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Bundesratsinitiative für Digitalradio DAB+ - ab 2019 DAB+ Geräte Verkaufspflicht ?

Startbeitrag von uhf am 11.09.2016 12:20

Quelle:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesratsinitiative-fuer-Digitalradio-DAB-3317918.html

Bundesratsinitiative für Digitalradio DAB+

Der Kulturausschuss des Bundesrats macht sich für Digitalradios stark. Er empfiehlt, von 2019 an im Wesentlichen nur noch solche Geräte zum Verkauf zuzulassen.

Mit einer Empfehlung für Radiogeräte, die dem neuen Digitalradio-Standard DAB+ genügen, möchte der Kulturausschuss des Bundesrats den Digitalfunk stärken. Folgt der Bundesrat dieser Empfehlung, würde es das Aus für traditionelle UKW-Empfänger beschleunigen, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe (37/2016).

Das Land Rheinland-Pfalz hatte im August einen Antrag auf Änderung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) in den Bundesrat eingebracht, nach dem Hersteller verpflichtet werden sollen, nur noch DAB+-fähige Radios in den Handel zu bringen. Der Kulturausschuss hat dem rheinland-pfälzischen Antrag in dieser Woche mehrheitlich zugestimmt. Noch sei allerdings offen, ob der Bundesrat ihm folgt, denn die Änderung der TKG-Novelle sei nicht zustimmungspflichtig, berichtet der Spiegel.

Hilfe der Politik benötigt

Der Trend zum Digitalradio war auch Thema auf der IFA 2016. Die ARD-Vorsitzende Professor Karola Wille betonte dort, dass die Politik die Digitalisierung des Hörfunks regulierend begleiten müsse und sagte: "Die stetig steigenden Verkaufszahlen für DAB+-Geräte in Deutschland und der stark forcierte Ausbau des Sendernetzes für terrestrisches Digitalradio zeigen, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Die Marktbeteiligten haben sich in einer Koalition zusammengeschlossen, um die Roadmap auf dem Weg zum Standard DAB+ zu beschreiben. Für den regulatorischen Rahmen auf diesem Weg benötigen wir aber auch die Hilfe der Politik." (dpa) / (dwi)

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Es wäre jedenfalls an der Zeit, dass dieser Vorschlag umgesetzt wird. Alleine schon um für Zukunftssicherheit zu sorgen und damit auch Elektroschrott zu vermeiden wenn man weiß, dass von der 20-Euro-Billigtröte bis zur HiFi-Anlage alle Geräte UKW und DAB+ beherrschen. Es darf nicht sein, dass mit DAB+ in vielen Geräten ein mittlerweile fest etablierter Wellenbereich oftmals immer noch weggelassen wird.

Alternativ zur Herstellerverpflichtung könnte man auch die Händler verpflichten, nur noch DAB+-fähige Geräte zu ordern und zu verkaufen.

Als DVB-T eingeführt wurde, gab es ja eine ähnliche Regellung, die keinem geschadet hat.

von PEQsche - am 11.09.2016 13:35
Zitat
Terranus
Ganz dumm ist das nicht. In Frankreich hat man das schon öfters gemacht, dass Geräte zwangsweise ausgestattet sein mussten.


...und jetzt sieht es so aus, dass Frankreich mit DAB+ wieder ähnlich machen könnte, jedoch wird das möglicherweise noch ein paar Jährchen dauern. Seit jetzt 7 Programme von Radio France testweise in Paris senden (inkl. Slideshow), kommen bereits die ersten Gerüchte auf. Vor den Testaussendungen von Radio France, gab es kaum einen Hinweis für ein solches Vorgehen.

von drahtlos - am 11.09.2016 15:07
Zitat
Chief Wiggum
Gab es wirklich in Deutschland so eine Regelung? Noch nie was von gehört.
Unterschied bleibt aber destotrotz, das es keine parallele Analogaustrahlung gab.


Es gibt da die EU-Richtlinie 2002/22/EG "Nutzerrechte bei elektronischen Kommunikationsnetzen und -diensten". Im Artikel 24 wird die "Interoperabilität der für Verbraucher bestimmten Digitalfernsehgeräte" gefordert. Siehe auch Anhang "VI".

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex%3A32002L0022

Oder auch

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX:32002L0019

von Loger - am 11.09.2016 17:29
Zitat
PEQsche
Hauptsache ein unnötiger, nichtssagender und provokativer Post, gell?

Achja: :rolleyes:

Wie du sicherlich weißt habe ich sicherlich nichts gegen DAB. Wie übrigens viele die hier zum Anti-DAB-Lager gerechnet werden.
Was hier nicht angeht und wieso ich das überhaupt geschrieben habe: Es auch noch nachträglich so hinzustellen als wären dies für eine Technik, DVB-T, sinnvoll gewesen die jetzt schon wieder durch eine andere ersetzt wird, DVB-T2. "Das ist dann zukunftssicher, müßt ihr kaufen, das alte analoge Klapperzeug schalten wir ab", so hätte/hat man es dann wohl Anfang der 00er Jahre formuliert.
Aber vermutlich ist es bei D2MAC oder ADR, hatte ich übrigens auch, nur deshalb nicht zum großen Durchbruch gekommen... Und nochmals nein: DAB ist durchaus sehr zweckdienlich. Ich will auch damit nicht darauf spekulieren, daß man hier vielleicht irgendwann gar einen Ersatz durch den Mobilfunk anstrebt. Mit dem derzeitigen Stand (Netzausbau, Volumen) behalte ich da lieber DAB.
...aber macht nur, so schreibt man auch DAB in Grund und Boden :rolleyes: . Ich nutzte dann oder auch sonst weiterhin begeistert DVB und UKW :rp: .

von Thomas (Metal) - am 11.09.2016 18:14
Ich habe dich nicht in irgendein Lager "eingeteilt". Entsprechend hitzig geführte Diskussionen sind zum Glück auch schon einige Zeit her.

Hier geht es lediglich darum, ob man Hersteller dazu verpflichtet, alle in Deutschland bzw. EU verkauften Geräte für DAB+ nutzbar zu machen.

Da DAB+ immer mehr ins Rollen kommt, finde ich persönlich, dass das (vor allem im Gegensatz zu einem UKW-Abschaltdatum) in jedem Fall ein gangbarer Weg mit den wenigsten "Nebenwirkungen" ist.

von PEQsche - am 11.09.2016 18:49
Zitat
PEQsche
@theArno80

Wir reden von einem Marktanteil von derzeit knapp unter 15%. Die Tendenz zeigt klar nach oben. Das weißt du übrigens ganz genau. Die Art und Weise, wie du kommentierst, sagt aber alles. Ist ja nicht das erste mal.


Ich lasse dich doch träumen oder etwa nicht? Darfst du ruhig. Ich darf doch auch ne Meinung haben. Und ich glaube nicht an derartige Zahlen. Allein schon wie das Ganze auf der IFA schöngeredet wurde...naja, das wird schon.

von theArno80 - am 11.09.2016 20:28
Natürlich ist das gut. Das wird ja auch mal Zeit, denn wirklich etabliert hat sich dab wohl kaum. Das kennen immernoch die wenigsten. Auch wenn die Macher das anders sehen und mit irgendwelchen Zahlen um sich werfen. Ich würde es super finden wenn dab mehr beworben wird. Nur bei jetziger Bekanntheit, würde ich nicht von solch drastischen Maßnahmen sprechen.
Also wenn man sich mal umsieht findet man die wenigsten, die dab überhaupt kennen. Und das ist echt kein Wunder. Mein Nachbar fährt einen Qashqai mit einem dab Radio. Er wusste davon nichtmal, bis ich ihm das nach zwei Jahren gezeigt habe.
Außerdem sollte sowas EUweit durchgezogen werden. Solange es Länder gibt in denen dab fast noch garnicht auf Sendung ist, darf man einem Hersteller doch nicht das UKW Radio verbieten.

von theArno80 - am 11.09.2016 20:49
Ob die auf der IFA veröffentlichten Zahlen wirklich zu 100% genau so stimmen, klar, sei einerseits zwar mal dahin gestelllt, dennoch sind dies die relevanten Zahlen für den Digitalisierungsbericht und damit für die KEF vor allem interessant. Und je besser die Zahlen für DAB+ sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es auch weiterhin genug Geld für den Ausbau gibt.

Andererseits: Wenn die Zahlen eher aus Sicht der Pessimisten stimmen sollten, würde man doch nicht den zweiten BM durchboxen. Auch der Bundesmux existiert nach wie vor und wird kräftig ausgebaut (2012/2013 und 2014 war beides noch alles andere als sicher). Da gab es nämlich noch ganz andere Stimmen zu DAB+.

Mit Ausnahme des 12D in Bayern (dort gibt es allerdings jetzt schon eine riesen Vielfalt und damit Konkurrenz) findet man auch immer wieder Nachrücker für ausgeschiedene Sender.

von PEQsche - am 12.09.2016 05:40
Zitat
theArno80
Außerdem sollte sowas EUweit durchgezogen werden. Solange es Länder gibt in denen dab fast noch garnicht auf Sendung ist, darf man einem Hersteller doch nicht das UKW Radio verbieten.


Es will doch mit dieser Initiative niemand UKW verbieten, sondern es soll nur vorgeschrieben werden, dass mit neuen Geräten auch DAB+ empfangen werden kann.

Jedesmal wenn ich in den Grossmärkten noch Radios mit MW sowie mglw. noch LW neben UKW entdecke, bin ich kurz davor die Interessenten anzusprechen. Wie sagte mir ein Verkäufer, der dabei stand: "Klar können sie da keine deutschen Sender mehr empfangen, aber unsere hohen Lagerbestände müssen auch schliesslich raus, genauso wie bei den Lieferanten ..." Sowas grenzt für mich schon fast an bewussten Betrug!!

von Eckhard. - am 12.09.2016 08:24
http://www.europarl.europa.eu/brussels/website/content/modul_05/start.html
Zitat

Freier Warenverkehr: Im Binnenmarkt darf nichts den Austausch von Waren über die Grenzen behindern. Vor allem Zölle und mengenmäßige Beschränkungen oder Maßnahmen gleicher Wirkung sind verboten (Art. 28 bis 32 AEUV). Waren, die in einem Staat des Binnenmarktes nach dort geltenden Vorschriften hergestellt worden sind, dürfen in jedem Staat des Binnenmarktes verkauft werden, auch wenn dort andere Vorschriften gelten.


Zitat

Artikel 29 AEUV
Als im freien Verkehr eines Mitgliedstaats befindlich gelten diejenigen Waren aus dritten Ländern, für die in dem betreffenden Mitgliedstaat die Einfuhrförmlichkeiten erfüllt sowie die vorgeschriebenen Zölle und Abgaben gleicher Wirkung erhoben und nicht ganz oder teilweise rückvergütet worden sind.


NUR die EU kann reine UKW-Radios verbieten! Deutschland kann das nicht im Alleingang machen.

von iro - am 12.09.2016 11:24
Einerseits keine schlechte Idee. Im lokalen "Geiz-Markt" ist das Angebot an DAB+-tauglichen Empfängern in den letzten Monaten drastisch *zurück* gegangen, mit Ausnahme von Autoradios, wo inzwischen, abgesehen von den Billigheimern, alle DAB+ können. Auf der anderen Seite gab es noch in den 1980ern im Billigstpreissegment noch Transistorradios, die nur Mittelwelle können, ebenso wie es zu niedrigsten Preisen bis zur Abschaltung von Analog-TV auch noch Schwarzweißfernseher für rund 30 Euro kaufen konnte. Warum auch nicht? Muss doch jeder selber wissen. Zumal es, anders als beim analogen Fernsehen, für UKW keinen Abschalttermin gibt.

von Bolivar diGriz - am 12.09.2016 11:25
Zitat
Bolivar diGriz
Auf der anderen Seite gab es noch in den 1980ern im Billigstpreissegment noch Transistorradios, die nur Mittelwelle können, ebenso wie es zu niedrigsten Preisen bis zur Abschaltung von Analog-TV auch noch Schwarzweißfernseher für rund 30 Euro kaufen konnte. Warum auch nicht? Muss doch jeder selber wissen. Zumal es, anders als beim analogen Fernsehen, für UKW keinen Abschalttermin gibt.


Eine wie auch immer geartete Vorschrift, wenn sie denn tatsächlich irgendwann einmal nach einer großzügigen Übergangsfrist kommen sollte, wird auch sicher nicht alle Geräte betreffen bzw. den Verkauf von reinen UKW-Billigheimern verbieten. Ist ja z.B. bei Fernsehern auch so, da sind meines Wissens auch nur Geräte ab einer gewissen Bildschirmgröße davon betroffen. Die 10-Euro-Radiowecker, welche sowieso meist nur als Uhr betrieben werden, wird es dann sicher auch noch geben.

Ich könnte mir vorstellen daß solch eine Vorschrift dann z.B. nur fest eingebaute Radiogeräte betrifft (z.B. in modernen Autos wo das Radio ja praktisch nicht mehr austauschbar ist) oder Geräte ab einem gewissen Preis (z.B. teure HIFI-Tuner, welche ja in der Regel über einen sehr langen Zeitraum betrieben werden). Bei solchen Geräten macht ein gewisser Investitionsschutz ja durchaus Sinn.
Wer sich heute für teuer Geld einen Neuwagen mit fest integrierten Navi+Soundsystem kauft möchte sicher die Gewissheit haben daß er seine Investition auch noch in 15 Jahren nutzen kann.

von Loger - am 12.09.2016 15:21
stefsch: Wieso ist es dafür zu spät?

iro: Erfahrungsgemäß werden Hinweise auf die gültige Rechtslage von Forenexperten geflissentlich ignoriert, da Fakten eher störend wirken. Es wäre allerdings tatsächlich angebracht, das Thema zumindest beim Thema Radios in KFZ europaweit anzugehen, da ansonsten europäische Konsumenten z.B. bei Fahrten im EU-nahen nichteuropäischen ;) Ausland (Schweiz, Norwegen, Britannien) mittelfristig ein Problem haben könnten (Stichwort UKW-Abschaltung), und sowas durchaus sicherheitsrelevant ist (Stichwort Tunnel-Informationssysteme, Warnmeldungen, etc).

Ansonsten: das wäre alles nicht so schlimm, wenn die "Geiz-ist-Geil"-Kunden, die heute aus Unwissenheit oder Sparsamkeit auf DAB verzichten, dann in 10 Jahren nicht so laut schreien würden, falls der Lieblingssender auf UKW abschaltet. Gerade die werden schreien. Deshalb wäre eine derartige Regelung auf EU-Ebene durchaus sinnvoll.

von DH0GHU - am 12.09.2016 17:19
Ja, solche Kunden gibt es, habe ich selbst schon beobachtet.
Das war knapp ein Jahr oder ein dreiviertel Jahr vor der Abschaltung der letzten analogen TV-Programme auf Astra, also zu einem Zeitpunkt als der definitive Abschaltzeitpunkt bereits feststand und in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde.
Als ich damals im örtlichen Blödmark war konnte ich beobachten wie ein Pärchen den Verkäufer explizit nach einem analogen Sat-Receiver fragte. Auf die Frage des Verkäufers wozu das denn noch meinten sie daß sie unbedingt (!) noch einen analogen Receiver bräuchten weil sie noch eine alte Schüssel hätten welche sie nicht austauschen möchten...
Damals kostete ein einfaches Single-LNB schon unter 20€.

von Loger - am 12.09.2016 17:51
Zitat
B.Zwo
Was soll all diese regulatorische Wut? Lasst doch den Markt entscheiden. Früher musste man auch entscheiden ob man Ostzone in Farbe haben wollte oder nicht. Da gab es auch kein Zwangs-Secam!


Im Prinzip richtig, sehe ich auch so.
Allerdings kommt irgendwann der Moment, da muss man technisch unbedarfte Menschen davor schützen, etwas zu kaufen, was wenig später nicht mehr nutzbar ist.
Allerdings ist diese Zeit bei dab+ noch lange nicht gekommen, da nicht klar ist, ob das System überlebt. UKW wird es noch mindestens bis 2035 geben.

Bei dvb-t wurde das auch mal vorgeschrieben.
Ergebiss: Seit vielen Jahren haben die Flat-TVs dvb-t Tuner....bloss jetzt, nach nicht mal 10 Jahren ist der bald unbrauchbar....warum soll das bei dab+ anders laufen und des kommt dab2+ oder dab++. Die Industrie möchte uns gerne alle 10 Jahre neue Geräte verkaufen...

von vossi68 - am 12.09.2016 19:52
Zitat
DH0GHU
stefsch: Wieso ist es dafür zu spät?
Fast schon zu spät...nicht zu spät :xcool:.

Weil wir gerade das Doppeljubiläum: 20 Jahre DAB - 5 Jahre DAB+ "feierten". Und weil es in diesem Land Tradion hat, die Industrie erstmal ihre Halden abzuverkaufen lassen, um dann festzustellen, das die Ware eigentlich nicht mehr "verkehrstauglich" ist. Dann wird (vielleicht) auf "steuerzahlergeldkosten" eine Abwrackprämie ausgelobt, damit wir nochmal neue Ware erwerben...Die Industrie freuds. Denn normalen Menschen nicht. Der ist heute nicht mehr in der Lage (im Gegensatz zu den meisten hier) zu überblicken ob er aktuelle (zukunftstaugliche) Ware erworben hat.
Was spricht dagegen, dass der Staat schon beim Verkauf darauf achtet, dass der Kunde brauchbare, rechtskonforme Ware bekommt, anstatt ihm bei verlassen des Ladens zu sagen: "mit diesem Radio hast du bald kein Empfang mehr" oder eben: "gratuliere zum neuen KFZ. Leider hat es doch zu hohe Abgaswerte und darf nicht mehr (so lange) benutzt werden....

stefsch

von stefsch - am 13.09.2016 07:15
Zitat
stefsch
Die Industrie freuds. Denn normalen Menschen nicht. Der ist heute nicht mehr in der Lage (im Gegensatz zu den meisten hier) zu überblicken ob er aktuelle (zukunftstaugliche) Ware erworben hat.

Ein sehr wichtiger Punkt! Ihr dürft nicht immer nur von den "Freaks" hier im Forum ausgehen. Onkel Ernst und Tante Frieda blicken da schon lange nicht mehr durch. Einer meiner Nachbarn meinte neulich beim gemeinsamen Grillen das er sich einen neuen Fernseher kaufen will aber da absolut nicht mehr durchblickt. Auch das wälzen von Fachmagazinen brachte ihn nicht weiter. Ganz im Gegenteil. Er wollte einen Fernseher mit DVB-S und DVB-T Empfang. Beinahe hätte er sich einen Fernseher mit DVB-T(alt) andrehen lassen. Durch einen Zufall erfuhr er von DVB-T2 und dass das alte DVB-T irgendwann abgeschaltet wird. Als dann der neue Fernseher geliefert und angeschlossen wurde zeigte sich das dieser, trotz riesen Aufkleber auf dem Gehäuse und der Verpackung, gar kein DVB-T2 empfängt. Denn wir in Deutschland benutzen ja eine andere Version von DVB-T2. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Da blickt doch ein normal sterblicher gar nicht durch.

Der Fernseher wurde übrigens extra teuer bei einem alt eingesessenen Radio/Fernsehgeschäft gekauft weil man glaubte hier tatsächlich fachkundige Beratung zu bekommen und weniger über den Tisch gezogen zu werden wie in einer Blödmarkt Klitsche.

Zitat
Nordlicht2
Auf der zukunftstauglichen Ware ist das DAB+ Logo drauf. Einfacher geht's nun wirklich nicht.

Jetzt muss man den potentiellen Käufern nur noch eintrichtern dass das auch wirklich zukunftstauglich und nicht nur wieder "der neue heiße Scheiß" von irgendwelchen Marketingfuzzies ist von dem nächstes Jahr schon keiner mehr etwas wissen will.

von Spacelab - am 13.09.2016 07:43
Zitat
Spacelab
Zitat
Nordlicht2
Auf der zukunftstauglichen Ware ist das DAB+ Logo drauf. Einfacher geht's nun wirklich nicht.

Jetzt muss man den potentiellen Käufern nur noch eintrichtern dass das auch wirklich zukunftstauglich und nicht nur wieder "der neue heiße Scheiß" von irgendwelchen Marketingfuzzies ist von dem nächstes Jahr schon keiner mehr etwas wissen will.


Damit hat man am ARD Thementag begonnen und das wird sicher fortgesetzt werden.
Es gibt aber generell eine Abneigung digitale Technik zu kaufen die nicht wirklich schon gebraucht wird. Die grosse Ausnahme sind Handys aber selbst da ist der Kaufzwang stark ruecklaeufig. Der Begriff 'zukunftssicher' ist irgendwie noch nicht in 'Anzahl Jahre' definiert worden. Das ist aber wohl das was wirklich ueberzeugen koennte.

von Nordlicht2 - am 13.09.2016 08:11
Die "Erneueritis" bei Handys hat doch auch vor allem drei Antriebe:
- Kostenloses Handy bei Vertragsvelängerung
- Wachsender Resourcenhunger der Apps und Betriebssysteme und dadurch schleichende technologische Obsoleszenz (bis hin zur Nichtmehrunterstützung alter Plattformen).
- Langsamer Akku-Tod nach ca. 3 Jahren und gleichzeitige Nichtaustauschbarkeit von Akkus.
Ausnahmen sind ein paar % Freaks in der Bevölkerung.

Bei DAB+ und DVB-* gibt es diese Erneuerungsgründe nicht bzw nur partiell (HD, HD+, HD++++++++++ bei TV).

von DH0GHU - am 13.09.2016 08:42
Zitat

Kostenloses Handy bei Vertragsvelängerung

Kostenlos ist hier aber zu viel gesagt. Das Handy bezahlt man dann über einen teuren Vertrag. Oder man lässt sich ein Handy andrehen das zu dem Zeitpunkt schon so gut wie veraltet ist. Mein Vater ist nämlich aktuell in der Situation das sein alter Vertrag ausläuft und er nun auch ein neues Handy will.

Zitat

Langsamer Akku-Tod nach ca. 3 Jahren und gleichzeitige Nichtaustauschbarkeit von Akkus.

Das ist ein Punkt über den ich mich jedesmal aufregen könnte. Ein Teil das so stark belastet wird wie der Akku ist bei immer mehr Geräten nicht mehr einfach so austauschbar. Ist er wirklich mal kaputt kann er nur noch von einem Spezialisten ersetzt werden und das kostet meistens mehr als das Gerät bei aller Liebe noch wert ist.

von Spacelab - am 13.09.2016 08:54
Zitat
iro
Zitat

Das ist ein Punkt über den ich mich jedesmal aufregen könnte. Ein Teil das so stark belastet wird wie der Akku ist bei immer mehr Geräten nicht mehr einfach so austauschbar.

Warum aufregen? Einfach nicht kaufen. Nicht tauschbarer Akku wäre bei mir ganz klares KO-Kriterium. Eine fehlende Kopfhörerbuchse ebenfalls.


Eben, habe noch nie ein Handy besessen, bei dem man den Akku nicht haette tauschen koennen. Da ich mein Handy aber an und fuer sich nur einmal die Woche laden muss, haelt der sowieso auch mindestens 5 Jahre. Mein altes S2 hat mein Vater, Akku haelt noch 4 - 5 Tage. Schneller Akkutod kommt sicher durch permanentes Laden im Auto. Ist bei Laptops ja nicht anders.
Ich habe auch keine DAB Radios mit speziellen intergrierten Akkus....um wieder den Bogen zum Thema zu bekommen.

von Nordlicht2 - am 13.09.2016 09:52
Die Hersteller sagen sich einfach, wenn das Gerät eh kaum länger als 2-3 Jahre in Gebrauch ist, weil bis dahin ein neuer Vertrag mit neuem Gerät ansteht, oder die nächste Technologie-Sau durchs Dorf getrieben wird, braucht man keinen wechselbaren Akku mehr. Die zusätzlichen Gehäusekomponenten für die Akkuhalterung inklusive dicker Kontaktzungen etc. kann man sich sparen und den Platz für wichtigere Hardwarekomponenten nutzen.
Gleiches gilt für die Kopfhörerbuchse bei Apple. (... oder Apple ist einfach zu dämlich, die Dinger sonst wasserdicht zu kriegen ;-) )

Es ist für mich bewundernswert, wie diese Industrie Ihre Kunden entsprechend zu 'erziehen' in der Lage ist, während die Radioindustrie keinen entsprechenden Hebel findet.

von Saarländer (aus Elm) - am 13.09.2016 10:00
Wie gesagt, mir werden durch die Hersteller weitestgehend die Auswahlmöglichkeiten genommen. Ich bin auf bestimmte Features angewiesen und da fällt das mit dem Akku leider unten durch. Wie gesagt, austauschbar ist so ein Akku immer. Nur wird es dann teils erheblich teurer.

Wobei die modernen Akkus schon sehr haltbar sind. Ich lade mein Smartphone ein bis zweimal am Tag und die 2 Jahre hat der Akku eigentlich immer gehalten. Ausfälle hatte ich noch nie. Da stört mich die fehlende Speicherkarte eigentlich mehr. Denn manchmal wird der interne Speicher knapp. Und einen Speicherkartenleser an die USB Buchse stecken ist auch Grütze da diese bei mir meistens mit dem USB>HDMI Kabel, dem DAC, oder dem Ladegerät belegt ist.

Mein Vater killt regelmäßig die Akkus in seinen Smartphones. Der hatte noch nicht ein einziges wo er nicht einen Ersatzakku gebraucht hätte. Schuld ist seine Angewohnheit den Akku immer bei 100% zu halten. Im LKW hat er immer eine passende Aktivhalterung die nach 2 Minuten Handynutzung gleich den Akku wieder nachlädt und Zuhause hat er das Gerät auch permanent am Netzteil. :rolleyes:

Zitat
Saarländer (aus Elm)
Gleiches gilt für die Kopfhörerbuchse bei Apple. (... oder Apple ist einfach zu dämlich, die Dinger sonst wasserdicht zu kriegen ;-) )

Bei Apple geht es wohl eher darum noch zusätzlich Kasse zu machen mit ihren neuen kabellosen Ohrhörern und vor allem über Lizenzkosten. Denn jeder Hersteller von Zusatzhardware muss für die Lightningbuchse Lizenzgebühren bezahlen. Und das soll noch nicht mal so wenig sein. An der Klinkenbuchse haben sie nix verdient.

Zitat
Saarländer (aus Elm)
Es ist für mich bewundernswert, wie diese Industrie Ihre Kunden entsprechend zu 'erziehen' in der Lage ist, während die Radioindustrie keinen entsprechenden Hebel findet.

Auch ich staune hier immer wieder. Sogar die TV Hersteller finden regelmäßig wieder Wege dem Kunden neuen Quatsch aufs Auge zu drücken. Nur beim Radio klappt das nicht.

von Spacelab - am 13.09.2016 10:20
Zum Stichwort "laßt das doch den Markt entscheiden" möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben:

Es gibt Dinge, deren Entwicklung kann man dem freien Markt überlassen - üblicherweise Dinge welche nur mich persönlich in meinen eigenen 4 Wänden betreffen. Ein paar technische Beispiele:

Ob ich mir einen CD-Player kaufe oder weiterhin Schallplatten höre (was auch heute noch möglich ist!), ob ich auf Compactkassette aufzeichne, auf Elcaset oder weiterhin auf Spulentonband war in der Vergangenheit meine persönliche Entscheidung. Genauso ob ich meine Filme auf VHS, Video 2000 oder Betamax aufzeichne, auf DVD+R, DVD-R, DVD-RAM oder weiterhin auf Band, ob ich mir neue Filme auf Bluray kaufe oder auf HD-DVD oder weiterhin auf DVD, das waren alles technische Entwicklungen welche man dem freien Markt überlassen konnte.
Sollte ich mir damals einen Betamax-Videorecorder gekauft haben kann ich den auch heute noch benutzen - solange noch irgendwo Bänder (z.B. meine eigenen Aufzeichnungen) verfügbar sind.

Bei Dingen welche die Öffentlichkeit betreffen (z.B. Straßenverkehr!) oder bei technischen Geräten welche eine öffentliche Infrastruktur voraussetzen (Telefon, Mobilfunk, Rundfunk...) sieht es jedoch schon ganz anders aus.
Dafür braucht es Regelungen und Normen an welche sich alle halten - Gerätehersteller genauso wie (Sender)netzanbieter - und diese Normen werden eben von Zeit zu Zeit dem technischen Fortschritt angepasst.

In der Vergangenheit ist das schon öfter passiert. Kennt noch jemand die analogen B- und C-Mobilfunknetze? Hätte man die bis zum Sanktnimmerleinstag weiterbetreiben sollen nur weil eine Handvoll Nutzer der Meinung ist "GSM brauche ich nicht, mir reicht das"? Und mal ehrlich: Dem analogen TV weint doch heute niemand mehr eine Träne nach...

Die Frage ist nur: Wie gestaltet man solch einen Technologiewechsel in der Praxis damit es allen Beteiligten (Gerätekäufer, Sendernetzbetreiber, Programmanbieter...) die geringsten Schmerzen verursacht?

von Loger - am 13.09.2016 15:38
Zitat
DH0GHU
Langsamer Akku-Tod nach ca. 3 Jahren...


Weil offenbar viele Leute nicht wissen wie man einen Li-Ion-Akku pfleglich behandelt.
Besonders kritisch sind sehr niedrige und besonders hohe Ladezustände.

Also das Smartphone abends ans Ladegerät hängen damit der Akku dann stundenlang 100% Ladezustand hat wirkt sich merklich lebensdauerverkürzend aus.

Wer nicht die komplette Akkukapazität bis zur nächsten Lademöglichkeit benötigt sollte den Akku nicht vollständig aufladen, sondern den Ladevorgang bei 85 bis 90% abbrechen.

von Winnie2 - am 13.09.2016 16:24
Wobei manche Smartphones die Ladung komplett beenden wenn der Akku 100% erreicht hat. Sie trennen quasi den Akku komplett vom Ladegerät. Angeblich soll zum Beispiel mein OnePlus 3 erst bei 97% den Akku wieder nachladen. Aber bis so ein Li-Ion Akku sich selbst so weit entladen hat vergehen etliche Tage. Die neueren Samsung Handys sollen das auch so machen. Es gibt aber auch viele Smartphones die den Akku tatsächlich auf 100% halten und das mögen Lithium Akkus gar nicht.

Die Pure Radios sind übrigens genauso "dumm" und laden ihre Akkupacks bis 100% und halten sie dann dort.

von Spacelab - am 13.09.2016 16:41
Die DAB+ Technik muß sich schon von selbst durchsetzen. Die Pflicht DAB+ einzubauen halte ich für unnötige Gängelung. Das wäre eine Steilvorlage für die DAB+ Gegner und könnte DAB+ schnell so unbeliebt machen wie die GEZ ;)

Aber: ich würde ein Abschaltdatum für UKW vereinbaren und eine Kennzeichnungspflicht für nicht DAB+ fähige UKW Radios einführen die den potentiellen Käufer darüber aufklärt, daß dieses Radiogerät ab seinem bestimmten Datum (UKW Abschaltdatum) innerhalb der BRD nicht mehr zu gebrauchen ist. Außer man sucht einen Rauschgenerator :cheers:

von raeuberhotzenplotz1 - am 14.09.2016 11:34
Eine Negativ- Kennzeichnungspflicht ("Kann kein DAB+!", o.ä.) finde ich ein klasse Idee. Dann müsste man sich auch nicht ständig das Gemecker über die angebliche Zwangsbeglückung mit DAB anhören oder lesen.
Jede Woche sehe ich in diversen Werbeblättchen Angebote von nicht- DAB fähigen Radios, die über "digitale PLL Tuner" oder sonstige digitale Errungenschaften (und sei es nur der Aus-Schalter) verfügen. Das grenzt oft schon an arglistige Täuschung. Mit dem o.g. Vorschlag würde da wesentlich mehr Klarheit geschaffen.

von Salvator - am 14.09.2016 12:15
Zitat
raeuberhotzenplotz1
eine Kennzeichnungspflicht für nicht DAB+ fähige UKW Radios einführen die den potentiellen Käufer darüber aufklärt, daß dieses Radiogerät ab seinem bestimmten Datum (UKW Abschaltdatum) innerhalb der BRD nicht mehr zu gebrauchen ist.

.. und was interessiert den Radiokunden in Portugal oder Estland so ein Aufkleber? Soll das ein Plakat werden mit allen potentiellen Abschaltdaten?
Es *gibt* keinen "deutschen" Markt für Radiogeräte. Es gibt nur den einen harmonisierten Markt innerhalb der EU. Und das ist auch gut so.

von DH0GHU - am 15.09.2016 06:43
Wenn zukünftige Geräte im Chip neben FM-analog und DAB auch DRM(+), also ex. AM/FM, mit "drinne" hätten wäre doch nicht schlecht. Das (fast) weltweit harmonisierte Band II für Rundfunk brach liegen zu lassen wäre doch eine Schande und auch die Bände unter 30 Mhz könnten so recycelt werden. Es muß ja nicht jedes Land alle "Techniken" sofort einführen. In den meisten technischen Geräten sind heute so viele Gimmicks, von denen die Leute nix wissen, warum dann nicht auch im Radio...?
Bleibt nur die Frage in wie weit sich FM-alt und DRM+ "nebeneinander" schlagen. Beim Test in Hannover konnte ich keine Probleme bemerken und Proteste von Anwohnern des Senders sind mir auch nicht bekannt!?
Außerdem ist auch Deutschland die Durchdringung von DAB-Geräten noch so verschwindend gering (im Gegensatz zu den "hunderten" Millionen FM-Radios allein in D), dass es noch nicht zu spät ist.

stefsch

von stefsch - am 15.09.2016 07:37
Wie will ein einzelner Lokalsender sich einen eigenen DRM+ Sender leisten, der gegenueber DAB+ noch dazu mit viel mehr ERP Leistung senden muss.
Bei den geringen Einschaltquoten, die die Lokalsender heute haben, gehe ich in einem Umfeld von ueber 40 Mitbewerbern davon aus, dass die Einschaltquoten der Lokalradios nur noch geradeso messbar sein werden, mehr nicht. Damit einen eigenen Sender finanzieren? Die werden noch froh sein, wenn sie kostenguenstig in einen vorhandenen DAB+ Regionalmux unterkommen koennen was ihnen dann auch mehr technische Reichweite bringt. Fuer die Lokalradios wuerde DRM+ nur funktionieren wenn zusaetzlich Steuergelder dafuer verwendet werden.
Die Frage ist, wer braucht ueberhaupt eine terrestrische Aussendung einzelner Lokalradios? Fuer die liegt die Zukunft doch eh im Internet, laut eigener Aussage.

von Nordlicht2 - am 15.09.2016 08:21
Alles kann, nichts muß, wäre meine Theorie :xcool:.
Meinetwegen können die Lokalsender (deren Nutzen auch ich als grenzwertig betrachte) auch in FM weitersenden. In anderen Ländern könnte die Entscheidung aber zugunsten DRM(+) gehen und dann wären eben schon Geräte da...ein moderner "Weltempfänger" eben. Die Mehrkosten sind sicher sehr überschaubar.
In meiner "Theorie" würden dann (z.B. für Niedersachsen) NDR 2,3,4,5,6,7 und FFN, Antenne, Radio21 in landesweiten DAB-Muxen senden und NDR1 und Regionalsender weiterhin im FM Bereich. So muß die DAB-Technik nicht durch Pseudo-Regional-Fenster (MFN´s oder 6-7 Regionalversionen in einem MUX) ad absurdum geführt werden.
Die Regionalfenster warem m.M.n. sowieso nur dazu da dem jeweiligen regionalen Öffi-Programm eine "erhöhte" Daseinsberechtigung zu verschaffen :cool:.
Die Regionalfenster der Privaten waren/sind vermutlich eh nur "ungeliebte Kinder", die nur Geld kosten, die man liebend gern "in der Versenkung verschwinden lassen wollte". Und in der "schönen neuen DAB-Welt" sind sie ein echter Klotz am Bein...

stefsch

von stefsch - am 15.09.2016 09:18
Zitat
stefsch
Die Regionalfenster der Privaten waren/sind vermutlich eh nur "ungeliebte Kinder", die nur Geld kosten, die man liebend gern "in der Versenkung verschwinden lassen wollte". Und in der "schönen neuen DAB-Welt" sind sie ein echter Klotz am Bein...


Regionalfenster im Sinne von echten Inhalten: da gebe ich dir recht!

Regionalfenster im Sinne von regionalisierten Jingles und v.a. regionalisierter Werbung? Da sind die Privaten ganz heiß drauf!

Aber auch dann: wenn man es nicht so extrem treibt wie Radio 21, kommt man als Privater doch locker mit den vorgesehenen Regionalensemblestrukturen aus. In Niedersachsen z.B. könnten ffn und Antenne Niedersachsen ihre Regionalfenster relativ gut über die geplanten Regionalensembles abdecken, vielleicht mit kleineren Modifizierungen an der Regional-Struktur.

Es wird ja niemand gezwungen, sich in ein landesweites Ensemble einzumieten. Die Crux ist derzeit v.a. noch die, dass entsprechende vielseitige Strukturen (landesweite Ensembles, regionale Ensembles) einfach noch fehlen und erst in den nächsten Jahren aufgebaut werden müssen.

Aber wenn man will, kriegt man alles, was es heute auf UKW gibt, auch mit DAB unter.

von Habakukk - am 15.09.2016 09:33
Zitat
stefsch
Die Regionalfenster der Privaten waren/sind vermutlich eh nur "ungeliebte Kinder", die nur Geld kosten, die man liebend gern "in der Versenkung verschwinden lassen wollte". Und in der "schönen neuen DAB-Welt" sind sie ein echter Klotz am Bein...

Ganz im Gegenteil. Radio 21 mit seinen 21 Regionalfenstern möchte diese unbedingt erhalten und kann auch aus dem Grund nicht auf DAB gehen. Damit wird nämlich Geld verdient, es wurden Werbemärke und -potentiale erschlossen, die es vorher für das Radio nicht gab.
Jetzt kannst Du einen Spot für deinen Hofladen für 1, 2 oder 3 UKW-Frequenzen buchen - und das wird auch gemacht. Als der Spot für den Hofladen nur landesweit buchbar war, wurde er gar nicht erst gebucht, sondern eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung geschaltet.

Genau so ist es mit ffn und Antenne, die zwar nicht so viele Regionalisierungen haben, aber ebenfalls Spots für einzelne UKW-Sender anbieten - und auch verkaufen.

ffn sieht sich jetzt auch gezwungen, mehr regionale Information (neben der Werbung) anzubieten, weil die Hörer in einigen Gegenden in Scharen zu den neuen Lokalsendern rüberwechseln. Es sind so viele, daß es denen tatsächlich schon wehtut.

von iro - am 15.09.2016 09:50
Zitat
stefsch
Die Frage ist nur, ob wir den Privaten in dieser Frage entgegenkommen sollten, die Regional-Jingels/Werbung sind nicht eben frequenzökonomisch und haben für "die Allgemeinheit" wenig Nutzen.
Dann sollen sie doch regionale Jingel-Werbe-Streams aufschalten und dann beobachten ob es der Hörer über den "geliebten Ausspielweg" Internetstream nachfragt :xcool:.

stefsch

Die Streams gibt es zumindest bei Radio 21. Alle 21 (oder waren es sogar 24...?).
Auf DAB brauche ich die nicht unbedingt, in Fällen wie R21 bietet es sich an, auf UKW zu bleiben. Was auch kein Problem sein sollte, schließlich sind sie dort bereits on air - und in Zukunft wird ja auf UKW auch mehr Platz für solche Angebote sein, wenn die ö.-r.-Sender UKW bis 2028 wohl verlassen werden müssen (wegen KEF).
Ich hätte auch kein Problem damit, wenn ffn und Antenne bis zum St-Nimmerleinstag auf UKW-only bleiben würden. Der Attraktivität von DAB+ wäre das nur förderlich! :D

von iro - am 15.09.2016 10:24
Zitat
iro
Ich hätte auch kein Problem damit, wenn ffn und Antenne bis zum St-Nimmerleinstag auf UKW-only bleiben würden. Der Attraktivität von DAB+ wäre das nur förderlich! :D


Ich befeurchte nach der R.SH Aufschaltung in Hamburg auch, dass die restliche 11C Kapazitaet nun mit den von mir so oder so nicht gehoerten UKW Dudlern aufgefuellt wird. Ein Hitdudler namens R.SH - Hamburg mit eigenem Hamburger Vollprogramm waere auf DAB+ voellig ausreichend. Lulu kommt noch und theoretisch muesste fuer VHR noch Platz freigehalten werden, so dessen Platzvergabe nicht schon wegen Nichtnutzung verfallen ist. Aber vielleicht kommen ein paar andere Private den grossen Hamburgern noch schnell zuvor.

von Nordlicht2 - am 15.09.2016 10:43
Zitat
iro
Die Streams gibt es zumindest bei Radio 21. Alle 21 (oder waren es sogar 24...?).
....
Ich hätte auch kein Problem damit, wenn ffn und Antenne bis zum St-Nimmerleinstag auf UKW-only bleiben würden. Der Attraktivität von DAB+ wäre das nur förderlich! :D
Die Streams gibt es vielleicht schon allein zur Speisung (zumindest BackUp) der UKW-Funzeln?? Ab ob irgendwelche "Zivilisten" diese Streams gezielt einschalten oder die Portale für Internetradios 24mal R21 in ihr Portfolio aufnehmen? Ich zweifle daran....

Von mir aus können FFN/Antenne da auch bleiben, inhaltlich bringen sie DAB nicht nach vorn. Ich kann die schon verstehen: auf UKW sind sie ein BigPlayer von Fünfen, auf DAB vielleicht einer von Hundert und im Netz unter "ferner liefen)....:rolleyes:

Das Problem vom Radio ist: ein große Mehrheit braucht Radio nur als Dudelfunk/Hintergrundberieselung für die reichen die starken, lauten UKW-Sender locker. Das DAB-Angebot muß aber auch den "gezielten Einschaltern" einen Mehrwert bieten. In meiner Empfangssituation ist das nicht gegeben. Und es sieht auch für die Zukunft (noch) mau aus.
Einziger Lichtblick für DAB: die sehr gute bundesweite Abdeckung der 4 DRadios dank DAB-Radio im DIN-Schacht!

stefsch

von stefsch - am 15.09.2016 11:02
Zitat
Chris_BLN
Und wieder wird nicht erwähnt, wie hundsmiserabel DAB+ bei den Bitraten klingt, die in Deutschland fast durchgängig angeboten werden. Damit ist das einseitige Berichterstattung, die nur der Geräteindustrie dient, den Käufer aber bitter enttäuschen kann.


Klang und Reichweite sind das Problem bei DAB. Es wird zwar immer wieder behauptet, dass der Klang ausreichend wäre, aber das glaube ich nicht. DAB klingt besser als MW und LW, aber nicht besser als UKW. Man sollte auch kritisch mit dem Thema Reichweite umgehen. Das wird leider auch nie thematisiert.

von pfennigfuchser - am 13.03.2018 02:05
Das ist aber alles keine Frage von DAB+, sondern von der jeweiligen Realisierung des Sendernetzbetreibers und Programmanbieters - allenfalls bei der Overspill-Reichweite noch der genutzten Frequenz.

In Bayern haben fast alle Sender, die über DAB+ senden, eine höhere(!) geographische Reichweite als die UKW-Pendants. Die DAB-Reichweiten von BR und Antenne Bayern sind mindestens ziemlich nah an den UKW-Reichweiten.
Die Klangqualität bei allen BR- und D-Radio- und SWR-Programmen wie auch die Qualität mancher bayrischer Privater ist mindestens gleichwertig zu UKW, im Auto eigentlich durchweg höher - UKW funktioniert eigentlich nur im Flachland konstant ohne Mehrwegausbreitungseffekte und Abschattungen, die sich dann durch Verzerrungen und Aufrauschen äußern. Das fällt nur bei grausam totkomprimierten Hitdudlern nicht so auf, bei Wortprogrammen oder Klassikprogrammen ohne nennenswerte Kompression (z.B. BR Klassik) sehr wohl.

von DH0GHU - am 13.03.2018 07:07
Zitat
zerobase now
Dem kann ich nur zustimmen. Einige Programme im Bundesmux wie z.B. Schwarzwaldradio oder Schlagerparadies klingen natürlich nicht so toll, aber das dürfte 90% der Hörer egal sein. In Zeiten von totkomprimierter MP3 Musik ist das völlig eher das geringere Problem.


Gerade Schwarzwaldradio klingt noch mit am besten im Bundesmux, da es nicht mit Gewalt auf "fett" getrimmt ist. Schalte mal, ohne vorher den Bass herunter zu drehen, von Schwarzwaldradio auf Radio Bob um, dann weißt du was ich meine. Die meisten Hörer sind die schon Jahrzehnte andauernde Klangverbiegerei (Bassanhebung, Höhenanhebung, Dynamikkompression) der Hit-Dudler schon so gewohnt, dass sie das als normal empfinden, und den Klang schlechter bewerten, wenn ein Sender darauf bewusst verzichtet. Aber wir kommen vom Thema weg.

von FrankSch - am 13.03.2018 08:52
Zitat
DH0GHU
Das ist aber alles keine Frage von DAB+, sondern von der jeweiligen Realisierung des Sendernetzbetreibers und Programmanbieters - allenfalls bei der Overspill-Reichweite noch der genutzten Frequenz.


Das kann dem potentiellen Nutzer des Systems aber egal sein - für ihn ist das "DAB" und es zeigt sich genau so. Aus diesem Grund haben wir doch die massive "Spreizung" der Aussagen zum Nutzwert und zur Qualität von DAB. Was DAB in der Theorie kann, ist definitv besser als UKW, aber wenn es nicht so realisiert wird, hilft alle Theorie nichts.

Zitat
DH0GHU
Die Klangqualität bei allen BR- und D-Radio- und SWR-Programmen wie auch die Qualität mancher bayrischer Privater ist mindestens gleichwertig zu UKW, im Auto eigentlich durchweg höher

Einspruch. Die BR-Programme, die in 96 HE laufen, sind klanglich schlechter als ordentlicher UKW-Empfang. Das aggressive schabende krisselige der SBR-Höhen hat man auf UKW halt nicht.

BR Klassik ist natürlich herausragend, keine Frage.

Zitat
DH0GHU
Einige Programme, die auf DAB+ schrecklich klingen, klingen auf UKW genauso schrecklich. Klassikradio ist so ein Fall. Das fällt sogar einem höreingeschränkten Zuhörer in meinem Bekanntenkreis, der im Alltag ein Hörgerät trägt, auf....


Interessanterweise gibt e sim Netz eine oberschräge Argumentation, dass und warum Klassikradio besser klänge als BR Klassik (!). Die Wahrnehmung ist also auch da teils eine andere (und damit dann weitab jeglicher Realität).

Zitat
DH0GHU
Oder die ganzen Hitdudler. Antenne Bayern zum Beispiel. Die klingen für mich nur wie Lärm.


Die sind ja auf allen Wegen nur Lärm. Das ist in Thüringen genauso: alles brachial verzerrter Rotz, vom Soundprocessing an die 0-dBr-Marke des UKW-Limits gepresst.

von Chris_BLN - am 13.03.2018 11:49
Zitat
pfennigfuchser
Zitat
Chris_BLN
Und wieder wird nicht erwähnt, wie hundsmiserabel DAB+ bei den Bitraten klingt, die in Deutschland fast durchgängig angeboten werden. Damit ist das einseitige Berichterstattung, die nur der Geräteindustrie dient, den Käufer aber bitter enttäuschen kann.


Klang und Reichweite sind das Problem bei DAB. Es wird zwar immer wieder behauptet, dass der Klang ausreichend wäre, aber das glaube ich nicht. DAB klingt besser als MW und LW, aber nicht besser als UKW. Man sollte auch kritisch mit dem Thema Reichweite umgehen. Das wird leider auch nie thematisiert.


Fuer mich kommt gerade im Raum Stuttgart dem DAB+ Radio besondere Bedeutung zu, da ich die UKW Bereichssender-Platzhirsche in BW ohnehin nicht mag. Im Gegensatz zu Muenchen hat Stuttgart kaum ueber UKW eine brauchbare Auswahl. Da ist es mir erstmal relativ egal ob die Qualitaet beim Sound nicht immer in Ordnung ist. Das was bei dem Artikel halt auch durchkommt und Du ansprichst, faellt fuer mich eher in das Bereich, dass "alles Neue zwingend gut sein muss" und auf moegliche Fehler eben "nicht hingewiesen wird". Dies ist oft bei neuen Themen der Fall.

In UK wo DAB recht weit fortgeschritten und akzeptiert ist, wird immer wieder ebenfalls die Qualiaet beim Sound und auch die Reichweite kritisiert. Die Umsetzer sind in UK tendenziell sogar schwaecher als in Deutschland, das Netz wirkt aber dichter. Arbeitskollegen, die sehr viel mit dem PKW unterwegs sind beklagen immer wieder dennoch, dass bereits bei einer Fahrt auf der Autobahn Ausfaelle beim Empfang zu beklagen sind, wenn ein grosser LKW vorbeifahert, oder im Stau daneben steht. Selbst unter Autobahnbruecken setzt das DAB Signal in UK oefter mal aus, und div. Tunnels haben keine DAB Abdeckung. UKW hat diese Probleme eben nicht.

von 102.1 - am 13.03.2018 13:21
Zitat
Chris_BLN
Einspruch. Die BR-Programme, die in 96 HE laufen, sind klanglich schlechter als ordentlicher UKW-Empfang.


Genau der "ordentliche UKW-Empfang" ist der Knackpunkt. Im Auto hat man diesen längst nicht immer, in der Bahn so gut wie nie. Im mobilen Betrieb ist die Klangqualität von DAB der von UKW in den allermeisten Fällen deutlich überlegen. In der Bahn ist es durch DAB überhaupt erst möglich, vernünftig in stereo Radio zu hören.

Zitat
Chris_BLN
Das aggressive schabende krisselige der SBR-Höhen hat man auf UKW halt nicht.


Da scheint es starke Unterschiede in der subjektiven Empfindung zu geben. Ich gehöre noch zur "Generation Hifi-Anlage" und bin durchaus ein Freund des guten Klangs. Ich höre im Auto gern DLF Kultur und finde den Klang trotz HE-AAC sehr ansprechend. Deine Umschreibung der SBR-Höhen kann ich in dieser Schärfe nicht nachvollziehen. So schlimm ist es nun wirklich nicht.

von Funkohr - am 13.03.2018 20:07
DLF Kultur läuft mit für HE-AAC außergewöhnlich hoher Bitrate von 112 kBit/s brutto (der SR toppt das inzwischen mit 120 kBit/s HE-AAC noch). 112 kbps brutto beinhalten 101,133 kBit/s netto. Davon noch F-PAD und X-PAD weg, sind wir irgendwo bei vielleicht 90 kBit/s. Offenbar reicht das für halbwegs erträglichen Sound. Ich fand es bei DLF Kultur auch meist für "alles außer Wohnzimmer" völlig ok, es gibt aber gewisse ältere Aufnahmen (Rockmusik der 60er/70er Jahre beispielsweise), die klangen darüber dann wie "remastered", befremdlich spitz in den Höhen. Und das, obwohl man zumindest vor paar Jahren, als ich mal nachgemessen habe, die SBR-Höhen bei DLF Kultur gedimmt hatte um einige dB. Das muss deren Codec machen, offenbar hat man das genau deswegen so getuned.

Hier nochmal die damaligen Spektren:

[attachment 10759 DKulturLC-AAC.png]

und nach einiger Zeit dann wegen des LC-Bugs in HE-AAC:

[attachment 10760 DKulturHE-AAC.png]

Liefen alle Radioprogramme in dieser Qualität und die Öffi-Kulturwellen in 144 LC, dann würde ich DAB als absoluten Fortschritt betrachten.

von Chris_BLN - am 13.03.2018 20:21
Es gibt viele User hier im Forum, dazu gehört auch Chris_BLN, die träumen immer noch von den guten alte UKW Zeiten, wo UKW noch wirklich guten Ton abgeliefert hat. Leider ignoriert man nun das total volle UKW Band und die tot komprimierten UKW Programme! Wer hier immer noch behauptet, UKW ist der aktuellen DAB+-Übertragung, z.B. der ARD Anstalten, überlegen, der hat keinen ordentlichen DAB+ Empfänger oder will die aktuelle DAB+ Audio -Terrestik nicht wahrnehmen.
@Chris_BLN bitte schreibe doch einmal, womit du das DAB+ Signal empfängst und wie in deinem Empfänger das DAB+ Signal digital / analog gewandelt wird?
Also mein DIT2000 klingt z.B. mit dem verbauten DA Wandler schlechter als mit meinem extern angeschlossenen Denon DAC! Das war übrigens bei einem testweise angeschlossenen Technisat DAB+ Adapter DigtRadio 110 genauso.
Man sollte also nicht unbedingt vom Empfänger auf das DAB+ System und die Qualität der Übertragung schließen.

von jug - am 13.03.2018 21:01
Ich besitze nur einen "DAB-Empfänger": den Noxon-Stick im DRadio-Branding. Und den auch nur, weil ich ihn 2012 am Tag der offenen Tür beim DLF gratis abgreifen konnte. Exemplar 2 sollte an Kai Ludwig gehen, den Radio-Eins-Medienmagazin-Zulieferer - er hat nur gelacht und gemeint, lass mal, ich weiß wie "gerechnetes Blech" klingt (Kai ist bevorzugt auf klassische Musik geeicht, wenn es um Musik geht).

Vorteil des Sticks: ich bekomme saubere Rohdaten und kann damit machen, was ich will. Beispielsweise XPAD auslesen mit XPADxpert - gleichzeitig der Beweis der Datenintegrität des Stick-Outputs. Ich kann mit der originalen Fraunhofer-Software Audio decodieren oder es z.B. VLC bzw. Winamp machen lassen (solange man m4a-Container speichert und nicht als nacktes AAC, sind auch die Informationen zur 960er Transformationslänge drin und das Decoding in Software läuft fehlerfrei und mit korrekter Tonhöhe). Ich muss nichts durch einen D/A-Wandler quälen und mit Gesirre aus schlechtem Platinendesign anreichern, um mir ein NF-Spektrum anzuschauen. Ich kann den gleichen D/A-Wandler verwenden wie für alle anderen Audioquellen und weiß damit, woran ich bin. Schon mit dem ollen Laptop-Kopfhörerausgang habe ich damit den Vergleich zu allen anderen Quellen (auch zu z.B. gegrabbten CDs oder DVB-Radiomitschnitten mit 320 MP2 oder 448 AC3). Wahlweise kann ich aber auch auf einen Sony DTC-57ES als Wandler gehen, wenn ich den Umweg über einen anderen PC und dessen bitgenauen S/PDIF-Ausgang wähle.

Das krisselige, "schabende" des HE-AAC-Codecs bleibt. Bei höheren Bitraten (DLF Kultur) wird es weniger und macht einem eher "spitzen", wie "gecleant" wirkenden "Digitalsound" Platz. Meist ist DLF Kultur ok für mich, aber ich bevorzuge natürlich die 256 kbps MP2 auf Sat. UKW ist bei DLF Kultur (noch?) limitiert durch die Zuführung mit nur 192 kbps MP2. Da lispeln die Sprecher...

An standalone-DAB-Radios bei Freunden und Verwandten hatte ich dann das ganze Gruselkabinett, das man dem System nicht anlasten darf: LC-AAC-Bug, Wimmern im analogen Ausgang usw. Darauf beziehe ich mich explizit nicht. Wimmernden Analogausgang kann man auch bei Satreceivern haben (Pollin DR-HD301 beipielsweise).

Und auf Kulturwellen liefert UKW auch heute noch zumindest noch passablen, oft aber auch hervorragenden Klang. Vorausgesetzt natürlich, man hat guten Empfang. Aber was ist denn gewonnen, wenn man DAB zur qualitativen Referenz erklärt und dabei nur verschweigt, dass man das für den Fall meint, in dem der UKW-Empfang schlecht ist. Ich will weder die Audioqualität von schlechtem UKW-Empfang noch die Audioqualität von schlechtem DAB-Sound für meinen Rundfunkbeitrag haben!

Meine UKW-Kabelempfänge klingen bis auf das geringe unvermeidliche Systemrauschen genau wie DVB-S, also bei z.B. Bayern 2, BR Klassik, hr 2 etc. hervorragend. Das Restrauschen ist nur bei längeren extrem leisen (Klavierkonzert) bzw. stillen Stellen hörbar - unter Kopfhörer bei erhöhter Abhörlautstärke. Bei Zimmerlautstärke mit Lautsprechern stört gar nichts. DAB kratzt hingegen - nicht bei BR Klassik, vermutlich auch nicht bei hr2 (hatte die Ehre noch nicht), aber bei den 96er Programmen des BR höre ich es schon, bei den 88er Programmen des MDR noch schlimmer.

Popwellen klingen halt immer übel, aber da kann man ja abstrahieren und den Teil der Schäden, die HE-AAC hinzufügt, auch separat benennen. Ich höre aber keinen Unterhaltungsfunk mehr, mir solls an dieser Stelle egal sein.

von Chris_BLN - am 13.03.2018 22:19
Das ganze krankt schlicht und einfach daran, dass Klangqualität und damit Datenrate Geld kostet. Diesen Zusammenhang gibt es bei UKW halt nicht.

So aber bedeutet das, dass man einiges an Kosten reduzieren kann, wenn man mit Datenraten sendet, die für die meisten (v.a. Ottonormalverbraucher) gerade noch akzeptabel sind, anstatt in der Qualität, die eigentlich wünschenswert wäre.

Die Öffentlich-rechtlichen werden durch die KEF limitiert in ihren Möglichkeiten: der genehmigte Bedarf reicht halt nicht gerade für große Sprünge bei DAB+, solange man parallel auch noch für viele Jahre UKW bedienen muss.

Höhere Klangqualität als derzeit könnte bedeuten, dass der Platz in einem einzelnen Ensemble nicht mehr ausreicht, sodass Sendernetze für 2 Ensembles aufgebaut werden müssten.

Höhere Klangqualität könnte bedeuten, dass man ein schlechteres Protection Level wählen müsste, damit der Platzbedarf gleich bleibt, welches man wiederum mit höheren Sendeleistungen oder Verdichtung der Sendernetze ausgleichen müsste.

Bei den Privaten ist das noch schlimmer, die müssen ihre DAB+Abstrahlung irgendwie refinanzieren, und das ist momentan noch unmöglich bis allenfalls sehr schwierig. Also schauen auch die, dass sie die Klangqualität (und damit die Ausgaben) möglichst weit nach unten drücken können. Man darf nicht vergessen: für wirklich überlegene Klanqualität von DAB+ würde man 144kbps aufwärts benötigen, das wäre mal eben das doppelte von dem, was Private derzeit üblicherweise so belegen, sprich: doppelte Verbreitungskosten. Irgendwer muss das bezahlen.

Ob das ganze dann besser wird, wenn tatsächlich UKW dereinst mal abgeschaltet wird, wage ich nicht vorherzusehen. Ich hoffe es natürlich, v.a. bei den Öffentlich-rechtlichen. Aber es kann auch sein, dass nach 10 Jahren Einführungsphase mit niedrigen Datenraten eine Art Gewöhnungseffekt eingetreten ist, und das einfach so bleibt.

Hat denn mal wer bei den Funkhäusern nachgefragt, wie deren langfristige Strategie bez. Audioqualität aussieht? Hat sich dort überhaupt schon wer solche Gedanken gemacht?

von Habakukk - am 14.03.2018 07:28
Zitat
Habakukk

Bei den Privaten ist das noch schlimmer, die müssen ihre DAB+Abstrahlung irgendwie refinanzieren, und das ist momentan noch unmöglich bis allenfalls sehr schwierig. Also schauen auch die, dass sie die Klangqualität (und damit die Ausgaben) möglichst weit nach unten drücken können. Man darf nicht vergessen: für wirklich überlegen Klanqualität von DAB+ würde man 144kbps aufwärts benötigen, das wäre mal eben das doppelte von dem, was Private derzeit üblicherweise so belegen, sprich: doppelte Verbreitungskosten. Irgendwer muss das bezahlen.


Das ist leider das Problem. Es hängt einzig und allein an den Kosten und für den Hörer würde eine höhere Qualität zu Lasten der Vielfalt gehen, weil dann nur noch die Hälfte der Proamme in einen Mux passen würden. Somit ist das alles irgendwie ein Kompromiss, der eben nicht alle zufriedenstellen kann.

von zerobase now - am 14.03.2018 07:33
Zitat
Habakukk
Das ganze krankt schlicht und einfach daran, dass Klangqualität und damit Datenrate Geld kostet. Diesen Zusammenhang gibt es bei UKW halt nicht.


Ich bezweifele, dass das so bei Entwicklung von DAB geplant war. Aber klar: wenn die Möglichkeit besteht, zu Lasten der Qualität Geld zu sparen, dann wird das in unserem heutigen perversen Zeitalter halt gemacht. Am Ende schadet es mehr als es nützt, aber wir wollen es ja so.

Zitat
Habakukk
Irgendwer muss das bezahlen.


Dann soll man es komplett bleibenlassen oder zumidnest so ehrlich sein, den unbedarften ganz normalen Menschen / Radiohörern mitzuteilen, "sorry, Radio darf nichts mehr kosten, ihr bekommt ab sofort nur noch Diktiergerätequalität."

Zitat
Habakukk
Hat denn mal wer bei den Funkhäusern nachgefragt, wie deren langfristige Strategie bez. Audioqualität aussieht? Hat sich dort überhaupt schon wer solche Gedanken gemacht?


Von einem großen Privaten (zeitweise Marktführer in seinem Sendegebiet) weiß ich nur: DAB wird nicht weiter verfolgt, man konzentriert sich auf UKW (da ist das Hörer-Zählvieh) und auf die IP-Wege (Stream, App, Alexa, ...) - das ist die Zukunft.

Vom MDR weiß ich nichts, außer, dass der in den 3 MDR-Ländern koordinierte Mux auf 11A angeblich doch für den MDR wäre, aber zumindest derzeit nicht aufgebaut wird, da die erste Bedeckung mit den Landesmuxen reicht.

Was die Privaten machen werden, ist mir weitgehend egal. Bei den Öffis erwarte ich UKW-vergleichbare Qualität beim UKW-Nachfolgesystem. Immerhin gibt es ja noch die DVB-S-Verbreitung in hoher Qualität. Wenn die auch mal eingestellt oder auf AAC umgestellt werden soll, gäbe es gar keine Möglichkeit mehr, an eine anhörbare Version der gebührenfinanzierten Programme zu kommen. Vielleicht noch noch via IP, wenn man da mal die Bitraten erhöhen würde - aber dann braucht man ja noch mehr Infrastruktur zum Radiohören.

von Chris_BLN - am 14.03.2018 10:55
Zitat
Chris_BLN
Ich bezweifele, dass das so bei Entwicklung von DAB geplant war.

DAB wurde von Technikern entwickelt, die denken grundsätzlich nicht an solche Dinge. :-)

Zitat
Chris_BLN
Aber klar: wenn die Möglichkeit besteht, zu Lasten der Qualität Geld zu sparen, dann wird das in unserem heutigen perversen Zeitalter halt gemacht. Am Ende schadet es mehr als es nützt, aber wir wollen es ja so.

Es deckt sich mit den Entwicklungen in vielen anderen Bereichen. Wie gesagt: bei Öffentlich-rechtlichen sehe ich Chancen, aber bei den Privaten dreht es sich doch mittlerweile ausschließlich ums Geschäft, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
In dieser von Beratern durchoptimierten Suppe spielt Klangqualität nur insofern eine Rolle, dass sie nicht so schlecht sein darf, dass sie das Durchschnittsvieh vom Hören abhält.

Zitat
Chris_BLN
Dann soll man es komplett bleibenlassen oder zumidnest so ehrlich sein, den unbedarften ganz normalen Menschen / Radiohörern mitzuteilen, "sorry, Radio darf nichts mehr kosten, ihr bekommt ab sofort nur noch Diktiergerätequalität."

Wo bitteschön arbeitet man im Marketing und der Werbung denn ehrlich? Ist es bei der Milch mit den glücklichen Kühen auf der grünen Wiese denn anders? Oder beim Joghurt mit der leckeren Erdbeere auf dem Deckel, der aber nur modifizierte Sägespäne enthält?
Man stelle sich mal ehrliche Werbung vor? "Unser Produkt ist zwar scheiße, kostet für das was es ist viel zu viel Geld, wurde von Kinderhänden unter widrigsten Umständen zusammen gelötet, sie brauchen es eigentlich auch nicht, aber kaufen Sie es doch trotzdem, weil es Ihnen zumindest die Zeit vertreibt..." Das wäre mal ein Statement!

Zitat
Chris_BLN
Zitat
Habakukk
Hat denn mal wer bei den Funkhäusern nachgefragt, wie deren langfristige Strategie bez. Audioqualität aussieht? Hat sich dort überhaupt schon wer solche Gedanken gemacht?

Von einem großen Privaten (zeitweise Marktführer in seinem Sendegebiet) weiß ich nur: DAB wird nicht weiter verfolgt, man konzentriert sich auf UKW (da ist das Hörer-Zählvieh) und auf die IP-Wege (Stream, App, Alexa, ...) - das ist die Zukunft.

Ja gut, den Mumpitz hört man immer wieder von den Privaten, weil sie sich halt ihre komfortabel-kuschlige UKW-Nische erhalten wollen. Sollte sich DAB+ hierzulande aber doch durchsetzen (was sich nicht mehr total ausschließen lässt), werden auch diese Anbieter nicht umhin können, ebenfalls über diesen Weg abzustrahlen, ob sie das wollen oder nicht.
Und in der IP-Welt (also in 30-40 Jahren) werden die völlig untergehen, da sollten sie die wenigen guten Jahre noch genießen.

von Habakukk - am 14.03.2018 12:21
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