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Das Weltknotenforum
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Erster Beitrag:
vor 18 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 18 Jahren
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Martin V, Zettel

An MartinV & to whom it may concern

Startbeitrag von Zettel am 09.07.1999 22:37

Geschrieben von Zettel am 10. Juli 1999 at 00:37:15:
Lieber Martin,
dies sollte eigentlich eine Mail werden. Wegen der katastrophalen Zustände bei MSN gelingt es mir aber nicht, sie abzusetzen. Da es vielleicht auch andere interessiert und in der Hoffnung, damit keine privacy verletzt zu haben, stelle ich sie also hier hin;


Gruß Zettel!

>

>Deine Mail ist angekommen.

>"Superpositions Reduce to Particles Sometimes" ist wunderbar :o))))

>Richtig, darüber gehts bei uns *lol*

>

>Der Roger Penrose ist ziemlich abgehoben; nicht umsonst ist er Platonist (mit Sven hatte ich in 3-D lange Unterhaltungen darüber)
Lies dazu mal, was ich Sven gerade geschrieben habe.
Platonismus ist, in meiner Sicht, eine zur Ontologie erhobene Illusion:

Wenn sich die Welt mir sperrt, erkläre ich eben das zur Welt, was sich

mir *nicht* sperrt. Die Versuchung dazu ist riesig, und es hat zu allen

Zeiten Gurus gegeben, die damit eine Gemeinde um sich geschart haben -

von Augustinus über Buddha und Plotin, Leibniz und Hegel bis hin zu,

vermute ich fast, Roger Penrose. Das Interessante und

Bedenklich-Bedenkenswerte ist, daß Denker dieser Art (säkulare Priester)

diese schulbildende Faszination ausüben, während die nüchternen

Realisten und Skeptiker allenfalls Einfluss, aber keine gläubigen

Schüler, haben.
>Interesant die Erwähnung zu Freud; ich weiß zuwenig über ihn, aber mich

>würde interessieren, WIE er mit Daten, wenn überhaupt, umging.
Er untersuchte Einzelfälle und gab keine Ruhe, bis er nicht jedes Detail

aufgeklärt hatte. Da er unglaublich intelligent und phantasiereich war,

ging am Ende alles auf. Er ist nie auf die Idee gekommen, dass eine

Theorie sich nicht schon dadurch als richtig erweist, dass sie die

vorhandenen Daten abdeckt, sondern erst dadurch, dass sie neue

vorhersagt. In der Statistik ist das der Unterschied zwischen einem

a-priori und einem a-posteriori-Test.

>

>Wenn für Dich Qualia auch dann nicht erfasst werden können, wenn wir mehr

>über das neurale Netzwerk wissen, dann bist Du doch ein ganz klein wenig

>Platoniker, oder?
Nein, nur Skeptiker. Wenn wir zwei Aspekte der Realität nicht

zusammenkriegen, heißt das nicht, daß der eine aletheia und der andere

nur doxa ist. Chalmers hat ja recht, wenn er den Kaiser für nackt

erklärt, nämlich qualia als eine Ebene der Realität sui generis erkennt,

was trivial ist. Platon sah darin aber nicht eine Ebene der Realität,

sondern die eigentliche Realität: Für ihn war nur das wirklich, was er

denken konnte.
Die Arroganz des Athener Aristokraten, so wie diese ganze Richtung für

mich - tut mir leid - einen aristokratisch-klerikalen Charakter hat.

Während die bescheidenen Skeptiker (verdankt der Weltknoten eigentlich

sein Epitheton dem William von Ockham?) gewissermassen

bürgerlich-handwerkliche Denker waren und sind.
In kritischer Verbundenheit
Zettel





















Antworten:

Re: An MartinV & to whom it may concern

Geschrieben von Martin V am 10. Juli 1999 at 17:16:58:
Als Antwort auf: An MartinV & to whom it may concern geschrieben von Zettel am 10. Juli 1999 at 00:37:15:
Lieber Martin,

dies sollte eigentlich eine Mail werden. Wegen der katastrophalen Zustände bei MSN gelingt es mir aber nicht, sie abzusetzen. Da es vielleicht auch andere interessiert und in der Hoffnung, damit keine privacy verletzt zu haben, stelle ich sie also hier hin;
Gruß Zettel!
>>Deine Mail ist angekommen.

>>"Superpositions Reduce to Particles Sometimes" ist wunderbar :o))))

>>Richtig, darüber gehts bei uns *lol*
>Der Roger Penrose ist ziemlich abgehoben; nicht umsonst ist er Platonist (mit >Sven hatte ich in 3-D lange Unterhaltungen darüber)
Lies dazu mal, was ich Sven gerade geschrieben habe.

Platonismus ist, in meiner Sicht, eine zur Ontologie erhobene Illusion:

Wenn sich die Welt mir sperrt, erkläre ich eben das zur Welt, was sich

mir *nicht* sperrt. Die Versuchung dazu ist riesig, und es hat zu allen

Zeiten Gurus gegeben, die damit eine Gemeinde um sich geschart haben -

von Augustinus über Buddha und Plotin, Leibniz und Hegel bis hin zu,

vermute ich fast, Roger Penrose. Das Interessante und

Bedenklich-Bedenkenswerte ist, daß Denker dieser Art (säkulare Priester)

diese schulbildende Faszination ausüben, während die nüchternen

Realisten und Skeptiker allenfalls Einfluss, aber keine gläubigen

Schüler, haben.



>>Interesant die Erwähnung zu Freud; ich weiß zuwenig über ihn, aber mich

>>würde interessieren, WIE er mit Daten, wenn überhaupt, umging.
Er untersuchte Einzelfälle und gab keine Ruhe, bis er nicht jedes Detail

aufgeklärt hatte. Da er unglaublich intelligent und phantasiereich war,

ging am Ende alles auf. Er ist nie auf die Idee gekommen, dass eine

Theorie sich nicht schon dadurch als richtig erweist, dass sie die

vorhandenen Daten abdeckt, sondern erst dadurch, dass sie neue

vorhersagt. In der Statistik ist das der Unterschied zwischen einem

a-priori und einem a-posteriori-Test.
>>Wenn für Dich Qualia auch dann nicht erfasst werden können, wenn wir mehr

>>über das neurale Netzwerk wissen, dann bist Du doch ein ganz klein wenig

>>Platoniker, oder?
Nein, nur Skeptiker. Wenn wir zwei Aspekte der Realität nicht

zusammenkriegen, heißt das nicht, daß der eine aletheia und der andere

nur doxa ist. Chalmers hat ja recht, wenn er den Kaiser für nackt

erklärt, nämlich qualia als eine Ebene der Realität sui generis erkennt,

was trivial ist. Platon sah darin aber nicht eine Ebene der Realität,

sondern die eigentliche Realität: Für ihn war nur das wirklich, was er

denken konnte.

Die Arroganz des Athener Aristokraten, so wie diese ganze Richtung für

mich - tut mir leid - einen aristokratisch-klerikalen Charakter hat.

Während die bescheidenen Skeptiker (verdankt der Weltknoten eigentlich

sein Epitheton dem William von Ockham?) gewissermassen

bürgerlich-handwerkliche Denker waren und sind.

In kritischer Verbundenheit

Zettel
Gruß Zettel!

Werde auf Deine comment etwas später antworten, bis dahin, und ebenfalls in kritischer Verbundenheit

Martin V



















von Martin V - am 10.07.1999 15:16
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