Bericht zum Spiel Soest gg. Schwerte

Startbeitrag von Thomas am 12.11.2001 08:03

STV-Match wieder nichts für schwache Nerven


HANDBALL In letzter Sekunde sicherte Neuzugang Gallus Schlüsselträgern den 25:24-Sieg über Schwerte/Westhofen. Zenka setzte Akzente

Von Dirk Wilms

SOEST • Die Spannung war kaum noch auszuhalten. Trainer Michael Gründel jedenfalls musste gut zwei Minuten vor dem Abpfiff aufs stille Örtchen, war aber pünktlich wieder an der Bank, als die Dramatik ihrem Höhepunkt zusteuerte. 40 Sekunden vor Schluss hämmerte Serdar Önder das Leder in den Winkel. Im Gegenzug glich Routinier Sziesze für die HSG Schwerte/Westhofen aus. Doch die Gäste freuten sich zu früh. Vom Anwurf an schnappte sich STV-Neuzugang Sebastian Gallus den Ball, dribbelte durch die gegnerischen Abwehrreihen und lochte fast mit dem Schlusspfiff zum 25:24 ein.

Der Newcomer hatte damit endgültig die Herzen der Soester Zuschauer erobert, denen pünktlich zur Kirmes eine Vorstellung der Schlüsselträger geboten wurde, die wieder einmal nichts für schwache Nerven war. Dass Gallus, den der Fanclub "Bördepower" schon als "Basti-Fantasti" feierte, in der Turbulenz der sich überschlagenden Ereignisse diese Abgebrühtheit an den Tag legte, beweist, welch guten Griff die Verantwortlichen des STV mit ihm getätigt haben.

Dabei wäre es eigentlich gar nicht nötig gewesen, das Spiel so spannend zu machen. Mit vier Toren lag der STV schon vorn, hatte den gegnerischen Rückraum und den gefährlichen Kreisläufer Beck gut im Griff. Vorn arbeitete das Team in der schon eingespielten Formation, wobei Linksaußen Zenka bemerkenswerte Akzente setzte.

Der Vorsprung schmolz aber schon vor dem Seitenwechsel und erst recht danach, weil sich die Schlüsselträger einige Fehlversuche, Ballverluste und Stürmerfouls leisteten. Zudem musste Kempermann vom Feld, obwohl er gefoult wurde. In dieser Phase ging Schwerte in Führung, sogar mit zwei Treffern, auch der Wechsel zwischen den Soester Pfosten - Dickgreber für Südhoff - brachte zunächst nichts.

Beim Stand von 18:20 schien gar Hopfen und Malz für den STV verloren. In einer Auszeit wollte Coach Gründel seine Jungs auf Kurs bringen, exakt 46:33 Minuten waren gespielt. Zwei Zeitstrafen gegen Schwerte schienen Soest in die Hand zu spielen. Doch in doppelter Überzahl vergab Köhne einen Siebenmeter. Sekunden später - immer noch in doppelter Überzahl - handelte sich Hohelüchter bei einem Foul an Linksaußen Roring seine dritte Zeitstrafe ein: Rote Karte.

Zudem gab es einen Siebenmeter für Schwerte. Brzoskowski trat an, der zuvor dreimal verwandelt hatte. Doch diesmal wehrte Tobi Dickgreber den Ball ab - eine Initialzündung für den STV.

Köhne und Zenka per Doppelschlag drehten den Spieß bis zur 51. Minute zum 21:20 um, was HSG-Coach Wißuwa zu einem Timeout veranlasste. Nun wogte das Spiel hin und her, die Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Bänken. Kuno, Kempermann und Zenka scheiterten hüben ebenso wie verschiedene Gästeakteure drüben.

Zweieinhalb Minuten vor Schluss handelte sich Schwertes Ernst die rote Karte ein, als er gegen Gallus bei einem Konter die Notbremse zog. Köhne verwandelte den fälligen Siebenmeter. Im Gegenzug glich Morawietz aus, ehe im Endspurt alle Taktikvorgaben nicht mehr zählten. Allein diese Schlussphase war das Eintrittsgeld wert.

STIMMEN

Sebastian Gallus: "Diese Fans sind unser achter Mann. Besser geht es nicht. Bisher konnte ich noch nicht zur Kirmes. Doch das werde ich heute Abend noch nachholen."

Michael Gründel: "Ich muss mich langsam fragen, wie man das die ganze Saison nervlich durchhalten soll. Das geht an die Kondition. Eigentlich bräuchte ich morgen einen halben Tag frei. Dass Gallus ein guter Mann ist, habe ich schon nach der ersten Trainingseinheit gesehen. In der Schlussphase hatte ich ihn auch vorn drin gelassen, weil er so gut dribbeln kann."

Björn Wißuwa (Trainer Schwerte): "Solche Spiele haben wohl Tradition in Soest. Es war ein umkämpftes Spiel, wir haben uns nichts geschenkt. Der STV ist um seine Atmosphäre zu beneiden. Die Schiedsrichter waren aber außer der Spur, das macht keinen Spaß. Allerdings haben sie für beide Seiten schlecht gepfiffen." • dw

STATISTIK


Soester TV - HSG Schwerte/Westhofen 25:24 (13:11).

Soester TV: Südhoff, Dickgreber; Zenka (5), Köhne (6/3), Kempermann (1), Önder (4), Genau (2), Hohelüchter (4), Norpoth, Hinnerks, Gallus (2), Kuno (1).

HSG Schwerte/Westhofen: Wagner, Vogler; Ernst (1), Heinrich (3/3), Beck, Bagusch (1), Roring (2), Morawietz (6), Brzoskowski (9/3), Sziesze (2), Pieplow, Hallmann.

Schiedsrichter: Eggert (Dormagen), Szyka (Zons).

Tore: 0:1 Heinrich (7m), 1:1 Hohelüchter, 1:2 Morawietz, 2:2 Önder, 2:3 Heinrich (7m), 3:3 Zenka, 4:3 Zenka, 4:4 Roring, 5:4 Genau, 6:4 Köhne, 6:5 Morawietz, 7:5 Hohelüchter, 7:6 Heinrich (7m), 8:6 Köhne (7m), 8:7 Bagusch, 9:7 Genau, 10:7 Gallus, 10:8 Brzoskowski, 11:8 Hohelüchter, 12:8 Köhne (7m), 12:9 Brzoskowski, 12:10 Roring, 13:10 Zenka, 13:11 Brzoskowski - Pause - 13:12 Brzoskowski, 14:12 Kuno, 15:12 Hohelüchter, 15:13 Sziesze, 16:13 Kempermann, 16:14 Ernst, 16:15 Morawietz, 17:15 Önder, 17:16 Brzoskowski, 17:17 Morawietz, 17:18 Brzoskowski (7m), 17:19 Brzoskowski (7m), 18:19 Köhne (7m), 18:20 Brzoskowski (7m), 19:20 Köhne, 20:20 Zenka, 21:20 Zenka, 21:21 Brzoskowski, 21:22 Morawietz, 22:22 Önder, 23:22 Köhne (7m), 23:23 Morawietz, 24:23 Önder, 24:24 Sziesze, 25:24 Gallus.

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