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vor 2 Jahren, 2 Monaten
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Spacelab, PowerAM, Japhi

*Testbericht* Roberts Revival BluTune

Startbeitrag von Spacelab am 23.12.2015 11:14

Mein Bürokollege hat seine neueste Errungenschaft, ein "Roberts Revival BluTune", mitgebracht. Er selbst war von dem Gerät sehr enttäuscht. Vor allem wenn man den sehr saftigen Kaufpreis von 299€(!) bedenkt.

Design/Verarbeitung/Funktionen: Das Design ist natürlich Geschmackssache. Auf mich wirkt es aber übertrieben Retro. Oder anders ausgedrückt: altmodisch! Die Verarbeitung ist aber durchaus gut. Alles sitzt perfekt und nichts rappelt. Vor allem der Kunstlederbezug fühlt sich wertig an. Lediglich die Druck- und Drehknöpfe fallen hier total aus dem Rahmen. Diese wirken beim anfassen nämlich sehr billig und die Potis wackelig.

Das Display ist unter winkel recht schwer zu lesen. Man muss schon gerade von oben drauf schauen. Vor allem wenn Laufschrift durchtickert.

Die Teleskopantenne ist per F-Stecker mit dem Radio verbunden. Der Plastikklips der die Antenne hält scheint aber nicht besonders gut befestigt zu sein und wackelte schon von Anfang an wie ein Kuhschwanz.

Entgegen der Beschreibung auf der Roberts Internetseite ist das Netzteil nicht eingebaut sondern, wie bei anderen Radios auch, ein normales Steckernetzteil (7,5 Volt 0,8mAh). Leider ist dieses von der recht billigen Sorte und stört den Empfang ohne Ende. Wesentlich besser ist es wenn man das Radio mit 4 Mono (Typ "D" ) Batterien bestückt. Dazu muss man an der Seite eine Metallklemme lösen und dann kann man die komplette Rückwand aufklappen. Dann liegt, sehr bastlerfreundlich, die komplette Elektronik vor einem. :D Das ist allerdings auch ein riesen Nachteil. Aber dazu kommen wir später... Positiv ist anzumerken das die Batterien schier ewig halten. Roberts gibt eine Laufzeit von 100 Stunden an. Laut meinem Kollegen kommt das mit 4 Alkaline Batterien (Aerocell von LIDL) auch locker hin. Akkus mag das Gerät eher weniger. Hier schaltet das Radio bereits nach wenigen Stunden einfach kommentarlos ab. Laut Batterieladegerät sind die Akkus (eneloop) aber noch gut 3/4 voll. :sneg: Die "Low Batt" LED funktioniert nicht so wirklich. Bei Alkaline Batterien flackert sie nur ein paar mal kurz bevor das Radio abschaltet und bei Akkus gibt sie gar kein Lebenszeichen von sich.

Das Gerät besitzt einen Line-In auf der Oberseite neben dem Kopfhöreranschlusss. Einen Line-Out findet man auf der Rückseite. Das Verbinden über Bluetooth funktioniert in sekundenschnelle. Einen NFC Tag zum "dranhalten und fertig" gibt es nicht. Die Bluetoothverbindung hat eine ungewöhnlich geringe Reichweite. Verlässt man mit dem Smartphone den Raum, schweigt das Radio fast sofort. Eine apt-X Verbindung ohne Klangverlust wird nicht unterstützt.

Empfang: Auf DAB+ höchstens durchschnittlich. Bei schwachen Muxen reagiert das Roberts Radio schon auf kleinste Standortveränderungen. Sogar ein anfassen des Radios lässt die Signalstärkeanzeige heftig zucken. UKW ist auch nicht viel besser. Die Trennschärfe ist zwar sehr gut, aber die Empfindlichkeit dafür eher schlecht. Verbaut wurde ein Tunermodul von Gyrosignal. Allerdings, oh Wunder, gab es nicht die von diesen Modulen bekannten Tonstörungen. Anscheinend hat man bei Gyrosignal hier nachgebessert und nach Jahren des Müll produzierens endlich einen fehlerfreien Audiodecoder implementiert. Der Empfang ist aber um Welten von einem FS Verona entfernt.

Klang: Also zuerst einmal, das Radio ist nur Mono. Was in Anbetracht des unverschämten Preises von 300 Euro eine Frechheit ist. Getoppt wird das ganze aber noch vom Klang des verbauten Lautsprechers. Dumpf, pappig, nahezu null Bass. Dazu verzerrt der Ton auch noch sehr schnell wenn man etwas lauter macht. Das liegt wohl an der extrem mageren Verstärkerleistung von gerade mal 1x 1 Watt. Das ist wohl der Tribut an die sehr lange Batterielaufleistung. Ebenfalls sehr negativ auf den Klang wirkt sich die so einfach aufklappbare Rückwand aus. Hier pfeift der Ton aus jeder Ritze. :rolleyes:

Fazit: Das Radio ist mit 300 Euro total überteuert. Die Verarbeitungs- und Anfassqualität ist zwar, von den Drehknöpfen mal abgesehen, sehr hochwertig. Aber die Technik ist totaler Mist und auf dem Niveau eines 50 Euro 08/15 Kofferradios.

Antworten:

Die Anfassempfindlichkeit koennte vom schlecht entstoerten Netzteil kommen. Netzteile mit 7,5 V und etwa 1 A bekommst du als sparsames und eben nicht stoerendes Schaltnetzteil-Steckernetzeil bei Max & Max (Pollin) fuer ein paar Silberlinge. Probeweise in das Kabel zwischen Netzteil und Radio zwei Ferritkerne integrieren, das Kabel jeweils mehrmals durchfaedeln.

Fuer 300 EUR erwarte ich allerdings in der Preisklasse eines Tischradios deutlich mehr. Fuer diesen Kurs sind bereits von namhaften Herstellern deutlich besser klingende Kompaktanlagen mit DAB+ zu haben. Bluetooth hat leider nicht jedes Geraet, da muss man etwas mehr suchen. Eine Fernbedienung, RDS/Radiotext, USB-Unterstuetzung, eine Uhr und nicht selten auch ein Wecker gehoeren gewoehnlich zum Umfang der Ausstattung.

Empfehlung: Den gekauften Truemmer zurueckgeben!



Ersatzkaufempfehlung: Die Philips BTB7150/10 kaufen! Kann alles, was in deinem Beitrag gefordert bzw. gewuenscht wurde, auch NFC! Ueber USB angeschlossene Geraete duerfen bis 1 A zum Laden oder fuer ihre Stromversorgung begehren. Ein angeschlossenes Telefon wurde geladen, eine tragbare Festplatte lief. Die Verarbeitung wirkt wertig, auch bei dieser Anlage wackelt und klappert nichts. Die Fernbedienung ist in den Grundfunktionen blind bedienbar, also Lautstaerkeaenderungen oder Sender- bzw. Quellenwechsel gelingen ohne einen Blick auf die Tasten.

Ich kann die genannte Anlage guten Gewissens und sogar mit den mitgelieferten Lautsprechern empfehlen, sie steht ab morgen bei meinen Eltern in der Stube. ;) Mehr als DAB aus Berlin ist bei mir nicht zu machen, alles andere ist ohne aufwendigere Antenne entweder zu weit weg oder zu weit weg und noch dazu ausgeblendet. Der UKW-Empfang ist zeitgemaess, der Tuner empfindlich und erstaunlich trennscharf. Bei Fernempfang (bei mit z. B. die Sender vom Helpterberg am noerdlichen Berliner Stadtrand) hoert man den DSP-Tuner bei stark einfallenden Nachbarkanalbelegungen fleissig ackern, er beruhigt sich aber, sofern sich die Empfangsbedingungen nicht staendig aendern. Bei starken Signalpegelschwankungen (Fading) wirkt sich das zusaetzlich auf die Wiedergabelautstaerke aus. Diese dumme Eigenart haben fast alle DSP-Tuner. Im konkreten Fall waere der Empfang damit aber nicht mehr das, was wir umgangssprachlich als "beifahrertauglich" beschreiben wuerden. Die Uhr stellt sich selbst ueber RDS-CT oder ueber DAB.

Aktuell notieren die Preise zwischen 250 und 299 EUR. Lass' aber erstmal Weihnachten und den Jahreswechsel mit dem Einloesen der verschenkten Gutscheine vorbei sein und dann guckt nochmal...

von PowerAM - am 23.12.2015 13:00
Mit dem Netzteil hatte das nichts zu tun. Das haben wir nach dem ersten Test gleich in die Ecke geschmissen. Die Anfassempfindlichkeit passierte genauso mit Batterien. Es ist ja schon ein Unding das bei einem so teuren Gerät ein absolut unbrauchbares Netzteil mitgeliefert wird.

Die Philips Anlage ist ja schön und gut. Aber leider nicht mit Batterien zu betreiben un nicht zum Mitnehmen.

von Spacelab - am 23.12.2015 15:09
Ach so, wenn's zum Herumtragen sein sollte... :gruebel:

von PowerAM - am 24.12.2015 08:00
Ich warte ja immer noch auf das Sangean DPR-202BT. Ich habe das Teil auf einer Messe hören können und es ist nahezu unglaublich was da für ein Sound aus dem kleinen Teil heraus kommt. Endlich hat mal jemand die gleiche Technologie benutzt wie bei den tragbaren Bluetooth Lautsprechern zum Einsatz kommt. Also aktiver DSP, passiv Membranen... Leider kommt aber Sangean mit dem Verkaufsstart nicht aus dem Ei. Eigentlich sollte es vor Weihnachten erhältlich sein. Aber der Termin verschiebt sich immer weiter nach hinten. :rolleyes:

von Spacelab - am 24.12.2015 08:26
Bei deinem Glück ist das genauso schrottig :D

von Japhi - am 24.12.2015 09:16
Auf der Messe war es ganz gut. Aber das war ja auch noch ein Vorserienmodell.

Aber prinzipiell hast du schon recht. Es ist erschreckend wie viele schlechte Radios es auf dem Markt gibt und selbst wenn man richtig Geld in die Hand nimmt bekommt man nur den gleichen Schrott wie bei einem 50 Euro Chinakracher. Nur in einem schöneren Gehäuse verpackt. :rolleyes:

von Spacelab - am 24.12.2015 09:57
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