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vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Angelika (TanteGela), Bernhard, momfor4

Homöopathie für ADS-ler? Schweizer Studie

Startbeitrag von Angelika (TanteGela) am 14.02.2007 21:10

Hallo zusammen!

So richtig glauben kann ich die Ergebnisse nicht, habe mir aber die PDF-Datei auf Englisch auch noch nicht in Ruhe durchgelesen.

Immerhin sind die Erfahrungen mit Homöopathie bei ADS in allen Foren die ich kenne wenig erfolgreich.
Aber lest selbst:

http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/02/12/026a1201.asp

Homöopathie für hyperaktive Zappelkinder
In Studien schnitt Therapie mit homöopathischen Mitteln gut ab / Ärzte, Eltern und Kinder zufrieden / Berner Kollege empfiehlt Dauertherapie
NEU-ISENBURG (gwa). Eine Therapie mit Homöopathika kann Symptome wie Zappeligkeit bei Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) lindern. Das ergab zum Beispiel eine Studie der Universität Bern.

Kinder mit ADHS sind oft nicht zu bremsen und treiben Eltern, aber auch Lehrer mitunter zur Verzweiflung.

Ein interdisziplinäres Team um Dr. Heiner Frei von der Universität Bern hatte 83 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren in die Studie aufgenommen. Bei allen Kindern war nach neurologischen und psychologischen Untersuchungen die Diagnose ADHS gestellt worden.

Ein homöopathisch ausgebildeter Arzt bestimmte das jeweils für ein Kind passende Homöopathikum. Andere Medikamente waren nicht erlaubt.

62 Kinder sprachen auf die homöopathische Therapie an.
Das Kriterium dafür war eine 50-prozentige Reduktion des Conners’ Global Index (CGI) nach im Mittel fünf Monaten.
Der CGI ist eine Skala, mit der zehn Kriterien wie Wutausbrüche, Schreianfälle, Frustrationstoleranz oder das Stören anderer Kinder erfasst werden.
Pro Kriterium werden maximal drei Punkte vergeben: 0 Punkte bedeutet, das Symptom tritt nie auf, 3 Punkte bedeutet, es kommt sehr oft vor.

62 Kinder nahmen an der Placebo-kontrollierten Studie teil
Nun startete die eigentliche Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie.
Die 62 Kinder, die auf die Homöopathika angesprochen hatten, wurden den zwei Gruppen A und B zugeteilt.
In diesen Gruppen wurden sie sechs Wochen behandelt und wechselten dann in die jeweils andere Gruppe. In welcher Gruppe sie Placebo oder das für sie passende Homöopathikum erhielten, wussten weder Kinder noch Eltern noch die behandelnden Ärzte. Anschließend erhielten alle Kinder ihr Homöopathikum (Eur J Pediatr 164, 2005, 758).


Stillsitzen und Schularbeiten - eine Herausforderung für Kind und Mutter.

Während und nach Studienende hatte sich der CGI unter homöopathischer Therapie signifikant im Vergleich zu Placebo reduziert - im Mittel um 12 Punkte von 19 auf 7 Punkte (das entspricht 63 Prozent).

Ein starkes Ergebnis. Warum ist Homöopathie bei ADHS dann eher wenig verbreitet?

Das liege einmal daran, dass es dauere, bis die Therapie anspreche, und dass diese Therapie nicht in Notfallsituationen geeignet sei, so die Kollegen aus Bern. Zum anderen sei es wichtig, dass Eltern die Symptome ihrer Kinder akkurat erfassen und dem Homöopathen mitteilen. Und das sei nicht einfach. Doch nur dann kann das jeweils passende Mittel gefunden werden.

Homöopathische Mittel, die häufig bei ADHS verordnet werden, sind nach Freis Angaben vor allem Calcium carbonicum, Lycopodium und Sulfur. Aber etwa auch Belladonna, Causticum, Chamomilla, Ignatia, Nux vomica, Phosphor oder Silicea werden genutzt. Wichtig ist eine Dauertherapie, wie Frei betont.

Komplexmittel zielt auf typische ADHS-Symptome
Ein auf ADHS abgestimmtes Komplexmittel ist Zappelin® (erstattungsfähig bis zum vollendeten 12. Lebensjahr). Es enthält etwa Chamomilla, Kalium phosphoricum und Valeriana. Die Wirkung wurde in einer Kohortenstudie mit 355 ADHS-Kindern mit der von Methylphenidat (Ritalin®) verglichen. Die Kinder nahmen täglich im Mittel 30 Globuli oder 10 bis 40 mg Methylphenidat ein.

Nach 12-wöchiger Therapie prüften die Studienärzte den klinischen Gesamteindruck. Ein "viel besser" oder "sehr viel besser" im Vergleich zum Behandlungsbeginn wurde bei gut 47 Prozent der Kinder in der Komplexmittel-Gruppe festgestellt, in der Methylphenidat-Gruppe bei knapp 78 Prozent der Kinder. Knapp 70 Prozent der Kinder in der Komplexmittel-Gruppe schätzten ihren Zustand mit "gut" oder "sehr gut" ein (knapp 74 Prozent in der Kontroll-Gruppe).

Ausgleichende Kombinationen bei Erregungszuständen
Ein anderes Komplexmittel, Damiana Pentarkan®S, wird etwa bei nervösen Spannungszuständen, Konzentrationsmangel und Gedächtnisschwäche genutzt. Das Präparat enthält auch Ginseng-Wurzel in homöopathischer Zubereitung.

Stramonium Pentarkan® wird bei nervösen Schlafstörungen verordnet, die durch seelische Erregungszustände ausgelöst und von innerer Unruhe und Angst begleitet werden. Um Kindern die Einnahme zu erleichtern, können die Tabletten in Wasser aufgelöst werden.


http://www.doktor-quak.de/pdf/frei_adhs_2005_e.pdf

Antworten:

Hallo

KLingt fast zu schön um wahr zu sein.

In dem Jahr, in dem wir mit diesen Mitteln (gleichzeitig, abwechselnd, testend, Dosierung ändernd damit experimentiert haben, haben wir leider keinen nennenswerten *Erfolg* gehabt.

Uns lief die Zeit davon. Schulausschluss, am Ende der Nerven von Kinder, Eltern und Umgebung.
Für diese Akutsituation waren homoöphatische Mittel irgendwie nicht das Richtige.

Kommt immer darauf an, wie die aktuelle Situation ist, ob auf allen Fronten die Möglichkeit gegeben ist, dem ganzen Raum und Zeit zu geben.

Gruß

Mom

von momfor4 - am 15.02.2007 08:25
Moin!

Was ich ganz beachtenswert finde ist dieses hier:

Zitat

Nach 12-wöchiger Therapie prüften die Studienärzte den klinischen Gesamteindruck. Ein "viel besser" oder "sehr viel besser" im Vergleich zum Behandlungsbeginn wurde bei gut 47 Prozent der Kinder in der Komplexmittel-Gruppe festgestellt, in der Methylphenidat-Gruppe bei knapp 78 Prozent der Kinder.
Knapp 70 Prozent der Kinder in der Komplexmittel-Gruppe schätzten ihren Zustand mit "gut" oder "sehr gut" ein (knapp 74 Prozent in der Kontroll-Gruppe


Man überliest schnell die wichtigste Passage!!

Nämlich, dass 47% der Kügelchen-Einnehmer und 78% der Medikamenten-Einnehmer ein "viel" oder "sehr viel besserer" Gesamteindruck entstand.
Der Hammer ist aber, dass sich die ADS-Kinder selbst einschätzten, und dabei 70% (Kügelchen) 74% (Medis) gegenüberstanden.
Ist interessant, dass sich wahrnehmungsgestörte Kinder selbst richtig einschätzen können. Wir, im richtigen Leben, haben genau das Gegenteil festgestellt.

Nämlich, dass sie sich und ihr Verhalten selbst gar nicht korrekt einstufen können!

Und die PDF-Datei auf Englisch werde ich mir gaaaanz in Ruhe angucken.

Angelika


von Angelika (TanteGela) - am 15.02.2007 08:52
Hallo Angelika,

die "Studie" ist fast 2 Jahre alt (Mai 2005); sie wurde in der Zappelin-Werbung - vorzugsweise in den berühmten "unsäglichen" kostenfreien Medien - einige Zeit lang kräftig breitgetreten. Zwischenzeitlich ist sie aus der Werbung dieses Herstellers verschwunden. Das spricht Bände!

Ich unterstelle einfach mal, daß hier im Hintergrund Dinge (z.B. zur Methodik der Studie) hervorgetreten sind, die die Ergebnisse der Studie in einem wesentlich anderen Licht zeigen. Derartige Kritik an wissenschaftlichen Veröffentlichungen erblicken bedauerlicherweise selten das Scheinwerfer-Licht der Öffentlichkeit.

Grüße
Bernhard

Zum Thema "Studien in der Wissenschaft (speziell Medizin) kann ich folgendes Taschenbuch empfehlen:
"Der Hund, der Eier legt" rororo science - derzeit im Buchhandel (erschienen November 2006)
ISBN-10: 3-499-62196-7

von Bernhard - am 15.02.2007 12:30
Nochmal Hallo!

Ich habe die Studie auch auf Deutsch gefunden, was das Lesen doch vereinfacht.
Obwohl ich wahrlich kein Freund von Homöopathie bei ADS bin (unsere eigene Erfahrung war reine Zeit- und Geldverschwendung), finde ich die Studie dennoch nicht so daneben wie ich erwartet hatte.

Für den Fall, dass eine Kind kein MPH verträgt UND einen geduldigen Arzt findet, der dann auch noch die für das Kind optimalen Homöopathika herausbekommt, könnte es vielleicht doch einen Versuch wert sein.
Falls...............die Eltern genügend Geld, genügend Zeit und genügend Nerven mitbringen.

http://72.14.221.104/search?q=cache:dbqlSEUVTmcJ:www.doktor-quak.de/pdf/frei_adhs_2005_d.pdf+kikom+Studie+ADHD+Hom%C3%B6opathie&hl=de&ct=clnk&cd=14&gl=de

von Angelika (TanteGela) - am 15.02.2007 14:17
Hallo Ihr,
ich habe mir die Studie einmal zu Gemüte geführt; sowohl den deutschen Text (15 Seiten) als auch den englischen Text (31 Seiten).

Die Studie besteht aus 4 Phasen:
- In Phase I (Screening Phase) werden die Studienteilnehmer ausgesucht und ihr individuelles Präparat bestimmt (Verfahren: Trial and Error). Das Kriterium für den Übergang in die Folgephasen ist eine deutliche Besserung des Connor-Index (CGI).
- Phase II und III (Crossover Phasen) laufen doppelblind ab: Jeweils die Hälfte der Kinder erhalten des in Phase I gefundene persönliche Medikament bzw. ein Placebo.
- In Phase IV (Crossover Phase) erhält wiederum jedes Kind seine persönliche Midikation, wie sie in Phase I gefunden wurde.

Den Wert dieser Studie führt mir Fig. 2 S. 25 und Fig.3 S.26 der englischen Fassung (Abb. 1 S. 15 der deutschen Fassung) vor Augen:

Der CGI fiel während Phase I massiv ab (Fig.3). Während der Crossover-Zeit (also beim Vergleich Verum - Placebo) blieb er nahezu gleich. Das zeigt Fig.2 in anderem Auswertungsstil. Ich glaube, daß Fig. 2 und Fig. 3 den Wert dieser Studie sehr gut wiedergeben.

Meine persönliche Zusammenfassung sieht folgendermaßen aus:
Während der Screening-Phase wurden die Kinder ziemlich beachtet, mit allen positiven Auswirkungen, die das so an sich hat. Während der restlichen Zeit hatte auch die Umgebung sich etwas stärker an die Kinder gewöhnt und ihr Verhalten stärker akzeptiert.

Eins ist mir noch aufgefallen:
Das Mischmedikament Zappelin ist in dieser Studie nicht aufgetaucht; die Behandlung erfolgte vielmehr nach der reinen Lehre der Homöopathie mit Einstoff-Präparaten, die individuell dosiert waren.

Grüße
Bernhard

von Bernhard - am 18.02.2007 15:19
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