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vor 4 Jahren, 2 Monaten
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Ulrich Walluhn

Eisenbahn-Kurier Nummer 500 – Gedanken zu einem Jubelheft

Startbeitrag von Ulrich Walluhn am 22.04.2014 15:55

Eisenbahn-Kurier Nummer 500 – Gedanken zu einem Jubelheft

Im April 2014 legte mir meine Schwiegermutter den „EK“ auf den Tisch, das lange und mit Spannung erwartete Heft Nummer 500. Nach dem ersten Durchblättern stellte sich bei mir umgehend Enttäuschung ein. Was war das? Von einem Jubiläums- Heft hätte ich mir allein ein anderes Titelblatt gewünscht. Mein allererster Eindruck: Da sitzt ein (wohl türkischer) Eisenbahner oder Nichteisenbahner auf der Pufferbohle einer türkischen Dampflok und liest den EK. Bitte? Was will uns der Verlag denn damit sagen? Und im Inneren? Leider, ja leider dieselbe Flachheit, Plattheit und Oberflächlichkeit aller Hefte der letzten Jahre. Kurzum – die Nummer 500 unterscheidet sich in Nichts aber auch Garnichts von der „Serienausfertigung“. Gut, zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Artikel über die Ellok 127X (Karl Gerhard Baur) und Kriegslok SATC S 160 (Andreas Knipping) hervorstechen, wobei ich mir zu letzterem wohl vergeblich einen dritten Teil mit Auflistung aller Lok mit Herstellerangaben und Verbleiben wünsche. Nein, ein solcher dritter Teil wird nicht erscheinen, obwohl das garantierte Fehlen aller Daten zu den sowjetischen SchA durchaus verschmerzbar wäre. Vom Autor (Knipping) erhielt ich inzwischen die Information, eine solche Liste passe nicht ins Konzept und würde den Rahmen sprengen, das heißt ein ganzes oder halbes Heft für sich füllen. Hmm....

Im zweiten Durchgang stieß ich auf die Kolumne, seit Jahren vom Chefredakteur Thomas Frister geschrieben. Jenem Manne, der in der Öffentlichkeit beharrlich von sich behauptet, in DDR-Zeiten Lokführer oder Heizer beim Bahnbetriebswerk Gera gewesen zu sein. Bis heute habe ich (und haben andere) jedoch keinen einzigen Eisenbahner in Gera und anderswo getroffen, der den guten Mann dort – also im Bw Gera – kennen würde. Und auch in anderen benachbarten Bw Fehlanzeige. Diese Tatsache mag nun jeder Leser für sich bewerten. Ich persönlich enthalte mich dessen.

Die Kolumne wird seit Jahren mehr oder minder respektlos oder respektvoll – dies ist Ansichtssache – in meinem Freundeskreis als „Bergpredigt“ bezeichnet. Während die meisten dieser Predigten entweder dahindümpeln oder andererseits auch viel Wahrheit in sich tragen, musste ich doch über diese Ausgabe kopfschüttelnd lachen. Gedanken zum EK Fünfhundert. Der Leser erfährt, dass man auf großen Pomp und großes Fest verzichtet. Man wird auf 2016 vertröstet, dann nämlich wird der EK-Verlag 50 Jahre alt. Nun gut. Die Vorstellung der großen und kleinen Starautoren des EK blieb also jetzt aus. Na vielleicht haben wir in zwei Jahren doch mehr Glück. Man erfährt stattdessen, dass der EK seine Themen fundiert präsentiert. Nun ja. Auch hier kann man sehr geteilter Meinung sein. Einst las ich in einem dieser Hefte, die Heizrohre würden im Kessel an Stehbolzen aufgehängt... Jedem Dampfloktechniker treibt ein solcher Satz die Schamröte ins Gesicht, und von Fundiertheit kann an solcher Stelle leider absolut keine Rede sein. Eher von fachlichem Unwissen. Auch möchte ich nochmals auf das „Bremsen mit Konterdampf statt mit dem Füßen“ hinweisen, wie in einem der zahlreichen Sonderhefte zu lesen war. Liebe Leute, fundiert geht anders...

Herr Frister schreibt: „Da helfen uns ungewollt die zahlreichen Internet-Plattformen, welche oft mit inakzeptabler Polemik und fragwürdiger Wortwahl wenig Alternativen und Stil bieten.“ Oh ja, Nachtigall ick hör dir trapsen, wie der Berliner Volksmund sagt. Sofort fiel mir das Drehscheibe-Online-Thema Kommerz und Eisenbahnverlage ein, in dem es hart her ging und manche Kante gegeben wurde. Könnte es ein wenig sein, dass man in Freiburg über dieses Thema nicht begeistert und leicht verschnupft war....?

Wir erfahren weiter, dass es beim EK nicht nur eitel Sonnenschein gab. Interessant! Herr Frister schreibt: „Manche personelle Veränderung in der kleinen Mannschaft mit großem Programm hat Wirkungen erzielt, die auch dem Leser nicht verborgen blieben“. An dieser Stelle erhoben sich für mich Fragen. Sollen die Wirkungen verborgen bleiben? Wenn ja warum? Wem bitte nützt es? Und um welche Wirkungen handelt es sich? Darüber lässt sich der Verfasser absolut nicht aus. Kleine Mannschaft mit großem Programm. Ein wenig unglücklich formuliert. Ich dachte im Moment des Lesens sofort an eine handgemachte Neujahrskarte von Rudolf Heym aus dem Jahre 1983: Großer Plan und schmale Spur. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

Und weiter heißt es, ich zitiere: „Und nicht jeder, der am EK partizipierte und von ihm profitierte, war auch wirklich Freund des Hauses. Nach 500 Ausgaben ist es auch erlaubt, an jene Zeitgenossen zu erinnern, die in steter Regelmäßigkeit das Verschwinden des EK vom Markt prophezeiten oder die mit der Verbreitung gezielter Unwahrheiten für Schaden sorgen wollten“. Oh Herr im Himmel, verzeih Deinen Schafen... Hier musste ich mit den Augen rollen. „Genossen, der Klassenfeind schläft nicht. Er will uns ständig mit seinen Provokationen beim planmäßigen Aufbau des Sozialismus stören und mit der Verbreitung seiner Unwahrheiten, seiner Lügen schweren Schaden zufügen und den Dritten Weltkrieg vorbereiten. Genossen, schließen wir unsere Reihen enger und stärken wir unsere revolutionäre Klassenwachsamkeit...“ So sprach im Sommer 1989 zur Ungarnfluchtwelle der Chef der Politischen Abteilung der Reichsbahndirektion Erfurt. Und weiter heißt es: „.Schade, dass das spannende Thema Eisenbahn mit dem großen Potential an Begeisterung von Einzelnen immer wieder als Spielwiese für persönliche Interessen missbraucht wird.“ An dieser Stelle wäre mir bald der berühmte imaginäre Kragen geplatzt. Ich möchte den Satz vom Kopf auf die Füße stellen. Ich halte dagegen: Schade, dass das spannende Thema Eisenbahn mit seiner Vielfalt und seiner Spannung, seinem Potential für Begeisterung und Ehrenamt immer wieder als Plattform für Kommerzinteressen und Machtkämpfe unter selbsternannten Göttern und Übergöttern missbraucht wird, bei dem man nicht einmal vor Methoden wie Mobbing, Zerstörung von Freundschaften, fragwürdigen gerichtlichen Schritten, Rufschädigung und ähnlichem zurückschreckt, nur des Gewinnes, des Profites und der Geltungssucht weniger Einzelner wegen. Einzelne, die oftmals auch ihren eigenen Namen in Druckerzeugnissen nicht häufig genug gedruckt sehen wollen.

Über den EK kann und muss sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Der Eine kennt den EK und sein Innenleben nicht, der Andere kennt ihn schon und kennt ihn gut. Je nach Standpunkt und persönlichen Erfahrungen gewinnt jeder sein eigenes Bild. Und die Bilder sind höchst verschieden! Aber höchst verschieden.

Ich möchte keine Wertung des EK vornehmen, obwohl ich es ganz sicher könnte. Ein Satz allerdings soll nicht ungesagt, nicht ungeschrieben bleiben: Ich vermisse am EK Professionalität – und zwar in allen Disziplinen. Auch ist es nicht höflich, elektronische Post nicht zu beantworten, etwa auf die konstruktive Frage, ob und wie das 75-te Jubiläum zweier EK-Legenden im Sommer 2014 gebührlich begangen wird. Natürlich haben die Damen und Herren des Verlages täglich alle Hände voll zu tun. Dies habe ich auch. Und trotzdem findet sich bei mir immer eine Minute, kurz und freundlich eine Mail zu beantworten.

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