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DAB Digitalradio Forum
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DAB - wie stellt ihr euch die Rettung vor ?

Startbeitrag von Chris4981 am 12.10.2004 21:00

Moin Moin :) habt hier das hier gelesen ?
http://www.satundkabel.de/index.php?link=news&newsid=2999&ressort=Medien

Meiner Meinung nach nicht der richtige Weg.

Wisst Ihr wie ich es anstellen würde ? Es ist ja so, daß es Ablaufdatümer für Programmanbieter gibt. Zum Beispiel die LfK schreibt doch immer für eine gewisse Zeit aus.

Erstmal müsste man die beschließen, daß als Beispiel die UKW Frequenz 101,3 stuttgart und 107,7 nach ablauf der Sendelizenz NICHT mehr wieder vergeben werden.

Was würde also bei Antenne 1 und Der neuen 107,7 passieren !? sie würden Sturmwerbung machen.

"Die Landesanstalt für Kommunikation hat beschlossen....." usw. Das würde alle rutsch lang gesagt werden und auch zu Demonstationen führen. Dies heißt wiederrum daß Digitalradio gepuscht wird, weil der Hörer in Stuttgart gezwungen ist, wenn er die Sender weiter haben will sich ein Digitalradio zu kaufen. So kann man das Schritt für Schritt erzwingen in dem man monatlich oder halbjährlich zwei Sender vom Netz nimmt und nur noch via DAB empfangbar macht.

Meine Meinung ist, daß Deutschland zum Umstieg gezwungen werden muss, da es sonst beim UKW bleibt.

Wie seht ihr das ? habe ich recht oder sagt ihr völliger Blödsinn ?

Ich bin gespannt.

Liebe Grüße
Chris

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Zitat

Meine Meinung ist, daß Deutschland zum Umstieg gezwungen werden muss, da es sonst beim UKW bleibt.


Ersetztest du das Wort "gezwungen" mit "überzeugt", wäre dieser Satz grundrichtig.
Sollte ich für RPR und SWR zu teurer DAB- Technik gezwungen werden, würde sich zumindest die Frage nach dem Mehrwert und dem konkreten Sinn einer solchen Aktion auftun.

Während DVB-T eine Set-Top-Box- Angelegenheit ist, wäre ein harter Umstieg von UKW auf DAB großteils ein Sache des kompletten Hardware- Austauschs.

So wäre DAB nicht zu retten.



von seventeen - am 12.10.2004 21:23
Hallo,

meine Meinung: Ich sehe keinen vernünftigen Grund, die UKW-Verbreitung einzustellen. Wieso sollte wegen einer neuen Technik, die zumindest beim stationären Empfang nur marginale Vorteile bietet, eine ältere funktionierende Technik aufgegeben werden? Millionen von Empfängern würden dadurch wertlos, und jeder Politiker, der das mit Zwang forciert, wäre ziemlich schnell weg vom Fenster. Ich persönlich würde mir nach einer solchen Zwangsabschaltung von UKW erst recht keinen DAB-Empfänger kaufen, sondern auf andere Verbreitungswege umstellen.

DAB wird sich nur dann durchsetzen, wenn es neue, ausreichend attraktive Inhalte bietet. Die sind wohl nirgends in Sicht. Wenn DAB sich nicht von sich aus als eigenständiges Medium behaupten kann, dann sollte man darüber gezielt Spartenprogramme für Minderheiten verbreiten (spezielle Musikfarben, Wiederholungen von Wortprogrammen) oder diese Technik nicht weiter verfolgen.

73 de Uli

von ulionken - am 12.10.2004 21:29
1. Räumung des VHF-Bandes von TV-Sendern. Im UHF-Band sollte sich noch ein Plätzchen für diese finden lassen. DVB-T ist dabei auch ein Thema.
2. DAB-Aufschaltung aller bisher ortsüblich empfangbarer UKW-Programme, evtl sogar ortsmöglicher UKW-Programme, z.B könnte man das RLP-Bouquet auch in Köln abstrahlen.
3. komplett flächendeckende DAB-Versorgung sicherstellen (Keller-Empfang)
4. Abschied vom Grundsatz, dass die Grundversorgung des UKW-Empfangs den Brüllwürfel im Keller einschließt.
5. Abschaltung aller UKW-Funzeln ausser DLF und DLR
Bis hierhin werden erstmal diejenigen gezwungen auf DAB zu gehen, welche schlechte UKW-Empfangslagen haben. Dann ziehen wir die Schlinge noch enger:
6. Neukoordinierung des gesamten UKW-Bandes. Das heißt:
a) DLF bekommt den Bereich 87,6 bis 88,5, DLR bekommt den Bereich 88,6 bis 89,5, max. 15 Großsenderstandorte im gesamten Bundesgebiet mit jeweils 100kw. Das deckt 95% der Bevölkerung ab, die unbedingt auf UKW bleiben wollen (also Dachantenne). Der Rest muss auf DAB wechseln.
b) Abschaltung DLF und DLR-Funzeln
c) Die ARD-Rundfunkanstalten bekommen für jeweils 5 Senderketten nur noch wenige Großsenderstandorte. Das WDR-Gebiet bekommt z. B. nur noch 3 Standorte zugeteilt, z.B. Langenberg, Bielstein und einer im Süden (Venusberg, Stolberg oder Bärbelkreuz).
Das deckt 85% der NRW-Bevölkerung ab. Die restlichen 15 % müssen auf DAB wechseln. Die anderen Länder gehen genauso vor, dabei ist klar dass der BR mehr Standorte braucht, da das Land größer ist, vielleicht 5 Standorte.
d) Nach 5 Jahren Reduzierung der Sendeleistung der verbliebenen UKW-Standorte. Langsam den Saft abdrehen, das treibt dann früher oder später jeden dem DAB in die Arme.

Nebenbei haben wir dann für die UKW-Restlaufzeit das DXer-Paradies, wie in den 80ern oder noch besser.

von Channel Master - am 12.10.2004 21:50
Chris4981 schrieb:

> Was würde also bei Antenne 1 und Der neuen 107,7 passieren !?
> Wie seht ihr das ? habe ich recht oder sagt ihr völliger Blödsinn ?

Keins von beiden. Ich würde mich kurzerhand entscheiden, daß beide Programme für mich entbehrlich sind. Die 107,7 ist ab und zu ganz nett, aber keine teure Neuanschaffung wert. Über die Antenne brauchen wir gar nicht erst reden.

Wie's schon andere sagten: Der Mehrwert muß stimmen. Daher mein Vorschlag:

Alle Sender bekommen Ihre Lizenz ab sofort nur noch im Bündel UKW & DAB für die nächste Periode. Ab der übernächsten Periode wird UKW mit fixem Datum abgeschaltet. Gleichzeitig müssen alle Öffi-Programme zwingend über DAB verbreitet werden. Kleine Lokalsender und Spartenprogramme erhalten für eine Lizenzperiode Subventionen für die DAB-Verbreitung und bereichern das Angebot. Die Info-Programme der Öffis, Ausländerprogramme und DLR als Kultursender werden ausschließlich und ab sofort über DAB verbreitet. DLF als Inforadio darf leistungsstarke UKW-Sender noch für eine Periode behalten, Funzeln müssen an Lokalsender als Stützfrequenzen übergehen.

Als Kunde habe ich somit zumindest die Wahl, ob ich mir sofort wegen der interessanten Programme ein DAB-Radio zulege. Und ich weiß, daß die nächste Anschaffung auf jeden Fall ein Kombigerät sein muß.

Programmlich habe ich zumindest das UKW-Angebot zur Auswahl.

Technische Rahmenbed. wie die Abschaffung der untauglichen L-Bänder verstehen sich von selbst.

Da DAB im Programmangebot schon jetzt auf dem absteigenden Ast ist, glaube ich aber nicht mehr an eine Durchsetzung. DAB ist wohl leider schon tot.



von EmmWeh - am 12.10.2004 21:56
ulionken schrieb :

Zitat

Wieso sollte wegen einer neuen Technik, die zumindest beim stationären Empfang nur marginale Vorteile bietet, eine ältere funktionierende Technik aufgegeben werden? Millionen von Empfängern würden dadurch wertlos


Zitat

DAB wird sich nur dann durchsetzen, wenn es neue, ausreichend attraktive Inhalte bietet.


Mit diesen beiden Punkten ist das Ausgangsthema eigentlich sehr gut umschrieben und bereits abgehandelt.

von seventeen - am 12.10.2004 22:57
alles schön und gut, was hier zu lesen ist. Aber habt Ihr Euch mal Gedanken darüber gemacht, was sonst außer DAB kommen soll? DAB ist international im Aufwind, da wird es sich Deutschland auf längere Sicht nicht erlauben können, auf DAB zu verzichten.

Und für flächendeckenden Rundfunk wird z.B.: DVB-T noch laaaaaaaaange kein Thema sein.

Der Mangel an DAB ist einfach, dass viele einfach noch nichts davon wissen.

von delfi - am 12.10.2004 23:01
Genau. Weil alles, was aus GB kommt, gut ist und auf jeden Fall funktioniert. Daher importieren wir auch alle Ideen von denen.

Du meine Güte, die geballte Kompetenz im Forum fährt mal wieder alles auf, um auf ein totes Medium hinzuweisen, das von ALLEN Beteiligten zu den Akten gelegt wurde ( jedenfalls derzeit ). Kinder : Arbeitet doch erstmal eine Zeit lang in einem "Media"-Laden, dann wißt ihr, wo es lang geht. Informiert euch bei denen, die NICHT die Pressetexte rausgeben- dann wisst ihr auch, wie es um euer DAB steht. Zur Zeit liegt DAB im Hospiz.

"DAB ist international im Aufwind".
Wie gut, dass man Renovierungsarbeiten und Reinigungsdienste steuerlich absetzen kann - somit brauche ich mir keine Gedanken zu machen, was nach mir passiert, wenn ich hier vor meinem PC plötzlich platzen sollte : vor lachen.



von Der Korken - am 13.10.2004 04:26
Sorry, aber mir hat immer noch keiner gesagt, wozu DAB überhaupt gut sein soll?
Europa stellt sich auf DVB ein, und wenn bei DVB-S Rundfunk mit drauf ist, warum soll dann bei DVB-T kein Rundfunk mit drauf sein? UKW braucht dringend eine komplette Neuordnung (vorallem Quasi-Gleichwellen) und DRM könnte die in D seit 20 Jahren fast ungenutzen MW/LW/KW Frequenzen attraktiv machen. Wo ist da noch Platz für DAB - warum sollten 200 Millionen UKW-Empfänger auf den Schrottplatz :confused:

von Free Speech - am 13.10.2004 06:02
Endlich mal wieder treiben wir die gute alte DAB Sau durchs Dorf. Als hätten wir das nicht schon oft genug gemacht.

Aaaaaaaaaalso nochmal:

Warum DAB? Es ist ein *internationaler* Rundfunkstandard (international ist in Rundfunksachen wohl immer auf alle Länder außer USA und Japan bezogen) und derzeit der einzige, der in der Lage ist, UKW adäquat zu ersetzen. Jeder andere (DRM, DVB-T, UMTS...) hat systembedingte Unzulänglichkeiten, die wir hier schon oft genug durchgekaut haben (mangelnder Mobilempfang, teure Sendernetze, keine UKW-vergleichbare Qualität erreichbar, kein kostenloser Empfang). Sollte DAB hier in Deutschland ad acta gelegt werden, hoffe ich darauf, dass dies europa-/weltweit geschieht, denn sonst haben wir in einigen Jahren ein Szenario, dass man tatsächlich eine Unzahl an verschiedenen Empfängern benötigt, um alle Systeme der einzelnen Länder empfangen zu können. Also: wenn dann europaweit zu DAB stehen, oder europaweit den Käse abschalten.

Warum nicht DAB? Weil Hörfunk für normale Leute kaum mehr eine Rolle spielt und deshalb kein/kaum Bedarf an mehr Programmen, irgendeiner Verbesserung der Empfangsqualität oder dergleichen besteht. Mit einem Wort: die Vorteile von DAB sind zu gering, um Leute zum Umstieg zu bewegen. Aus diesem Grunde kann DAB nur erfolgreich kommen, indem man kurz-/mittelfristig UKW abschaltet (wie bei DVB-T), oder indem man DAB in alle neuen Empfänger mit dazu mogelt. Letzteres beinhaltet die Möglichkeit, dass uns UKW erhalten bleibt und DAB einfach ein neuer Wellenbereich wird.

Was, wenn DAB nicht kommt? Der normale Hörer hört weiterhin sein UKW. Allerdings werden dann mit Sicherheit viele viele weitere Füllsender kommen und die wirklich allerletzten Kapazitäten ausgenutzt. Bis DLF, DRadio und die vielen neuen Privatprogramme mal flächendeckend zu empfangen sind, wird es noch viele viele Funzeln geben, die euch ärgern werden. Auch so ist dann UKW-DX wohl mehr und mehr auf dem absteigenden Ast. Deshalb wäre mir die vorhin genannte Variante am liebsten, wenn DAB einfach ein neuer Wellenbereich würde und man die vielen Funzeln, die eh keinen vernünftigen Empfang bringen, abschalten würde. Dann könnte man auch wieder DX betreiben *UND* hätte eine Vielzahl an zusätzlichen Programmen in DAB.

Was wird passieren?
Vor der Wellenkonferenz 2006 *kann* sich an DAB nichts wesentliches ändern. Es gibt keine neuen Kapazitäten, das L-Band will ohne Förderung keiner nutzen, die Band III Kapazitäten liegen aber sogar auch tlw. brach, weil nur ein Ensemble für Hörer unattraktiv ist, sich ein DAB Gerät zuzulegen. Der Indoor-Empfang ist bescheiden und am Ausbaustand derzeit wird sich nichts gravierendes ändern, da ohne volle Pakete / ohne genug Anbieter v.a. im Norden nicht mehr weiter ausgebaut wird. DAB liegt also hierzulande im Koma, wie das bereits schön beschrieben wurde. Koma deshalb, weil die Ausstrahlungen ja erst mal weiter gehen werden.

Zur Konferenz 2006: wenn Deutschland hier nicht zusieht, *genug* Kapazitäten zu ordern, geht DAB mit Sicherheit den Bach runter, weil es dann weiterhin all die Probleme haben wird, die es jetzt hat. Genug heißt: mindestens 1 bundesweites Paket, mindestens eine zweite Abdeckung pro Bundesland (besser 2), mindestens 1 regionales Ensemble pro Region, in Ballungsräumen besser 2... Und das alles im Band III und mit ordentlich Power. Nur wenn DAB mindestens so gut geht wie UKW (d.h., keine peinlichen Aussetzer 1km hinter der Landesgrenze, kein Blubbern im Wohnzimmer, keine Klangqualität wie aus dem Schuhkarton (128kbps Programme in NRW/NSA), nur dann ist es überhaupt ansatzweise interessant. Außerdem sollten die Verantwortlichen zusehen, die Umsetzung der Ergebnisse der Konferenz *schnellstmöglichst* anzugehen, denn es ist im Grunde höchste Eisenbahn. Wenn die ersten neuen Band III Ensembles erst 2010 oder noch später kommen, ist DAB bis dahin längst gestorben. Es ist ja jetzt schon ein sehr kritischer Zustand: die Förderungen laufen mehr und mehr aus, man sieht, dass alle Privaten ohne Förderung abspringen, selbst die Öffentlich-rechtlichen haben Probleme, ihre DAB Abstrahlungen finanziell rechtzufertigen. DAB kann es sich nicht leisten, weitere 10 Jahre in diesem Koma-Zustand zu bleiben. Frühestens 2007 (optimistisch gesehen) kann sich was verbessern, das sind noch satte 3 Jaher bis dahin. Eine lange Zeit für einen Koma-Zustand.

Wenn man dann genug Kapazitäten hat, sollten schleunigst alle öffentlich-rechtlichen Programme auf DAB aufgeschaltet werden, sowie neuzuverlängernde UKW-Lizenzen an eine Parallelverbreitung in DAB geknüpft werden. Nur so kann man Private dazu bewegen, auf DAB zu setzen. Es sollten auch die zuletzt aufgeschalteten Funzeln schleunigst abgeschaltet werden. Nur mehr die alten flächendeckenden 4-5 Ketten sollten on-air bleiben plus Lokalfunk, der vermutlich zuletzt auf DAB übersiedeln kann.



von Andreas W - am 13.10.2004 09:21
Wenn es eine sinnvolle Rettung gibt, nicht zwangsweise, lieber so:

1. Im Zuge der DVB-T-Umstellung ziehen nach und nach alle VHF-TV-Programme auf UHF um.

2. Nutzung der Kanäle 5 bis 12 komplett für DAB mit viel Gleichwellenbetrieb, wenig Auflagen bei der Koordinierung und internationaler Koodinierung nur im unmittelbaren Grenzbereich, damit viele Kanäle zur Verfügung stehen.

3. Erlaubnis für öRAs, wie in Großbritannien musikalische/inhaltliche Spartenkanäle zu betreiben, sowie Programme außerhalb des eigenen Bereichs per DAB aufzuschalten (z.B. WDR im SWR-Gebiet).

4. Erlaubnis auch an die Privaten, Low-Cost-Angebote national auf DAB zu schalten. Auch Möglichkeiten für internationale Anbieter schaffen. Mein Traum: BBC 6music und Caroline via DAB per Sponsoring.

5. Ein schwieriger Punkt: Reduzierung der GEMA- und Senderkosten (Liberalisierung des Senderbetriebs?), damit Low-Cost-Programme keine hohen Fixkosten haben. In Sachen GEMA halte ich das für besonders gerechtfertigt, da die einzelnen Stationen ja auch relativ wenige Hörer haben werden.

--->>> Dadurch könnten in Ballungsräumen vielleicht 30, vielleich auch 100 Programme per DAB empfangbar sein. Das würde die Attraktivität enorm steigern. Sobald genügend Leute DAB-Empfänger haben, stellt sich schon aus ökonomischen Gründen für viele Sender die Frage einer UKW-Abschaltung.

Mir ist natürlich klar, daß es vorerst wohl nicht so kommen wird.

von peeraxel - am 13.10.2004 10:17
Ich glaube, das größte Problem für DAB/DRM ist einfach das, dass sich heutzutage Hörfunk scheinbar nur mehr rechnet, wenn man eine wirklich gute Versorgung hat (momentan unbedingt notwendig: terrestrische UKW Hörfunkfrequenzen) und ein vollkommenes Mainstreamangebot anbietet. Alles andere krebst immer irgendwo an der Existenzgrundlage herum und droht meist nach wenigen Jahren zu scheitern.

Es muss also für künftige Programmanbieter, die über DAB und DRM mehr oder weniger sich vom Mainstream abhebende Zusatzangebote senden wollen, eine Möglichkeit geben, ihr Programm zu finanzieren, die über konventionelle Werbung usw. hinaus geht. Denn die scheint sich derzeit eben auf eine möglichst hohe praktische Verbreitung des Programms und ein möglichst junges, mainstreamiges Publikum eingeschossen zu haben, Punkte, die für solche Angebote eben nicht zutreffen.

Wenn ich mir ansehe, wie Lokalsender (als einzige Lokalsender in der Region wohlgemerkt) in relativ finanzstarken Regionen (wie z.B. Teilen Bayerns) kurz vor der Pleite sind, wenn ich mir ansehe, wie Klassik Radio und co. trotz mittlerweile zahlreicher UKW Frequenzen kurz vor der Pleite rumkrebsen, dann frage ich mich ernsthaft, wie sich DAB, DRM und co. jemals rechnen können für Privatanbieter, wenn die Marktdurchdringung dieser Systeme nicht schnellstens bei utopischen 80-100% liegt? Nicht einmal Kabelradio scheint sich zu rechnen, selbst wenn man mehrere Hunderttausend versorgen kann.



von Andreas W - am 13.10.2004 13:36
Radiowerbung ist eben bei weitem nicht so effektiv wie TV-Werbung. Da wird dann auch viel weniger bezahlt. Lokale Werbetreibende zahlen außerdem nicht gerade gut.
Diese richtig lokale Werbekultur - auch im Fernsehen - wie in den USA gibt es hier ja nicht. Dort macht einer ein neues Restaurant oder KFZ Werkstatt auf und kann dafür nen TV spot im örtlichen TV Sender schalten und erreicht damit auch eine ordentliche Zahl an Kunden.
Bei uns ist das nicht so, Werbung können sich nur die richtig Großen leisten.
Außerdem sind bei uns die Betriebskosten zu hoch. Stichwort eigene Sender betreiben etc. Bei uns muss ja immer der rosa Riese gefüttert werden.



von Terranus - am 13.10.2004 14:02
Ein "Zwangsabschalten" von UKW zugunsten von DAB halte ich nicht für sinnvoll, eher kontraproduktiv. Das Medium Radio (in der Bedeutung gegenüber dem TV doch recht unwichtig!) wird eben vielmals gerade von den sog. Küchenbrüllern gehört (Radiowecker!). Eine Zwangsabschaltung im Stil von DVB-T passt da m.M. nicht, da TV meist nicht als Wecker oder Duschberieselung fungiert und auch nicht im Auto oder im Büro. Mit einer Zwangsabschaltung von analogem TV "ärgert" man i.d.R. eher das Wohnzimmer und das "Zweitgerät", ist aber meistens verschmerzbar, da wie oben schon treffend geschrieben, DVB-T schlicht mit einer SepTop-Box gelöst werden kann.
Einen Küchenbrüll(i)würfel kann man NICHT ersetzen. Und wenn Radio wenig Bedeutung hat, warum soll dann die Masse überhaupt diesen Küchenbrüllwürfel für morgends 15 Minuten MoShow-Berieselung überhaupt ersetzen? Dann svchaltet man halt für die 15 Min. den Fernseher ein oder lässt die Hintergrundberieselung halt ganz sein.
M.E. fördert man damit DAB nicht sondern treibt das Radio noch weiter in die Bedeutungslosigkeit.

Zur 2. (immer wieder kommenden) These, dass DAB mit Spartenprogrammen gepusht werden kann: Auch das halte ich für fraglich. Programme die wenig interessieren, kurbeln m.E. keinen Markt an. Spartenprogramme, z.B. Klassik Radio oder Jazzradio (oder böse: DLR und DLF) sprechen auch auf UKW sehr wenig Hörer an. Wenn dann DAB eben noch mehr (oder nur?) solcher "Spartenprogramme" anbietet, bietet das gewiss für manche (aber wegen Sparte halt sehr wenigen)einen "Mehrwert", eine Technik nur für Minderheiten hat sich m.W. aber noch nie durchgesetzt.

Eine neue Erkenntnis ist das aber alles nicht. In der ewigen DAB-Diskussion ist Andreas W. Beitrag vielleicht zielführend. Augen bis 2007 zu und durch ;)

@ Grenzwelle
Zum Thema DAB äußerte sich ein gewisser Volker Lauke, dass das Medium auch in Deutschland eine hohe Akzeptanz habe ...

:joke: :joke: :joke:

Hatten wir den "Experten" vielleicht mal hier im Forum als Gast? Wenn ja hat der aber nichts gelernt hier :D

von Schwabinger - am 13.10.2004 17:48
@Andreas W.
Zitat

Sollen wir uns umbenennen in "Formatradioforum", damit wir der Themen-Rotation gerecht werden?

Ich bin dabei und lege damit gleich mal los ;)

@Schwabinger

Grad wollt ich schreiben, wir sind ausnahmsweise mal der gleichen Meinung :rolleyes:, aber dann kam der Schuß Richtung Spartenprogramme. Selbstverständlich sprechen Spartenprogramme je Programm viel weniger Hörer an, als die sogenannten Mainstreamprogramme. Weil das so ist versuchen alle kommerziellen Kanäle fast das selbe zu bringen und alles abweichende auszublenden und sich nur in Belanglosigkeiten zu übertreffen, graben sich aber damit, weil sie eben dasselbe machen, gegenseitig das Wasser ab, müssen dann sparen, weil eben weniger Hörer übrig bleiben, konzentrieren sich noch mehr auf einen fast kartellähnlich definierten Mainstream und ... treiben das Radio noch weiter in die Bedeutungslosigkeit.

Anders dagegen sind die Hörer von Spartenprogrammen typischerweise eher dankbarere, aufmerksamere Hörer. Wobei dieser Effekt bei Abspielkanälen meiner Meinung nach vernachlässigbar ist und eher auf Einschaltprogramme zutrifft.
Ich kenne Leute, die sich für eine bestimmte wöchentliche Radiosendung extra 'n ADR-Receiver zugelegt haben. Das wird zwar auf Dauer auch ADR nicht helfen, aber die Mainstreamprogramme schaffen sowas erst recht nicht, weil verwechselbar ähnliches auch so zur Genüge verfügbar. Andererseits reichen die Spartenprogramme bzw. Sparten-Sendungen eben nicht aus, um das System insgesamt tragfähig zu bekommen. Gewohntes und populäres sollte eben auch verfügbar sein, und das ist es noch auf ADR. Auch wenn ADR nie DAS Massenmedium geworden ist, ist es doch meiner Meinung nach insgesamt recht tragfähig geworden und wird es solange bleiben, bis es nun bald durch DVB-S abgelöst werden wird. Tragfähig auch deshalb, weil es parallel als Übertragungsmedium für die Sendeanstalten genutzt wird.
Letzterer Effekt wird übrigens auch für Radio via DVB-T sprechen, auch wenn das die Zersplitterung weiter fördert.
Für DAB dagegen sehe ich einen solchen Mitnahmeeffekt aber nirgendwo. Es hätte eine Chance, wenn bis zur Verfügbarkeit ausreichender Band-III-Kapazitäten, die existierenden L-Band-Kapazitäten massiv subventioniert, ausgebaut werden würden und gleichzeitig preisgünstige, leistungsfähige Empfangs-Geräte verfügbar werden würden.
Die Zeiten, da es einen Massensender gab, den jeder hörte, kannte und mochte, die Zeiten des universellen Massenmediums sind jedenfalls schon lange vorbei. Man hat halt nur 2 Ohren und kann nicht 10 Programme gleichzeitig hören. Und so bleibt für jeden Sender nur ein kleinerer "Kuchen". Für so einen "kleineren Kuchen" müßte DAB tragfähig werden. Die Zukunft des des Radios, wenn es denn weiter funktionieren soll, ist eine funktionsfähige Aufsplittung in viele Spartenprogramme und Spartensendungen.

@TerranusI
Zitat

Außerdem sind bei uns die Betriebskosten zu hoch. Stichwort eigene Sender betreiben etc. Bei uns muss ja immer der rosa Riese gefüttert werden.

Das KO-Kriterium schlechthin, was auch nach einer eventuell erfolgreichen Wellenkonferenz 2007 geprüft werden muß. Ist aber wohl nicht nur der rosa Riese. Alternative Betreiber werden wohl maximale Selbstausbeutung betreiben müssen, um bei Durchschnittlicher Auslastung ihres Packetes nur annähernd an die UKW-Kosten zu kommen.



Achso, zu den Küchenbrüllwürfeln wollte ich noch was schreiben: Hab sowas auch, empfängt (meist) nur einen Sender. Und letzterer ist an meinen Sat-Receiver angeschlossen. :=) Die Geräte gibt's übrigens im Elektrofachmarkt des Vertrauens...

von Hagen - am 13.10.2004 21:10
Hallo,

also, bei all' dem Für und Wider DAB muss ich sagen: Ich bin froh, dass es DAB gibt.

Ich hatte über ein Jahr alle erdenklichen Mittel versucht, die unsaubere Einspeisung meines Lieblingssenders (RBB KulturRadio) in das Breitbandkabel abstellen zu lassen. Leider ohne Erfolg!
Eine eigene Hochantenne auf dem Dach kam leider für mich auf Grund mietrechtlicher Probleme nicht in Betracht.

Völlig verzweifelt habe ich mir den "TU 970" von Harman-Kardon gekauft, um doch einmal DAB als Alternative auszuprobieren.
Bereits mit der mitgelieferten DAB-Wurfantenne bekomme ich alle im Band-III zu empfangenen Sender in 1a-Qualität. Der Empfang vom KulturRadio ist optimal: kein Rauschen und Zirpen, genauso gut wie seinerzeit der Empfang mittels DSR war!

Sicher: Der Klang ist nicht so volltönend wie z.B. auf meinem Restek "Ergo" auf UKW, aber dafür frei von allen Störungen und absolut rauschfrei. Ich möchte nicht mehr tauschen!

Gruß



von Olaf Mahlkow - am 14.10.2004 11:08
... wohingegen ich bisher niemanden kenne, der sich für einen Mainstramsender ein DAB-Radio gekauft hätte. Schon gar nicht für ein Dudelradio, das parallel auf UKW abgestrahlt wird.

Einen L-Band-Ausbau halte ich allerdings für weniger geeignet. Die Tests scheinen ja zu belegen, daß hier die Senderkosten für das engmaschige Netz stark steigen und es viel größere Aussetzerprobleme gibt.

Außerdem kollidieren ja soviel ich weiß einige Frequenzen mit dem World-Space-Bereich - einer weiteren schönen Technologie, für die hoffentlich mal jemand einen Salelliten ins All schickt, der auf Europa beamt.

von peeraxel - am 14.10.2004 16:48
"DAB, ADR, DRM etc. entspricht nicht mal mehr der DIN HiFi-Norm."

Du kennst DIN45500? Anscheinend nicht wirklich...

Hier nur mal ein kurzer Ausschnitt für den relevanten Bereich:

Klirrfaktor 40dB bei 1kHz, >30dB bei 250Hz-10kHz
L/R-Kanalabweichungen 50dB bei 1kHz

Das schafft man alles locker, egal ob DAB, DRM, IBOC oder wie sie alle heissen...

Georg

von Georg Acher - am 14.10.2004 18:49
@ Hagen
Hier geht’s doch nicht um einen "Schuss" gegen Spartenprogramme (ich höre die doch selber, z.B. Radio Deluxe).

konzentrieren sich noch mehr auf einen fast kartellähnlich definierten Mainstream und ... treiben das Radio noch weiter in die Bedeutungslosigkeit.

Na ja... Der große Kuchen wird verteilt. Und frag dich mal ehrlich, was die Masse der Hörer wirklich will... (MAINSTREAM). Und ohne (!) die Masse an Hörern hätte das Radio kaum mehr (!) an Bedeutung als JETZT (mit der MAsse die sich mit dem zufrieden gibt, was da so rumdudelt), auch wenn Spartenhörer intensiver zuhören sollten und sich zum Radio bekennen.

Anders dagegen sind die Hörer von Spartenprogrammen typischerweise eher dankbarere, aufmerksamere Hörer.

Klare Zustimmung. Nur -und das ist meine Meinung, mehr nicht- bilden diese und wie ich meine, sehr wenigen dankbaren Hörer keinen (EIGENSTÄNDIGEN) Markt um z.B. eine neue Technologie wie DAB oder was auch immer durchzusetzen zu können und zu forcieren , so dass dann auch die Masse davon Wind kriegt.

Irgendwie -mag dich überraschen (?)- bist du soweit ausnahmsweise nicht soo weit von meinem Posting entfernt.

von Schwabinger - am 14.10.2004 18:57
Warum packt man nicht einfach alles, was auf ADR läuft bundesweit auf DAB, falls es geht. So genau kenne ich micht nicht aus, ob da Kapazitäten bestehen für alle Programme. Man könnte privaten Anbietern anbieten füt begrenzte Zeit auf lau über DAB zu senden, bis DAB sich durchsetzt. Warum soll denn nicht mitten NRW auch HR3 zu empfangen sien, oder Klassikradio, Radio RTL, NFN, BR3, oder Jam FM. So kann man zu Hause und unterwegs fast alle Sender empfangen, die man sonst nur auf der Urlausbfahrt oder im Kabel höhren kann. Mindetens 10 Prgramme sollten schon on Air gehen. Am besten noch mehr. Die Sender könne das Geld für die Lizenzen könne die Privaten nur schwer aufbringen.
Wenn die Konsumenten erstmal spitz kriegen, daß man mit einer Stabantenne weit über 10 Sender bekommt, wird es sich schon rumsprechen, daß DAB es bringt. Wieviel Programme kriegt man denn lokal unter? Wenn die Höhrerzahl kontinuihrlich zunimmt, werden sich die Sender darum reißen, um auf DAB zu kommen. Wenn der Nachbar einem vorschwärmt, wie toll DAB ist, werden es sich auch weniger Technikbegeisterte holen.
Die Öfis sollten Programme nur für DAB Produzieren, die auf UKW fehlen. Es gibt doch ARD Digital. Warum gibt es keine gemeinsammen digitalen Rundfunkprogramme mit stark voneinader abweichenden Musiekrichtungen. Wer ein ganz bestimmten Geschmack bedient, muß über eine große Fläche Senden um genug Höhrer zu finden. Wie wäre es ein Musiekporgramm für Hardrock/ Heavy Metal, Pop/ Dance,Techno / Trance, Indipendent,Punk, deutsche Musiek auf denen wirklich was extravanges läuft, nicht nur das algemeine Weichspülpop. Sozusagen "richtige" Musiek.

Es könnte ja erstmal zum freien Empfang laufen. Wenn es richtig läuft, könnte man ja diese Programme in Payradio umwandeln. Wenn auf allen Sendern nur das einerlei, wären bestimmt auch einige bereit für bessere Musiek on Air zu bezahlen.

Wäre es technisch realisierbar isch z.B. bei WDR2 die normalen Wortsendungen wie gehabt zu höhren und sich wahlweise seine Musiekmix individuel auszusuchen?

von Hifi-Maniac - am 14.10.2004 20:35
@Georg Archer :
"Der für Heimwiedergabe bisher verwendete nationale sog. Hi-Fi-Standard (DIN45500) ist nicht mehr gültig, er wurde ca.1989 durch den internationalen IEC-Standard 268 (DIN EN 60268) ersetzt. Dieser gibt Mindestanforderungen für eine höhere Qualifikationsklasse gegenüber handelsüblichen Massen-Erzeugnissen an...."

Achja, ....MP3, DRM und so weiter sind alles Datenreduzierungen, bei denen der Klirrfaktor ansteigt. M.W. versteht man darunter auch die bekannten Artefakte.



von Der Korken - am 14.10.2004 20:54
@Der Korken:

hey, da ist ein r zuviel bei mir im Nachnamen...

"er wurde ca.1989 durch den internationalen IEC-Standard 268 ..."

An die hat der OP aber sicher nicht gedacht, da der neue nicht unter "DIN-Hifi" geführt wird.

Der IEC hat AFAIK ein paar dB schärfere Anforderungen, das ist aber nichts, was mit heutiger Technik schwer einzuhalten ist.

"MP3, DRM und so weiter sind alles Datenreduzierungen, bei denen der Klirrfaktor ansteigt."

Schau dir die Definition des Klirrfaktors an. Da geht es um die Obertonanteile im Verhältnis zum Grundton. Da MPEG zB. aber den Sinus perfekt synthetisieren kann, gibt es eben keinen durch die Kompression verursachten Obertonanteil, somit ist der Klirrfaktor sogar idealerweise 0...

Alle bisherigen Hifi-Normen gehen noch von rein analogen Artefakten (Rauschen, Übersprechen, Nichtlinearität im Spannungs/Frequenzbereich) bzw. Artefakten durch die PCM-Digitalisierung (Quantisierungsrauschen, DNL, Aliasing...) aus. Das sind alles Werte, die man mit wenigen, einfachen Prüfsignalen schön messen kann.

Und da fängt genau das Problem an: Die Artefakte durch Kompressionsalgorithmen kann man nicht in Zahlenwerten messen, da sie in ihren Auswirkungen rein subjektiv sind. Das einzige was halbwegs objektiv erfassbar wäre, wären Ein/Ausschwingvorgänge bei Transienten, das hilft aber nicht wirklich universell weiter.

Ich will hier übrigens nicht behaupten, dass DAB/DRM/... immer gut klingen müssen, nur mit Hifi-Normen hat das gar nichts zu tun. Ich würde sogar fast sagen, das bzgl. der analogen Werte DAB&Co besser als DSR sind, weil die Wandlertechnik selbst einfach weiter ist. Es ist heute kein grosses Problem, auch mit einfachem Layout >110dB Rauschabstand hinzubekommen, das war auch 1994 einfach noch nicht zu vernünftigen Preisen machbar.

Was solls, der Akzeptanz von DAB hilft das aber auch nichts ;-)

Georg

von Georg Acher - am 14.10.2004 21:51
@ Hifi- Maniac

Das wär für mich ein Grund, sofort einen DAB- Empfänger zu kaufen: Wenn alle grösseren ARD- und Privatsender bundesweit auf DAB gehen. Warum eigentlich nicht? Nägel mit Köpfen machen und den Frequenzbereich für DAB erweitern.
Dann kann auch der Laie den Mehrwert erkennen, wenn er weiss, das ständig 70 Programme empfangbar sind und er auch Sender aus dem deutschsprachigen Raum zu Hause hören kann, die er nur aus dem Urlaub kennt.
Ich kann nur von hier aus urteilen: derzeit würd ich keinen Pfifferling für DAB ausgeben, denn NDR1, NDR2 und DLR bzw DLF kann ich auch über UKW wunderbar hören - warum also sollte ich dafür extra Kohle zahlen? Verzerrter Mehrwege- Empfang wie in den Mittelgebirgen oder den Alpen gibts hier in ganz Norddeutschland auch nicht. Und somit keinen Anschaffungsgrund...



von HAL9000 - am 15.10.2004 09:32
Wieso soll man mit aller Gewalt DAB forcieren? Allen Vorteilen zum Trotz:

Die Masse ist mit dem bisherigen System vollkommen zufrieden. Hinzu kommt, dass in den letzten 15 Jahren das Radio seinen ursprünglichen Stellenwert zu Gunsten des Fernsehens verloren hat. Da alle Pop-Wellen nahezu gleich klingen, schaltet der Normalhörer einfach auf ein anderes Programm um, wenn der der Sender schlecht zu empfangen ist. Wenn RPR rauscht, dann wird halt SWR3 gehört.

Radio findet als Hintergrundberieselung in Form von "Küchenbrüllwürfeln" statt. Kein "Normalo" hört sich doch mehr Radio bewusst über die Hifi-Anlage an, geschweige denn mit dem Sennheiser-Kopfhörer.

Ein System einzuführen, dass keiner ausser einpaar Freaks favorisieren, ist zum Scheitern verurteilt.

Besser wäre es, das UKW-Band gänzlich neu unter realistischen Kritierien zu ordnen und die Frequenzen "vernünftig" zu koordinieren, so dass Störungen subjektiv (!!) minimiert werden. Subjektiv heissst hier, dass man sich nicht nur auf Computerberechnungen verlassen soll, sondern auf das, was aus dem Lautsprecher kommt.

von WellenJäger - am 15.10.2004 14:14
Genau, das UKW-Band müsste erstmal durchsortiert und die Störungen minimiert werden. So müsste geklärt werden, ob ein flächenmäßig nicht sehr großes und teilweise schwierig zu versorgendes (da zur Hälfte hügeliges) Land wirklich drei rundstrahlende 100 kW-Sender in Nähe der Landesgrenzen braucht, die außerhalb des Landes fast schon weiter stabil zu empfangen sind als innerhalb des Landes, der Topografie sei Dank. Ich rede von Hessen, wo man auf der A45 zwischen Gießen und Hanau, 40 km vom überdimensional starken 100 kW-Sender auf dem Gr. Feldberg entfernt, einmal zwischen Wölfersheim und Münzenberg und einmal bei Altenstadt ohne RDS manuell umschalten müsste. In die Richtungen, in denen den 100 kW keine Gebirge im Weg stehen, sind die Frequenzen jedoch unnötig blockiert, zusätzlich hält sich der HR für diese Frequenzen konsequent einen Sicherheitsabstand von 400 kHz frei.



von Hagbard Celine - am 15.10.2004 15:01
@Channel Master: Ich fürchte, du hast mich falsch verstanden. Um mal fiktive Zahlen zu nennen, 20 kW vom Feldberg, 20 kW vom Hoherodskopf und 20 kW aus dem Odenwald (nicht unbedingt vom fast in BaWü liegenden Hardberg) wären sicher besser für das Rhein-Main-Gebiet als 100 kW Feldberg und ein Meißner-Restchen. Und die Koordinierung für Brüllwürfel ist zwar tatsächlich übertrieben, aber ein halbwegs gutes Autoradio mit 1,5 Meter Antennenhöhe sollte schon drin sein, sonst verliert der Verkehrsfunk seinen Sinn. Und deutlich unter 50 dBµV bricht nun mal das RDS-Signal weg, dann ist bei vielen Autoradios Sense, und die Empfangsbedingungen ähneln dann fast schon den DX-Reichweitenversuchen mit dem Auto. Man würde quasi den Verkehrsfunk ad absurdum führen. So wäre der Empfang auf der A5 zwischen Gießen und Bad Hersfeld und auf der A45 hinter Gießen ziemlich wacklig. Bist du schon mal mit einem Autoradio diese Strecken abgefahren, das kein RDS besitzt oder dessen AF abgeschaltet ist? Nein? Du würdest bei HR3 die 87.6 Biedenkopf und 97.7 Rimberg ziemlich vermissen, genau wie auf der A66, die die einzig vernünftige Verbindung zwischen Frankfurt und Fulda darstellt, die 106.2 ziemlich fehlen würde. In Altenstadt, einem Nachbarort meiner Heimatgemeinde, stehen alle Yagis auf dem Dach in Richtung Feldberg, aber im Autoradio verzerrt und rauscht es gerne mal, wenn man diesen Sender eingestellt hat - nur mal um den Unterschied zwischen mobilem und stationärem Empfang zu verdeutlichen.

Und du kannst nicht jedem ein teures DAB-Autoradio samt neuer Antenne aufzwingen, nur weil er nicht auf den Verkehrsfunk verzichten möchte. Außerdem geht der Trend hin zu Radios, die in das Armaturenbrett integriert sind und nur schwer ausgetauscht werden können. UKW wird also in den nächsten 5-10 Jahren für den Mobilempfang kaum verzichtbar sein.



von Hagbard Celine - am 15.10.2004 16:15
@ digifreak
Das wird es wohl nicht mehr geben. Dank Optimode werden alle Dynamikunterschiede glattgebügelt. Das macht ein Klassisches Stück kaputt, wenn die verschieden Lautstärken innerhalb eines Stückes nicht mehr zueinander passen.

Aber so was merken die meisten Hörer eh nicht. Bei Popmusik hört man die Unterscheide nicht unbedingt. Bloß wenn man das Lied von zu Hause auf CD gewohnt ist, merke ich die Unterschiede.
Jedes Bit von einer CD Digital zu senden kostet zu viel Bandbreite, weshalb ja datenreduziert wird. Bei zukünftigen Aufzeichnungsmedien ( DVD-Audio, SA-CD) wird der Abstand zwischen Tonträger und dem Sendesignal noch größer werden. Diese Systeme werden sich beim Normalen User nur sehr langsam oder gar nicht durchsetzen, weil der Unterschied zur herkömmlichen CD preislich gewaltig und klanglich nur klein ist, was nur auf High-Endanlagen reproduziert werden kann.
Für unterwegs ist MP3 ok. Auf den kleinen Ohrstöpseln fällt der unterscheid eh nicht ins Gewicht.

von Hifi-Maniac - am 15.10.2004 16:25
Die Rettung von DAB kann nur eine einzige Sache sein:

Mehr Spartensender und Radiosender die Musik spielen, welche bestehnde Sender noch nicht spielen.

Im Raum Stuttgart kriege ich ohnehin schon auf zu vielen Frequenzen SWR3, die Privatanbieter sind auch nicht ganz die besten und die 107,7 ist in meinen Vorstellungen von richtiger Rockmusik (wie etwa auf AFN von Mitternach bis 5 in die Frueh) weit entfernt.

Wenn auf DAB Spartensender existieren wuerden, Jazz, Klassik, Country, Rock etc....dann wuerde ich mich fuer einen Kauf eines solchen Empfaengers entscheiden. Ob nun Deutschland flaechendeckend versorgt sei, oder nicht waere fuer mich zweitrangig.

von 102.1 - am 15.10.2004 17:53
@Hagbard Celine:
Ich vergaß natürlich zu erwähnen, dass die Grundversorgung für UKW natürlich nicht nur soweit reduziert werden müsste, dass die Brüllwürfel im Keller nicht mehr berücksichtigt werden, auch halte ich es im Sinne des Thead-Titels für völlig überflüssig, jede erdenkliche Ecke für UKW-Mobilempfang auszuleuchten.

Das bringt die Autofahrer in topographisch schwierigen Gebieten dann auch auf DAB. Mit der steigenden Nachfrage werden alle neu angebotenen Autoradios ein DAB-Empfangsteil bekommen müssen.

Mit der Unsitte, die Werksradios in das Armaturenbrett zu integrieren, kann ich mich ohnehin nicht anfreunden. Zumindest müsste es auch in D jedem Autohersteller gesetzlich vorgeschrieben sein eine Radiovorbereitung anzubieten, wie in Holland. Aber das ist ein anderes Thema.

Und ganz richtig erkannt: Bei der dünnen UKW-Versorgung, welche mir vorschwebt, wird die AF-Funktion des RDS nicht viel zu tun haben, weil die Anzahl der alternativen Frequenzen sehr übersichtich ist.

Und ich bin auch schonmal in den 80ern mit meinem damaligen Blaupunkt Bremen SQR46 durch Mittelgebirgsregionen gefahren. Dann rauschts halt hin und wieder mal. Na und? Entweder Rauschen in Kauf nehmen oder DAB kaufen.

Hier nochmal in aller Deutlichkeit: Die Einführung von DAB gelingt meines Erachtens nicht nur über ein attraktiveres DAB, sonder primär über ein unattraktiveres UKW.

von Channel Master - am 15.10.2004 21:00
@DX-Fritz:

Zitat

Das war ja bei ADR genauso: Nur wegen der
Vielfalt der empfangbaren Radiosender haben seinerzeit die
meisten einen ADR-fähigen Sat-Receiver gekauft. Die bessere
Klangqualität hatte bei der Kaufentscheidung nur
untergeordnete Bedeutung, man hatte sie natürlich gerne in
Kauf genommen.


Ich gehe sogar weiter und behaupte, die Klangqualität bei ADR ist schlechter als bei DSR und auch das analoge Wegner Panda klang subjektiv besser!
Und das größere Programmangebot war für nicht nur für mich noch zu DSR-Zeiten Motivation genug, auf ADR zu schwenken.

Das Problem ist Problem ist doch (wie hier schon x-fach angesprochen) die Dynamikkompression in vielen Sendestudios. Auf UKW sind die Sender quasi gezwungen, diese anzuwenden, wenn sie überhaupt noch im Emfänger wahrgenommen werden wollen...
Auf DAB muß das nicht so sein. Irgendwie klang dort auch noch ein 96kbps-Musikkanal brauchbar.
Und auch bei der Codierung kann man viel schrauben/optimieren. Hab mal die 192kbps von Bayern 2 im IRT-Ens. gegen die gleiche Bandbreite bei ADR verglichen. Nach dem subjektiven Eindruck hatte DAB leichte Vorteile, die aber auch durch die unterschiedlichen Endgeräte verursacht sein konnten...

@Schwabinger

Zitat

Der normale Hörer, nicht irgendwelche Hifi-Freaks, entscheidet über für und wider von DAB.
Denn so viele Freaks gibt es auch wieder nicht


Im Endeffekt zwar schon. Aber die Freaks bringen etwas voran. Und werden zuerst wahrgenommen. Von sogenannten Entscheidern UND von Otto Normalo.
Insofern tun sogenannte "Entscheider" gut daran, die Meinung der Freaks stärker zu würdigen.



von Hagen - am 15.10.2004 21:15
robiH schrieb:

Zitat

Unattraktiveres UKW:
Welche Maßnahmen hierzu lassen sich am leichtesten politisch
durchsetzen?


Hoffentlich gar keine. Wer solche Maßnahmen wünscht, offenbart eine antidemokratische Grundhaltung. Wenn 99,9% der Bevölkerung mit dem bisherigen UKW-System zufrieden ist, dann mögen das bitte auch die DAB-Fetischisten endlich mal kapieren. Ist denn das so schwierig? Es kann doch wohl nicht angehen, daß ein international etabliertes System absichtlich verschlechtert wird, nur damit ein paar Digitalfans auf ihre Kosten kommen. Derartige Forderungen sind - milde ausgedrückt - eine absolute Unverschämtheit!

Also nochmal:
DAB ist hauptsächlich daran gescheitert, weil das Medium Radio generell in einer Krise steckt, aus welchen Gründen auch immer. Fehlendes Marketing, unattraktive und wenige Programme und hohe Kosten für Empfänger mit scheußlichem Design haben dem Niedergang nachgeholfen. Nach Angaben von englischen DXern hat sich in England DAB als Zusatzangebot zu UKW eine Marktnische erobert, aber der riesengroße Durchbruch hat auch dort nicht stattgefunden, zumindest nicht in dem Sinne, wie das von den Lobbyisten oftmals angepriesen wird. Ob das nun stimmt oder nicht spielt ohnehin keine entscheidende Rolle, denn England ist nur ein kleiner Teil von Europa und was auf der Insel funktionieren mag, klappt noch lange nicht automatisch auf dem Festland.

Von mir aus wird dieses Dauerthema noch hundertmal durchgekaut. Aber ich hoffe, daß hier im Forum nicht nochmal so ein Müll wie "Zwangsabschaltung auf UKW" oder "absichtliche Verschlechterung" auftaucht. Bei solchen Parolen hört sich bei mir jegliche Toleranz auf!



von MHM - am 16.10.2004 08:07
> Aber ich hoffe, daß hier im Forum nicht nochmal so ein Müll wie "Zwangsabschaltung auf UKW" oder "absichtliche Verschlechterung" auftaucht.

Ganz meine Meinung! Ich finde schon die Zwangsabschaltungen für DVB-T ziemlich unverschämt. Da wird, ohne die Nutzer zu fragen, eine etablierte, qualitativ hochwertige Technik gegen ein System ausgetauscht, das sich vielleicht in ein paar Jahren nicht als der Weisheit letzter Schluss herausstellen wird.
Eine UKW-Zwangsabschaltung ist indiskutabel und ein Verschlechtern der bestehenden Versorgung wäre sehr kontraproduktiv für das Medium Radio. Ich denke nämlich nicht, dass der Normalhörer aus dem schlechten Empfang folgert, dass er jetzt sein Radio austauschen muss. Er wird dann einfach sein Radio weniger oft oder gar nicht mehr benutzen.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 16.10.2004 08:29
>>> Aber ich hoffe, daß hier im Forum nicht nochmal so ein Müll wie "Zwangsabschaltung auf UKW" oder "absichtliche Verschlechterung" auftaucht.

>>Ganz meine Meinung! Ich finde schon die Zwangsabschaltungen für DVB-T ziemlich unverschämt. Da wird, ohne die Nutzer zu fragen, eine etablierte, qualitativ hochwertige Technik gegen ein System ausgetauscht, das sich vielleicht in ein paar Jahren nicht als der Weisheit letzter Schluss herausstellen wird.

Hier wurde urprünglich gefragt, wie DAB noch zu retten sei. Und das war meine Meinung dazu, nicht mehr und nicht weniger. Im Prinzip habe ich dabei einen ähnlichen Weg beschrieben, wie er nun bei DVB-T vs. Analog-TV beschritten wird. Vielleicht ist das ja wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Das werden wir aber erst in ein paar Jahren erfahren. Wir werden also die Entwicklung dieser Maßnahmen im Auge behalten und vielleicht in zwei Jahren diesen Thread wieder rauskramen.

Ohnehin sind die in meinem ersten Posting vorgeschlagenen Maßnahmen in chronologischer Reihenfolge zu verstehen. D.h vor einer flächendeckenden Einführung von sehr vielen DAB-Ensebles ist an die Punkte 4-6d ohnehin nicht zu denken. Und das ist sogar eine Verbesserung gegenüber dem Weg, der nun bei DVB-T beschritten wird.

>> "Müll" war kurz vor Plonk. Aber ich bin ja tolerant...

von Channel Master - am 16.10.2004 10:54
Gab es zur Zeit des Genfer Wellenplans 1984 schon Störungen, wie man sie heute kennt? Die Privatsenderfrequenzen, die nach 1984 dazu kamen, wurden oft nicht richtig koordiniert, sondern wurden einfach von der Telekom zugeteilt, egal, ob das irgendwann auf einer Anhöhe in 40 km einen ortsüblichen Sender stören könnte. Heute kämpft man im Raum nördlich von Frankfurt allein zwischen 99.9-100.4 - das sind gerade mal 500 kHz vom 20,5 MHz breiten UKW-Band! - mit 2 dadurch hausgemachten Störungssituationen. So kann man nur mit schmalen Filtern 99.9 (SWR3 Heidelberg) und 100.0 (FFH Dillenburg, O=5 in der Wetterau) trennen, sofern überhaupt möglich. Meistens dominiert dann die stärkere 100.0, obwohl ein Sender aus dem südlichen Odenwald mit 100 kW oft noch annehmbar empfangbar wäre. 100.2 Planet Frankfurt, 100.3 FFH Eisenberg, 100.4 harmony.fm Nieder-Mörlen, 100.4 Primavera Alzenau, vereinzelt auch 100.4 Radio Regenbogen Hornisgrinde, stören sich gerne gegenseitig - und das sind alles nachkoordinierte Privatfrequenzen.

Diese Situation durch teilweise Umkoordinierung der Privaten und der sonstigen Funzeln und auch viele Leistungsänderungen werden wohl Aufgabe der Stockholmer Wellenkonferenz 2006 werden - es sei denn, man versteift sich total auf DAB, dann hat allerdings für UKW das letzte Stündlein schon geschlagen.



von Hagbard Celine - am 16.10.2004 11:00
Zitat

Diese Situation durch teilweise Umkoordinierung der Privaten und der sonstigen Funzeln und auch viele Leistungsänderungen werden wohl Aufgabe der Stockholmer Wellenkonferenz 2006 werden


Ich bezweifle, dass sich Stockholm darum kümmern wird! Von wem sollte diese Initiative denn getrieben werden? Von den bestehenden Programmveranstaltern wohl kaum, denn die haben diesen Frequenzsalat ja so gewollt.



von Grenzwelle - am 16.10.2004 11:17
Definitiv nein. 2006 wird lediglich der Plan der Stockholmer Konferenz 196? neu aufgerollt, nicht der Genfer Wellenplan von 1984. Betroffen also Band III/IV/V (also TV-Bereich und eben auch DAB), aber *nicht* Band II (UKW).

Im übrigen sind all diese Funzeln ordnungsgemäß nach Vorschriften der ITU koordiniert. Ich wage zu bezweifeln, dass in nächster Zeit (vor 2010) eine Umkoordinierung dieser Frequenzen oder gar eine Zerobase ins Haus steht. Lediglich, wenn sich DAB nicht durchsetzt und auch kein anderes Hörfunksystem diesen Zweck erfüllt, dann könnte sich bei UKW was tun, aber selbst dann ist eine Zerobase für ein Riesenland wie Deutschland sowohl technisch als auch medienpolitisch und nicht zuletzt auch aus Kostengründen VÖLLIG utopisch. Meiner Meinung nach wird einfach der derzeitige Weg weiter geführt. Noch mehr Frequenzen kleiner Leistung, noch mehr das Ausnutzen letzter Reserven und Lücken. Das Chaos wird sicher noch viel schlimmer...

@MHM:
"hat sich in England DAB als Zusatzangebot zu UKW eine Marktnische erobert"

Ist es nicht genau das, was hierzulande auch erstrebenswert wäre? DAB als zusätzlicher Programmlieferant und UKW beibehalten. Das würde uns vor einer weiteren Zumüllung des UKW Bandes bewahren (bzw. würde vielleicht sogar manche Funzel entbehrlich machen) und würde dennoch den Programmhörer mit neuen Angeboten und bei Bedarf CD-naher Qualität befriedigen. Aber scheinbar ist genau das der schwierigste Weg, auch wenn er in Großbritannien funktioniert hat.



von Andreas W - am 16.10.2004 11:25
Ahja, um deine Frage noch zu beantworten. Störungen wie heute gab es 1984 natürlich noch kaum, weil da auch noch nicht so viele Füllsender in Betrieb waren und auch nicht so viele Programme. Es gibt allerdings einige Stör-Konstellationen, die auf diesem Plan beruhen. 107,9 Hohe Wurzel gegen 107,9 Kreuzberg, 102,2 Weinbiet gegen 102,1 Mudau, usw... Also schon damals wurden einige Frequenzen koordiniert, die sich gegenseitig stören. Mit zunehmender Bandbelegung steigt natürlich das Störpotenzial. Wirklich freie Frequenzen (wo tatsächlich gar nix kommt und auch 300kHz drumrum nix ist), gibt es ja nun mal nicht mehr, also MUSS jede neue Frequenz stören. Die Frage ist nur, ob das gestörte Programm genug Überversorgung hat, dass das keine Rolle spielt, oder ob die gestörte Frequenz überhaupt relevant ist für das Gebiet.
Bis auf wenige Konstellationen, wo man wohl im Schutze starker Ortssender (400kHz drumrum) noch Fernempfang betreiben kann, wird es wohl immer schwieriger, ferne UKW-Sender reinzubekommen.



von Andreas W - am 16.10.2004 11:30
Andreas W schrieb:

Zitat


@MHM:
"hat sich in England DAB als Zusatzangebot zu UKW eine
Marktnische erobert"

Ist es nicht genau das, was hierzulande auch erstrebenswert
wäre? DAB als zusätzlicher Programmlieferant und UKW
beibehalten. Das würde uns vor einer weiteren Zumüllung des
UKW Bandes bewahren (bzw. würde vielleicht sogar manche
Funzel entbehrlich machen) und würde dennoch den
Programmhörer mit neuen Angeboten und bei Bedarf CD-naher
Qualität befriedigen. Aber scheinbar ist genau das der
schwierigste Weg, auch wenn er in Großbritannien funktioniert
hat.


Ja, DAB als Zusatzangebot zu UKW würde durchaus Sinn machen. Der Grund, warum es in England funktioniert, nicht aber bei uns, mag in den völlig unterschiedlichen Hörgewohnheiten beider Länder liegen. Offensichtlich hat das Medium Radio in England einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Während hierzulande die Dudelprogramme die Einschaltquotenlisten anführen, erfreuen sich in England auch stark wortorientierte Programme großer Beliebtheit. Man stelle sich das mal bei uns vor, Bayern 2 und DLR Berlin als eine der reichweitenstärksten Programme...

Ich weiß nicht, ob ein kompletter deutschlandweiter Zerobase auf UKW völlig utopisch ist, auf jeden Fall bedarf es bei solch einer großangelegten Umstrukturierung eine internationale Koordinierung und Zusammenarbeit. Im Augenblick sehe ich auch keine Chance auf eine Flurbereinigung im Band II. Es wird sich wohl auch deshalb niemand an diese Aufgabe heranwagen, weil keiner wirklich weiß, wie es mit DAB weitergehen geht. Man wird wohl erst die Stockholmer Konferenz abwarten und dann entscheiden.



von MHM - am 16.10.2004 11:59
Also ich habe jetzt seit fast 1 1/2 Jahren ein DAB Empfänger und bin total begeistert von den Empfang . hatte immer Störungen bei UKW, selbst bei den Lokalsendern.
Wer einmal DAB gehört hat wird wohl keiner mehr vezichten wollen..
OK es müsste allerdings mehr Spartensender geben, da bin ich allerdings optimistisch, ergibt sich wohl mit der Zeit

ERwin ;-)

von Klick, Erwin - am 16.10.2004 12:25
>>Ich weiß nicht, ob ein kompletter deutschlandweiter Zerobase auf UKW völlig utopisch ist,

Mit einer Minimalversorgung ist das gar nicht so utopisch. Für alle Ö-Rs + DLF + DLR macht das zusammen bundesweit ca. 150 zu koordinierende starke Frequenzen. Lass nochmal 30 starke für die Privaten dazu kommen.

OK, wenn man das Lokalgefunzele wie in NRW weiterhin so abbilden will, ist das ganze natürlich aufwändiger. Aber es gibt dann ja auch wieder viel mehr Lücken im Band, wo man koordinierter funzeln könnte als heutzutage.

von Channel Master - am 16.10.2004 12:36
Klick, Erwin schrieb:

Zitat

Also ich habe jetzt seit fast 1 1/2 Jahren ein DAB Empfänger
und bin total begeistert von den Empfang . hatte immer
Störungen bei UKW, selbst bei den Lokalsendern.


Störungen auch bei Lokalsendern? Das liegt dann aber nicht an UKW, sondern am Empfänger. Evt. ein technischer Defekt oder erhebliche Unempfindlichkeit? Mit einem halbwegs durchschnittlichen Equipment ist störungsfreier UKW-Empfang heutzutage überhaupt kein Problem mehr, sofern man sich mit den landesüblichen Programmen zufriedengibt.
Zitat

Wer einmal DAB gehört hat wird wohl keiner mehr vezichten
wollen..


Na ja, je öfter ich in DAB reingehört hab, umso mehr war ich froh, daß es UKW gibt. Ich kann leider keinen Mehrwert bei DAB entdecken. Ausnahme ist vielleicht der Mobilempfang im Autoradio, wenn man in den Alpen unterwegs ist.



von MHM - am 16.10.2004 12:39
Um mal wieder On-Topic zu kommen: Um DAB retten zu können, muss es überhaupt überall empfangbar sein. UKW ist empfangbar - blockiert aber bei Großsendern teilweise für über 100 km eine Frequenz komplett, und das pro Sender. Das derzeitige Problem ist also, dass für die große Vielfalt in einem föderalistisch aufgebauten Land wie Deutschland das UKW-Band zu klein ist, aber eine Art Gleichwelle nur digital realisierbar ist. Also muss DAB her - aber bitte so, dass keine Nachteile gegenüber UKW bezüglich der Empfangbarkeit entstehen. In jeder Hinsicht.

Dazu muss folgendes erfüllt sein:

1. Landesweite Versorgung mit akzeptablen Mindestfeldstärken. Damit meine ich aber nicht, die Gegend GSM-artig mit 100-Watt-Kleinsenderchen zuzupflanzen, sondern von guten Standorten auch mal mit 5 kW oder so zu senden. Ein kleines Bisschen Overspill sollte auch drin sein, da es besonders im Auto alles andere als vorteilhaft ist, wenn der Sender direkt an der Landesgrenze abbricht.

2. Erstellung von Regionalensembles. Diese bieten kleinen Regionalsendern und auch ortsüblichen Sendern aus Nachbarbundesländern (z.B. SWR/BR in Rhein-Main, MDR/HR im Raum Göttingen, WDR in Mittelhessen etc.) die Möglichkeit, in dem für sie bestimmten Gebiet empfangbar zu sein. Diese müssen nicht 100%ig empfangbar sein, da sie nicht zur Grundversorgung gehören, sollten aber in weiten Teilen des Zielgebiets empfangen werden können. Bitte nicht ins L-Band, sondern ins Band 3.

3. Stadtensembles in größeren Städten. Hier kommen dann die NKLs und andere Sender rein, die nur Lizenzen fürs Stadtgebiet haben und auch nur dort im Kabel sind. Verbreitung über einen zentralen Sender im Stadtgebiet, für Frankfurt bietet sich z.B. der Europaturm an. Aus meiner Sicht lieber Minisender in einem eigenen kleinen Bereich in Band 3 - ob man sich entscheidet, eher das L-Band dafür zu nehmen, steht offen.

4. Aufrechterhaltung der Empfangbarkeit. Für Werksautoradios sollte es dazu nicht zu teure Umrüstmöglichkeiten geben, die zur Not auch aus einer Art UKW-Modulator (ähnlich den UHF-Modulatoren in Set-Top-Boxen oder Videorecordern) bestehen können. Auch sollte man mit der schrittweisen Umstellung auf DAB abwarten, bis die Technik billig genug geworden ist - denn ein Duschradio sollte auch mit DAB nicht wesentlich mehr als 10 Euro kosten. UKW-Modulatoren für den Heimgebrauch, als Klemmlösung für Teleskopantennen oder Stecklösung für Antennenanschlüsse, wären auch denkbar, sobald die UKW-Grundversorgung aufgelöst wird.



von Hagbard Celine - am 16.10.2004 13:04
"Mit einem halbwegs durchschnittlichen Equipment ist störungsfreier UKW-Empfang heutzutage überhaupt kein Problem mehr, sofern man sich mit den landesüblichen Programmen zufriedengibt."

Sofern man sich mit Bayern 1-5 und Antenne Bayern zufrieden gibt, ist das hier bei uns richtig. Aber die hiesigen Lokalsender (R.Charivari, R.Chiemgau) sind, solange man keine Dachantenne nutzt oder in Sendernähe wohnt, im Stereobetrieb definitiv leicht bis mittelstark verrauscht, und das bei eigentlich nicht schlechten Signalen. AFN aus Prien, Antenne Salzburg, Welle1, Kronehit empfange ich sogar mit Dachantenne mit leichtem, aber in Pausen gut hörbarem Rauschen, obwohl quasi noch Ortssender (zumindest weit über RDS Niveau). Wer nicht gerade in Sendernähe wohnt, hat wohl außer bei den "alten" Ketten keinen absolut störungsfreien Empfang, das muss man auch mal klar sagen. Von DLF und DeutschlandRadio gar nicht erst zu sprechen.

Aber natürlich ist dieses leichte Rauschen für die meisten nicht relevant. Und andere, die das Rauschen nicht stört, sind durch MPEG Artefakte genervt. Das ist halt immer Ansichtssache. Ich sehe DAB aus programmlicher Hinsicht als Vorteil, weil es mir ein Mehr an Programmen liefert, das UKW einfach nicht mehr packen kann (weil überfüllt). Aus DXer Sicht ist mir DAB natürlich ein Dorn im Auge, weil stinkfad.

Ach ja, und gegenwärtige Zustände wie das Haltmachen des Signals an Landesgrenzen oder schlechten Indoorempfang, oder schlechten Klang durch niedrige Bitraten, sollte man nicht unbedingt am System DAB festmachen. Das kann sich für die nächsten Ensembles, die da noch kommen werden (hoffentlich), durchaus deutlich ändern. Wenn UKW ebensolche sinnlosen medienpolitischen (aber nicht systembedingten) Einschränkungen hätte, wie z.B. Leistungsbeschränkung auf 1kW; Messpunkte in Nachbarbundesländern, an denen das Signal bestimmte, völlig überzogen niedrige Werte nicht überschreiten darf; dann wäre es mit dem UKW-Empfang und v.a. mit dem vielgelobten Overspill auch nicht allzu weit her. Erst wenn DAB die Chance hat, richtig loszulegen (mit genug Kapazität, mit vernünftigen Sendeleistung), dann ist meiner Ansicht nach eine gerechte Grundlage gegeben, beide Systeme zu vergleichen.


Aber wir können diese Diskussion noch so oft führen: es muss sich einfach zeigen, wie Hörfunk in Zukunft hier stattfindet. Ob auf UKW oder DAB oder sonstwelchem System. Es muss sich zeigen, ob die Verantwortlichen fähig sind, DAB doch noch ordentlich auf den Weg zu bringen, oder alternativ das UKW-Band neu zu ordnen. Und da bin ich in jeglicher Hinsicht weiterhin spektisch. Bei beidem! Das heißt: bis auf weiteres bleibt alles beim alten, denke ich. DAB dümpelt weiter dahin, wird vielleicht mal eingestampft oder auch nicht, UKW wird mehr und mehr zugefunzelt, und wir werden noch viele solcher Diskussionen führen. Vielleicht gibts auch irgendwann die große UKW Abschaltungswelle, wo nur mehr einige wenige Ketten übrig bleiben, weil alternative Medien dem Hörfunk völlig den Rang abgelaufen haben. Wer kann das jetzt schon sagen?



von Andreas W - am 16.10.2004 13:14
Vielleicht sollte man die Autohersteller auch mal stärker einbinden. Ich hab bisher noch keinen Hersteller gesehen, der als kleinste Radiovariante ein DAB Gerät anbietet. Nur wenn mehr Leute die Geräte haben, kann man auch ohne Radiofreak zu sein, die Vorteile kennen Lernen.

Ich mach mir ab und zu nen Spaß daraus und versuche mich in Mediamarkt und Co über DAB beraten zu lassen. Dabei kommt seitens der Verkäufer nur Müll rum. Kaum einer weiß, wie das funktioniert. So kauft sich garantiert keiner solch ein Gerät.

von D.J. - am 17.10.2004 12:01
manches was man hier liest ist echt interessant. So sollen die Leute wahrscheinlich noch zu DAB gepruegelt werden! Man,lasst den Markt entscheiden! Und dieser entscheidet sich zur Zeit gegen DAB. Und wenn man nichts an DAB aendert, werden auch keine DAB-Geraete verkauft. Warum nicht liebe DAB als Ergaenzung, nicht als Abloesung, dann ueber DVB-Tb Radio verbreiten, wer moechte, dann ist eine grosse Vielfalt da. Ueber DAB sollten dann nur bundesweite Radiosender senden, das wuerde sinn machen und die Kapazitaeten wuerden sinnvoll genutzt. Und noch eines: wenn man schon liest, dass die Programme von Rheinland-Pfalz nach der Landesgrenze nicht mehr empfangbar sind, dann muss ich wirklich lachen. So kann doch DAB nicht abgeloest werden, swr3 z.b. ist weit in NRW empfangbar und wird da auch sehr geschaetzt, swr 1 und 4 und RPR1 uebrigens auch. Und Radio spielt eine sehr grosse Rolle. Eigentlich jeder hoert doch Radio. Das Gefaehrliche bei einer radikalen Umschaltung der Sender nur auf DAB koennte zur Folge haben, dass die Leute zu Hause ja eh schon auf Sat und Kabel umsteigen, im Auto dann lieber MP3 hoeren. Und das bedeutet fuer die Radiosender Werbeverlust und Pleite.

von pfennigfuchser - am 17.10.2004 15:43
Der beste Weg ist der radikalste Weg: UKW abschalten und DAB aufschalten aber: wie wollt ihr einem Ottonormalverbraucher klar machen, dass er aus für ihn nicht nachvollziehbaren Gründen seine Stereoanlage sowie sein Autoradio und diverse andere Radiogeräte wegwerfen muss, die in Tadellosem Zustand sind bloß weil ein paar Leute in den Landesmedienanstalten der Meinung sind UKW hat ausgedient. Ein jeder Familienvater würde sich freuen wenn er für seine Kinder zwei neue Player anschaffen muss, nur damit diese Antenne Bayern o.ä. hören können. In meinen Augen ist eine komplette UKW Abschaltung bis 2015 oder 2020 nicht vorstellbar. In den USA hat man 1946 das UKW Band von 48 MHZ auf 90 MHZ verlegt, das ging gut bei nur 3000 Radioteilnehmern, aber UKW abschalten bei etwa 1 000 000 000 Radioempfangsgeräten in Europa, in meinen Augen schwerlich durchzusetzen und ich kann nicht glauben dass das ohne größere politische Probleme von sich geht. Am besten wäre es auf DAB Deutschlandweit Programme aufzuschalten die größtenteils nur über Kabel und Satellit empfangbar sind wie Klassik Radio, Sunshine live etc., so könnte DAB ein wunderbares Konkurrenzprodukt zu Kabel werden,(dass in meinen Augen wenig Zukunftschancen hat) und sich in einem deutlichen Abstand zu UKW profilieren. Das wäre in etwa so wie der Kabelkanal und MTV am Anfang der 90 nur für Kabelzuschauer empfangbar waren.

von Thomas Birkle - am 17.10.2004 16:44
Ich meine, die 10 beliebtesten UKW Programme aus Deutschland auf 2 Ensembles bundesweit verbreiten, ferner noch ca. 5 Spartenprogramme. So hätte DAB auch in Deutschland noch eine Chance. Dazu ein Verkehrsfunk-System, welches von einem Programmanbieter oder unabhängigen Betreiber für alle 15 Programme gemacht wird und man unabhängig davon, welches Programm man gerade hört, übertragen wird. In dieses Verkehrsfunk-System sollte alles reingepackt werden, was über DAB möglich ist (digitale Stau-/Unfall-Standortkoordinaten für Navigations-Systeme / Sprachwiederholung / die Sprachausgaben auch als Text für PDA's/Handy usw. / automatische Verkehrszähler in den berüchtigten Staugegenden mit Zunahme-/Abnahme Angaben / automatische Falschfahrer Alarmsysteme. Diese Systeme sollten grösstenteils automatisch ohne Umweg über die Studios arbeiten.
Peter

PS: natürlich wäre mir lieber wenn es gleich 3 bundeweite Ensembles wären.
Uebrigens: ein viertes Deutschland-weites Ensemble für alle Ausländer hätte auch seine Berechtigung. In England sind es gerade diese Ensembles/Programme, welche dort viele Ausländer bewogen haben, einen DAB Empfänger zu kaufen.
Aber wem erzähle ich das.

von drahtlos - am 17.10.2004 17:03
@drahtlos: An die Ausländer habe ich noch gar nicht gedacht, aber stimmt, die Ausländer sind eine große Gruppe hier in Deutschland, wenn es für die ein paar Programme über DAB gäbe würden die sich hier zu allererst DAB zulegen. Ein Schritt weitergedacht:Urlaubsprogramme für Deutsche in Spanien oder Italien würde auch zu einem mehr an DAB-fähigen Autoradios führen.
DAB muss über die Nachfrage eingeführt werden, eine DAB Einführung von oben durch Richtlinie so uns so oder §§ würden viele glaube ich nicht mitmachen, DAB hätte in 20 Jahren noch den Ruf:"das haben die uns da oben eingebrockt, UKW was eh viel besser". Siehe auch Mankiw, Volkswirtschaftslehre, Seite 69 ff.

von Thomas Birkle - am 17.10.2004 17:42
@ Chris4981:

Zur einen Frage:
UKW-Zwangsabschaltung ist Blödsinn.

Zur anderen Frage:
Um DAB zu retten, wäre es zunächst einmal notwendig die entsprechenden Empfänger bereitzustellen. Genauer gesagt: Es fehlen halbwegs preiswerte Mehrnorm-Empfänger (AM/FM/DAB).

Bei der UKW-Einführung hat niemand gefordert die Mittelwellensender abzuschalten. Aber es wurden sehr bald alle neu gebauten Radios automatisch auch mit einem UKW-Empfangsteil ausgestattet. Wer sich also ein Radio kaufte, erwarb damit automatisch auch einen UKW-Empfänger; selbst wenn er nur ein Mittelwellenradio kaufen wollte.

Bei DAB läuft das komplett schief. Es gibt bisher nur ganz wenige Radiogeräte, die UKW und DAB empfangen können. Wenn ich mir ein Radio kaufen will, dass auch DAB empfangen kann, und mir dann gleich das superteure Premiumprodukt kaufen muss, um nur wenige oder gar keine zusätzlichen Programme über DAB hören zu können, wird das nie was.

Unsere Wirtschaft funktioniert nach Angebot und Nachfrage.
Eine große Nachfrage nach Radiogeräten besteht derzeit nicht. Trotzdem gibt es keinerlei attraktiven Angebote, um eine höhere Nachfrage auszulösen.

Nein. So wird das nichts.

von Manager. - am 17.10.2004 20:32
Zitat

Bei der UKW-Einführung hat niemand gefordert die Mittelwellensender abzuschalten. Aber es wurden sehr bald alle neu gebauten Radios automatisch auch mit einem UKW-Empfangsteil ausgestattet. Wer sich also ein Radio kaufte, erwarb damit automatisch auch einen UKW-Empfänger; selbst wenn er nur ein Mittelwellenradio kaufen wollte.


Genau so ist es! Die Geräte MÜSSEN abwärtskompatibel und preisgünstig sein, was in Anbetracht der heutigen Mikroelektronik kein Problem sein dürfte.

Allerdings kommt heute ein erschwerender Umstand dazu, der nicht unterschätzt werden darf. Es gibt nämlich eine Übersättigung mit Rundfunkangeboten. Bei der Einführung des UKW-Rundfunks waren die Kapazitäten der Mittelwelle - bei 1 bis2 Programmen - schon erschöpft. Zusätzlich Programme mussten in einen anderen Wellenbereich. Auch heute müssten neue Programme in einen anderen Wellenbereich, doch es gibt eben schon mehr als genug davon. Und indem man, wie oft praktiziert, Minderheitenprogramme nur mehr digital überträgt, schafft man keine allgemeine Akzeptanz. Ein Ansatz wäre, indem man alle Autoradios mit DAB-Teil ausstattet und bei den Serviceprogrammen Zusatzinfos anbietet, die die Analog-Hörer nicht erhalten. Innerhalb von ein paar Jahren würden im Auto die meisten Leute DAB hören.

von Wasat - am 17.10.2004 21:39
@ Wasat:

Ganz richtig. Gerade in einem gesättigten Markt, wie wir ihn haben, ist es besonders schwierig eine neue Gerätenorm zu verkaufen. Um so unverständlicher ist es auch für mich, dass man den Markteinstieg ausgerechnet über das Premiumsegment versucht. So kann man doch keine breiten Käuferschichten ansprechen.

DAB ist nun mal kein Selbstgänger wie es UKW und die analogen Satellitenschüsseln bei ihrer Markteinführung waren. Bei beiden genannten Systemen sorgte die zuvor technisch nicht mögliche, aber vom Verbraucher gewünschte Programmvielfalt zur schnellen Akzeptanz und zu ungeheurer Kauf-Nachfrage.

Anders als UKW und SAT wird DAB vom Durchschnitts-Verbraucher, sofern er das System überhaupt wahrgenommen hat, eben nicht als Quantensprung empfunden und hat zudem ein vergleichsweise schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis (hohe Kosten für neue Geräte/Antennen nur wenige Programme mit bescheidener Ausbreitung).

Wer mit 18 den Führerschein macht und sich seinen ersten Gebrauchten über einen Ratenkredit beschafft, wird sich (abgesehen von ein paar Freaks) nicht auch noch einen Woodstock leisten können und wollen. Es fehlen ganz einfach preiswerte Angebote.

Kurzum: Wenn die Geräteindustrie nicht dazu übergeht, DAB flächendeckend in allen neugebauten UKW-Radios einzubauen, wird man die digitale Technik nie unter's Volk bringen. Wer sich dann aber ein neues Radio kauft, wird beim Ausprobieren sicher auch mal die DAB-Taste "erwischen" und zumindest neugierig werden. Und im Laufe der Jahre könnte DAB über einen höheren Bekanntheitsgrad auch zu einer größeren Beliebtheit gelangen.

Aber solange DAB fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit sendet, bleibt es ein Rohrkrepierer.

Da ist es dann auch nicht entscheidend wieviele Kanäle oder Ensembles auf der nächsten Wellenkonferenz vereinbart werden. Bei der geringen Anzahl verkaufter Endgeräte wird das dann ohnehin kaum jemand registrieren; aber nur für Rundfunk-Freaks wird man den ganzen technischen und finanziellen Aufwand nicht ewig treiben können.

von Manager. - am 18.10.2004 17:38
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