Drehscheibe-Online macht wieder von sich Reden

Startbeitrag von Ulrich Walluhn am 18.07.2016 13:20

Auch diesen Beitrag bei Drehscheibe-Online hätte ich gar nicht gesehen, wäre ich nicht aus dem Freundeskreis aufmerksam gemacht geworden. Ist es nun klug, überhaupt darauf zu reagieren oder nicht? Wie man es macht, ist es bekanntlich immer falsch. Meine Netzseite bei Google-Plus, die offenbar einem oder mehreren Herren ein Dorn im Auge zu sein scheint, werde ich mit dem Thema nicht belasten.

Man lese hier: [www.drehscheibe-online.de]

So, der Herr D. hat also auffallend viele 100 jährige und ältere Bilder bei mir gefunden, die den seinen verblüffend ähnlich sehen. Das ist eine interessante Feststellung, die sich ganz simpel erklären lässt. Ein nicht unerheblicher Teil meiner alten und uralten Aufnahmen stammen aus dem Fundus von Werner Umlauft, der leider 1992 in Erfurt viel zu früh verstarb. Ich habe seine alten Lok-Karten in DDR-Zeiten mit meiner 6x6-Kamera analog reproduziert. Nach dem Tode des Besitzers hat - gegen den eigentlichen Willen - sein Sohn die ganze und sehr große Sammlung meistbietend verkauft. Die Sammlung wurde in alle Winde zerstreut. Und so bin ich beinahe sicher, dass dieses oder jenes Foto nicht nur verblüffend ähnlich ist, sondern durch Verkauf an einen anderen Besitzer gelangt ist. Und eben dieser versucht nun, das Einstellen dieser durchweg gemeinfreien (weil uralten) Fotos zu unterbinden. Sehr geehrter Herr D., auch wenn Sie nun Drohungen gegen mich ausstoßen und meinen, sie können auch anders, dann wird mich dies in keiner Weise beeindrucken. Ich bin fast sicher, Sie werden sich wieder zu Wort melden, wenn ich das Bild einer preußischen S1 aus der Hauptwerkstatt Leinhausen einstelle. Das ist dann auch Ihr Foto. Dieses allerdings liegt mir im Original aus der Sammlung von Professor Dr. Christian vor. Neben vielen anderen.

Ferner möchte ich darauf hinweisen, dass die von Herrn D. auch gezeigten Bilder ganz simple Scans von alten Leonhardt-Postkarten aus Dresden sind. Diese wurden zu hunderten verkauft. Und auch sie sind mittlerweile alle gemeinfrei.

Nun denke ich, die ganze Sache kommt nicht aus dem Nichts. Vor etwa 4 Wochen begannen "seltsame" Dinge (ich möchte sie aus guten Gründen nicht ausführen, es könnte Nachahmungstäter geben), von denen ich vermuten muss, dass auch sie ihren Ursprung bei DSO nahmen. Wieder einmal der Kommerz im Hintergrund? Einigen Verlagen geht es wirtschaftlich nicht gut. Ein Wunder wäre es also nicht. Insbesondere stößt meine jüngste Beitragsreihe zu 170 Jahre Hauptwerkstatt Erfurt in gewissen Kreisen übel auf.

Also nochmals zum Mitschreiben: Alte Fotos aus Kaisers Zeiten und davor stammen aus den Sammlungen Umlauft, Christian, Lucke und diversen anderen. Ich besitze entweder die Originale oder Reproduktionen aus dem 1980-er Jahren auf Mittelformat-Negativen.

Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen. Oder doch: Bitte wo leben wir? Hier haben erwachsene Menschen wieder nichts besseres zu tun, als sich mit - Verzeihnung - "Piss" zu beschäftigen? Leute schaut mal in die Welt. Überall Krieg. Wir stehen so dicht vor einem Dritten Weltkrieg wie seit 1983 nicht mehr.

Nachdenkliche Grüße
Ulrich Walluhn

Antworten:

Anmerkungen zum Bildurheberrecht

Der neuerliche Vorfall war Anlass, mich zum Thema Bildurheberrecht im Freundeskreis nochmals auszutauschen. In letzter Zeit häufen sich Fälle, in denen Eisenbahn- und Fotofreunde von Verlagen und Anwälten rüde abgemahnt werden, im Internet das Einstellen oder das (analoge) Publizieren von bestimmten Bildern zu unterlassen. Die "Abmahner" teilen dann meist mit, das Bild XYZ betreffend besäße Herr ABC oder Verlag DEF aufgrund eines Vertrages UVW vom soundsovielten des Jahres GHI alle Rechte oder Exklusivrechte und die Veröffentlichung sei bei ihnen genehmigungs- und honorarpflichtig. Anderenfalls drohe eine Abmahngebühr von ..... Euro oder-und ähnliches oder eine Strafanzeige wegen Diebstahl geistigen Eigentumes.

Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Eisenbahn-Fotografien, auch solche von Berufsfotografen, gelten nicht als Werke der bildenden Künste und auch nicht als sonstige Kunstwerke. Von dieser in mehreren Grundsatzurteilen erstellten Regel kenne ich in Deutschland keine einzige Ausnahme. Nicht einmal bei Carl Bellingrodt, bezüglich dessen Lichtbilder bekanntlich mehrfach versucht wurde, auf dem Klageweg den Status eines Kunstwerkes einzufordern, um die Verwendung durch Dritte zu unterbinden.

Für Bilder, die vor etwa 1995 entstanden sind gilt, dass das Urheberrecht nach spätestens 50 Jahren abgelaufen ist. Daher sind inzwischen alle Eisenbahnfotos aus den Jahren bis einschließlich 1965 gemeinfrei. Jeder, der im Besitz solcher Fotos ist, und seien es Reproduktionen, kann sie frei und überall veröffentlichen.

Es ist vollkommen klar, dass dieser juristische Tatbestand vor allem gewissen Verlagen, das heißt dem Kommerz, missfällt. Daher versucht man auch immer wieder, Eisenbahnfreude "hinter die Fichte zu führen" und zu suggerieren: Halt! Das darfst Du nicht! Hier haben wir alle Rechte! Hier haben wir exklusive Rechte! Hier haben wir Verträge mit dem Bildurheber! Letzteres ist fast immer gelogen und lässt sich besonders gut daherlügen, wenn der Urheber verstorben ist.

Natürlich sollte man sich nicht verführen lassen, aus dem Internet beliebig Bilder herunterzuladen und unter seinem eigenen Namen neu zu "verkaufen". Hier können schnell ganz anders gelagerte Rechtstatbestände entstehen. Nun sind allerdings die meisten dieser Internetfotos von derart geringer Auflösung und Byte-Größe, dass sie für hochwertige Publikationen gar nicht brauchbar wären. Im Falle des obigen Internet-Artikels hat zum Beispiel das zweite eingestellte Bild mit dem Tunnelmund eine Größe von 321 Kilobyte. Dies dürfte bei Postkartenabmessungen etwa 70 Pixel pro Zoll (dpi) entsprechen. Ein solches Bild ist technisch schlicht unbrauchbar.

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen einigen Eisenbahnfreunden geholfen zu haben.

Mit den besten Grüßen am heutigen hochsommerlichen Mittwoch.

Ulrich Walluhn

von Ulrich Walluhn - am 20.07.2016 13:07

Fachliches zur Lok LISETTE

Ich möchte nochmals auf den obengenannten Artikel bei DSO eingehen.

Nochmals der Link: [www.drehscheibe-online.de]

Ja, wieder wird viel fabuliert und geschwallert. Aber wirkliche Daten und Faken liefert niemand. Historische Quellen - Fehlanzeige. Dabei ist dies alles doch gar nicht so schwer. Es gibt ein Verzeichnis der späteren Militär-Generaldirektion Brüssel im Stande vom 01.04.1915, mit allen zu diesem Zeitpunkte dienstfähigen Lok mit alter als auch neuer Nummer. Die neuen Nummern und Gruppenzeichen besaßen eine vorangestellte Null. In diesem Verzeichnis finden wir auch die Cn2-Kastentenderlok LISETTE. Sie hat die neue Nummer Brüssel 07300 mit dem Gruppenzeichen T 04 und zählt zum Bestand des Verwaltungsrates Brüssel. Leider kennen wir damit ihren Standort nicht. Bis heute sind auch die Herstellerdaten nicht geklärt. Angesichts der Tatsache, dass fast alle Lieferlisten der europäischen Lokfabriken bekannt sind, dürfte dies mit ein wenig Zeitaufwand herauszubekommen sein. Die Lok LISETTE hat sehr wahrscheinlich einer französischen Kleinbahn oder Dampfstraßenbahn im Bereich der deutsch besetzten Gebiete gehört. Zu einer der großen Privatbahnen wie Nord (Nord) oder Ost (Est) zählte sie nicht. Deren Lokomotivlisten sind bekannt. Da sie am 01.04.1915 dienstfähig ist, dürfte die Behauptung, die Franzosen hätten die Stangen "geklaut" und mitgenommen, hinfällig sein. Auch liegt mit Sicherheit kein Triebswerksschaden vor. Man hat die Lok schlicht als Dampfspender verwendet, weil sie für den Eisenbahnbetrieb des Militärs nicht gebraucht wurde und vermutlich zu leistungsschwach war.

Bitte vor dem Schreiben ein wenig mitdenken. Danke.

Den Vogel allerdings schließt bei DSO "stenkelfelder" ab, ich zitiere:

"Die Firma Tilkin- Mention als Hersteller der Strablok dürfte auszuschjließen (sic!) sein. Diese Firmas (sic!) wird zwar bei Walter Hefti erwähnt, alle ihre gebauten Fahrzeuge stammen aber aus den 1870er Ajhren (sic!) und sahen eher unfertig aus. DSie (sic!) Firma scheint nach kurzer Zeit schon wieder vom mArkt (sic!) verschwunden zu sein - nach 1880 finden sich keine Belege mehr (hier fehlt ein Komma!) und Hefti konnte nicht einmal mehr den Firmensitz feststellen. Die LOk (sic!) dürfte eine serienmäßige Strablok von Cail. (Komma, nicht Punkt!) Corpet oder ( hier fehlt das Wort "von" ) ähnlichen Serienleiferanten (sic!) sein. Interessant ist die Aufschrift "Fahrbarer Dampfkessel"- das dürfte darauf hindeuten, daß die Lok einen Triebwerksschaden hatte (evtl. Teile beim Rückzug abgebaut?)."

Es wimmelt vor Schreib- und Kommafehlern. Das Firmas, der Serien-Leiferant und der Triebwerksschaden. Aha, ich lerne dazu. Wenn Teile beim Rückzug abgebaut werden, dann bleibt ein Triebswerksschaden zurück. Deutscher Sprach, echt schwerer Sprach. Dabei dachte ich immer, wenn Teile abgebaut sind, liegt ein unvollständiges aber längst kein schadhaftes Triebwerk vor....

Ach so. An der Lok steht mit weißer oder gelber Farbe aufschabloniert: MED MA Sedan. Also Militär-Eisenbahn-Direktion Maschinenamt Sedan. Völlig korrekt für 1917.

Nun gut. Genug gelacht. Weiter so Genossen bei DSO.

von Ulrich Walluhn - am 20.07.2016 13:49
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