "Auf UKW ist kein Platz mehr, da kann nichts mehr sinnvoll koordiniert werden."

Aber wieviel Platz ist in den Digitalrundfunkbändern vorhanden ? Hier heißt es sehr häufig "Kein Platz im Bundesmux..." - aber es ist auch oft die Rede von einem "Bundesmux 2".

Also was geht ausbaumäßig deutschlandweit, welche Kanäle/Frequenzen sind verfügbar ?
Bundesmux 3,4,5 ....?

Wenn jetzt hier als Antwort kommt "keine...", dann hieße das ja das auch DAB ausbaumäßig -genau wie UKW- am Ende wäre...Erweiterungen nicht mehr möglich...

Freue mich auf Antworten.

Antworten:

Dazu muss man wissen wie DAB ursprünglich in Genf koordiniert wurde. Ein Bundesmux war da gar nicht vorgesehen, sondern es gab immer nur jeweils einen Ö-R-Mux und einen privaten Mux pro Bundesland (meist jeweils K12 und K11), plus regionale Bedeckungen. Alle anderen Frequenzen im Band III waren für DVB-T geplant.

Dadurch dass man DVB-T im Band III aufgab, konnten weitere Kapazitäten für Landesmuxe freigeschaufelt werden. Der Bundesmux hingegen war ein ziemlicher Krampf, für den man mehrere Regionalmuxe zusammenfassen und mit den Nachbarn einiges aushandeln musste, um wirklich einen Kanal für ganz Deutschland zu erhalten. Ein zweites Mal wird das sicher nicht gelingen, weswegen sich der Bundesmux 2, wenn er denn kommt, über mehrere Kanäle erstrecken muss.

Man kann sich freuen, dass so ein Konstrukt wie der Bundesmux überhaupt gelang, und die Kleinstaaterei nicht bei DAB wieder Einzug hielt, so wie es die Planer bei Genf vorsahen.

von RheinMain701 - am 03.09.2013 05:29
Manfred Z hat in den Tiefen dieses Forums mal eine sehr schöne Übersicht der geplanten DAB-Bedeckungen veröffentlicht. 4-5 pro Empfangsort sind durchaus normal. Das sind dann ca. 50-80 DAB+-Programme je nach Qualität und PL. Bei 32 DAB-Kanälen ist das auch realistisch. Wenn man in den größten Städten will, sind dort aber durchaus auch 10 und mehr Muxe realistisch, ist dann nur schlecht für den Overspill. Theoretisch könnte man ja zum Beispiel in München auch 7D, 8D, 9D, 11B, ... nutzen, mit entsprechend kleiner Leistung. In anderen Ballungsräumen, z.B. Paris, wird ja auch im engstmöglichen Raster *alles* belegt - in Berlin z.B. könnte man auch mal eben 32 Muxe aufschalten - theoretisch... das reicht dann für ca. 500 Programme in "Bundesmux-Qualität".
Da ich nicht glaube, dass sich selbst bei einem Komplettumstieg von UKW auf DAB+ solche Programmmengen jemals am Werbemarkt refinanzieren lassen, wage ich zu behaupten: Es gibt genug Platz für alle...

von DH0GHU - am 03.09.2013 07:13
Man kann das DAB(+) Frequenzraster schon extrem dicht belegen. Bei einem modernen Empfänger macht es auch nix aus wenn auf 7A ein sehr starkes und auf 7B ein ziemlich schwaches Ensemble sitzt. Beides ist problemlos empfangbar. Siehe die Empfangsberichte hier im Forum aus Italien.

von Spacelab - am 03.09.2013 07:19
Mit den Nachbarkanalbelegungen aber nur wenn der schwache Kanal nicht zum Versorgungsgebiet zaehlt oder wenn beide Kanaele etwa gleich stark oder gleich schwach ankommen. 7A Hamburg (8km) 7B Bremen (100km) oder 11C Hessen (5km) 11D Bayern ergibt bei Frontier Tunern immer 2-3 Balken spaeter eine Audiowiedergabe. Das entspricht einem Verlust von weiteren etwa 6dB fuer den schwachen Kanal.

von Nordlicht2 - am 03.09.2013 08:07
Prinzipiell sind wohl 7 Bedeckungen pro Region durchaus machbar. Das konnte man in entsprechenden Planungen 2007 und 2012 sehen. Es variiert nur ein wenig, wie genau man die Kanaele aufteilt:

2007: 1 x Bundesmux, 5 x landesweite Muxe, 1 x regional
2012: 2 x Bundesmux, 1 x laenderuebergreifend, 2 x landesweite Muxe, 2 x regional

Pro Bedeckung kann man bei DAB+ mit ca. 12-14 Programmen rechnen. Das ergibt theoretische 80-100 Programme pro Region, Overspill aus Nachbarregionen nicht eingerechnet.

Die Kapazitaeten waeren also locker da fuer grosse Programmvielfalt.

Problematisch ist jetzt nur der Aufbau all dieser Kapazitaeten. Durch die Paketstruktur muss man ja zwangsweise gut 1 Dutzend Programme in ein Boot holen. Vor einiger Zeit ergab das die Situation, dass es fuer einen Bundesmux zu viele Interessenten gab, fuer 2 Bundesmuxe aber noch zu wenige, weshalb der zweite bisher nicht zustande kam.

Ein Paket nur mit wenigen Anbietern zu belegen, ist insofern problematisch, da man die Verbreitungskosten fuer das Gesamtpaket dann auf weniger Beteiligte aufteilen kann, fuer den einzelnen Anbieter wird es also umso guenstiger, je voller so ein Paket wird.

Da die Beteiligten oft unterschiedliche Interessen haben, macht das den Aufbau nicht einfacher. Die Privaten im Bundesmux tendieren eher zum Sparen und wuerden gerne nur die noetigsten Sender in Betrieb nehmen, waehrend das Deutschlandradio ueber die noetigen Mittel verfuegt und gerne moeglichst bald die Vollversorgung haette. Da muss man dann Kompromisse finden.

von Habakukk - am 03.09.2013 08:33
Zitat

7A Hamburg (8km) 7B Bremen (100km) oder 11C Hessen (5km) 11D Bayern ergibt bei Frontier Tunern immer 2-3 Balken spaeter eine Audiowiedergabe. Das entspricht einem Verlust von weiteren etwa 6dB fuer den schwachen Kanal.

Das ist aber das Resultat der billigen Frontier Silicon Tuner. Ein NXP Tuner hat damit keine Probleme. Leider werden diese bisher nur in Autoradios verbaut. NXP kündigt zwar schon seit ner gefühlten Ewigkeit "Low Cost" Tuner für normale Kofferradios an aber bis jetzt ist da nix herausgekommen. Und dann ist da eh die frage ob diese noch so gut sind wie ihre teuren Kollegen aus den Autoradios.

von Spacelab - am 03.09.2013 09:53
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