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vor 15 Jahren, 7 Monaten
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mami-maus

A U T I D E M:Mehr Verantwortung für Apotheker

Startbeitrag von mami-maus am 15.04.2002 08:33

A U T I D E M

Mehr Verantwortung für Apotheker

Seit Februar 2002 soll im Regelfall der Apotheker das vom Arzt verordnete Arzneimittel durch ein preisgünstiges, von den Wirkstoffen her identisches Präparat ersetzen.

Das neue Arzneimittel-Gesetz ist durch: Seit dem 23. Februar 2002 suchen im Regelfall Apotheker nach den Vorgaben des Arztes unter den wirkstoffgleichen
Nachahmer-Präparaten, den so genannten Generika, ein Mittel aus dem unteren Preisdrittel aus. Es soll „mit dem verordneten in Wirkstärke und Packungsgröße identisch sowie für den gleichen Indikationsbereich zugelassen“ sein“. Das
Bundesgesundheits-Ministeriums will mit dieser neuen Regelung 250 Millionen Euro (etwa 489 Millionen Mark) einsparen. Wirkstoffe, Dosierung, Darreichungsform und Packungsgröße gibt weiterhin der Arzt vor.

Woher kommt der Name „Aut idem“?
Die neue Maßnahme wird oft als „Aut-idem-Regelung“ bezeichnet. Die Worte „Aut idem“, lateinisch für „oder dasselbe“, waren auch bisher schon auf Rezepten zu finden. Der Vermerk erlaubte auch früher schon, dass der Apotheker ein vom Arzt verordnetes Mittel durch ein vergleichbares ersetzt. So konnte der Apotheker einem Patienten beispielsweise im Nacht- und Notdienst auch dann weiterhelfen, wenn er das exakt verordnete Präparat nicht vorrätig hatte.

Was sind Generika?
Medikamente, die einem erfolgreichen Original „nachgekocht“ wurden, heißen Generika. Der Name ist dem lateinischen Begriff „genus“ entlehnt: die Gattung oder Art. Generika enthalten zwar den gleichen Wirkstoff, sind aber nicht vom Originalerfinder, sondern von einem anderen Hersteller produziert. Nachahmungen gibt es nicht nur bei Medikamenten sondern bei vielen Produktgruppen. „Fön“ darf sich beispielsweise nur das Original von AEG nennen. Alle anderen heißen strenggenommen elektrische Haartrockner. Neu entwickelte Arzneimittel sind in der Regel zunächst eine gewisse Zeit lang durch Patente geschützt: So lange der Schutz besteht, darf niemand ohne die Erlaubnis des Originalerfinders ein Präparat mit dem gleichen Wirkstoff herstellen und verkaufen. Das wird erst dann möglich, wenn der Patentschutz erlischt.

Warum sind Generika preisgünstiger?
Weil Hersteller von Generika keinen Aufwand in die teure Arzneimittelforschung und -entwicklung stecken müssen, können sie ihre Präparate günstiger anbieten als die Pharmafirma, die das Mittel ursprünglich entwickelt hat. Hersteller von Generika tragen zudem ein viel geringeres Risiko: Der Wirkstoff hat sich auf dem Markt durch die Vorreiterrolle des Originals bereits durchgesetzt. Dass das Mittel keine Abnehmer findet ist eher nicht zu befürchten. Auch das schlägt sich auf den Preis nieder.

Sind Nachahmerpräparate auch genauso gut?
Trotz des niedrigen Preises hatten die „Kopien“ zunächst Startschwierigkeiten: Viele Ärzte und Apotheker dachten, dass es aufgrund des niedrigen Preises auch mit der Qualität nicht allzu weit her sein konnte. Und in der Anfangszeit war dieser Vorwurf in vielen Fällen sogar gerechtfertigt. Denn wie gut eine Tablette wirkt und vertragen wird, ist nicht nur eine Frage des Wirkstoffs. Auch die Verarbeitung und die verwendeten Begleitstoffe spielen eine Rolle. Die kleinen Tricks der Arzneiherstellung waren ein sorgsam gehütetes Geheimnis der Original-Anbieter. Und nicht jeder Generika-Produzent schaffte es auf Anhieb, denselben Standard zu erreichen. Seit Ende der achtziger Jahre änderte sich das. Immer mehr Generika-Herstellern gelang der Nachweis, dass ihre Präparate dem Original ebenbürtig waren. Heute kommt kein Generikum mehr auf den Markt, das seine Qualität nicht schlüssig bewiesen hat. Die nachgewiesene Qualität und der Sparzwang bei Arzneimittelverordnungen öffnete den
Generika einen riesigen Markt. 1999 wurden dem Gesundheitswesen nach Angaben des Arzneiverordnungsreports durch Generika 3,5 Milliarden DM eingespart. Der große
Markt hat allerdings auch zur Folge, dass es für manche Wirkstoffe, etwa den Blutdrucksenker Nifedipin, einige Dutzend Anbieter gibt.

„Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“ – gilt das auch für „Aut idem“?
Eine Neuerung, die nur Vorteile bringt, dürfte selten sein. Auch „Aut idem“ hat mögliche Schwachstellen: Heute die grüne runde Tablette, morgen die blaue ovale, nächste Woche die gelbe längliche: So könnte im schlimmsten Fall die Therapie einer chronischen Erkrankung aussehen, das Risiko von Anwendungs-Fehlern könnte steigen, bemängeln Kritiker. Die neue Regelung sei ein Angriff auf ihre ärztliche Therapiehoheit, kritisieren viele Mediziner. Stimmt nicht – so das Gegenargument: Nach wie vor können Ärzte auf ein bestimmtes Präparat bestehen, sie müssen das allerdings ausdrücklich auf dem Rezept vermerken. Maßgeblich ist jedoch: Die für eine Arzneitherapie entscheidenden Faktoren – Wirkstoff, Dosierung und Darreichungsform – bleiben in Medizinerhand.

Vorteile für Apotheken-Kunden
Im Gegenzug bringt die Neuerung entscheidende Vorteile für Apotheken-Kunden: Bei der enormen Vielfalt an Präparaten kann der Apotheker unmöglich alle wirkstoffgleichen Präparate auf Lager halten. Deshalb musste der Apotheker bisher häufiger ein benötigtes Medikament bestellen und der Patient mit einer Wartezeit rechnen – auch wenn der Apotheker ein anderes Präparat mit gleichem Wirkstoff sofort hätte anbieten können. Mit der neuen Regelung kann der Apotheker auch ohne Rücksprache mit dem Arzt, aufgrund seiner anerkannten hohen Fachkompetenz, statt des verordneten ein wirkstoffgleiches Mittel eines anderen Herstellers auswählen.

Zum Thema:
Das Kurzinterview – Wie wirkt sich „Aut idem“ aus?
12.04.02


K U R Z I N T E R V I E W

Wie wirkt sich „Aut idem“ aus?

Seit kurzem gilt hierzulande die neue „Aut-idem-Regelung“: Der Apotheker kann den preisgünstigsten Wirkstoff wählen. Was hat sich dadurch geändert? Fragen an die Apothekerin K.-M. Bereiter

Karen-Maren Bereiter ist Apothekerin für Offizin und Klinische Pharmazie; außerdem
ist sie Pressesprecherin des Bayerischen Apotheker Verbandes (BAV)


Aut idem ist ja jetzt in aller Munde. Doch wie funktioniert das Gesetz in der Praxis?
Aut idem heisst: Der Arzt bestimmt auf dem Rezept Wirkstoff, Wirkstärke, Darreichungsform (Kapsel, Tablette, Tropfen etc.) und Einnahmebedingungen. Er steckt damit den Rahmen für die Arzneimitteleinnahme; der Apotheker wählt dann den Vorgaben entsprechend ein preisgünstiges Präparat aus.

Was war der Grund für das Gesetz?
Die Krankenkassen erhoffen sich auf dem Arzneimittelsektor eine Einsparung von etwa 250 Millionen Euro.

Nach welchen Kriterien wählt der Apotheker das Medikament aus?
Die genauen Ausführungsbedingungen für aut idem stehen erst im Sommer fest. Bislang schreibt das Gesetz lediglich vor, ein Medikament aus dem untersten Preisdrittel auszuwählen beziehungsweise auf eines der fünf billigsten auf dem Markt verfügbaren Arzneimittel zurückzugreifen. Trotzdem steht für den Apotheker nicht der
Preis, sondern die Qualität im Vordergrund; und wir werden auch nicht substituieren, wenn es unmöglich ist.

Kann der Apotheker überhaupt substituieren ohne den Patienten genau zu kennen?
Er kann. Denn wir lernen während unseres Studiums viel genauer als jeder Arzt, wie sich ein Medikament zusammensetzt, welche Allergierisiken vorkommen, welche Wechselwirkungen zu befürchten sind; kein Apotheker wird eine Creme durch eine Salbe ersetzen oder ein schnell freisetzendes Medikament durch ein langsam freisetzendes. Allerdings bedeutet das Gesetz für uns ein höheres Maß an Beratungsleistung; wir werden in Zukunft noch genauer nachfragen müssen, um einer qualitativen Substitution Rechnung tragen zu können.

Was bedeutet aut idem für die Patienten?
Für die Patienten ändert sich im Grunde nicht viel. Chronisch Kranke werden weiterhin ihre gewohnten Präparate bekommen;denn es kann nicht Sinn einer Substitution sein, Patienten zu verunsichern. Das Gesetz greift vornehmlich bei Erst- oder Einmalverordnungen beispielsweise von Antibiotika. Ein Vorteil für die Patienten bei
aut idem: Er wird sein Medikament in den meisten Fällen gleich mitnehmen können, weil sich die Lagerhaltung in der Apotheke in Zukunft überschaulicher gestaltet.

Gibt es woanders bereits Erfahrungen mit aut idem?
Positive Erfahrungen mit aut idem verzeichnen Holland und Frankreich. Auch amerikanische Ärzte schreiben immer nur Wirkstoffe auf. Und hierzulande wählt der Krankenhausapotheker schon seit Jahren zusammen mit den Ärzten geeignete Präparate aus – mit Erfolg.

Gesundheit
12.04.02

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