Bw Altenburg - Eine neue windschiefe Diskussion bei DSO

Startbeitrag von Ulrich Walluhn am 02.04.2015 19:14

Ich komme aus meinem zweiten Kurzurlaub 2014 - und was sehe ich bei Drehscheibe-Online? Eine neue offenbar gezielt lanicerte Debatte gegen das Kritische Eisenbahnforum.

Man lese hier: Bw Altenburg [www.drehscheibe-online.de]

Nebenher bemerkt, hätte ich dergestalt bei DSO geschrieben, wäre der Beitrag längst gelöscht und ich vermutlich unbefristet gesperrt worden. Aber dies soll nicht erneut Thema sein.

Wenn man den Beitragsbaum liest, dann erhebt sich die Frage, auf welchem (schön-)geistigen Nievau wir inzwischen bei DSO angekommen sind. Hier schreiben Menschen, die das 40-ste und 50-ste Lebensjahr längst überschritten haben und von denen man annehmen müsste, dass sie den Kinderschuhen und der Pubertät längst entwachsen sind. Irrtum. Abermals konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Und wenn einer der Schreiber berechtigt Kritik an den "Ausführungen" übt, dann wird er umgehend "niedergeschossen". Es ist und bleibt das gleiche Strickmuster, das immer und immer wieder mahnt, um ein gewisses Klientel einen gaaaanz großen Bogen im realen Leben zu machen.

Ich möchte an dieser Stelle ausschließlich auf das Bahnbetriebswerk Altenburg eingehen. Dieses Bw gelangte mit der Umorganisation der Leipziger Bahnanlagen (Zusammenfassung bei der Rbd Halle) am 01.10.34 von der Rbd Dresden zur Rbd Halle. Alles was vor diesem Zeitpunkt geschah, oblag allein der Direktion Dresden. Und wir alle wissen, wie schlecht es um die Quellenlage dieser Rbd vor 1945 bestellt ist. Ein großer Teil der Akten und Unterlagen wurde beim schweren Luftangriff auf Dresden am 13.Februar 1945 vernichtet. Das alte Direktionsgebäude in der Wiener Straße brannte zu großen Teilen aus.

Wie Werner Contius, Werner Hubert aber auch später Johannes Töpelmann beklagend schildern, fand bereits im April 1939 eine große Unterlagenvernichtung in der Rbd Dresden statt, der neben vielen Betriebsbüchern ausgemusterter Lok auch stapelweise alte Akten zum Opfer fielen. Man hatte schlichtweg keinen Platz oder-und wollte sich mit den alten Akten nicht weiter belasten. Neben den ab 1868 (!) lückenlos unter anderem im Hauptstaatsarchiv Dresden vorhandenen Amtsblättern der Direktion Dresden gibt es neben wenigen Fremdakten(stücken) nur die meist handschriftlichen Nachlässe von Erich Schuffenhauer aus Chemnitz und Kurt Schubert aus Riesa sowie R.Berthold aus Leipzig. Werner Hubert persönlich hat in den Jahren 1936 bis 1938 Auszüge aus maschinentechnischen Akten beim Reichsbahnrat Zesler (Arbeitsrate Ful) aus Akten der Gruppen Bl, Bla, Fu, Ful und Fdl erstellt. Leider nach heutigen Maßstäben mehr als unzureichend. Dennoch weit besser als garnichts.

Es hat sich aus den vorhandenen Aktenbeständen und oben genanten Quellen dritter Ordnung nur ein Bruchteil der Geschichte des Bw Altenburg ermitteln lassen.

Ich möchte dies in Kurzform zusammenfassen:

Das Heizhaus Altenburg (Sächsische Staatsbahn) ist zum 01.06.1872 eröffnet und hat mit Eröffungsdatum 01.11.1879 einen neuen Lokschuppen erhalten. Wie diese Anlagen aussahen und wo sie sich im Bahnhof Altenburg befanden, entzieht sich meiner Kenntnis. Zum 01.10.1912 wechselt Altenburg vom Maschinenamt Zwickau zum Maschinenamt Leipzig. Mehr wissen wir aus dieser alten Zeit nicht.
Die (alte) Werkstatt der Altenburg-Zeitzer Eisenbahn (gemeinschaftlich betrieben mit Königlich Sächsischer Staatseisenbahn) ist 1871 eröffnet. Sie wird zum 01.01.1896 geschlossen und der Betriebswerkstatt Altenburg angegliedert, die Lokausbesserung an die Hauptwerkstatt Leipzig Bayerischer Bahnhof verlegt. Letztere Aussage aus dem Amtsblatt der Generaldirektion Dresden zeigt zugleich, dass Altenburg schon 1896 im Range einer Betriebswerkstatt (also eines späteren Bw) war. Aber seit wann? Hierzu herrscht Fehlanzeige.

Im Jahre 1925 ist Altenburg (wieder) eigenständiges Bahnbetriebswerk mit einem eigenen Vorsteher. Wie zahlreiche andere frühere und spätere Lokbahnhöfe bzw. Lokstationen auch. Ich denke nur an Pockau-Lengefeld, Flöha, Plauen, Greiz, Werdau, Aue, Kamenz (Sachsen) und und und.... Im Zusammenhang mit der Demobilmachung des Deutschen Heeres ab Ende 1918 mussten zahllose höhere Offiziere des Militärtransportwesens und der (ehemaligen) Militär-Eisenbahn-Direktionen in den vormals besetzten Gebieten entsprechend ihres Ranges dienstlich untergebracht werden. Man musste sie also mit neuen Dienstposten versorgen. Dies und nur dies war ab 1919 der Grund, zahlreiche Lokbahnhöfe/Lokstationen zu selbständigen Betriebswerkstätten (später Bw) heraufzustufen. Einige dieser Dienststellen besaßen eine Art Zwitterstellung zwischen Bw und Lokbahnhof. So etwa Schmalkalden. Es war direkt dem Machinenamt Eisenach unterstellt und besaß einen Vorsteher. Als Bw wird es allerdings in den meisten der vielen Erfurter Akten nicht bezeichnet, aber vereinzelt um 1926/27 doch! Wann Altenburg zum Bahnbetriebswerk oder bereits vorab zur Betriebswerkstätte bzw. Betriebswerkstatt heraufgestuft wurde, hat sich bis heute nicht klären lassen. Es geschah sehr wahrscheinlich im Jahre 1919. Da die bekannten Fälle der erneuten Herabstufung zwischen Ende 1925 und Mitte 1926 im Gefolge der Rationalisierung der Deutschen Reichsbahn stattfanden, vermute ich gleiches für Altenburg. Auch hier lässt sich bis heute kein Aktennnachweis finden. Reichsbahn-Betriebsbücher sind nicht aussagefähig, da diese erst ab 1927 ausgestellt wurden und dort vor dieser Zeit enthaltene Daten nachträglich hineingeschrieben wurden. Fazit: Altenburg war vermutlich zwischen 1919 und 1926 bereits einmal selbständiges Bw, wie viele andere Dienstorte der Rbd Dresden auch.

Aus den Amtsblättern der Rbd Dresden ergibt sich leider nach 1925 nicht viel, sondern nur folgendes:
01.02.1933 Lokbahnhof früher Lokstation Altenburg an Bw Leipzig Bayerischer Bf. angegliedert (Aktenzeichen 4/3A Ogsnu vom 28.01.1933). Wohin der Lokbahnhof vorher gehörte, verrät das Amtsblatt nicht. Ich denke zum Bw Meuselwitz. Beweisen kann ich dies freilich nicht.
01.10.1933 vom Lokbahnhof Altenburg zum Bw erhoben (Aktenzeichen 11 Ovln vom 01.10.1933). Mit diesem Datum liegt D.Winkler durchaus richtig.

Mehr kann ich leider zum Thema Altenburg nicht beisteuern. Allerdings werde ich auch heute vergeblich auf eine wirklich sachlich-fachliche Diskussion mit den Herren hier in diesem Forum warten.

Grüße zum Montag
Ulrich Walluhn

P.S.: Man beachte besonders den "Beitrag" eines gewissen Dieter von der HvM vom 18.06.2014, dessen Identität mir natürlich bekannt ist. Der ganze Tonfall erinnert an die Stalinzeit von 1953, und die innere Gesinnung dieses Dieter tut es auch. In einem der älteren Beiträge bei DSO (Archivdiebstähle in Erfurt) verstieg sich dieser Dieter zu der These, dass wer sich in der DDR an die geltenden Gesetze gehalten hat, auch keine Probleme bekam. Nun ja, dies ist ein offener Schlag ins Gesicht aller Kirchengruppen, Pfarrer und Umweltgruppen der damaligen Zeit. Nach Lesart des Dieter waren und bleiben dies offenbar alles Verbrecher, die der DDR nur geschadet haben. Es ist völlig klar, dass mit einem solchen betonköpfigen Zeitgenossen ein Dialog nicht geführt werden kann. Jetzt versteigt sich Dieter ganz offen zu der neuen These, ich sei aus Drehscheibe-Online herausgeflogen, weil ich dort Fälschungen verbreitet hätte. Auch dies passt ganz in das weltanschauliche Bild, das unser liebwerter Dampf-Dieter darbietet. Die Stasi hätte es 1989 nicht besser geschrieben. Interessant wäre zu wissen, auf welche Fachleute und Insider sich Dieter bei seinen Ausführungen stützt. Eine Be- oder Nachweisführung ist dies alles nicht, sondern eine primitive, inhaltslose und platte Polemik ganz im Sinne des Kommerzes, der hier im Internet Fachwissen nicht geschrieben sehen will, weil er meint, es gefährde den Verkauf, den Absatz seiner Fanblätter und Fanbücher. Wie weit hier Realität und Einschätzung auseinanderlaufen und wie weltfremd der Kommerz hier agiert, zeigen allein die Titel gewisser Fanartikel: Jumbo-Rap in Volpriehausen oder Dampfspektakel in der Pfalz.
Irgendwie erinnert mich Dampf-Dieter auch an ein Schlüsselerlebnis vom Sommer 1986: Damals sprach ich im Verkehrsmuseum Dresden vor, weil man mir empfahl, mich nach dort zu wenden, meine Arbeiten vorzustellen und einen Antrag auf Benutzung des Archivs der Reichsbahndirektion Dresden über das Museum zu stellen, weil sonst keine Erfolgsaussichten bestünden. "Naiv" wie ich damals mit 27 Jahren war, sprach ich bei Frau Professor Rehbein vor. Das hätte ich besser nicht tun sollen. Nachdem ich etwa 15 Minuten über meine Arbeiten redete, verfinsterte sich die Mine der Frau Rehbein, und sie sagte wörtlich zu mir (den Satz vergesse ich mein Leben lang nicht): "Sagen Sie mal, Herr Walluhn, wer hat Ihnen denn eigentlich den Auftrag für diese Arbeiten gegeben?" Jetzt saß ich sehr dumm da. Denn wer bitteschön gibt einem Kind von 6 oder 8 Jahren schon den Auftrag, sich für Lokomotiven zu interessieren? Ich weiß nicht mehr, was ich anwortete, ich lavierte herum und versuchte mich aus der Frage herauszureden. Alsbald war das Gespräch beendet. Hilfe vom Verkehrsmuseum bekam ich nicht und einen Zugang zum Archiv der Reichsbahndirektion Dresden ebenso nicht. Aber ich denke, Dampf-Dieter hätte heute auch eine "schlüssige" Erklärung für den damaligen Vorfall... Und die Schuld für den Fehlschlag von damals lag nach seinem Weltbild ganz gewiss bei mir, aber niemals bei Frau Rehbein.... Oh Herr, vergib all Deinen verirrten Schafen und behüte sie wohl.

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.