Ungarn: Fliehen? Kämpfen!

Startbeitrag von Moderator. am 30.09.2017 08:49

Ungarn: Fliehen? Kämpfen!

Eine Gruppe junger Akademiker gründet in Ungarn eine Partei. Sie sind weder links noch rechts – aber entschlossen, Premierminister Viktor Orbán aus dem Amt zu drängen.

Der Mann, in dem manche schon den Emmanuel Macron Ungarns sehen, trägt Hemd und eine akkurate Frisur. Aufgeräumt und hellwach sitzt András Fekete-Györ in einem weitläufigen Keller in der Budapester Innenstadt. "2010 habe ich Viktor Orbán gewählt", sagt er. "Ich habe gehofft, er würde Ungarn Stabilität und sozialen Frieden bringen." Seine Hoffnung wurde enttäuscht. Fekete-Györ zählt auf: "Orbán hat das Verfassungsgericht entmachtet, die Medien reglementiert und die private Rentenvorsorge verstaatlicht, also gestohlen." Und dann sei da noch die Scham, der Schmerz, weil der ungarische Premier den Ruf der Heimat in Westeuropa ruiniere.

Deshalb hat Fekete-Györ eine Partei gegründet: Momentum.

Fahnen und Transparente lehnen an der Wand. Auf ein paar alten Sofas sitzen junge Menschen hinter ihren Laptops, in der Ecke steht ein Kickertisch: Das Hauptquartier von Momentum sieht aus wie eine Studenten-WG. Das passt. Die meisten hier saßen bis vor Kurzem noch in irgendwelchen Hörsälen. Fekete-Györ, studierter Jurist, ist selbst erst 28 Jahre alt. 1.200 Mitglieder hat Momentum seit der Gründung im Jahr 2014 gewinnen können. Orbáns Nimbus der Unbesiegbarkeit ist bereits angekratzt.

Im vergangenen Winter gelang es der Partei, mehr als 250.000 Unterschriften für eine Volksabstimmung über die ungarische Olympia-Bewerbung zu sammeln. Die Regierung befürchtete eine Niederlage und zog die Bewerbung zurück. "Experten hatten uns abgeraten", erzählt András Fekete-Györ. "Das Thema interessiere keinen, es sei zu kalt draußen, und wir hätten nicht genügend Aktivisten." Die Experten lagen falsch. "Seitdem wissen wir: Alles ist möglich!" Er lacht.

Das wichtigste ungarische Nachrichtenportal schrieb: "Dieser junge Ungar hat die Orbán-Regierung erschreckt." Seitdem berichten Oppositionsmedien über alles, was die Führung von Momentum plant, sagt oder tut. Obwohl die Partei in den Umfragen bisher lediglich zwischen einem und fünf Prozent liegt.

Die Erwartungen sind trotzdem groß. Im kommenden April sind Parlamentswahlen, und bisher kann nur die rechtsradikale Jobbik-Partei Viktor Orbáns übermächtiger Regierungspartei Fidesz gefährlich werden. Linke und Liberale sind frustriert.

Immer wieder sind in den letzten Jahren neue............

[www.zeit.de]

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