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Magus

Wann lassen wir uns chippen...

Startbeitrag von Magus am 17.04.2004 14:35

Wann lassen wir uns chippen?

In einer New Yorker Arztpraxis liess sich ein Journalist einen RFID-Chip einpflanzen. Nachdem Hunde und Pferde seit Jahren verchippt werden, sollen sich nun auch immer mehr Menschen dafür entscheiden.

Die RFID-Technik wird nicht nur im Warenverkehr, sondern auch für die Identifikation von Personen eingesetzt. Am 24. September liess sich ein Journalist in der Arztpraxis von Christopher Mills und Vincent Scarpinato in New York einen RFID-Chip, einen so genannten VeriChip der Firma Applied Digital Solutions (ADS), in den rechten Oberarm implantieren. Wie die Herstellerfirma mitteilte, dauerte die Prozedur nur wenige Minuten. In dieser Zeit wurde der reiskorngrosse, in Glas verpackte Transponder unter lokaler Betäubung schmerzfrei unter die Haut gespritzt. Der implantierte Chip ist von Auge nicht zu erkennen.

Ausgerüstet ist er mit einem funkfähigen Transponder, der eine individuelle, nur einmal vorkommende Identitätsnummer enthält. Sie wird per Funk an einen Scanner ausgestrahlt, der in die Nähe des Chips gehalten wird. Der Transponder nützt dabei den schwachen, vom Scanner ausgesendeten Strom.

Als Einsatzgebiete nennt ADS die erhöhte Effizienz im Gesundheits-, Finanz- und Sicherheitsbereich. Es geht um rasche und eindeutige Personenidentifikation auf der einen und um den Ausschluss von nicht autorisierten Personen auf der anderen Seite. Im Finanzbereich soll der Einsatz von VeriChip Bankkunden und Benutzern von Kreditkarten die zusätzliche Sicherheit bieten, dass ihre Konten erst benutzbar werden, wenn sie persönlich den Zugang suchen und während den Transaktionen auch physisch zugegen sind.

VeriChips werden auch empfohlen, um die Zugänge zu Regierungsgebäuden, Nuklearanlagen, Forschungslabors, wichtigen Büros, Gefängnissen und Transporteinrichtungen wie Flughäfen und Flugzeuge, Schiffe und Transporte mit Wertgegenständen oder Geheimmaterial besser zu sichern.

Um die umstrittene und von Datenschützern mit Argusaugen beobachtete Personenüberwachung im grossen Stil salonfähig zu machen, wird der Chip unter der Haut vermehrt auch für die Sicherung von teuren Gegenständen wie Koffer, PCs, Autos, Mobiltelefonen sowie Häusern und Wohnungen angepriesen. Auf dieser Schiene dürfte der Menschenchip den Durchbruch schaffen.

Weil ADS zwar eine der forschesten, aber längst nicht die einzige Firma ist, welche die Personen-Überwachung per Chip forciert, wird die Verknüpfung mit biometrischen Sicherheitsanlagen wie Netzhautscannern, Fingerabdruck- oder Gesichtserkennungen angestrebt. Firmen, welche die RFID-Technik perfektionieren, pflegen längst Querverbindungen untereinander. Ihnen ist bewusst, dass eine erfolgreiche Einführung der Funk-Chips einen einheitlichen Standard voraussetzt, der technisch kompatibel ist und über ein gleiches, global gültiges und lesbares Code-System verfügt. Diese Überlegung führt dazu, dass sich ganz unterschiedliche Branchen miteinander verbinden und das technische Wissen rasch wächst.

Die Firma ADS verfügt bereits über eine ganze Reihe von so genannt “autorisierten VeriChip Centers” und sucht auf ihrer Internetseite (www.4verichip.com) unter der Aufforderung “Get Chipped!” einerseits weitere Kunden und anderseits zusätzliche Ärzte für die Chip-Implantationen.

Auffallend, dass auf den Internet-Präsentationen von Applied Digital Solutions der VeriChip zwar für die sichere Identifikation zur Zutrittsberechtigung und bei Geldtransaktionen empfohlen wird, doch unter dem Titel “Personal Identification” heisst es lediglich “wird bearbeitet”.

Wie sensibel das Thema des Persönlichkeitsschutzes ist, wird rasch klar: Muss sich ein Angestellter einer staatlichen Verwaltung oder einer Bank, welche die neue RFID-Technik einführt, den Chip unter die Haut spritzen lassen? Gehört das zu den Anstellungsbedingungen? Wird er entlassen, wenn er sich dem Chip-Einsatz verweigert? Was, wenn Bankenkonsortien sich entschliessen, nur noch Transaktionen durchzuführen, wenn ein Kunde sich per gechippter ID-Nummer ausweist?

Solche Fragen lassen sich zu vielen Bereichen des täglichen Lebens stellen. Kann irgendwann nur noch kaufen, wer beim Eintritt in den Laden per Funk-Information vom Chip im Oberarm nachweist, dass er genügend Geld auf dem Konto hat? Welche Informationen werden eines Tages unter der ID-Nummer gespeichert sein müssen?

Die PR-Arbeit der von den Sicherheitstechnikern engagierten Agenturen mag noch so gut sein – niemand kann ausschliessen, dass mit dem persönlichen, von aussen unsichtbar unter der Haut getragenen ID-Chip eines Tages auch Angaben über die politische und religiöse Gesinnung des Trägers verknüpft werden. Darf man spekulieren, dass solche Überlegungen angesichts des islamistischen Terrors bereits hinter verschlossenen Türen gedacht werden?

Warum eigentlich so skeptisch? Die Kehrseite der totalen Sicherheit ist die totale Überwachung und präventive Ausfilterung unliebsamer Elemente. Die Perfektionierung der Personen-Identifikation fördert die Möglichkeiten der Personenüberwachung – auch deren Missbrauch. Totalitäre Regierungen sind auf Überwachungssysteme angewiesen.•

Rolf Höneisen

Quellen:
> [biz.yahoo.com]
> www.adsx.com
> www.4verichip.com

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