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vor 3 Jahren, 1 Monat
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Ulrich Walluhn

Lok 143 001 (Weiße Lady) im Modelleisenbahner

Startbeitrag von Ulrich Walluhn am 17.08.2014 16:24

Ich möchte heute die berühmte und weitbekannte "Weiße Lady", Lok 212 001, später 243 001 und nach der Umzeichnung der Reichsbahnlok von 1992 als 143 001 bezeichnete Versuchslok beleuchten. Sie war ab 1982 in mehreren Heften "Der Modelleisenbahner" in unterschiedlichen Bauzuständen abgelichtet. 1982 war es auch, als mir diese auffällige Lok zum ersten Male in Erfurt Hauptbahnhof vor einem Schnellzug aus Halle an der Saale begegnet ist. 1985 schließlich bekam ich sie (endlich) das erste Mal vor die Linse meiner Pentacon-Six, einer 6x6 Rollfilmkamera. Ich erinnere mich noch genau als sei es gestern gewesen, wie ich im (alten) Erfurter Hauptbahnhof vom Bahnsteig 4 hinüber zum Bahnsteig 2 rannte, um die Lokomotive ja nicht zu verpassen. Mehrere gestochen scharfe Fotos gelangen, wenn auch leider nur auf Orwo NP 20. Den besseren und leistungsstärkeren Agfa PAN 100 oder Ilford-Schwarzweißfilme hatte ich erst ab 1986/87 zur Verfügung. Allerdings war der Orwo NP 20 weit besser als sein Ruf, wenn man eine gute Charge erwischte und den Film mühsam stark ausgleichend in Feinstkorn-Entwickler selbst entwickelte. Nur die Schatten blieben immer etwas hart. Gute Serien ließen sich sogar auf NP 23 (heute 200 ASA) puschen, was beim Aufnehmen fahrender Züge von großem Vorteil war. Standardwerte für die Pentacon-Six, die fast immer passten, wenn Sonne schien: Entfernung 15 Meter (höchstens 20 Meter), Blende 5,6 Belichtungszeit 1/500-stel Sekunde. Zeiss-Normalobjektiv 80 mm Brennweite. Die Schärfe dieser Aufnahmen hält noch heute Vergleiche mit Digitalfotos aus. Aber nur dann, wenn der Film plan in der Kamera lag, was an sehr heißen Sommertagen nicht immer der Fall war.

243 001, wie sie damals hieß, begegnete mir in den Jahren bis 1990 noch mehrfach. Dass ich eines Tages einmal Teile ihres Betriebsbuches als Kopie vorweisen kann, war damals nicht einmal Wunsch, sondern keinen einzigen Gedanken wert. Betriebsbücher waren von Dampflokomotiven interessant, nicht aber vom "modernen Kram", wie man diese Lok bezeichnete. Heute bin ich froh, den "modernen Kram" ausgiebig fotografiert zu haben, denn er verschwand und verschwindet zunehmend aus der deutschen Schienenwelt.

243 001 möchte ich auch aus einem Grund heute vorziehen, nämlich dem respektlosen und unanständigen Angriff des Herrn Scherrans auf meine Arbeit vor wenigen Tagen. Seinen dritten Band zum elektrischen Betrieb (Mitteldeutschland bzw. DDR nach 1945) habe ich bis heute nicht in der Hand gehabt. Meine Ausführungen zur 243 001 basieren ausschließlich auf amtlichen Unterlagen, die ich bei Bedarf sämtlich in Form von Kopien aus dem Regal ziehen und vorlegen kann. Anders ausgedrückt - die Ausführungen von Herrn Scherrans zur 243 001 kenne ich nicht. Ich bin gespannt, welche Reaktion meine neuerliche Auswertung beim genannten Herren hervorruft. Vielleicht unternimmt er auf seiner Internetseite einen neuen Versuch, alls zu verunglimpfen und stellt einen zweiten Link in Drehscheibe-Online ein. Vielleicht aber auch nicht.



Betriebsbuchauszug der Elektrolokomotive 212 001/243 001/143 001:
=================================================================
VEB LEW Hennigsdorf 1982/16323 (FB-Nr. 204 32 030)

Anlieferung: 30.06.1982 als 212 001
vorl.Abnahme: 02.07.1982 Raw Dessau
Probefahrt: 05.07.1982 Buna-Holleben-Buna Leer- und Lastfahrt
08.07.1982 Weißenfels-Holleben und zurück
08.07.1982 Weißenfels-Erfurt und zurück
24.08.1982 Weißenfels-Erfurt und zurück
vorl.Abnahme: 27.08.1982 Raw Dessau
endg.Abnahme: 07.03.1983 Raw Dessau
Vertrag: 15.08.1978 langfristiger Wirtschaftsvertrag mit
H-Nr.150 98062 und Anlage 4 vom 08.05.1981
Anlieferung: 14.10.1983 als 243 001
Abnahme: 17.10.1983 Raw Dessau
Probefahrt: 15.10.1983 und 16.10.1983 über 316 Kilometer
Neuabnahme: 17.10.1993 Hennigsdorf
Probefahrt: 19.08.1993 Hennigsdorf-Neustrelitz und zurück Leer
Neuabnahme: 22.06.1995 Hennigsdorf
Probefahrt: 19.06.1995 Hennigsdorf-Berlin Hbf. und zurück

Lok geliefert mit selbsttätiger mehrlösiger Druckluftbremse und Zusatzbremse Bauart KE-
GPP2R m.Z. und fahrdrahtabhängiger fremderregter elektrischer Widerstandsbremse mit
elektropneumatischer Ergänzungsbremse und mehrstufigen Druckübersetzern und
selbstregelndem Führerbremsventil. Eingebaute Teile: 2 Führerbremsventile Bauart Dako BS 4, 2
Strömungsanzeiger Bauart Dako PM 2, 2 Führerbremsventile für Zusatzbremse Bauart Dako BP
N, 1 Steuerventil Bauart KE 1c, 2 Druckübersetzer Bauart Due 24fi, 1 Auslöseventil Bauart
Dako OL 2, 1 Umstellventil GPP2R, 4 Auslaßventile Bauart Dako N 4, 1
Achslagerbremsdruckregler AR 11, 2 Bremszylinder 10 Zoll, 8 Bremszylinder Bauart BX 8-31-
1, 2 Notbremsventile Bauart AK 6, 1 Bremsstromventil Bauart EV 203/3, 4
Doppelrückschlagventile, 1 Sicherheitsventil 11,5 atü, 1 Sicherheitsventil 10,5 atü, 2
Sicherheitsventile 6,5 atü, 1 Sicherheitsventil 4,0 atü. Bremsgewichte: G 75 t, P 85 t, P2 100 t,
R 115 t. Fahrzeugdach mit Gitterlaufstegen und geklebten und beschichteten Trittflächen
ausgerüstet. Haupttransformator von Firma TRO Berlin-Oberschöneweide, Fahrmotore und
Umformer vom Sachsenwerk Dresden-Niedersedlitz, Rädergetriebe vom LEW Hennigsdorf. Lok
geliefert mit 2 Hauptschaltern Bauart DAT 4, 4 Trennschützen Bauart DLS 18b.
Höchstgeschwindigkeit 140 km/h. Lok hat Hochspannungssteuerung mit Stufenwähler und
Thyristorsteller, Geschwindigkeitsregelung mit unterlegter Zugkraftregelung, Fahrmotore mit
Thyristorsteuerung fremdbelüftet über Axiallüfter, außenliegende Flexicoilfedern an den
Drehgestellen, Drehzapfen mit Silentblöcken, LEW-Kegelringfederantrieb mit zweiseitig
angeordnetem Getriebe. Haupttransformator mit Leistung 3820 KW und 95 KW für
Hilfsbetriebe, 4 Fahrmotore mit Leistung je 930 KW.

Lok vor Anlieferung auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1982 ausgestellt. Lok am 05.07.1982 an
Bw Halle-P überführt. Zustimmung zum Probebetrieb durch TÜ-DR Nr. 3.4.-11/82 vom
24.06.1982. Erprobungsvertrag vom 25.02.1982 und Typenprüfprogramm vom 12.10.1981.
Die Erkenntnisse der Vorab- und Parallelerprobungen an den Lok 250 002, 250 096 und 250
110 sind eingearbeitet worden.

24.03.82 – 24.03.82 Bw Leipzig-West Aufgleisversuche

17.06.82 – 17.06.82 LEW Hennigsdorf Lok verwogen x)

30.06.82 – 02.07.82 Raw Dessau erste vorläufige Abnahme
10.07.82 - ........ Bw Halle-P
26.08.82 – 27.08.82 Raw Dessau zweite vorläugige Abnahme
27.08.82 – 13.12.82 VEB LEW Hennigsdorf E 0
14.12.82 – 14.01.83 Bw Halle-P
15.01.83 – 16.01.83 Bw Engelsdorf E 0 URD
17.01.83 – 06.03.83 Bw Halle-P
07.03.83 – 07.03.83 Raw Dessau endgültige Abnahme
08.03.83 – 01.04.83 Bw Halle-P
02.04.83 – 03.04.83 Bw Engelsdorf E 0 URD
04.04.83 - ......83 Bw Halle-P
......83 – 14.10.83 Raw Dessau E 0 Umbau in 243 001
14.10.83 – 17.10.83 Raw Dessau Abnahme
18.10.83 – 04.03.84 Bw Halle-P
05.03.84 – 29.03.84 Bw Dresden
30.03.84 – 17.04.85 Bw Halle-P
18.04.85 – 18.04.85 Bw Engelsdorf E 0 URD
19.04.85 – 19.05.85 Bw Halle-P
20.05.85 – 20.06.85 Raw Dessau E 5 und DRBz
21.06.85 - ........ Bw Halle-P
21.05.86 – 29.10.86 Raw Dessau E 0 Umbau
........ - ........ Bw Halle-P
01.11.86 – 31.08.93 LEW Hennigsdorf Versuchslok
01.09.93 – 17.10.93 AEG Hennigsdorf E2 E0 Umbau
18.10.93 – 21.03.95 AEG Hennigsdorf Versuchslok
22.03.95 – 22.06.95 Firma AEG Hennigsdorf E 7 Umbau
23.06.95 - ........ AEG Hennigsdorf Versuchslok

x) Verwiegung der Lok: I II III IV gesamt
19,92t 20,04t 20,02t 20,28t 80,26t

Bauartänderungen:

27.08.82 Raw Dessau HP-Platte an Drosseln zusätzlich angebaut. zusätz-
liche Abdichtung der Innenbeleuchtung der Instru-
mente im Pultbereich ausgeführt
16.01.83 Bw Engelsdorf Radprofil nach TGL 6080 ausgeführt
14.10.83 Raw Dessau Umbau auf Baureihe 243 und umgezeichnet zu 243
001, Probezerlegung durchgeführt, Bremszylinder
geändert, Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h
herabgesetzt
13.12.82 LEW Hennigsdf. Radschutzkästen geändert, geänderte Heizscheiben
im Führerstand angebaut, Fangbügelsicherungen ge-
ändert, alle Meßgeräte mit fester Nullpunktarre-
tierung ausgerüstet, Dichtgummi der Einstiegtüren
geändert, Staubringe für Achslagergehäuse ange-
baut, Kurzschlußschütz zur Vermeidung von 100 Hz-
Störungen durch einseitigen Thyristorstellerbe-
trieb angebaut, Umformerhalterungen (wegen Kom-
pressoranlauf) geändert, Befestigung der Luftfil-
ter für die Elektronik geändert, Steckdose für
Klimagerät und Kühlbox versetzt, Bezeichnungs-
schilder der Leitungsschutzschalter richtigge-
stellt, Ventilabdeckung der Stromabnehmer im
Hauptgang verbessert, Dachsektion gegen Schwingen
und Verbiegen gesichert und abgedichtet, Schutz-
gitter für NH-Sicherungen geändert, Schutzgitter
am Hauptgang geändert, Lage des Strecke-Prüf-Um-
schalters geändert, Öffnungswinkel der Einstieg-
türen auf 180 Grad vergrößert, Erdschlußerfassung
im Fahr-Bremskreis geändert
17.10.83 Raw Dessau neue Frontscheiben eingebaut
20.06.85 Raw Dessau neuer Haupttransformator eingebaut
28.10.86 Raw Dessau Umbau auf Drehstromantriebstechnik als Erprobungs-
träger, Drehgestell 1 mit Drehstrommotoren und
neuen Radsätzen und neuem Getriebe ausgerüstet,
Drehgestell 2 aufgearbeitet, neuer Haupttransfor-
mator eingebaut, neuer Hauptkompressor eingebaut,
im Führerstand 1 zusätzliche Kabelverlegung und
Kabeldurchführung, Außenanstrich erneuert und ge-
ändert, Kompressor Bauart LEW S-Bahn eingebaut,
Fenster in Führerstand 2 auf Serienausführung ge-
ändert, Tender in Führerstand 1 mit Blechtafel
verschlossen und Kabeldurchführung zum Meßwagen
angebaut, Farbanstrich neu ausgeführt
17.10.93 AEG Hennigsdorf Umbau in seriennahen Zustand der Baureihe 143,
Indusi-Anlage Bauart PZ 80 Gerätewerk Treuenbrie-
zen GmbH 1702 Treuenbriezen Postfach 25 eingebaut
22.06.95 AEG Hennigsdorf Bolzen und Buchsen der Hängeeisen neu ausgebuchst,
neue Frontscheiben angebaut, Ansaugschächte für
Außenluft abgedichtet, Haupt- und Nebengangfenster
im Maschinenraum neu angebaut, Stromabnehmerpalet-
ten auf DBAG-Standard umgeändert, Serienanglei-
chung an Baureihe 143 ausgeführt, Stromabnehmer
mit neuen Kohleschleifleisten und neuen Anlaufhör-
nern in Serienausführung ausgerüstet, Flexicoilfe-
dern mit Beilagen versehen, Lokgrundrahmen neu mit
Farbe gespritzt

Betriebsbögen und Anlagenteil und Aktenstücke:

Keine Betriebsbögen vorhanden.

Antworten:

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