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Norwegen plant den Umstieg von UKW auf DAB

Startbeitrag von Bastian Karl am 15.12.2005 15:45

Norwegen will möglichst rasch von UKW vollständig auf DAB umsteigen. Nach einer Meldung der Digital Radio West plant die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Norwegens NRK eine komplette DAB-Versorgung bis ins Jahr 2009 und will spätestens im Jahr 2014 den letzten UKW-Sender abschalten. Ein Internetangebot unter www.dabdigitalradio.no informiert während der Übergangsphase über alle relevanten Themen.

Die 50 interessantesten Antworten:

Hallo,

die Meldung von Digital Radio West über einen geplanten kompletten Ausstieg von NRK aus UKW ist vermutlich dem Wunschdenken der Verfasser entsprungen und entbehrt nach meinen Informationen jeglicher Grundlage.

Richtig ist, dass NRK eines seiner UKW-Kleinsendernetze, nämlich NRK Stortinget, am 1. September 2005 abgeschaltet hat, weil die (kleinen) Versorgungsgebiete inzwischen von DAB erreicht werden. Die übrigen etwas grösseren UKW-Kleinsendernetze, also für NRK Alltid Klassisk, NRK Alltid Nyheter und NRK MPetre, sollen in 2006 oder 2007 folgen; die Zuteilungen laufen zum 1. November 2006 aus. Diese Stationen erreichen auf UKW ja sowieso nur die Ballungszentren; DAB reicht inzwischen weiter (deckt aber dennoch bisher nur einen kleinen Teil des Landes ab).

Die zuständige Behörde Post- og teletilsynet plant, die dadurch frei werdenden UKW-Frequenzen neu auszuschreiben und zum Beispiel für eine sechste UKW-Rumpfkette zu verwenden. Planspiele dazu kann man im Artikel "FM6 i 2007?" unter http://www.npt.no/iKnowBase/FileServer/FM6%20i%202007.pdf?documentID=46003 nachlesen.

Erwähnt wird in diesem Artikel auch, dass die landesweiten UKW-Frequenzzuteilungen für NRK (3 Ketten), Kanal 24 und P4 zum 31.12.2013 auslaufen. Dadurch wäre dies theoretisch ein möglicher Zeitpunkt für eine komplette Umstellung auf digitale Verbreitung. Konkrete Beschlüsse dazu gibt es aber nicht; jedenfalls ist mir bei meinen Recherchen für FMLIST NOR dazu nichts aufgefallen. Ich kann es mir bei der Topographie dieses Landes auch kaum vorstellen.

73 de Uli


von ulionken - am 15.12.2005 20:30
Ich würde schon sagen, daß Norwegen eines der am besten ausgebauten UKW-Netze überhaupt hat. Bei NRK P1 bis P3 kann man schon von Vollversorgung sprechen, zumindest in den besiedelten Gebieten. Ich war jetzt ein paar Mal in Norwegen unterwegs, aber die staatlichen Programme konnte ich selbst in komplett unbewohnten Regionen einwandfrei empfangen. Gerade wegen des riesigen UKW-Sendernetzes wäre ein Komplettausstieg aus UKW wenig sinnvoll und innerhalb eines so kurzen Zeitraumes auch ein ordentlicher Kraftakt. In Ländern, wo es bisher kaum UKW, sondern nur Kurzwelle gab, mag das vielleicht anders aussehen.

Die NRK-Zusatzprogramme wie Alltid Klassisk, Nyheter und MPetre werden allerdings schon ins DAB-Band wandern. Diese Programme kann man aber ohnehin nur in den wenigen Ballungsräumen empfangen. Ein weiteres Zusatzprogramm (welches Parlamentsdebatten überträgt) sendet bereits nur noch via DAB. Die restlichen UKW-Programme sollen jedoch unangetastet bleiben. Die freigewordenen UKW-Frequenzen werden wahrscheinlich neu ausgeschrieben, aber was da genau geplant ist, weiß ich im Augenblick noch nicht.

von MHM - am 11.05.2006 14:57
Nach meinen Datenunterlagen gibt es in Norwegen alleine nördlich des 70. (!) Breitengrades an die 30 NRK-Senderstandorte, einige wenige davon mit Leistungen im zweistelligen kW-Bereich. Das sollte eigentlich für eine Vollversorgung reichen. Man bedenke, daß der hohe Norden ziemlich dünn besiedelt ist. Die eine oder andere Lücke wird es sicherlich geben, aber das betrifft nur wenige Einwohner, wenn überhaupt. Klar, vor einigen Jahren gab es schon noch zahlreiche "weiße Flecken" in der norwegischen Radiolandschaft, aber Norwegen hat den Ausbau des UKW-Sendernetzes in der Zwischenzeit fleißig vorangetrieben. Abseits der Ballungszentren ist das Band jedoch überall sehr dünn belegt, auch im Süden des Landes. Aber NRK ging selbst auf dem Hardangervidda-Plateau gut rein, und dort wohnt wirklich kaum jemand. Was die anderen Programme betrifft, so ist man von einer Vollversorgung natürlich noch weit entfernt. Aber bei meinen neuesten Norwegen-Bandscans (vier sind es) habe ich entdeckt, daß auch bei Kanal 24, P 4 Hele Norge etc. das Netz weiter ausgebaut wird und mittlerweile Frequenzen in Betrieb sind, die in FMLIST noch gar nicht drinstehen.

von MHM - am 11.05.2006 21:30
Zitat
MHM
Klar, vor einigen Jahren gab es schon noch zahlreiche "weiße Flecken" in der norwegischen Radiolandschaft, aber Norwegen hat den Ausbau des UKW-Sendernetzes in der Zwischenzeit fleißig vorangetrieben. Abseits der Ballungszentren ist das Band jedoch überall sehr dünn belegt, auch im Süden des Landes. Aber NRK ging selbst auf dem Hardangervidda-Plateau gut rein, und dort wohnt wirklich kaum jemand.


Das kommt ganz darauf an, wo man ist. Unbewohnte Täler sind oft vom UKW-Empfang völlig abgeschnitten. Auf einer Ski-Expedition vor vielen Jahren in den Bergen nordöstlich von Stavanger war manchmal nur 1314 kHz zu empfangen, und kein Piepser auf UKW. Der hoch gelegene Sender Gausta ging noch am besten.

Aber es stimmt schon, NRK P1 ist praktisch in allen bewohnten Gebieten sehr gut zu empfangen. Post- og teletilsynet (PT) gibt in der am 15.12.2005 hier zitierten Broschüre diese Versorgungsgrade an:

NRK P1: 99.95% (1176 Sender)
NRK P2: 99.09% (669 Sender)
NRK P3: 95.66% (149 Sender)
Kanal 24: 93% (116 Sender)
P4: >80% (143 Sender)

Der Aufwand nimmt also enorm zu, wenn man noch die letzten Siedlungen erreichen will - auch wenn das oft nur winzige Funzeln für einzelne Seitentäler bedeutet. P2 und P3 sind auch in dünn besiedelten Gebieten meist irgendwie zu empfangen, aber im Gegensatz zu P1 manchmal stark verzerrt durch Mehrwegeempfang.

Insofern wäre Norwegen schon ein ideales Gebiet für DAB. Man könnte mit Vorteil Gleichkanalnetze einsetzen und die Reflexionen sogar noch ausnutzen. Das macht man anscheinend auch so. Ich glaube trotzdem nicht, dass man UKW ab 2014 abschalten wird.

Zitat
MHM
Was die anderen Programme betrifft, so ist man von einer Vollversorgung natürlich noch weit entfernt. Aber bei meinen neuesten Norwegen-Bandscans (vier sind es) habe ich entdeckt, daß auch bei Kanal 24, P 4 Hele Norge etc. das Netz weiter ausgebaut wird und mittlerweile Frequenzen in Betrieb sind, die in FMLIST noch gar nicht drinstehen.


Bitte unbedingt melden - die letzten grösseren offiziellen Infos dazu habe ich aus 2004, danach nur noch Stückwerk. Allerdings habe ich nun einen Kontakt zu einem Ingenieur bei PT bekommen, und so viele Informationen, dass es Monate dauern wird, das alles einzuarbeiten.

73 de Uli


von ulionken - am 11.05.2006 23:42
@Uli
Gut, in einigen abseits gelegenen und unbewohnten Tälern kann es schon passieren, daß auf UKW gar nichts geht oder nur schwach ein Großsender empfangen werden kann. Da dort aber niemand wohnt, wird dies niemanden weiter stören. Als Argument für einen leichteren Umstieg auf DAB kann man es wohl nicht gelten lassen. Außerdem ist DAB nicht gerade die optimale Lösung, wenn man Lokalsenderstrukturen abbilden will, wie sie es in Norwegen gibt. Dort gibt es etlichere kleinere Regionen mit nur einem Lokalprogramm.

Der hohe Prozentsatz bei Kanal 24 und P 4 Hele Norge überrascht mich etwas, auch für bewohnte Gegenden. Aber gut, das wird schon stimmen, wenn die Daten von der PT veröffentlicht werden.

Die neuen Frequenzen bzw. geänderten Programme werde ich demnächst zusammenschreiben. Ich hatte nur zuletzt mit REFLEXION ein wenig Arbeit gehabt, so daß dieser Teil der Meldungen leider auf der Strecke blieb. An die Nachrichtenredaktion Skandinavien werden die Infos auch rausgehen, so daß sie dann in der nächsten REFLEXION veröffentlicht werden können.

von MHM - am 12.05.2006 00:05
@MHM
Du darfst eines nicht vergessen: Im Süden ist der Sendernetzausbau für alle Sender auch meines Erachtens sehr gut. Lediglich im hohen Norden lässt die Programmvielfalt nach wie vor zu wünschen übrig. ulionken hat das ja sehr zutreffend beschrieben und mit Senderzahlen belegt. Man darf halt auch nicht vergessen, dass zwischen den Ortschaften auch Strassen sind, auf denen Autos fahren.

Norwegen eignet sich sehr gut für DAB. Auf einem landesweiten Multiplex lassen sich alle NRK-Programme unterbringen. Auch Kanal 24 und P4 sollten Platz finden. Jede Region, wie etwa Telemark, Finnmark, Nordland, usw. würde je einen eigenen Mux erhalten. Genauso wie in Deutschland. Für die Lokalradios kann man ja einen zweiten regionalen Multiplex installieren.

Dass Kanal 24 eine sehr hohe Reichweite hat, kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen. Die haben von P4 ja auch ein Netz mit vielen leistungsstarken Sendern übernommen.

Die hohe Reichweite von P4 erklärt sich auch darin, dass das Programm von mehreren Lokalsendern als Mantelprogramm übernommen wird.

von delfi - am 12.05.2006 06:30
Habe im Norwegenurlaub mal einen Scan in der Nähe vom Preikestolen (dt. Predigtstuhl) durchgeführt. Scanort war 8km östlich von Tau http://goo.gl/maps/FnFZA

Zu empfangen waren am 13.08.2012 hier:
NRK Batvær Sor - Agder/Rogaland - 13F, DAB
Klem FM - Norge Riks - 12D, DAB+
NRJNORGE - Norge Riks - 12D, DAB+
NRK Folk - Agder/Rogaland - 13F, DAB
NRK Gull - Agder/Rogaland - 13F, DAB
NRK Jazz - Norge Riks - 12D, DAB
NRK mP3 - Agder/Rogaland - 13F, DAB
NRK P2 - Agder/Rogaland - 13F, DAB
NRK P3 - Agder/Rogaland - 13F, DAB
NRKlassik - Agder/Rogaland - 13F, DAB
NRKNyhet - Norge Riks - 12D, DAB
NRKSport - Norge Riks - 12D, DAB
P1 i bil - Agder/Rogaland - 13F, DAB
P1 Rogal - Agder/Rogaland - 13F, DAB
P1 Sørlandet - Agder/Rogaland - 13F, DAB
P4 Norge - Norge Riks - 12D, DAB
P5 Oslo - Norge Riks - 12D, DAB
Radio 1 - Norge Riks - 12D, DAB+
SAPMI - Norge Riks - 12D, DAB
THEVOICE - Norge Riks - 12D, DAB+
-NORGE- - Norge Riks - 12D, DAB

aktualisiert nach Recherche der eingelesenen DAB/DAB+-Kanäle im Gerät

von Schattenparker - am 30.08.2012 20:51
World DMB Country Information (Stand 8. März 2013)

http://www.worlddab.org/country-information/norway

Gegenwärtiger Zustand:

The government has set a switch-off date for FM broadcasting in January 2017, provided certain conditions have been met:

1. Coverage: the public broadcaster NRK must achieve coverage of 99.5% by 2015 for the shut-down to take place in 2017. Commercial broadcasters on the national network #1 are required to reach 90% of the population.

2. Listening: 50% of the listeners must daily use a digital platform by 2015 for the date to remain January 2017. This does not specify market share of listening, contrary to the UK requirement, only reach. “Digital platform” also includes listening via internet and via the digital tv-network.

3. In-car solution: there must be reasonably priced, wellfunctioning in-car adaptors on the market by 2015 for the switch-over date to remain January 2017.

4. Added value for the listeners.

If the criteria are not met in 2015, the switchover date will be postponed. It will, however, take place no later than 2019, provided that the coverage-conditions (#1 above) are met.

After 2017, small local stations may continue to broadcast on FM. The criteria for exactly which stations will have this opportunity will be specified by 2015. The report leaves it to the broadcasters to choose between DAB or DAB+ transmissions.

In Norwegen sind ca. 700 Tsd. Empfänger verkauft worden.
Durchdringung: 29% der Haushalte, 14% der Einwohner

Netzabdeckung:

National and regional multiplexes cover about 84% of the population. 90% will be reached by late autumn 2013. Coverage will get to 99.5% by autumn 2014 (NRK only will exceed 90%) but as the plan for this stage is not yet completed no map is yet available. Reaching up to 90% population coverage will also greatly improve road and general outdoor coverage.

http://radio.no/digitalisering/landsdekkende-dekning/

Basisdaten (Update 10.01.2014)

Einwohner: 5,0 Mio.
Abdeckung der Bevölkerung: 84 %
Geräteverkäufe (akkumuliert): 1,46 Mio.
Durchdringung pro Haushalt: 39 %

von Manfred Z - am 10.11.2013 18:32
Norwegen hat ist weiter auf dem Weg zur Abschaltung von UKW:

Digitales Radio zu hören, hatte ein starkes Wachstum am Ende des Jahres. Jetzt hören 40 Prozent digitales Radio im digitalen Norwegen. Der Anstieg ist 4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal.

Wenn das Hörer-Wachstum im gleichen Tempo weiter anhält, ist es realistisch, einen digitalen hörenden Anteil von 50 Prozent im Jahr 2014 zu erreichen. Dies ist eine der Voraussetzungen das FM-Netz im Jahr 2017, abzuschalten", sagte Hagerup. Die Digitalradio-Umfrage wird laufend von TNS Gallup im Auftrag von Digital Radio Norwegen durchgeführt.

Die Studie zeigt auf, wie viele DAB-Radios in der norwegischen Haushalten zu finden, und kann ein Verhältnis von 39 Prozent zu erreichen. Dies entspricht rund 1,46 Millionen Radiogeräte, und stellen eine Änderung gegenüber früheren Quartal, wenn der entsprechende Wert betrug 1,12 Millionen Geräte. Mehr als 360.000 von ihnen sind Autoradios.

DAB wird bei 23 % der täglichen Radiohörer verwendet, das Internet um 13 % und 10 % digital TV.

http://radio.no/2014/01/lyttervekst-fra-oktober-til-januar/

Anmerkung: es scheint so, dass u.a. in Norwegen 50% aller Digital-Radio-Hörer ausreicht, um UKW resp. analoges Radio abzuschalten.

von drahtlos - am 10.01.2014 21:56
Hmmm, das klingt jetzt so, als wuerden die das wirklich durchziehen.

Hab mir mal die Seite radio.no mit dem Google Translator uebersetzen lassen:

https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=no&tl=de&u=http%3A%2F%2Fradio.no%2Fdekning%2F

DAB-Abdeckung NRK 99,5% der Bevoelkerung
"Das NRK Rundfunknetz besteht aus 765 Sendern."
"Das entspricht NRK-P1-Verbreitung über das UKW-Band. Alle anderen NRK Kanäle haben nun so eine hohe Bevölkerungsabdeckung bekommen."
"In Norwegen gehen wir von ca. 3000 FM-Sendern auf unter 1000 für DAB!"

DAB-Abdeckung Private 90,2% der Bevoelkerung
Das Netz besteht aus 160 Sendern.
"P4 und anderen kommerziellen Radiosender haben eine größere Netzabdeckung, als sie jemals auf analogen FM-Netzwerk gehabt haben."

18 der 20 meistverkauften Automodelle haben DAB-Radio im Angebot...

Die ziehen das turbomaessig durch, kein so Hin und Her und Gejammer wie hier in D. Ich meine, die haben mal so eben 765 DAB-Sender in Betrieb genommen!

Es gibt doch in Norwegen sicher auch Gegner/kritische Stimmen wie hier? Muss doch, oder? radio.no ist ja nix anderes wie digitalradio.de hierzulande. Da wird man kaum etwas ueber Probleme usw. finden.

von Habakukk - am 05.11.2014 14:48
In Deutschland sprechen wir von einer DAB-Nutzung von 7,7% der Bevoelkerung. In Norwegen sind sie schon bei 51%. Das sind ganz klar andere Voraussetzungen.

Trotz alledem: eine UKW-Abschaltung schon 2017 halte ich fuer ganz schoen gewagt. Die Zahlen sind sicherlich fuer DAB sehr positiv, aber man kann sie trotzdem auch anders herum lesen: 49% der Norweger haben derzeit noch kein DAB, 2 von 20 der meistverkauften Automodelle haben noch kein DAB an Bord und muessen in 2 Jahren teuer umgeruestet werden, von dem was an Gebrauchtautos ohne DAB herum faehrt mal abgesehen.

Ich bin sehr gespannt, ob die das wirklich durchziehen. Der DAB-Ausbau (v.a. Tunnels und Regionalpakete) laeuft weiter auf Hochtouren. Eines sieht man an dem Beispiel aber sehr schoen: DAB bietet dort offenbar NUR Vorteile gegenueber UKW, so hat das ganze auch einen gewissen Anreiz. Davon sind wir hier in Deutschland vielerorts einfach noch weit entfernt.

PS: Ich hoffe mal, dass die NRK die naechsten beiden Sommer noch mal per Sporadic E durchkommt. Sind die letzten Gelegenheiten, wenn das wirklich so kommt.

von Habakukk - am 06.11.2014 08:11
Eine Frage, die ich mir nicht beantworten kann: welchen Stellenwert hat Radio in Norwegen (noch)? Dient es der Bildung? Dient es der kulturellen Versorgung, vielleicht auch der entlegener Gebiete? Hat es einen Nutzwert für den Zusammenhalt der Bevölkerung? Ist es unerläßlich zur Information z.B. in heftigen Umweltsituationen, für die Landwirtschaft, ...?

Oder ist es das, was es zu etwa 85-90% in Deutschland ist: Hintergrund-Bedudelung?

Weiß jemand was dazu?

Wenn es da einen Unterschied gäbe, würde ich behaupten, daß dann auch die Bedingungen für eine Durchdringung mit DAB ganz andere sind.

Im privaten Umfeld kenne ich außerhalb der üblichen Radio-Kreise in Deutschland niemanden, der einen DAB-Empfänger besäße. Mehr noch: im Radio-Umfeld kenne ich Leute, die haben sich mal nen guten Kopfhörer aufgesetzt (ihre Standard-Abhörmethode) und in DAB+ reingehört, kurz gelacht und gesagt, danke, diesen schon klanglichen Müll brauche ich nicht. Vom inhaltlichen bei den meisten Angeboten gar nicht zu sprechen. Ich hatte 2 DAB-Sticks und wollte einen davon verschenken an einen der größten Radiofreaks überhaupt (freiberuflicher Medienjournalist und Autor). Er hat abgelehnt: Müll, damit gibt er sich nicht ab. Schauderhaft künstlicher Klang dank SBR - für ihn ungenießbar. Der Mann (Anfang 40) fährt lieber mindestens einmal im Monat nach Berlin oder Dresden in eine Opernaufführung.

Dort, wo ganz normale Menschen nach Kulturprogrammen verlangen, muß ich sowohl aus klanglichen Gründen als auch aus Gründen der Vielfalt DVB S oder C empfehlen. Das Verlangen nach nicht über UKW empfangbaren Dudelprogrammen kenne ich von der "Normalbevölkerung" gar nicht. Selbst das am-Kabel-Hören scheint sich vor allem auf Kulturwellen zu beschränken, zumindest findet das der Service des Kabelnetzbetreibers bei meinen Eltern vor, wenn er Kundeneinsätze hat. DLF, Figaro, D-Kultur, Bayern 2.

Das Gedudel läuft halt zu 85% und wohl meist auf portablen Empfängern. Da wäre spannend, ob eine Abschaltung zu Neukäufen animieren würde. Ich vermute, eher verzichtet man auf Radio, denn bedudeln lassen kann man sich auch vom USB-Stick. Werbefrei. Oder anders: warum sollte ein Volk, für das Radio nur noch en beliebeiges, belangloses Nebenbei-Produkt ist, dafür Aufwand treiben?

von Chris_BLN - am 06.11.2014 13:44
Zitat

Ansonsten ist es zu begruessen, dass zumindest schon mal in einem Land nur noch Autos mit DAB+ Radios verkauft werden.

Wovon ja auch viele aus Deutschland kommen sollen.

Zitat
Chris_BLN
Ich hatte 2 DAB-Sticks und wollte einen davon verschenken an einen der größten Radiofreaks überhaupt (freiberuflicher Medienjournalist und Autor). Er hat abgelehnt: Müll, damit gibt er sich nicht ab. Schauderhaft künstlicher Klang dank SBR - für ihn ungenießbar.

Der allergrößte Radiofreak wird der nicht sein. Denn sonst hätte er den Stick zumindest mal als Empfangsgerät für die Technik behalten und um die Technik (und ihre ggf. vorhandenen klanglichen Widrigkeiten) weiter beobachten zu können.
Und selbst dieser Radiofreak sollte wissen, dass DVB-C und S nie eine Alternative für terrestrischen Rundfunk sein kann und dass DAB+ -auch wenn es für ihn klanglich unter aller Sau sein sollte- knister- und rauschfrei ist.

Ich gehe mal davon aus, dass einige "DAB+-Freaks" dieses Forums auch noch LW- und MW-Empfänger zu hause haben und diese wegen dem gegenüber DAB+ deutlich schlechten Klang auch nicht einfach weg werfen. Schon rein um hin und wieder mal in diese Radiotechnik hinein zu schnuppern.

von Schwabinger - am 06.11.2014 17:42
Besten Dank für diese Einblicke / Aussagen / Mutmaßungen! 8% Quote für eine Kulturwelle ist schon mal was. Wenn ich daran denke, daß D-Kultur und regionale ARD-Kulturwelle zusammen oft nur auf 3-4% kommen...

Zitat
delfi
meine private Meinung ist, dass DAB im Ausland oft mal besser klingt als in D.


Mag sein, mag nicht sein (UK DAB war schauderhaft, als man in D noch die paar Programme in anständigen 192 kbps MP2 gesendet hat), aber das hilft doch den ganz normalen Menschen nichts, die in D einfach nur das hören, was sie ohnehin kennen. Und das ist das, was es auf UKW gibt. Die wünschen sich weder etwas anderes noch kämen sie auf die Idee, daß es etwas anderes geben könnte. Das ist die Realität, die ich wahrnehme.

Fast niemand kennt DAB, noch weniger wollen DAB oder haben es sich gekauft. Einziges DAB-Radio, das ich in den vergangenen Monaten in Betrieb sah: ein TechniSat-Portable (UKW+DAB), als "Autoradio" in einem Transporter verwendet, der vom Arbeitgeber kein Radio spendiert bekommen hat. Der Fahrer: Mitarbeiter einer Antennenbaufirma, in IT- und Rundfunkdingen bewandert. Und was war eingestellt? MDR Jump. Dazu braucht man kein DAB, zumindest nicht im MDR-Gebiet. Da hat man immer mindestens 2 UKW-Frequenzen zur Auswahl.

Zitat
iro
1,9 Mio von 5 Mio Norwegern


Auf die Bevölkerungszahl hatte ich gar nicht geachtet. Kann es vielleicht sein, daß man sich in Norwegen näher ist, mehr als ein Volk betrachtet, fast wie eine Art großes Dorf? Wenn es eine gemeinsame Identifikation gibt, könnte auch Radio inniger und leidenschaftlicher genutzt werden... vielleicht. Gibt es eine Identität als "Norweger" in Norwegen? Also etwas, was den Deutschen meiner Meinung nach fehlt? Stolz auf das Land? Nein, ich meine keinen Nationalismus.

Ich kann deutsches Radio + TV ja schon nicht mehr anschalten wegen der täglichen Lüge, Hetze, Demagogie, Verbreitung einer als politisch korrekt angesehenen (und anzusehenden) Meinungshoheit der "Siegermacht". Aktuelles Stichwort: "Unrechtsstaat". An Verlogenheit nicht zu überbieten - ich bliebe fern, freiwillig. Und jeden Tag bröckelt die Bereitschaft, überhaupt noch in Deutschland zu bleiben, ein kleinwenig mehr weg. Es ist einfach nur noch widerlich, wie sich jeder, der es früher zu nix (und heute außer zu sowas auch zu nix) gebracht hat, mit solchen Themen profilieren darf. Mangels ausreichend Wort-Flächen im Radio läuft das ganze ja auch massiv in den Printmedien ab. Seitenweise.

Zitat
Schwabinger
Der allergrößte Radiofreak wird der nicht sein. Denn sonst hätte er den Stick zumindest mal als Empfangsgerät für die Technik behalten und um die Technik (und ihre ggf. vorhandenen klanglichen Widrigkeiten) weiter beobachten zu können.


Derjenige ist auf seinem Spezialgebiet (im Rundfunkbereich) einer der größten in Europa. Nenne ich jetzt das Gebiet, wäre sofort klar, um wen es geht, so bekannt ist er. Er hat sich immer für Inhalte interessiert und wo keine Inhalte sind, kümmert er sich auch nicht um die Technik, denn da ist sie nur Selbstzweck. Als jemand, dem die AM-Bereiche vertraut sind, kann er durchaus mit schlechtem Klang leben. Es kamen Inhalte darüber. Wozu sollte er sich mit ebenfalls (wenn auch etwas anders) schlecht klingender "Hightech" befassen, wenn darüber keine Inhalte mehr kommen? Wenn es im Gegenteil sogar so aussieht, daß die Kapazitäten zunehmend an Kinderzimmer-Spielprojekte mit peinlichen Facebook-Auftritten gehen oder gehen könnten? An teils gerade mal geschäftsfähig gewordene Kiddies, die das Spiel vom mikrofongeilen Radioboy spielen wollen?

Zitat
Schwabinger
Und selbst dieser Radiofreak sollte wissen, dass DVB-C und S nie eine Alternative für terrestrischen Rundfunk sein kann und dass DAB+ -auch wenn es für ihn klanglich unter aller Sau sein sollte- knister- und rauschfrei ist.


Blöd ist der nicht, im Gegenteil. Daß DVB-S/C nicht mobil ist, weiß er. Er hat nichtmal sowas.

Knister- und rauschfrei ist auch ein digitales Diktiergerät im Kugelschreiberformat - solange kein Ton rauskommt. Ein Kriterium kann das also kaum sein. Es muß auch schmerzfrei sein, wenn Signal kommt, und das ist bei SBR oft nicht der Fall. Ich denke mit Grauen an 70er-Jahre-Rockklassiker auf D-Kultur in nun AAC mit SBR, bei denen alles "untenrum" normal klingt und oben diese völlig synthetischen Pseudohöhen draufsitzen und so schneidend präsent sind, als wäre es eine Digitalproduktion der Neuzeit. Übler wurde Musik noch nie zerlegt.

Zitat
Schwabinger
Ich gehe mal davon aus, dass einige "DAB+-Freaks" dieses Forums auch noch LW- und MW-Empfänger zu hause haben und diese wegen dem gegenüber DAB+ deutlich schlechten Klang auch nicht einfach weg werfen. Schon rein um hin und wieder mal in diese Radiotechnik hinein zu schnuppern.


Wie gesagt: solange Inhalte kommen...

von Chris_BLN - am 06.11.2014 22:29
Zitat
Chris_BLN
Auf die Bevölkerungszahl hatte ich gar nicht geachtet. Kann es vielleicht sein, daß man sich in Norwegen näher ist, mehr als ein Volk betrachtet, fast wie eine Art großes Dorf? Wenn es eine gemeinsame Identifikation gibt, könnte auch Radio inniger und leidenschaftlicher genutzt werden... vielleicht. Gibt es eine Identität als "Norweger" in Norwegen? Also etwas, was den Deutschen meiner Meinung nach fehlt? Stolz auf das Land? Nein, ich meine keinen Nationalismus.


Mir ist in Norwegen nicht aufgefallen, dass man dort mehr Radio hört als anderswo. Die Leute sind durchaus "stolz" auf ihr Land (was man auch als Ausländer zu spüren bekommt, selbst wenn man wie eine Verwandte schon seit Jahren dort wohnt), aber das Radio als identitätsstiftendes Medium? Ich weiss nicht so recht, das ist mir jedenfalls nicht speziell aufgefallen. NRK ist allerdings eines der wenigen seriösen Medien im Land; die Qualität der Printmedien ist doch überwiegend sehr reisserisch und provinziell. Und norwegisch hört man in den Medien natürlich am ehesten im Radio; die meisten Filme in TV und Kino sind nicht synchronisiert und nur untertitelt.

In Norwegen erhebt man den Anspruch, auch noch das kleinste Dorf an der Nordküste mit normaler Infrastruktur zu versehen - also direkte Strassenanbindung sowie Laden, Arzt und Schule in akzeptabler Entfernung. Bei der Radioversorgung auf UKW (bzw. früher MW/LW) betrifft das allerdings nur NRK P1 - die beiden anderen Programme kommen nicht flächendeckend bzw. nur von den Grundnetzsendern und haben je nach Topographie zum Teil unter Mehrwegeempfang zu leiden. Das Land ist insofern ideal für DAB - die Technik liefert ein annähernd gleichartiges Angebot fürs ganze Land mit guter Empfangsqualität. Der konsequente Ausbau des DAB-Netzes hat ein Übriges getan.

Zitat

Ich kann deutsches Radio + TV ja schon nicht mehr anschalten wegen der täglichen Lüge, Hetze, Demagogie, Verbreitung einer als politisch korrekt angesehenen (und anzusehenden) Meinungshoheit der "Siegermacht". Aktuelles Stichwort: "Unrechtsstaat". An Verlogenheit nicht zu überbieten - ich bliebe fern, freiwillig.


Ich bezweifele mal, dass dieses Urteil pauschal für "deutsches Radio + TV" gerechtfertigt ist. Ich sehe das sehr viel differenzierter. Sicher, es wird bei den Hitdudlern und in den Nachrichten jede Woche eine neue Sau à la Unrechtsstaat oder bösem Streik durchs Dorf gejagt, aber es gibt auch guten, tief gehenden Journalismus, z.B. im Deutschlandradio und in einigen ARD-Programmen. Und den Rest braucht man ja erst gar nicht einzuschalten - bzw. die Ohren auf Durchzug, wenn man mit dem Kram zwangsweise beschallt wird. OK, die Qualität der Inhalte hat sich auch mit der Verbreitung auf DAB nach meinem Eindruck nicht gebessert.

Zitat

Und jeden Tag bröckelt die Bereitschaft, überhaupt noch in Deutschland zu bleiben, ein kleinwenig mehr weg. Es ist einfach nur noch widerlich, wie sich jeder, der es früher zu nix (und heute außer zu sowas auch zu nix) gebracht hat, mit solchen Themen profilieren darf. Mangels ausreichend Wort-Flächen im Radio läuft das ganze ja auch massiv in den Printmedien ab. Seitenweise.


Es hindert Dich allerdings niemand daran, woanders hin zu gehen, innerhalb der EU und SUI/NOR sogar visafrei. Nur, wo sollten die kritisierten Zustände im Radio denn grundlegend besser als in D sein? Aus eigener Anschaung gibt es jedenfalls auch in UK, Frankreich oder Skandinavien neben einem Haufen von substanzlosem Geschwätz im Radio nur ganz wenige Lichtblicke mit guten Inhalten, zum Beispiel BBC Radio 4.

73 de Uli

von ulionken - am 07.11.2014 20:22
Zitat
ulionken
NRK ist allerdings eines der wenigen seriösen Medien im Land; die Qualität der Printmedien ist doch überwiegend sehr reisserisch und provinziell. Und norwegisch hört man in den Medien natürlich am ehesten im Radio; die meisten Filme in TV und Kino sind nicht synchronisiert und nur untertitelt.


Zitat
ulionken
Bei der Radioversorgung auf UKW (bzw. früher MW/LW) betrifft das allerdings nur NRK P1 - die beiden anderen Programme kommen nicht flächendeckend bzw. nur von den Grundnetzsendern und haben je nach Topographie zum Teil unter Mehrwegeempfang zu leiden.


Danke, das sind weitere wichtige Punkte, die das Bild komplettieren. Da sind deutliche Unterschiede zu Deutschland erkennbar. Das macht die höhere Durchdringung mit DAB für mich verständlicher.

Zitat
ulionken
Ich bezweifele mal, dass dieses Urteil pauschal für "deutsches Radio + TV" gerechtfertigt ist.


Ist es natürlich nicht. Es hängt z.B. schon sehr von der Anstalt ab. Besonders übel wirkt auf mich der MDR. Wenn ich den mal zu hören oder zu sehen bekomme (auf Besuch bei den Eltern), muß ich raus aus dem Zimmer. Unerträglich. Nur noch dieses Thema. In der dortigen Lokalpresse genau das gleiche. Greife ich mir eine (westliche) Kulturwelle, siehts meist anders aus, da ist dieses Thema schon mal nicht mehr das einzige, man hat etwas Abstand.

Zitat
ulionken
Es hindert Dich allerdings niemand daran, woanders hin zu gehen, innerhalb der EU und SUI/NOR sogar visafrei.


...was ich inzwischen auch teils monatelang am Stück tue. Komplett raus kann ich noch nicht, meine Eltern sind in einem Alter, in dem sie zunehmend Hilfe brauchen, die ich als einziges Kind nunmal geben sollte und auch möchte. Ich fühle mich allerdings dort wie auch in Berlin und egal-wo-sonst in besiedelten Teilen Deutschlands völlig fremd: sowohl die Geisteshaltung (auch im Elternhaus!), die dominierenden Themen, die dominierenden Ansichten über Lebensgestaltung bis hin zum Straßenbild. Ja, ich bin nett zu meinen Nachbarn, wir haben einen guten Kontakt, sie leeren meinen Briefkasten und entsorgen den Werbemüll, wenn ich monatelang nicht da bin. Ich flicke dafür ihren Computer, verkabele ihre AV-Anlage, brenne mal eine CD mit einer alten Tonbandaufnahme von ihnen. Aber ihre Welt bleibt mir fremd: die bunten Zeitungen, der 60-Zoll-TV, das KDG-Abo in Vollausstattung, die Ansichten, was Leben bedeutet. So gehts mir überall in Deutschland, wo ich bislang war. Am wohlsten fühle ich mich in den Schweizer Bergregionen. Gäbe sicher auch in Skandinavien entsprechende Orte.

Ich hatte heute in Berlin-Adlershof zu tun (Wissenschaftsstandort) und es war für mich Jahre nach der Beendigung meines Arbeitsverhältnisses dort regelrecht schockierend, Straßenbild und Menschen zu sehen. Diese Härte, dieses Erdrückende, diese völlige Abwesenheit von Liebevollem. Es wirkte wie Automaten, die sich in einer künstlichen Umgebung nach vorgegebenen Algorithmen bewegen. Gruselig.

Letztlich habe ich nur noch in menschenleerer, unbebauter Umgebung das Gefühl, zu Hause zu sein. Die Natur liebt mich, das fühle ich. Da gehöre ich hin. Als ich vergangenen Sommer eine Woche alleine mit Wanderkajak und Zelt durch Mecklenburg bin, war das wohltuend, solange ich in menschenleerer Umgebung war. Schon Zeltplätze (muß man dort) waren teils eine Einschränkung. Ich fand aber auch einen regelrecht "liebevollen" Platz.

Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, daß ich mich in der Schweiz so wohlfühle: ich bin nicht in einer Stadt, sondern auf einer Alp, auf der man nachts Sternschnuppen zählen kann und wo paarmal am Tag ein Postbus in 10 Minuten Fußweg Entfernung vorbeikommt. Touristen hats dort keine, stattdessen spirituelle, auf ihre Art besondere Menschen, die aus der ganzen Welt anreisen und oft "abgebrochene" Biographien haben. Von der promovierten Physikerin zur Friedensaktivistin in den USA, von der Autohaus-Angestellten zur ayurvedischen Köchin, vom Polizisten zum Hausmeister.

Zitat
ulionken
Nur, wo sollten die kritisierten Zustände im Radio denn grundlegend besser als in D sein?


Eine Frage, die ich Dir nicht beantworten kann, weil ich die Situation in den einzelnen Ländern nicht kenne. Außerhalb des deutsch- oder englischsprachigen Raums käme noch die Sprachbarriere dazu. Wenn ich in der Schweiz bin, höre ich kein Radio. Dort habe ich keins, dort hat offenbar niemand eins, wo ich bin. TV das gleiche. In Berlin hörte ich ab und an in SRF2 rein, zum Gesamteindruck fehlt mir eindeutig die ausreichende Hör-Erfahrung. Ein bemerkenswerter Beitrag blieb mir in Erinnerung, so deutliche Worte über die gesellschaftliche Situation in Österreich wie die, die Robert Menasse auf SRF2 sagte, halte ich im deutschen Rundfunk für nicht mehr möglich. Sowas wäre 1990/91 im Nalepastraßen-Funk gegangen, aber vorher und danach eher nicht. Und Zeitungs-Kommentare haben in der Schweiz soweit ich es verfolgt habe nicht diesen hasserfüllten, hämischen Grundton, den sie in Deutschland inzwischen häufig haben. Die Redaktionen kommen doch mit Ausputzen der Kommentarspalten nicht mehr hinterher. Sachliche Diskussionen mit erkennbarer Vernunft und Sinn für eine gesunde Gemeinschaftsentwicklung fand ich hingegen in der Schweiz deutlich häufiger.

Mir geht es um deutlich mehr als um das Radio oder den Fernseher. Mir geht es um die Alltagskultur. Und da sehe ich einen erschreckenden Niedergang. Gewiß anderswo im besiedelten Raum in Abstufungen ähnlich, aber die Norweger beispielsweise (um wieder aufs Thema zu kommen) sind sehr am Rundfunk der DDR interessiert, an den technologischen Abläufen, an den Studiobauten. Die kommen nach Berlin, interviewen, so noch interviewbar, die damaligen künstlerischen und technologischen Fachleute. Es gibt einen Austausch, es wurden Filme gedreht über das Rundfunkzentrum Nalepastraße. Und es gibt seitens der Norweger die Aussage, daß es für sie unvorstellbar ist, wie ein Staat eine solche kulturelle Substanz der Verrottung preisgeben kann.

Zitat
ulionken
Aus eigener Anschaung gibt es jedenfalls auch in UK, Frankreich oder Skandinavien neben einem Haufen von substanzlosem Geschwätz im Radio nur ganz wenige Lichtblicke mit guten Inhalten, zum Beispiel BBC Radio 4.


In Deutschland siehts da auch nicht allzu dicht gesäht aus. In Bayern gibt es mit Bayern 2 (wie lange noch?) ein solches hochwertiges Programm. Radio Brandenburg war eins - ohne vergleichbaren Ersatz. Anderswo kann man nur auf den DLF bauen, so er empfangbar ist. Es gibt ja seit Jahren mindestens eine Anstalt, die auf keiner Welle mehr anständige gelesene Nachrichten ohne O-Töne bringt - der hr. Allein das ist unfassbar. Über den MDR ist wohl alles gesagt worden, ich empfinde nichtmal Figaro als kulturell hochwertig (was für einzelne Sendungen gewiß nicht zutreffend ist).

Zitat
DH0GHU
[OT]
Ein Unterschied zwischen einem Rechtsstaat und einem Unrechtsstaat ist z.B., dass man im Rechtsstaat den Staat ungestraft kritisieren darf, und ihn auch verlassen darf - und die Meinung dazu keinen Einfluß auf die Haltung des Staates gegenüber der Person in rechtlichen Fragen hat...
[/OT]
SCNR.


Das ist in der Tat ein Kriterium. Es ist aber nur eines. Zieht man weitere hinzu (letztlich geht es dabei stets um die Frage, ob die Gesellschaft auf der Grundannahme aufbaut, daß es immer Gewinner und Verlierer geben muß), kommt man meiner Ansicht nach zwangsläufig an den Punkt, daß sowohl DDR als auch BRD Unrechtsstaaten waren bzw. sind. Das zentrale Thema des Unrechts ist bloß ausgetauscht worden: in der DDR wars die politische Konformität, heute ists schlicht das Geld. An den Konsequenzen ändert das nicht viel.

Wo die DDR Biographien politisch zerstörte, zerstört heute das Geld Biographien. Einfach mal z.B. arbeitslos gewordene Orchestermusiker fragen. Oder Journalisten, die früher wegen geforderter politischer Linientreue nicht anständig arbeiten konnten und es heute wieder nicht können - wegen geforderter "monetärer Linientreue", also Treue zu den Anzeigen- und Werbekunden und dem Zwang, maximale Quote zu machen, was mit einem mehrheitlich eher schlichten Volk nur über eher schlichte Inhalte geht. Ja, es gibt ARD-Hörfunkjournalisten, die sich für den Output ihrer Programme schämen, aber von irgendwas halt auch leben müssen. Die Schere im Kopf ist genauso groß wie früher, mitunter sogar größer. Kulturell ist im deutschen Hörfunk heute weniger möglich als im DDR-Rundfunk der späten 80er Jahre. Wäre das nicht so, würden so harmlose Leute wie Klaus Walter auf hr3 noch senden dürfen. Sie dürfen es wegen des verordneten Quoten-Faschismus' nicht. Hier hat das Geld bereits eine größere Zensurwirkung als die ergreisten Polit-Eliten der DDR einst hatten. Das betrifft auch die sogenannten "Kulturwellen", auch dort fällt raus, was der Mehrheit zu anstrengend, zu verstörend sein könnte.

Das Problem, das ich mit der "Unrechtsstaat-Debatte" habe, ist nicht die Tatsache, daß die DDR ein Unrechtsstaat war. Das war sie, da sehe ich keinen Diskussionsbedarf. Das Problem besteht für mich darin, daß stillschweigend das heutige System als das beste, rechtsstaatlichste und wasweißich noch hingestellt wird - und das trifft eben nicht zu. Hier haben Profiteure massiv Angst, daß ihnen die Luft zunehmend eng wird. Die ganze einseitige Debatte wird umso heftiger, je enger es für sie wird. Deshalb gräbt man nach 25 Jahren die DDR-Mumie aus und treibt sie wieder durchs Dorf, jedes Jahr heftiger als im Jahr davor. Die Intensität korreliert mit der Tiefe der Probleme des heutigen Systems: Tendenz zunehmend. Allein die Tatsache, daß die Kommunen, unsere Wohnorte, zunehmend finanziell handlungsunfähig werden, zeigt, wie effizient der heutige Staat gegen die Wand fährt. Die einzigen Unterschiede zur untergehenden DDR: es gibt noch Bananen und geile bunte Dinge und bislang wird noch niemand eingeknastet, der nicht mitspielen will. Am Finale ändert das aber nichts.

Da es diesmal kein vermeintliches Paradies gibt, in das man überlaufen könnte, befürchte ich sogar, daß die nächste "Revolution" nicht als "friedliche" in die Geschichte eingehen wird.

von Chris_BLN - am 07.11.2014 22:57
Zitat
DH0GHU
[OT]
Ein Unterschied zwischen einem Rechtsstaat und einem Unrechtsstaat ist z.B., dass man im Rechtsstaat den Staat ungestraft kritisieren darf, und ihn auch verlassen darf - und die Meinung dazu keinen Einfluß auf die Haltung des Staates gegenüber der Person in rechtlichen Fragen hat...
[/OT]
SCNR.


Wenn ich da an einige Göttinger Journalisten denke, ist der vermeintliche Rechtsstaat also auch ein Unrechtsstaat. Allerdings durften diese dann wiederum den Klageweg gegen ihre Bespitzelung betreten, also doch: Rechtsstaat.

SCNR ist eineeingeführte und allgemein bekannte Abkürzung, die man als Teilnehmer eines jeden Forums kennen MUSS. Wenn man ihr zum ersten mal begegnet, kann man sie IMHO*) ruhig mal googlen, ist ja nur einen Klick entfernt.

*) damit Du nicht googlen musst:
IMHO = Internetslang: Abkürzung für in my humble opinion - meiner bescheidenen Meinung nach oder in my honest opinion - meiner ehrlichen Meinung nach

Alle anderen Abkürzungen einer deutschen (!) Netzsprache finden sich hier aufgelistet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Abk%C3%BCrzungen_%28Netzjargon%29
Wohlgemerkt: deutsche Netzsprache - auch wenn sie teilweise auf englischen Redewendungen basiert.
OT = off topic ist auch in der Liste enthalten...

„Entschuldigung, das konnte ich mir nicht verkneifen“

von iro - am 08.11.2014 14:46
Zitat
Cha
Bei FMscan hab ich mir mal die UKW-Versorgung der NRK-Programme angeschaut.
Also NRK P1 ist ja wie schon erwähnt flächendeckend verfügbar. Bei NRK P2 (bzw. im Norden "NRK Sámpi/P2) schaut es auch nach flächendeckender Versorgung aus.


Flächendeckend schon, aber für dieses Kulturprogramm fehlen in vielen kleinen Tälern die Funzeln, d.h. man hat Mehrwegeempfang oder Rauschen.

Zitat

Bisher hab ich mich mit Norwegen noch nicht befasst; daher war ich überrascht, dass es P3 so gut wie gar nicht über UKW gibt.


Nein, das stimmt so nicht. P3 (NRK Petre) hat ebenso wie P2 und die beiden privaten Ketten eine flächendeckende Kette von UKW-Grundnetzsendern: http://fmscan.org/net.php?r=f&m=m&itu=NOR&pxf=NRK+Petre , allerdings noch weniger Funzeln, d.h. Einschränkungen beim Stereoempfang in den Tälern.

Um beim Topic zu bleiben: DAB stellt neben diesen Hauptprogrammen auch die Zielgruppenprogramme wie mP3, Alltid Nyheter und Alltid Klassisk zur Verfügung, die es auf UKW bestenfalls in den grossen Städten gibt.

73 de Uli

von ulionken - am 08.11.2014 15:16
Hier eine Stimme aus dem Vereinigten Königreich, Daily Mail Online, mit Vergleichen zu GB:

Zitat

End of the road for FM radio? Norway announces it will switch off analogue service in January 2017

• Norway will be the first country in the world to stop radio broadcasts on FM
• It says it will save £ 17 million a year by the switch to a purely digital service
• The decision was driven by rise in popularity of digital and internet radio
• Other countries are expected to follow as numbers of FM listener drop


It is the radio format that has delivered the latest chart hits, news and talk shows in stereo to homes around the world for decades.

But now the characteristic hiss of interference that accompanies most FM broadcasts is set to fall silent.

Norway has announced that it will be the first country in the world to switch off its FM radio signal.

The Norwegian Government said it will turn off its FM transmitters on January 11 2017.

Now with the ever expanding number of digital radio services and growing numbers of people choosing to listen to internet radio, it seems likely other countries will follow Norway's example.

The UK had planned to switch off its own FM service by 2018 but the plans were later shelved following objections from commercial radio stations.

It is now not expected to happen until sometime after 2020 when digital listeners are expected to outstrip those using analogue stations.

Listening figures currently show that digital radios account for 37.9% of all listening hours in the UK.

In the US, around 85% of American adults still listen to AM/FM stations.

Norway, however, has just five national FM broadcasting outlets while there are 22 national digital radio stations.

The Norwegian government said there was space for a further 20 digital radio stations and NRK, Norway's public service broadcaster, will be the first to switch off its FM service.

The Norwegian Ministry of Culture estimates that the switch to digital radio could save £ 17 million a year (NOK 200 million).

Thorhild Widvey, the country's minister of culture, said: 'Radio digitisation will open the door to a far greater range of radio channels, benefiting listeners across the country.

'Listeners will have access to more diverse and pluralistic radio content, and enjoy better sound quality and new functionality.

'Digitisation will also greatly improve the emergency preparedness system, facilitate increased competition and offer new opportunities for innovation and development.

'More than half the population already has access to local radio on DAB, and there is considerable potential for further local channels.'

The switch off of FM services could create other problems - leaving millions of households with legacy eletronics unable to pick up a signal.


von Manfred Z - am 22.04.2015 16:59
@UKW vs. DAB+

Und die Autohersteller müssen sich jetzt sputen, DAB+ auch in Norwegen in den Fahrzeugen serienmässig anzubieten.

Dacia Duster wird ja dort auch verkauft, etc.


Zitat
UKW vs. DAB+
Zitat
drahtlos
Verständlich die Anfrage:

Man will doch nach 2017 noch gehört werden. Ich denke viele wittern jetzt die Chance ALLEINE ohne die Konkurrenz von NRK und Co. weiterhin auf UKW senden zu können. Ich nehme mal an, das es selbst in Norwegen 2017 noch viele Hörer geben wird, welche bis dahin noch keine DAB-Radios gekauft haben oder es auch nicht tun wollen.


Wieso sollten die sich kein DAB+ Radio anschaffen, niemand bleibt nur wegen ein paar lokalen Sendern auf FM wenn die Großen Privaten und Öffis sich auf DAB+ tummeln. Anderer seits gab es 2012 in D bei der SAT Analogabschaltung bis zur letzten Minute mehrere Hunderttausende die sich noch nicht um einen Digitalreciver bemüht hatten und bis dato noch analog schauten. Könnte ja in Norwegen genau so ablaufen.


von Schaempu - am 22.09.2015 06:30
Die für 2017 geplante UKW-Abschaltung dürfte den meisten Hörern in Norwegen bekannt sein. NRK und andere betreiben eine intensive Werbekampagne, und auch meine ganz und gar nicht Technik-affine Schwester in Oslo weiss, dass UKW ab übernächstem Jahr wegfällt.

Das heisst aber noch lange nicht, dass die Hörer nun alle ihre Radios durch DAB-geeignete Geräte ersetzen. Zuhause ist das Webradio als Alternative bekannt und ist vermutlich für die Digitalangebote von NRK schon jetzt der Hauptverbreitungsweg. Neue Autos sind in Norwegen wegen hoher Steuern ziemlich teuer, entsprechend lang fahren die Kisten rum, bisher natürlich überwiegend mit nicht-DAB-fähigen Autoradios ausgestattet. CD-Player oder MP3 ab USB gibt es als Alternativen... Wer das Autoradio nur als Begleitmedium nutzt, der wird eher nichts nachrüsten, sondern halt bis zum nächsten neuen Auto erstmal auf den Rundfunkempfang verzichten und solange notfalls CDs einlegen.

Was die Lokalradios angeht: Die Stationen in den Ballungsräumen werden eher vom Wechsel auf DAB profitieren und haben von daher zunächst mal keinen Grund, die UKW-Abschaltung anzufechten. Die Reichweite verbessert sich, und die Ausstrahlungskosten teilen sich auf die anderen Stationen in den Lokal-Multiplexen auf.

Ganz anders sieht es für die kleinen Lokalradios in den ländlichen Regionen aus, die noch bis 2022 einen Gnadenfrist auf UKW haben. Viele von ihnen sind wegen der kleinen Hörerzahl kaum rentabel; jedes Jahr schliessen ein paar. Oft haben sie für ihre Region ein Monopol, das heisst aber auch, kaum andere Stationen, mit denen die Kosten auf den künftigen DAB-Lokal-Ensembles geteilt werden können. Wenn es für die Umstellung keine Subventionen gibt, dann werden nach meinem Eindruck viele den Wechsel nicht überleben. Allerdings gab es zum Wechsel auf DAB im Frühjahr ein Hearing für die Lokalradios vor einem Parlamentsausschuss (zu finden irgendwo auf stortinget.no); konkrete Ergebnisse kenne ich bisher nicht.

Das Argument mit der unternehmerischen Freiheit ist also für einige Stationen nachvollziehbar. Wenn NLR mit diesem Argument die Zwangsabschaltung auf UKW über die EFTA-Schiedsstelle tatsächlich erfolgreich anfechtet, dann könnten allerdings auch Lokalradios in den Ballungszentren profitieren und mit dem Weiterbetrieb von UKW-Sendern bei den Hörern wildern, die ihre UKW-Geräte partout nicht ersetzen wollen...

73 de Uli

von ulionken - am 23.09.2015 20:16
Die deutsche Sicht der Dinge hilft für Norwegen nicht wirklich weiter. Die Privatstationen ausserhalb der Agglomerationen krebsen nämlich am Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz herum. Es werden deshalb immer mal wieder Stationen in den dünn besiedelten Gebieten geschlossen. Die für eine Umstellung auf DAB notwendigen Investitionen sind für die Stationen ziemlich heftig; neulich habe ich diesen Artikel über Radio Bø gefunden, wo dieser Punkt angesprochen wird. Die Stationen müssen ihre DAB-Muxe offenbar selbst aufbauen, das ist ökonomisch ziemlich hart, wenn man in dem Gebiet das einzige Lokalradio ist und deshalb die Kosten für den Mux nicht einfach aufteilen kann.

Ob das Verbleiben auf UKW (ggf. erzwungen auf juristischem Weg) eine langfristig gute Alternative für die kleinen Lokalradios ist, das darf auch bezweifelt werden. Wenn NRK und die beiden kommerziellen Ketten auf DAB umgestellt haben, dann dürften die meisten Hörer ihr Gerät auf DAB eingestellt lassen...

73 de Uli

von ulionken - am 08.01.2016 18:08
Zitat
102.1
Es ist generell die Frage, ob DAB/DAB+ nicht die einzige Moeglichkeit sein wird, in welcher das Medium Radio langfristig ueberleben wird? Wir sind hier in einer Zeit von Smartphones und mobilem Internet, wo jeder alles per Flatrate ueberall bekommt, und diese Vielfalt laesst sich nunmal am ehesten via DAB/DAB+ abbilden.

Es gibt noch Problemen sein was für Internet gelöst werden sollten:
1) Mobilfunk ist immer noch nicht flächendeckend. Besonders in Landgebiete. Und dass sogar in Estland wo theoretisch in fast ganze land Empfang existiert.
2) Internet ist One-to-One, nicht One-to-many. Dass bedeutet dass jede zuhörer ist Last für das Netz. Das bedeutet auch Kosten für Sendern.
2.1) Die Flatrates haben Datenvolumengrenzen.
3) Ja, theoretisch gibt es LTE Broadcast, but zur zeit gibts nur Versuchen. Und auch für das benötigt man wahrscheinlich nicht nur eine fähige Handy aber auch eine SIM Karte, so wenn man aus Ausland kommt, kann man nicht so einfach reinschalten. Theoretisch gibt es auch eine FTA möglichkeit, aber ich werde niemals glauben dass solche lösungen in Praxis kommen werden.

Bis diese Problemen erledigt werden, bleibt Internet für mich Empfangsmethod der letzte Ausweg.

Tja, es wird spannend sein, wie Norwegen die Umstieg schafft.

von ES5NHC - am 09.01.2016 08:20
Zitat:
Wiederum anders in Oesterreich wo man ohnehin wenig Vielfalt gewohnt sei, und gerne staatlichen Einfluss hat, und auch keinen Mehrwert an Neuanschaffung von Geraeten sieht.

Ganz so ist es nicht. Als einer der betroffenen darf ich das sagen. Dort wo verfügbar, hatten die Programme aus Bayern schon immer höchste Beliebtheit. Wo keine Bayern gingen, wich man gerne auf andere Stationen aus dem Ausland aus, wie Radio Uno.

Die Verbundenheit zum BR bestünde noch heute. Es gibt auch viele, die sich gerade deswegen ein DAB+-Radio gekauft haben. Vielen davon hat man aber 2015 das Radio hören arg vermiest, indem man am Wendelstein und Brotjacklriegel die Strahlungscharakteristik eigentlich grundlos zum argen Nachteil Österreichs verändert hat.

Was Norwegen angeht... Da gibt es seit Jahren schon fast nur noch DAB+-Geräte zu kaufen. Reine UKW-Radios muss man da in den Geschäften schon arg suchen.

Und was die Konkurrenz im Radio betrifft... Die gabs früher vielerorts ja gar nicht. Wirklich gut ausgebaut war/ist ja nur das Sendernetz von NRK P1.
So gesehen ist die DAB+-Versorgung heute schon besser als jene via UKW. Was den Norwegern aber noch fehlt, ist Tunnelradio. Das läuft (Stand August 2015) so gut wie nur auf UKW.

von delfi - am 09.01.2016 13:04
Zitat
Languedoc
Da hat der Fragesteller aber (wie so viele) etwas durcheinandergeworfen.
Natürlich hat Norwegen das Recht, keine UKW Frequenzen mehr zuzuteilen. Wer wollte Norwegen aufgrund von was etwas anders vorschreiben?


Der Beschwerdesteller hat nach meiner Meinung nichts durcheinandergeworfen und versucht nur, unter Ausnutzung aller möglichen Schlupflöcher die aus seiner Sicht unerwünschte UKW-Abschaltung zu verhindern. Er lässt u.a. überprüfen, ob die "Zwangsabschaltung" von UKW mit den EFTA-Regeln zur Neutralität für Technologien in Einklang steht. Norwegen muss sich als EFTA- und EWR-Mitglied an solche Regeln halten.

Dass der Lokalradioverband NLR die Einhaltung dieser Regeln als Betroffener der politisch gewollten UKW-Abschaltung nun juristisch prüfen lässt, das ist sein gutes Recht und legitim. Es ist auch gut, dass diese Überprüfung jetzt stattfindet und nicht erst in 2022, wenn nach den derzeitigen Regeln die letzten UKW-Sender in Norwegen abgeschaltet werden müssen.

Ich persönlich sehe übrigens keinen Grund, wieso man den Lokalradios einen Weiterbetrieb auf UKW verwehren sollte, wenn sie ihn denn wollen.

73 de Uli

von ulionken - am 24.03.2016 09:29
Zitat
ibizateufel
Norwegen macht das richtig UKW abschalten und fertig da kann Deutschland sich mal ein Beispiel nehmen.


Deutschland ist nicht Norwegen.

Ich kann mir vorstellen, dass hier in D einige mehr auf die Barrikaden gehen würden.

1. Vor einer Abschaltung muss erst einmal eine ordentliche Struktur in das System gebracht werden. Thema Kanalbelegung (zb NDR auf so vielen verschiedenen Kanälen)

2. Sämtliche Radios sind dann nutzlos und das werden z.B. Leute mit Makitaradios oder mit Wohnzimeranlagen ohne DAB sicher (Ironie ein) richtig gut finden. (Ironie aus)

3. In der Autoindustrie sollte dann auch auf DAB gesetzt werden, was z.Z. absolut nicht der Fall ist. Nur wenige Autos haben ein DAB Radio. Selbst die Nobelkarren nicht.

4. DAB muss vorher mal richtig bekannt gemacht werden, da, ich würde mal behaupten, 75% der Deutschen nicht einmal wissen, dass es das gibt.

5. Man kann die Abschaltung von UKW nicht mit der Abschaltung des analogen TV vergleichen, weil das analoge TV bei der Abschaltung sowieso von fast niemanden mehr benutzt wurde. Es gibt heute nur sehr sehr wenige, die DVB T nutzen. Und ich würde wieder behaupten, es gibt auch heute noch genug, die die Abschaltung des analogen TV nicht mitbekommen haben und daher auch jetzt nicht wissen, dass es DVB T gibt. Es wurde halt bist Dato nie gebraucht.

Ich weiß, hier gibt es viele, die sich eine Abschaltung wünschen oder schon jetzt vorstellen können, aber das sind dann auch Leute, die sich standing mit dem Thema befassen und auch schon DAB nutzen. Das sind in D aber die Wenigsten. Und das wird sicher auch noch lange so bleiben.

von theArno80 - am 24.03.2016 11:59
Wo kommen diese Zahlen denn her? Sind irgenwie unglaublich. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Die Privaten werden den Sprung auf DVB T2 nicht mitmachen. Die überlegen doch jetzt schon den Quatsch abzuschalten.

Der NDR könnte genau so ein SFN Netz aufbauen wie der WDR. Das wäre eine ordentliche Struktur. Ob du jetzt alle NDR1 Programme in allen Bundesländern empfangen kannst, ist doch egal. Aber nein. Selbst in NDS, 4 verschiedene Kanäle... Schön das DAB Band zu mülen. Gerade bei Überreichweiten eine klasse Sache. Aber die kommen bei DAB ja so gut wie nie vor;)

Naja, aber das sehe ich glaube ich allein nur so.

Wenn UKW abgeschaltet werden soll, ist noch Einiges zu tun. Das wird noch dauern. Gott sei Dank.


Einen Punkt habe ich noch, solange nich überall ein Deep-Indoor-Empfang möglich ist, wird UKW sowieso nicht abgeschaltet. Und allein da sehe ich noch gewaltigen Handlungsbedarf oder Arbeitsaufwand. Wenn man 15km von einem Sender (5KW in 260m Höhe) entfernt wohnt und Indoor Empfangsprobleme im EG hat, dann ist das einfach schlecht! Das bedeutet schlimmstenfalls Stützfunzeln noch und nöcher.

von theArno80 - am 24.03.2016 14:07
Quelle der Statistiken: via http://www.dehnmedia.de/?page=dvbt&subpage=statistik
Die Nutzer-Zahlen stammen aus verschiedenen Erhebungen, den Digitalisierungsberichten der LMAs und sogar die "parteiischen" Astra-Zahlen bestätigen den Erfolg von DVB-T.
Verkaufszahlen entsprechen natürlich nicht der Nutzung, aber auch die sprechen eine deutliche Sprache.

Zitat

Die Privaten werden den Sprung auf DVB T2 nicht mitmachen. Die überlegen doch jetzt schon den Quatsch abzuschalten.

Die Privaten werden sogar noch mehr dabei sein als bislang. Allerdings nur noch gegen Gebühr und verschlüsselt.

Zitat

Ob du jetzt alle NDR1 Programme in allen Bundesländern empfangen kannst, ist doch egal.

Darum geht's nicht. Das wären ja schon landesweite Bedeckungen. Der NDR will aber anscheinend erstmal sämliche bereits auf UKW vorhandenen Gegebenheiten abbilden und macht das über die regionalen Bedeckungen. Es geht also nicht um NDR1 Radio Niedersachen, sondern um die Abbildung von NDR1-RN Studio OL/OS/H/BS... Und man hofft vermutlich, ffn und Antenne mit an Bord nehmen zu können, die fast identische Regionalisierungen haben. Für die vielen Regionalstreams von Radio 21 reicht aber auch diese Struktur nicht aus.
Später wird man dann vermutlich einige Programme in neue landesweite Bedeckungen verschieben, wenn es mehr Gäste in den Regionalmuxen gibt.
Möglicherweise hat das auch damit zu tun, daß man z.B. von 12A Steinkimmen noch nicht wegkommt, bevor nicht der neue Mast gebaut ist und man wieder neue Antennen aufbauen darf. Für den alten Mast gilt seit einigen Jahren eine Veränderungssperre - es darf keine einzige neue Antenne mehr montiert werden. Und für ein landesweites SFN in Niedersachsen kommt man an Steinkimmen kaum vorbei...

von iro - am 24.03.2016 14:42
Zitat
drahtlos
Zitat
ulionken
Zitat
102.1
D.h. in Norwegen wird ab 2017 das UKW Band komplett rauschen? Oder wird UKW dort dann fuer andere Dienste zur Verfuegung gestellt werden?


Nein, die Umstellung in 2017 betrifft NRK, die beiden kommerziellen Networks und die Lokalstationen in fünf Agglomerationen. Die Lokalstationen ausserhalb dieser Agglomerationen haben dagegen eine Frist bis 2022 für die Umstellung. Sie können also erstmal abwarten. was ihnen zum einen zusätzliche UKW-Hörer neu bescheren könnte, aber auch zum Verlust von Hörern führen könnte, die DAB-Empfänger haben.

Eine andere Nutzung des UKW-Bands nach 2022 ist meines Wissens nicht geplant.

73 de Uli


Nun den, die WorldDAB könnte langsam sich mal Gedanken darüber machen, das UKW-Band allenfalls für weitere DAB-Kanäle zu reservieren. Bis in 5 Jahren könnte man auch Band-II taugliche DAB-Radios auf den Markt bringen. Ich habe noch nie etwas gelesen, was mit dem UKW-Band, sollte es mal "freigeschaufelt" sein, passieren wird...



Vergiss das UKW Band. So sehr ich DAB Fan bin und auch die Vorteile der niedrigen Wellenlänge (größere Reichweite bei niedriger Leistung) einschätzen kann, Dank der legalen Mini UKW ist das Band II nicht brauchbar, dazu kommt noch der DOCSIS Stöhrnebel aus dem Kabel. Wenn ich an das CT1 Problem denke und wie lange es gedauert hat bis die letzten CT1 Telefone verschwunden sind und wenn ich an das Problem mit den Kabellecks denke was seit den 80ern Jahren existiert und nie behoben wurde, dann ist das Band II tot für jede zukünftige Nutzung. Und wenn ich an G.Fast denke dann wird mir übel ... :bloed:

von Mr. DABelina - am 25.03.2016 13:29
Hat das vielleicht etwas mit dem UKW-Ausstieg zu tun? NRK hat viele Regionalversionen von NRK 1 auf 4,8° Ost aufgeschaltet, schon Mitte November. Das wäre ja noch ok, aber man hat dabei alle Radios von MP2 auf AAC umgestellt und trötet nun mit 64 kbps HE-AAC herum. Auch die Kulturwelle.
http://de.kingofsat.net/tp.php?tp=1396

Gut, daß es mir mein deutscher HD+ zertifizierter DVB-S2-Receiver gleich gnädigerweise vorenthält. Eine Aufnahme "ins Blaue" hinein liefert tatsächlich einen TS, den aber weder VLC spielen noch ProjectX demuxen will. Aber XmediaRecode schafft es, den Inhalt in WAV zu wandeln. Da liegen sie also nun, die Aufnahmen von "NRK mP3" und die Aufnahme der Klassikwelle. Frequenzgang bis über 17 kHz, aber natürlich der quiekige, rauhe Sound eines magerbitratigen HE-AAC, vor allem bei der Popwelle sehr ätzend zu hören. Klassik geht zumindest mit dem von mir Gehörten so leidlich, klingt bissl wie ausm Abwasserrohr, aber ohne "wohnzimmer-übliche" Ansprüche noch erträglich.

Hier die zwei Beispiele, als FLAC in einem Zip: https://we.tl/GFAXwLYeQL

von Chris_BLN - am 02.12.2016 13:06
Zitat
DJ Taifun
Es wird interessant
http://www.digitalfernsehen.de/DAB-Plus-Norwegische-Bevoelkerung-gegen-UKW-Abschaltung.148203.0.html
Wie berechnen denn die Verantwortlichen die Nutzung der DAB Geräte. Laut Umfrage, repräsentati̱v, nach Computer Hochrechnungen oder wie oder was :gruebel:
Wenn die Bevölkerung sich schon jetzt beschwerden...:D
Sollen doch einfach die Grundnetztsender on Air bleiben und nur die Füllsender abgeschaltet werden und dann kann man weiter sehen wie sich die Radiohörer verhalten.
Und hier auch der Bericht aus der SZ:
http://www.sueddeutsche.de/politik/digital-technik-radio-gaga-1.3321465


Naja, 2012 gab es in Deutschland auch viele "Beschwerden" zur Astra Analogabschaltung - wer denkt heute daran?
Es ist seit Jahren bekannt, dass UKW 2017 abgeschaltet wird... Ich hatte letztes Jahr mindestens 10 verschiedenen Mietwagen in Norwegen (Opel, Kia, Mercedes, Audi etc) - alle hatten DAB+ Radios eingebaut - dies ist seit Jahren Standard in Neuwagen in Norwegen.

Gruß
Morten Hesseldahl

von Morten Hesseldahl - am 09.01.2017 08:56
Zitat
Morten Hesseldahl
Es ist seit Jahren bekannt, dass UKW 2017 abgeschaltet wird...


Und es gab eine allgegenwärtige Werbekampagne, so dass wohl praktisch jeder weiss, dass UKW in 2017 abgeschaltet wird.

Zitat
Morten Hesseldahl
Ich hatte letztes Jahr mindestens 10 verschiedenen Mietwagen in Norwegen (Opel, Kia, Mercedes, Audi etc) - alle hatten DAB+ Radios eingebaut - dies ist seit Jahren Standard in Neuwagen in Norwegen.


Autos haben wegen der 85% Luxussteuer bei der Anschaffung (Ausnahme: Elektroautos) allerdings eine recht hohe Lebensdauer... Und so haben laut Worlddab in Norwegen zwar 78% der Neuwagen DAB, aber nur 28% des Gesamtbestands (Stand Dezember 2016)!

Ein Teil der Autobesitzer wird wohl einen Adapter einbauen, ein anderer Teil erstmal aufs Radio verzichten. Meiner Schwester im Raum Oslo habe ich geraten, erstmal abzuwarten, welche der beworbenen Adapter (siehe Seite 27 in dieser ausführlichen Broschüre) sich bei der Umstellung in den nördlichen Landesteilen am Markt bewähren. Nach den blöden Software-Hängern mit meinem Dual UDR-100 bin ich jedenfalls mit Empfehlungen vorsichtig... Immerhin, diese Adapter schalten wohl zum Teil automatisch auf andere Frequenzen um, wenn man eine NRK-Region verlässt.

Ansonsten ist die DAB-Abdeckung in Norwegen an den Strassen und in bewohnten Gegenden gut. Ausnahmen sind abgelegene Hütten wie das hier früher erwähnte Finse, das nicht an einer Strasse liegt - dort braucht man nach Abstellen der UKW-Funzel wohl einen Webstream oder eine Sat-Schüssel. Kabelradio spielt in Norwegen keine Rolle.

73 de Uli

von ulionken - am 10.01.2017 00:05
Zitat
dab_4
Im Artikel "Norwegen schaltet heute UKW ab – aber warum streamen sie nicht einfach?" wird auf die in seinem Titel gestelle Frage eine Antwort gegeben. Sie beruht im Wesentlichen auf Mathematik.


Da werden die Sendekosten eines nicht genannten Radiosenders in einem nicht genannten Land mit der zufälligen technischen Reichweite 2,5 Mio und dem zufälligen Marktanteil von 5 % den Streamingkosten eines nicht genannten Providers mit irgendeiner Bitrate gegenübergestellt, um dann zu der erstaunlich präzisen, fettgedruckten Aussage zu kommen: "Internet-Streaming ist viermal teuer als ein UKW-Sender." Sorry, aber das ist keine Mathematik, sondern eine Milchmädchenrechnung. Etwas mehr Differenzierung wäre hier absolut angebracht.

Was nicht heißen soll, dass DAB nicht sinnvoll wäre. Gerade in Norwegen war bisher das Programmangebot jenseits der Zentren mager: allein NRK P1 (Mix) und P2 (Kultur) landesweit, dann NRK P3 (Pop) das private P4 mit deutlichen Lücken, gelegentlich P5 und ein Lokalradio. Das neue DAB-Angebot bringt in der Fläche jetzt zwar erstmal auch nicht viel mehr (ein paar NRK Plus-Angebote): Aber wenn noch ein paar Bouquets hinzu kommen, kann das was werden. Norwegen hat zwar auch eine erstklassige UMTS/LTE-Versorgung. Trotzdem reißen die Streams bei Überlandfahrten regelmäßig ab. Wenn ausschließlich gestreamt würde, wäre das Netz schnell überlastet.

von peeraxel - am 12.01.2017 09:15
Zitat
Chris_BLN
Mit der Aufschaltung der Regionalversionen war eine Umstellung von teils 192 kbps MP2 auf nun nur noch 64 kbps HE-AAC verbunden. Klingt erbärmlich, wie Diktiergerät. Kann man sich nicht antun, dieses Geschabe. Auch in Norwegen setzt man also inzwischen die Radiohörer wirklich in den Dreck. Fürs Fernsehen gibt es aber immer die nötige Bitrate, um gutes Bild zu machen. Selbst TV-Ton spendiert man häufig mehr Qualität als Rundfunk-Ton.


Die Frage ist halt, wieviele Leute werden sich darüber beschweren. Ich fürchte ja, dass es abgesehen von paar wenigen Leuten wie uns hier fast niemanden interessiert. Nach 2 Jahrzehnten Loudness War im Radio und selbst auf CD-Produktionen habe ich die Befürchtung, dass die Leute das irgendwann sogar als "normal" empfinden werden, wenn das so kratzt und schabt. Das Gezerre und Gepumpe stört ja anscheinend seit 20 Jahren auch niemanden.

Ich muss aber zugeben, dass ich mich - wenn ich nicht gerade mit Kopfhörer höre - mit den 96kbps von Bayern 2 z.B. schon halbwegs arrangieren kann. Klingt nicht gut, aber anhörbar. Im Endausbau, wenn dereinst UKW abgeschaltet werden sollte, wäre ich aber froh, wenn zumindest die Öffentlich-Rechtlichen soviel Qualitätsbewusstsein beweisen würden, dass sie mit mindestens dreistelligen Datenraten senden. Das Beispiel Norwegen zeigt aber, dass man das nicht zwingend erwarten kann. Meine Befürchtung ist, dass es den allermeisten Leuten schlichtweg egal sein wird.

von Habakukk - am 12.01.2017 09:18
Schau in die Schweiz, was die auf DAB angerichtt haben. Man kann auf die Bitraten zwar ca. 8 kbps draufaddieren, wenn man mit anderen Programmen vergleicht, weil sie auf MOT-Slideshow offenbar verzichten, aber außer SRF 2 ist dann trotzdem noch nichts erträglich. Leider habe ich es nicht geschafft, mir das über den Jahreswechsel mal selbst anzuhören. Hatte den DAB-Stick zwar mit im Berner Oberland, fand aber keine Zeit für solche Spielereien.

Was man wirklich mal (in Deutschland) machen sollte: große UKW-Ketten der Öffis durch Zwischenschalten von 64 kbps HE-AAC in der Zuführung klanglich ruinieren und dann schauen, ob wer schreit. Das könnte man mal quer durch die Angebote machen, von Oldie über Pop bis Kultur, um eventuelle Unterschiede herauszuarbeiten.

Es ist schon bizarr: für die UKW-Zuführung verwendet die Divicon beispielsweise offenbar 384 kbps apt-X, also eine "amtliche" Hausnummer. Klar, man muss Overshoots durch die Artefakte vermeiden, weil man sonst UKW nicht mehr auf "Kante" fahren kann, aber man legt auch Wert auf die feststellung, man biete guten Klang. So wurde es auch bei einem auf Divicon gewechselten Programm intern kommuniziert (zuvor 192 kbps MP2 bei der Media Broadcast). Aber wenns um DAB geht, kanns nie wenig genug sein...

von Chris_BLN - am 12.01.2017 09:33
Zitat
Chris_BLN schrob:
Was man wirklich mal (in Deutschland) machen sollte: große UKW-Ketten der Öffis durch Zwischenschalten von 64 kbps HE-AAC in der Zuführung klanglich ruinieren und dann schauen, ob wer schreit.


Vor einigen Jahren hatte die Zehlendorfer 90,80 MHz von Antenne Brandenburg aus irgendwelchen Gründen auf ISDN-Ersatzzuführung geschaltet. Das Ergebnis war eine gute Telefonqualität: :bruell:
Keine Bässe, Höhen endeten knapp über menschlicher Sprache, keine erahnbare Stereophonie. Es blieb trotz meiner recht raschen Meldung an den rbb längere Zeit so. Ich war offenbar der einzige Beschwerdeführer.

Nach der Aufschaltung der rbb-Programme auf 7D waren sie über Monate klanglich ungenießbar. Auch das störte niemand. Mag sein, dass die DAB-Ausstrahlung damals noch quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Auch wenn die Klangqualität noch immer nicht das Gelbe vom Ei ist, inzwischen ist sie durchaus erträglich. Man muss nur einen möglichst großen Bogen um die glucksenden Gyrosmodule machen... ;)

von PowerAM - am 12.01.2017 10:37
Zitat
Chris_BLN
Dazu hatte ich mich ja weiter oben geäußert. Mit der Aufschaltung der Regionalversionen war eine Umstellung von teils 192 kbps MP2 auf nun nur noch 64 kbps HE-AAC verbunden. Klingt erbärmlich, wie Diktiergerät. Kann man sich nicht antun, dieses Geschabe. Auch in Norwegen setzt man also inzwischen die Radiohörer wirklich in den Dreck.


In Norwegen wird kaum Radio über Satellit gehört.

Es wird von den Sendern, darauf hingewiesen, dass einige Gebiete (vor allem höhere gelegene) keinen DAB+ Empfang haben - dann kann man in erster Linie auf DVB-T umsteigen (wo die Radiosender auch ausgestrahlt werden). Sollte kein DVB-T Empfang vorhanden sein, empfiehlt sich entweder Steamern oder eben DVB-S.

Das Angebot ist ja auf DAB+/DVB-T/DVB-S fast gleich.

Hier die (freizugänglichen) Sender über DVB-T: https://www.rikstv.no/produkter/kanaler/radiokanaler/

Hier die (freizugänglichen) Sender über DVB-S: http://en.kingofsat.net/radio-0.8W_nor.php

Angesehen von den regionalen NRK 1, ist das Angebot über DVB-T attraktiver...

Gruß
Morten Hesseldahl

von Morten Hesseldahl - am 12.01.2017 10:41
Zitat
Morten Hesseldahl
In Norwegen wird kaum Radio über Satellit gehört.


Ah, danke! Das hätte ich jetzt nicht erwartet aufgrund der Weite des Landes, wo Satellit ja inhouse eigentlich eine effiziente Sache wäre.

In Deutschland ist es ja auch wenig Radionutzung über Satellit. Es gibt Zahlen, die sagen 10%, was aber auch bezweifelt wird, selbst von ARD-Leuten. Wann erlebt man mal jemanden, der über Satellit Radio hört? In vielen Kabelnetzen werden die Satelliten-Signale ja 1:1 übernommen (letztlich in allen Klein-Netzen und auch bei manchen großen Anbietern,z.B. TeleColumbus, Primacom), ist Satellit also die Quelle für Kabelempfang. Teilweise wird dann sogar noch UKW aus Satellitenradio gemacht für das Kabelnetz, und zwar mehr als terrestrisch herangeführtes UKW. Bei uns z.B. derzeit 29 x UKW von DVB-S und 15 x UKW->UKW. Also doch weitaus mehr (indirekte) Sat-Radio-Nutzung, als man vielleicht erwartet.

Zitat
Morten Hesseldahl
Es wird von den Sendern, darauf hingewiesen, dass einige Gebiete (vor allem höhere gelegene) keinen DAB+ Empfang haben


Das ist interessant! Hat man da Probleme, weil die DAB-Sender mit Downtilt in die Siedlungen strahlen oder direkt unten in den Siedlungen stehen?

Zitat
Morten Hesseldahl
Hier die (freizugänglichen) Sender über DVB-T: https://www.rikstv.no/produkter/kanaler/radiokanaler/


Danke! Mit welchem Audiocodec und mit welcher Bitrate wird Radio auf DVB-T gesendet?

Zitat
Morten Hesseldahl
Hier die (freizugänglichen) Sender über DVB-S: http://en.kingofsat.net/radio-0.8W_nor.php


Thor 6... ich kannte bislang nur die Angebote auf Astra 4A, die ich auch in Deutschland empfangen kann: http://en.kingofsat.net/tp.php?tp=1396

Klassik mit 64 kbps HE-AAC. Es klingt grauenhaft. Die Signale sind sicherlich identisch.

Zitat
ES5NHC
Doch, DAB+. NRK Kanäle wurden gestern ins DAB+ umgeschaltet. Kanäle auf Norge Riks Ensemble waren bereits DAB+ ausser Radio Norge und P4


Ist die Datenbank jetzt also nicht mehr aktuell?

http://www.ukwtv.de/cms/norwegen-dab.html

Was mich bislang schon gewundert hat, waren Bitraten-Summen, die in keinen Mux passen. Hier beispielsweise: http://www.fmlist.org/sendertabelle/dab-st_more.php?inputLand=NOR&inputEn=F601

Da sind angeblich drinnen:
9 x 128 kbps MP2 UEP 3 -> 9 x 96 CU
1 x 160 kbps MP2 UEP 3 -> 116 CU
1 x 96 kbps MP2 UEP 3 -> 70 CU
1 x 64 kbps AAC EEP 3-A -> 48 CU
2 x 80 kbps AAC EEP 3-A -> 2 x 60 CU
16 kbps AAC EEP 3-A -> 12 CU
8 kbps Data EEP 3-A -> 6 CU

Sind in Summe 1236 CU. Passt bei weitem nicht in einen Mux. Meine Vermutung: das war kein Gleichwellennetz, sondern Inseln mit unterschiedlichen Regionalprogrammen. Hat aber alles die gleiche Ensemble ID. Wir hatten das Thema schonmal irgendwo. Habs vergessen, sorry.

von Chris_BLN - am 12.01.2017 12:07
Zitat
Chris_BLN
Zitat
Morten Hesseldahl
In Norwegen wird kaum Radio über Satellit gehört.


Ah, danke! Das hätte ich jetzt nicht erwartet aufgrund der Weite des Landes, wo Satellit ja inhouse eigentlich eine effiziente Sache wäre.

In Deutschland ist es ja auch wenig Radionutzung über Satellit. Es gibt Zahlen, die sagen 10%, was aber auch bezweifelt wird, selbst von ARD-Leuten. Wann erlebt man mal jemanden, der über Satellit Radio hört? In vielen Kabelnetzen werden die Satelliten-Signale ja 1:1 übernommen (letztlich in allen Klein-Netzen und auch bei manchen großen Anbietern,z.B. TeleColumbus, Primacom), ist Satellit also die Quelle für Kabelempfang. Teilweise wird dann sogar noch UKW aus Satellitenradio gemacht für das Kabelnetz, und zwar mehr als terrestrisch herangeführtes UKW. Bei uns z.B. derzeit 29 x UKW von DVB-S und 15 x UKW->UKW. Also doch weitaus mehr (indirekte) Sat-Radio-Nutzung, als man vielleicht erwartet.


Ich kenne keine Zahlen aus Norwegen. Die Norweger die ich kenne hören zu Hause über die Stereoanlage - überwiegend via DAB+ (da man hier endlich eine vernünftige Auswahl hat) / an einem tragbares Gerät mit Stabantenne (auch DAB+).

Ein Kumpel von mir (Deutscher) wohnt in Oslo, er hört UKW via Kabel - dieses läuft ja ganz normal weiter...

Gruß
Morten Hesseldahl

von Morten Hesseldahl - am 12.01.2017 13:54
Zitat
Jens1978
Was das Thema Satellit angeht bin ich jedenfalls froh, dass die NRK ihre Radioprogramme über Satellit ausstrahlt. Gerne höre ich da mal rein. Leider sind die DR Radioprogramme ja nur noch tlw. (P1,2,3) und dann auch fast nur noch über 4,8°O zu empfangen und SR überhaupt nicht. Auch ein kompletter Gegensatz.
Was die Qualität angeht, ja, da denke ich auch, dass das die meisten nicht (mehr) wirklich interessiert. Generell juckt doch mittlerweile so ziemlich keinem mehr irgendwas ... Hauptsache social media läuft und wehe, wenn da mal 5s was gestört ist ... alles irgendwie irre, naja.


Die UKW Versorgung in Schweden ist auch ganz anders ausgebaut als in Norwegen. Gut Schweden ist ja nicht so Bergig wie Norwegen und ist also einfacher zu versorgen. Landesweit hat man die 4 SR Sender, hinzu kommen unzählige Kommerzielle Sender wie Mix Megapol, NRJ, Vinyl usw die man überwiegend in den Ballungsräumen empfangen kann. In Schweden wird wie in Norwegen (und Dänemark) kaum Radio über Satellit gehört.

Aus Dänemark empfängt man aktuell: DR P1, DR P2 und DR P3 über Astra 4,8° Ost und DR P3 über Thor 1° West. Es gibt das Gerücht, dass die Sender über Astra 4,8° eingestellt werden sollen.

Schweden P4 (Stockholm) ist FTA über 9° Ost zu Empfangen - ein Angebot für Auslandsschweden. Die Kommerziellen Sender Rix FM, Bandit und Lugna Favoritter sind verschlüsselt (Viasat) über Astra 4,8° Ost zu empfangen.

Das Kernproblem ist, dass Radio über Satellit in Skandinavien keinen richtigen Mehrwert bringt (es sei denn man hat keinen oder einen schlechten UKW/DAB Empfang). Ich (wohnhaft in Flensburg) höre gerne SWR 3, dieser Sender kriege ich nur übers Internet / Satellit - also habe ich einen Sat Receiver an meiner Anlage angeschlossen. Nur was bringen mir 10-15 Dänische Sender über Satellit die ich so wie so über DAB+ (und teileweise über UKW) empfangen kann?

Gruß
Morten Hesseldahl

von Morten Hesseldahl - am 13.01.2017 08:18
Zitat
pro_dabby
Zitat
dab_4

Mal angenommen dass das Datenvolumen und der Preis dafür zutreffen: Wem wird das in Rechnung gestellt? Dem Sender? Den Hörern? Den Hörern und dem Sender?


Die hier aufgestellte Rechnung muss der Auftraggeber, also der Programmanbieter begleichen. Der Hörer (jeder einzelne Teilnehmer) muss wiederum mit seinem Mobilfunkkosten die Übertragungskosten seines Providers (in der Regel über eine Flat) bezahlen.

Und hier liegt der Vorteil der terrestrischen Verbreitung (DAB wie UKW). Sie ist für den Teilnehmer kostenlos, abgesehen vom Erwerb eines Endgerätes und Rundfunkbeiträgen. Aber die "verbrauchte Menge" hat keinen Einfluß.

Noch zu den Verbreitungskosten auf Senderbetreiberseite: Hier ist DAB eindeutig günstiger. Zwar ist der Wirkungsgrad der Sender schlechter und man benötigt eher mehr als weniger Standorte, aber einerseits sind die Antennen kleiner (Auswirkung auf den Mietpreis des Antennenträgers) und man transportiert nicht nur ein Programm, sondern 8 oder mehr (ohne die Qualitätsdiskussion weiter anzuheizen;))
Da man zwar das Basissignal (ETI/EDI) diskret zuführen muss, fallen auf der Zuführungsseite höhere Kosten auf, die sich aber auch wieder relativieren indem mann zum Beispiel eine Multicast-Zuführung realisiert (auch über Satellit).

Somit ist es für ein regional operierenden Programmanbieter DAB immer günstiger als UKW. Da Ausnahmen die Regel bestätigen sollen, muss man nur auf lokale Radioanbieter schauen. Die haben zwar nach einer eventuellen Aufschaltung auf DAB plötzlich extrem mehr potentielle Teilnehmer, aber auch entsprechende Verbreitungskosten.


von txer - am 15.01.2017 09:22
Zitat
dab_4
In dem Zusammenhang auch interessant ist der Artikel "Norwegen im Auge eines digitalen Sturms".


Also laut dem nach meiner Vermutung Original-Artikel "Gambler med liv og helse" geht es um die Buchten(?) von Skårvågen bis Nykvåg am Rande der Inselgruppe Vesterålen (direkt nordöstlich der Lofoten).

Beispielhaft gab ich mal den Ort, der die Koordinaten 68,7373°N / 14,4236°O hat, in die Empfangssignalprognose von fmscan.org ein; Ergebnis: Zwei Muxe sollten mit mindestens je 66 dBuV kommen.

Der ausgebliebene Empfang ist also rätselhaft: Wurde eine geeignete DAB+-Empfangssausrüstung verwendet (und die ausreichend abgeschirmt gegen Störungen)? Haben die "Expeditionsteilnehmer" den Empfang auch einfach einmal mit einem DAB+-Taschenenradio plus Teleskopantenne probiert? Gab es Abschattungen durch Felsvorsprünge o. Ä., die in der fmscan.org-Empfangsprognose nicht ausreichend berücksichtigt werden?

von pro_dabby - am 15.01.2017 12:13
Zitat
jug
Leute, das ist ein Artikel der schwedischen UKW Lobby!:sneg:


Kannst Du uns bitte Belege oder eine Begründung für Deine Behauptung anführen? Gefällt Dir einfach der Inhalt des Artikels nicht, und schiebst Du deshalb (z.B. weil Du keine besseren Argumente hast) dem Autor unter, dass er einen Artikel der "schwedischen UKW-Lobby" geschrieben habe? Ich finde Deinen Satz ohne weitere Belege völlig daneben, und so eine dahingeschriebene Äusserung fällt dann eher negativ auf ihren Verfasser zurück.:sneg:

Der Autor des Artikels, Rudolf Hermann, ist Schweizer und ein erfahrener Redaktor der NZZ, der jahrelang für Osteuropa berichtet hat. Seit 2015 ist er als NZZ-Korrespondent in Stockholm für die nordischen und baltischen Staaten zuständig. Welches Motiv sollte er denn haben, Teil einer "schwedischen UKW-Lobby" zu sein?

Sein Artikel ist inhaltlich diskussionswürdig. Aber wenn das hier nicht wirklich zu einem "Low-Level-Forum" werden soll, bleibt doch bitte bei der Sache!

73 de Uli

von ulionken - am 15.01.2017 19:41
Zitat
Thomas (Metal)
Meinst Du damit mich mit einem augenzwinkernden Zitat? Mir ging es darum darzulegen daß man von uns aus nach Norden blickend doch oft die Nase rümpft und deren Vorgehensweise nicht nachvollziehen kann.


Nein, Dich meinte ich sicher nicht. Du hast ja zu Recht auf den Stellenwert des DAB/UKW-Themas in Norwegen hingewiesen. In den dortigen Zeitungen liest man inzwischen fast nichts mehr davon, es dürfte also in Nordland auch ohne UKW in der Regel gut funktionieren, auch wenn es wie erwartet noch hier und da Empfangsprobleme gibt. Ob wegen falsch installierter DAB-Adapater, ungeeigneter Antenne oder technischen Versorgungslücken, das wird wohl jetzt in den vielen Einzelfällen vor Ort untersucht werden.

Zitat

Ansonsten Low-Level? Unter Low-Level würde ich dann eher im Gegensatz zum puren Umherwerfen mit Power-Points verstehen daß man sich da wirklich bis nach ganz unten auskennt und dies diskutiert.


Das würde ich dann eher als "deep level" bezeichnen, also eine Diskussion, die sich mit vorhandener und geballter Sachkenntnis und mit dem Zusammentragen von Fakten und Bewertungen um die Details und Hintergründe kümmert. Das Forum hat ja zum Glück genügend Diskussionsfäden mit diesem "deep level", die einen dann die gelegentlichen "low level"-Anteile hoffentlich bald vergessen lassen... ;)

73 de Uli

von ulionken - am 15.01.2017 20:48
Zitat
pro_dabby
Also laut dem nach meiner Vermutung Original-Artikel "Gambler med liv og helse" geht es um die Buchten(?) von Skårvågen bis Nykvåg am Rande der Inselgruppe Vesterålen (direkt nordöstlich der Lofoten).

Beispielhaft gab ich mal den Ort, der die Koordinaten 68,7373°N / 14,4236°O hat, in die Empfangssignalprognose von fmscan.org ein; Ergebnis: Zwei Muxe sollten mit mindestens je 66 dBuV kommen.


Vergiß FMSCAN für solche Steilküsten, Gebirge und Buchten. Abschattungen werden zumindest kaum wenn nicht garnicht berücksichtigt. Sowas können nur Tools wie Radiomobile, die nicht umsonst ziemlich lange rechnen, bis sie ein Ergebnis haben. Reflektionen können nichtmal von diesen Tools berücksichtigt werden.
... Nun hast Du vom lokalen Gap-Filler in der Nachbarbucht statt 66 dBµV/m nur 36 dBµV/m durch Dämpfung, und ein mehr als 74 km weiter entfernter Grundnetzsender wird an der Felswand richtung Nachbarbucht so reflektiert, dass er sagen wir mal mit 32 dBµV/m ankommt. Schon ist der SNR des "Hauptsignals" so niedrig, dass nichts mehr decodiert werden kann.
Wenn ich es drauf anlege, finde ich so stellen sicher an vielen Orten, so wie ich bei UKW viele Orte finde, bei denen der Empfang total verzerrt ist...

von DH0GHU - am 16.01.2017 08:54
Zitat
Morten Hesseldahl
Zitat
Thomas (Metal)
[OT]
Bei sehr viel Sympathie für Skandinavien: Was ist nun schlimmer: Die UKW-Abschaltung in Norwegen, die eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten für Bargeld in Schweden oder doch die für deutsche Ohren nicht gegebene Verständlichkeit der Landessparche in Finnland? :gruebel:


Andere Länder andere Sitten?

Gruß
Morten Hesseldahl

Sowas finde ich im Ausland durchaus immer interessant! Wissend natürlich das ich bei Nichtgefallen wieder dahin zurückkehre wo es wie gewohnt weitergeführt wird.
Für DAB vs UKW heißt das: Man sollte der UKW-Abschaltung im Ausland, hier Norwegen, nicht nur verkrampft gegenübersteht und dies mit ein Stück (technischem) Interesse verfolgen. Wie wird die 100%-Abdeckung gelöst, wie verhält es sich mit der Tonqualität, etc. Weiter würder ich natürlich beide Systeme (!!!) gerne weiter parallel behalten :rp: . Für eine weitere vollständige UKW-Senderkette hätte ein Programm X schließlich auch gezahlt.

von Thomas (Metal) - am 16.01.2017 20:19
Zitat
ulionken
Zitat
lindau42
Die Kosten erreichtem Hörer sind bei DAB deutlich geringer. KW auf DAB erreichen ganze Regionen, Watt auf UKW halt nur die Häuser in Sichtweite


Die kleinen Lokalsender sind doch gar nicht an der Versorgung ganzer Regionen interessiert! Das mit den "deutlich geringeren Kosten" stimmt nur, wenn sich mehrerere Stationen die Kosten für den Betrieb eines DAB-Mux teilen, so wie das in den städtischen Gebieten in Norwegen der Fall ist.

Die Rechnung geht aber nicht für Lokalsender auf, die nur ein kleines Gebiet und das alleine versorgen (wollen). Egal, ob sie selbst ihre UKW-Funzeln durch DAB-Funzeln ersetzen (und diese alleine betreiben) oder ob sie sich mit benachbarten Lokalsendern zu einem grösseren Mux zusammenschliessen (und ihre Reichweite damit unbeabsichtigt erhöhen): Es wird mit DAB teurer, jedenfalls laut dem Lokaradioverband in Norwegen.

73 de Uli


Dann sollten die sich mal Digris ansehen. Sender mit 500 Watt lokal auf Linux Basis sind günstig, auch wenn nur eine Hand voll Sender für den Ort senden. Die Schweiz wird mit vielen dieser Inseln versorgt.

von lindau42 - am 11.02.2017 16:32
Auch das Modell Digris ist für die kleinen Lokalsender in Norwegen keine Lösung. Digris versorgt die Ballungszentren in der Schweiz mit lokalen MUXen, in denen sich wie hier nebenan in Basel etwa 15 Stationen die Kosten teilen. Wenn die MUX-Kosten durch 15 geteilt werden, dann ist es natürlich günstig.

Die Situation in den ländlichen Gebieten Norwegens ist aber eine ganz andere: Es gibt neben den landesweiten Programmen von NRK und den zwei landesweiten Kommerziellen oft nur ein einziges Lokalprogramm, das ein paar kleine Täler mit UKW-Funzeln abdeckt. Diese Stationen krebsen am Rande ihrer wirtschaftlichen Existenz herum. Wer meine Nordeuropa-Seite in der REFLEXION liest, der hat vielleicht mitbekommen, dass in 2016 um die zehn norwegische Lokalradios ihren Betrieb eingestellt haben - entweder weil nicht mehr genügend freiwillige Mitarbeiter mehr da waren oder sich die Station wirtschaftlich nicht mehr getragen hat. Eine Umstellung auf DAB kostet erstmal eine Investition für die Sendetechnik, und die Betriebskosten sind bei einem MUX mit nur einem Programm darauf praktisch die gleichen wie auf UKW.

Der norwegische Lokalradioverband geht derzeit noch juristisch gegen die geplante UKW-Zwangsabschaltung vor. Ob der juristische Weg Erfolg hat, und ob ein Weitersenden als Einzelkämpfer auf UKW in Zukunft überhaupt noch genügend Hörer erreicht, das ist alles andere als sicher. Ich vermute, dass die finanzkräftigeren Lokalradios auf DAB umsteigen werden und die anderen übers Internet weitermachen oder ganz eingehen... Peter, DRM wäre praktisch, aber ist ohne Empfangstechnik bei den Hörern chancenlos, mal abgesehen davon, dass ein Umstieg auch Investionen brauchen würde.

73 de Uli

von ulionken - am 11.02.2017 17:35
Am besten wäre es gewesen wenn man DAB+ und DRM+ miteinander verschmolzen hätte und die Geräte beides könnten (ohne umschalten -> Suchlauf -> gemischte Liste -> Ferig). In DRM Standard auf VHF2 hätten die Lokalsender senden können und Sender mit verschieden Lokalfenstern (Werbung usw...), auf DAB+ die Überregionalen Landesweiten, Bundesweiten und co. Aber das war nie gewollt, man kannte bzw kennt immer nur Endwieder oder.

Zitat
Cyberjack
Komisch. Bei Internetverbreitung konkurriert man mit 10000en anderen Sender welche genauso per Knopfdruck umgeschaltet werden können. .


Das kann man nicht so vergleichen. Der Ottonormale macht das aber nicht so, man wühlt sich nicht durch 1000en von Internetsender sondern sucht im Net in der Regel doch nur die Sender die vom Urlaub oder vom heimischen UKW her kennt. Sender die man nicht kennt, sucht man nicht! Das mögen wir und vereinzelt wechle machen, aber die Masse macht das nicht. Reine Internetsender sind auch nicht so bekannt und werden es auch nicht. Bei DAB+ mit seiner nicht all zu großen Senderliste schaut man halt doch eher mal durch die Liste und bleibt eher auf ein neues Programm hängen.

von Kohlberger91 - am 13.02.2017 20:20
Zitat
Rolf, der Frequenzenfänger
Zitat
Kohlberger91
Am besten wäre es gewesen wenn man DAB+ und DRM+ miteinander verschmolzen hätte und die Geräte beides könnten (ohne umschalten -> Suchlauf -> gemischte Liste -> Ferig). In DRM Standard auf VHF2 hätten die Lokalsender senden können und Sender mit verschieden Lokalfenstern


besser klingen tut es nicht und die Reichweite wird auch nicht grösser. Digitalisierung als Selbstzweck?


Du hast schon nicht ganz unrecht. Allerdiens bei entsprechenden Datenraten klingt man sehr wohl besser und wenn man 1:1 die selbe Sendeleistung fahren darf, hat man (je nach Fehlerschutz) auch eine höhre Rechweite (Wo es auf UKW gestört ist, es in Stereo rauscht, in Mono übergeht, geht digital noch). Man kann auch noch ein Spartenprogramm anbieten.

Zitat
Rolf, der Frequenzenfänger
Empfängerseite müsste neue Hardware her


Das muß es mit DAB+ solo ja auch. Jetzt braucht man freilich DRM+ nicht mehr einführen.Da ist der Zug abgefahren. Man hätte es gleich anfangs (schon zu DAB altzeiten) tun müßen. Spätest bei der Einführung von DAB+. Dann hätten es auch die Geräte Hersteller es tun müßen. Aber wie gesagt, mir kam es immer so vor als wollte man das nicht und es gab nur "halten wir auf DRM oder DAB und später mit DAB+ fest".

von Kohlberger91 - am 13.02.2017 21:23
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