Hacker hacken Hacker

Startbeitrag von Magus am 22.05.2004 18:09

Hacker hacken Hacker

Angekommen: Napster eröffnet ersten Service in Europa + Gehacktes: Hacker defacen Hacker-Webseite + Vietnam: Internet-Zensur verschärft + DVB-T: Startschuss in NRW + Berners-Lee: Web-Erfinder gegen ausgeweiteten Adressraum + AOL: Musikshop öffnet für alle

Der neue, kommerzielle Napster-Service ist in Europa angekommen: Noch vor der großen Konkurrenz von Apple eröffnete die Download-Börse in Großbritannien einen ersten europäischen Musikshop. Ohne jede Vorankündigung überraschte Napster mit der Eröffnung des Shops, der nach eigener Aussage vom ersten Tag an 500.000 Songs im Angebot haben soll. Eine Ausweitung des Katalogs auf 700.000 Titel ist geplant.



Legendäres Logo: Napster stand einmal synonym für Musik im Web
Schon jetzt wäre Napster damit Europas umfangreichster Downloadshop. In Großbritannien weht der einst als "Mutter aller P2P-Börsen" bekannt gewordenen, seitdem in den Bankrott geklagten und aufgekauft als Kommerz-Service wiedererstandenen Kultmarke eine steife Brise entgegen: der britische Platzhirsch OD2, der seine Datenbanken, Lizenzen und Shop-Frontends an Handelspartner verkauft, hat angekündigt, die Songpreise für Handelspartner zu halbieren, um denen größere Profitmargen zu ermöglichen.

Damit zeichnet sich ein Preiskampf ab, bei dem auch durch Senkung von Songpreisen Kunden gelockt werden könnten. In Sachen Musik ist Großbritannien traditionell ein teures Pflaster: Der Einzelsong soll bei Napster 1,09 Pfund kosten, 99 Pence für Abonnenten. Damit läge das Preisniveau rund 50 Prozent höher als in Deutschland.

Lektion erteilt: Gehackte Hacker

Ziemlich große Töne spukten "Hackers against America", kurz HAA, eine erst kürzlich erstmals aufgetretene, angeblich politisch motivierte Gruppe. Vollmundig verkündeten sie über eine eigene, auf einem russischen Server liegende Webseite, Nasa und anderen amerikanischen Institutionen ihre Inkompetenz in Sachen IT-Sicherheit beweisen zu wollen.



Weggefegt: HAA-Seite vor dem "Besuch" von "Marcos"
Angeblich, behauptete die Gruppe, sei ihr schon der Einbruch in sicherheitsrelevante Teile der Nasa-Server gelungen, unter anderem der Zugriff auf ein Satelliten-Steuerungssystem. In Kürze sollten Denial-of-Service-Attacken gegen verschiedene Webseiten folgen.

So weit, so normal in diesen Kreisen. Doch HAA ging weiter: Die Gruppe behauptete, Kontakte zum al-Qaida-Netzwerk zu pflegen. An diesem Punkt platzte "Marcos", einem portugiesischem Hacker, der Kragen: Er schrieb HAA ein Briefchen, dass diese mit einer Hass-Mail beantworteten. Über die Rückverfolgung der IP-Adresse der Antwortmail identifizierte Marcos den HAA-Server, verschaffte sich Zugang, löschte alle Inhalte und ersetzte sie mit einem typischen "Defacer-Gruß": "Diese Seite wurde auf Dauer geschlossen, weil sie den Begriff Hacker beschmutzte und absurde, lächerliche Ideen verbreitete."

Wie weit es um HAA's Knowhow in Sachen IT-Sicherheit bestellt war, fand Marcos ebenfalls heraus: Weil HAA die gleichen Passwörter für ihren Webseitenzugang und ihre Mailaccounts benutzt habe, schloss er die gleich mit. Seitdem herrscht erst einmal Funkstille.

Vietnam: Zensur verschärft

Die letzten kommunistischen Staaten der Welt haben durch die Bank so ihre Probleme mit dem "Free flow of information". Der Zugriff aufs Web ist gemeinhin staatlich reglementiert und oftmals zensiert: Längst nicht alles ist immer und überall zu sehen und zu lesen.

Das zielt zum einen auf kritische Auslandspresse, vor allem aber auf Dissidenten. Vietnams "Informationsministerium" sorgte nun dafür, dass vietnamesische Surfer davon künftig weniger bekommen: Vietnams staatlich kontrollierte Access-Provider haben die Zensur ausgeweitet. Pham Gia Khiem, der Vize-Ministerpräsident Vietnams, erklärte, es gehe der Regierung darum, die Verbreitung "schlechter und schädlicher Informationen" zu hemmen.

Wie in vielen ärmeren Ländern erhalten Vietnamesen vor allem über Cybercafes Zugang zum Internet. In Vietnam besteht seit Anfang des Jahres eine Ausweis- und Registrierungspflicht in Internetcafes.

Das "Überall-Fernsehen" startet durch

Noch drei Tage, bis zahlreiche Bürger in NRW theoretisch in der Lage wären, ihren Fernseher mit in Garten zu nehmen. Im Ballungsraum Köln/Bonn geht DVB-T, das terrestrische digitale Fernsehen auf Sendung. Danach ist per Antenne analog nichts mehr zu wollen, digital aber eine Menge zu holen: Zum Start sind 20 Programme im Buket, weitere sollen bis zum Jahresende folgen.


IM INTERNET

"Überallfernsehen": Empfangsgebiet Köln/Bonn


SPIEGEL ONLINE ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Um digitales Fernsehen zu empfangen, muss man in eine kleine Set-Top-Box investieren. Die bietet der Handel in NRW seit einigen Monaten an: Bei den bekannten großen Elektronikmärkten lassen sich dabei in den letzten Wochen purzelnde Preise beobachten. Die Boxen, durchschnittlich rund 130 Euro teuer, sind in Angeboten inzwischen ab etwa 79 Euro zu haben.

Dazu braucht man allerdings noch eine Antenne: Die steht in den Außenbereichen des Ausstrahlungsgebietes auf dem Dach, in der Kernzone neben dem Fernsehgerät: Eine gute Zimmerantenne reicht für den Empfang. Der Sendebetrieb im Raum Köln/Bonn beginnt am 24. Mai, Hamburg, Lübeck, Düsseldorf und das Ruhrgebiet folgen im November. Wer ab Montag "dabei" ist und wer nicht, lässt sich über die Webseite des "Überallfernsehen" erfahren.

WWW-Erfinder Berners-Lee: Genug Adressen



AP
Tim Berners-Lee: Keine neuen TLDs mehr, bitte!
Es reicht, meint WWW-Erfinder Tim Berners-Lee: Das WWW brauche keine zusätzliche Ausweitung des Adressraumes. Die steigende Anzahl so genannter Top-Level-Domains führe nur zu einer Fragmentisierung des Adressraumes, die die Orientierung und auch Vermarktung von Webseiten unnötig erschwere.

So habe das Beispiel der Einführung von .biz und .info-Adressen gezeigt, dass keineswegs mehr Adressen verfügbar seien. Vielmehr hätten sich Firmen nur zusätzliche Domains zu ihren bereits bestehenden .com- und anderen Adressen gesichert. Damit sei es auch teurer geworden, Web-Marken bekannt zu machen, zu etablieren und zu promoten. Das Ganze rechne sich schon rein wirtschaftlich nicht und schaffe keine Vorteile.

Zu den durch die Internet-Adressverwaltung Icann in den letzten Jahren eingeführten Top-Level-Domains gehören marginal genutzte Exoten wie .aero, .museum oder .coop.

Anlass für Berners-Lees "Einspruch" ist die Diskussion über die Einführung einer TLD für mobile Apprate (".mobi"). Damit, so Berners-Lee, werde das Web "in zwei Teile gerissen".

Musikshop: AOL öffnet die Schotten zum Web

Das Schöne an proprietären Diensten wie AOL ist, dass sie ihren Kunden exklusive Mehrwerte bieten können (und müssen). Unvorteilhaft für die Veranstalter ist hingegen, dass so viele Menschen die nicht nutzen können - vor allem, wenn man etwas verkaufen will. Wie zum Beispiel Musik: Überall im Web entstehen derzeit kommerzielle Downloadangebote, nur über den AOL-Shop redet niemand.

Das soll sich jetzt ändern: AOL öffnet seinen Musikshop auch Besuchern aus dem Web. Rund 100.000 Titel sind im Angebot, vertreten sind die Labels Sony, Warner, BMG, Universal, Edel, Kontor und einige Indy-Labels. Die Preise im Shop variieren zwischen 79 Cent und 1,79 Euro pro Song, bezahlt wird über T-Pay respektive über die AOL-Mitgliederrechnung. Angeboten werden die Titel im WMA-Format.

Frank Patalong

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.