Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Das Weltknotenforum
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 17 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 17 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Martin V, Sascha Gräser, Zettel

Qualia, Intentionalität, Parawissenschaft und Modalargument

Startbeitrag von Martin V am 13.07.1999 14:29

Geschrieben von Martin V am 13. Juli 1999 at 16:29:23:
Das Prinzip der Nichtunterscheidbarkeit identischer Entitäten:


Zuerst will ich der Frage nachgehen, ob sich mentale und physikalische Eigenschaften unterscheiden. Denn wenn sie es nicht tun, dann ist auch eine Unterscheidung von mentalen und physikalischen Substanzen hinfällig. Unbestritten ist, dass mentale Zustände durch Veränderungen in neuronalen Zuständen beeinflussbar sind. Wenn ich zum Beispiel Kopfschmerzen habe, so hilft die Einnahme einer Schmerztablette. Dies veranlasst zur Annahme, dass die beiden Zustände korreliert sind. Sind sie aber auch identisch? Taliaferro bringt hier das Prinzip der Nichtunterscheidbarkeit identischer Entitäten ins Spiel:
Wenn X gleich Y ist, dann ist alles, was wahr von X ist, auch wahr von Y (logische Form: (X = Y) ® (Fx = Fy)).
In Bezug auf Eigenschaften liesse sich das Prinzip so formulieren: X und Y seien Eigenschaften. Wenn ich nun Grund zur Annahme habe, dass ich X wahrnehmen kann, ohne zugleich Y bewusst wahrzunehmen, dann darf ich annehmen, dass X und Y nicht identisch sind (Ø (Fx = Fy) ® Ø (X=Y). Wenn ich also einer Dudelsackpfeiferin zuhöre, so habe ich eine bestimmte Hörerfahrung: das schottische Volkslied ist melodiös. Ich bin mir aber der Schallwellen, die gleichzeitig zur Hörerfahrung im Raum vorhanden sind, oder der Bewegung meiner Trommelfellmembran nicht bewusst. Andrerseits könnte ich mit einem Oszillographen die Frequenz der Schallwellen zu messen versuchen, und könnte danach vielleicht überhaupt nicht sagen, was für ein Lied denn gespielt worden ist. Die Hörerfahrung und der physikalische Prozess können also unabhängig voneinander wahrgenommen werden, das heisst die beiden sind nicht identisch. Das gleiche kann für Schmerz, Überzeugungen, Wünsche etc. gezeigt werden. Durch Introspektion habe ich direkten Zugang zu meinen mentalen Zuständen, sie erscheinen mir auf ganz besondere Art und Weise. Es scheint, dass mentale Eigenschaften, im Gegensatz zu physikalischen Eigenschaften, einen spezifischen qualitativen oder phänomenalen Charakter haben.
Die Absicht des Modalarguments ist es, zu zeigen, dass Personen ohne ihren Körper existieren können und um-gekehrt. Die theoretische Möglichkeit dieses Sachverhaltes ist entscheidend. Das Argument steht somit im Gegen-satz zur These, dass eine Person und ihr Körper identisch sind. Taliaferro baut das Argument folgendermassen auf:


Vorbemerkung: A bezieht sich auf mich, und B auf meinen Körper.
Prämisse 1: A ist B. (identitätstheoretische Hypothese)
Prämisse 2: Wenn A B ist, dann gilt: A kann nicht ohne B existieren und B kann nicht ohne A existieren.
Prämisse 3: Aber A kann ohne B existieren und B kann ohne A existieren.
Conclusio: Prämisse 1 ist falsch: Es ist nicht der Fall, dass A B ist.


Prämisse 1 gibt die materialistische Position wieder: Wenn ich existiere und der Materialismus wahr ist, so bin ich identisch mit meinem Körper. Prämisse 2 benutzt das schon einmal verwendete Prinzip der Nicht-Unterscheid-barkeit identischer Entitäten. Prämisse 3 ist diejenige Prämisse, die am kontroversesten ist. Jedoch ist hier Ge-nauigkeit entscheidend: Ich brauche nicht anzunehmen, dass ich jemals ohne meinen Körper existiert habe oder es in Zukunft tun werde. Worum es geht, ist die Frage, ob eine solche Trennung möglich, vorstellbar ist.
Dabei stehen mehrere Möglichkeiten offen: Ich kann die Vernichtung meines Körpers entweder entkörpert überleben oder aber indem ich in einen andern Körper "schlüpfe“. Sollte dieses Unterfangen möglich sein, so ist der Erweis erbracht, dass ich nicht mit meinem Körper identisch bin. Tatsächlich glauben viele Leute an eine Trennung von Geist und Körper durch den Tod und an irgendeine Form der Weiterexistenz, und einige glauben auch an eine pränatale Form von Existenz, so zum Beispiel Plato und Anhänger des Reinkarnationsgedankens. Universell abgestützt sind auch Berichte von Erfahrungen ausserhalb des Körpers, die oftmals Parallelen enthalten. Unter den Autoren finden sich auch nicht-religiöse Vertreter der Möglichkeit einer Entkörperung, so z. B. neben David Lewis auch Ayer: One can imagine oneself waking to find oneself deprived of any bodily feeling or any perception of one’s own body; one can imagine oneself to wander round the world like a ghost, intangible to others and only occasionally visible.“ Als weiterer Hinweis mag unsere Fähigkeit, uns in andere Personen hin-einzuversetzen, dienen. Dies verlangt nämlich, dass wir unsere soziale Identität und unser körperliches Leben zeitweise nicht beachten. Es scheint, dass genügend Evidenz für Prämisse 3 vorhanden ist.
Das Argument von der Parapsychologie wird nicht so sehr von Dualisten zu ihrer Unterstützung gebraucht, sondern vielmehr von ihren Kritikern als widerlegt präsentiert. Das Eintreffen von Vorhersagen wird in der Wissenschaft als Evidenz für die Richtigkeit derselben angeschaut. Deshalb fordert Churchland die Wiederholbarkeit parapsychologischer Phänomene im Labor, um diesem Kriterium gerecht zu werden. Im Fall parapsychologischer Phänomene kommt diese Forderung jedoch einer petitio principii gleich, das heisst die Konklusion ist schon in der Prämisse enthalten: Wenn alles natürlich - d. h. physikalisch-deterministisch - erklärbar sein muss, so werden wir niemals ein Phänomen akzeptieren, das nicht deterministisch abläuft. Nun haben wir es aber mit para-psychologischen Phänomenen (gr. para = jenseits), also über das naturwissenschaftlich-psychologische hinausgehenden Ereignissen, zu tun. Folglich kann die übliche Methode (Experiment, Labor) nicht angewendet und die Existenz parapsychologischer Phänomene nicht widerlegt werden. - Natürlich ist es eine unbestrittene Tatsache, dass viele Scharlatane in der Parapsychologie ihr Unwesen treiben. Dennoch scheint es mir ein bisschen zu einfach, restlos alle parapsychologischen Phänomene als ÆAltweibergeschichten“ abzutun. Auch ein Physikalist wie Armstrong scheint dies anzuerkennen: ÆI think it is just possible that evidence from psychical research might be forthcoming that a physico-chemical view of man’s brain could not accomodate.“
Was Ockhams Rasiermesser angeht, so tut man gut daran, auch das Anti-Ockham’sche Rasiermesser zu berücksichtigen: Wo wenige Entitäten zur Erklärung relevanter Daten nicht genügen, müssen mehr Entitäten postuliert werden.
Nachtrag: Dies ist nur ein Gedanke von mir, den ich aber nicht unbedingt als wahr ansehen muß. Ich lasse ihn einfach mal so stehen, wie er ist.



So plausibel einiges klingt; ich unterscheide nicht zwischen Materie und Geist. Wobei mir das Qualia und Intentionalitätsproblem(Brentano, Chisholm, Chalmers, Searle, Husserl)als wesentlich erscheint, und scheinbar doch eine Trennung verlangt, wobei diese Trennug kein reiner Dualismus sein sollte, sondern es ist der Qualitative Charakter eines physikalisch-biologischen Prozesses ein und dasselbe, nur erfolgt die Trennug dessen, aufgrund unserer epistemologischen Blindheit.
Gruß,MV


















Antworten:

Geschrieben von Zettel am 13. Juli 1999 at 19:39:41:
Als Antwort auf: Qualia, Intentionalität, Parawissenschaft und Modalargument geschrieben von Martin V am 13. Juli 1999 at 16:29:23:
einer der bisher klügsten Beiträge in diesem Forum, deshalb eine relativ ausführliche Antwort:
>Das Prinzip der Nichtunterscheidbarkeit identischer Entitäten:

>

>Zuerst will ich der Frage nachgehen, ob sich mentale und physikalische Eigenschaften unterscheiden. Denn wenn sie es nicht tun, dann ist auch eine Unterscheidung von mentalen und physikalischen Substanzen hinfällig. Unbestritten ist, dass mentale Zustände durch Veränderungen in neuronalen Zuständen beeinflussbar sind. Wenn ich zum Beispiel Kopfschmerzen habe, so hilft die Einnahme einer Schmerztablette. Dies veranlasst zur Annahme, dass die beiden Zustände korreliert sind. Sind sie aber auch identisch? Taliaferro bringt hier das Prinzip der Nichtunterscheidbarkeit identischer Entitäten ins Spiel:

>Wenn X gleich Y ist, dann ist alles, was wahr von X ist, auch wahr von Y (logische Form: (X = Y) ® (Fx = Fy)).

>In Bezug auf Eigenschaften liesse sich das Prinzip so formulieren: X und Y seien Eigenschaften. Wenn ich nun Grund zur Annahme habe, dass ich X wahrnehmen kann, ohne zugleich Y bewusst wahrzunehmen, dann darf ich annehmen, dass X und Y nicht identisch sind (Ø (Fx = Fy) ® Ø (X=Y). Wenn ich also einer Dudelsackpfeiferin zuhöre, so habe ich eine bestimmte Hörerfahrung: das schottische Volkslied ist melodiös. Ich bin mir aber der Schallwellen, die gleichzeitig zur Hörerfahrung im Raum vorhanden sind, oder der Bewegung meiner Trommelfellmembran nicht bewusst. Andrerseits könnte ich mit einem Oszillographen die Frequenz der Schallwellen zu messen versuchen, und könnte danach vielleicht überhaupt nicht sagen, was für ein Lied denn gespielt worden ist. Die Hörerfahrung und der physikalische Prozess können also unabhängig voneinander wahrgenommen werden, das heisst die beiden sind nicht identisch. Das gleiche kann für Schmerz, Überzeugungen, Wünsche etc. gezeigt werden. Durch Introspektion habe ich direkten Zugang zu meinen mentalen Zuständen, sie erscheinen mir auf ganz besondere Art und Weise. Es scheint, dass mentale Eigenschaften, im Gegensatz zu physikalischen Eigenschaften, einen spezifischen qualitativen oder phänomenalen Charakter haben.


Aber selbstverständlich. Nur dürfen wir nicht vergessen, dass ja auch die physikalischen Eigenschaften der Erfahrung entspringen. Wenn ich mir einen Weg von der Uni nach Hause vorstelle, gehe ich über das sinnlich Gegebene hinaus. Wenn ich mir vorstelle, wie ein Rechner funktioniert, erheblich mehr. Wenn ich zu verstehen versuche, warum einzelne Korpuskel, die durch zwei Öffnungen geschickt werden, sich auf einmal wie eine Welle verhalten, gehe ich schon sehr über das sinnlich Gegebene hinaus. Ebenso, wenn ich mir den Raum als durch Gravitation gekrümmt vorstellen soll.
Die meisten Vorgänge im Gehirn sind nicht mit Bw verbunden. Aber, wie Du als Kenner der Logik weisst, ist eine Implikation ja etwas anderes als eine Identität, d.h. eine wechselseitige Implikation. Wenn nicht alle Gehirnprozesse mit Bw verbunden sind, dann folgt daraus offensichtlich nicht, dass es Bewußtsein gibt, das nicht mit Gehirnprozessen verbunden ist (entschuldige diese Trivialität, die Dir natürlich klar ist).




>Die Absicht des Modalarguments ist es, zu zeigen, dass Personen ohne ihren Körper existieren können und um-gekehrt. Die theoretische Möglichkeit dieses Sachverhaltes ist entscheidend. Das Argument steht somit im Gegen-satz zur These, dass eine Person und ihr Körper identisch sind. Taliaferro baut das Argument folgendermassen auf:

>

>Vorbemerkung: A bezieht sich auf mich, und B auf meinen Körper.

>Prämisse 1: A ist B. (identitätstheoretische Hypothese)

>Prämisse 2: Wenn A B ist, dann gilt: A kann nicht ohne B existieren und B kann nicht ohne A existieren.

>Prämisse 3: Aber A kann ohne B existieren und B kann ohne A existieren.

>Conclusio: Prämisse 1 ist falsch: Es ist nicht der Fall, dass A B ist.

>

>Prämisse 1 gibt die materialistische Position wieder: Wenn ich existiere und der Materialismus wahr ist, so bin ich identisch mit meinem Körper. Prämisse 2 benutzt das schon einmal verwendete Prinzip der Nicht-Unterscheid-barkeit identischer Entitäten. Prämisse 3 ist diejenige Prämisse, die am kontroversesten ist. Jedoch ist hier Ge-nauigkeit entscheidend: Ich brauche nicht anzunehmen, dass ich jemals ohne meinen Körper existiert habe oder es in Zukunft tun werde. Worum es geht, ist die Frage, ob eine solche Trennung möglich, vorstellbar ist.
Vorstellbar ist Vieles. Alles, was wir über die Beziehung zwischen bewußtem Erleben und Gehirnvorgängen wissen,läuft darauf hinaus, dass es ohne Gehirn kein Bewußtsein gibt (inklusive Near Death Experiences, die sich sehr gut physiologisch erklären lassen). Alles andere ist Wunschdenken. Ich liebäugle ja auch mit der Idee, immer weiterzuleben. Nur die Verhältnisse, sie sind nicht so.


>Dabei stehen mehrere Möglichkeiten offen: Ich kann die Vernichtung meines Körpers entweder entkörpert überleben oder aber indem ich in einen andern Körper "schlüpfe“. Sollte dieses Unterfangen möglich sein, so ist der Erweis erbracht, dass ich nicht mit meinem Körper identisch bin. Tatsächlich glauben viele Leute an eine Trennung von Geist und Körper durch den Tod und an irgendeine Form der Weiterexistenz, und einige glauben auch an eine pränatale Form von Existenz, so zum Beispiel Plato und Anhänger des Reinkarnationsgedankens. Universell abgestützt sind auch Berichte von Erfahrungen ausserhalb des Körpers, die oftmals Parallelen enthalten. Unter den Autoren finden sich auch nicht-religiöse Vertreter der Möglichkeit einer Entkörperung, so z. B. neben David Lewis auch Ayer: One can imagine oneself waking to find oneself deprived of any bodily feeling or any perception of one’s own body; one can imagine oneself to wander round the world like a ghost, intangible to others and only occasionally visible.“ Als weiterer Hinweis mag unsere Fähigkeit, uns in andere Personen hin-einzuversetzen, dienen. Dies verlangt nämlich, dass wir unsere soziale Identität und unser körperliches Leben zeitweise nicht beachten. Es scheint, dass genügend Evidenz für Prämisse 3 vorhanden ist.

+

Ach ja, schön wärs. Die Wahrheit ist, dass es keine solche Belege gibt. Es hat wahrscheinlich zwei große Erschütterungen in der Entwicklung des Menschen gegeben. Die erste war die Erkenntnis, sterben zu müssen. Darauf haben, wie es scheint, alle Religionen mit dem Trost reagiert, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Die zweite grosse Erschütterung ist noch im Gange: die Einsicht, dass es damit nix ist. Ich zweifle daran, dass die meisten Menschen diese Erkenntnis durchstehen.


>Das Argument von der Parapsychologie wird nicht so sehr von Dualisten zu ihrer Unterstützung gebraucht, sondern vielmehr von ihren Kritikern als widerlegt präsentiert. Das Eintreffen von Vorhersagen wird in der Wissenschaft als Evidenz für die Richtigkeit derselben angeschaut. Deshalb fordert Churchland die Wiederholbarkeit parapsychologischer Phänomene im Labor, um diesem Kriterium gerecht zu werden. Im Fall parapsychologischer Phänomene kommt diese Forderung jedoch einer petitio principii gleich, das heisst die Konklusion ist schon in der Prämisse enthalten: Wenn alles natürlich - d. h. physikalisch-deterministisch - erklärbar sein muss, so werden wir niemals ein Phänomen akzeptieren, das nicht deterministisch abläuft. Nun haben wir es aber mit para-psychologischen Phänomenen (gr. para = jenseits), also über das naturwissenschaftlich-psychologische hinausgehenden Ereignissen, zu tun. Folglich kann die übliche Methode (Experiment, Labor) nicht angewendet und die Existenz parapsychologischer Phänomene nicht widerlegt werden.
Eine sehr berechtigte Überlegung. Ich halte es für durchaus denkbar, dass es paranormale Phänomene gibt, die sich nicht wissenschaftlich fassen lassen. Ich glaube sogar, dass die wissenschaftliche Parapsychologie ein ziemlich naives Unternehmen ist. Aber worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.
- Natürlich ist es eine unbestrittene Tatsache, dass viele Scharlatane in der Parapsychologie ihr Unwesen treiben. Dennoch scheint es mir ein bisschen zu einfach, restlos alle parapsychologischen Phänomene als ÆAltweibergeschichten“ abzutun. Auch ein Physikalist wie Armstrong scheint dies anzuerkennen: ÆI think it is just possible that evidence from psychical research might be forthcoming that a physico-chemical view of man’s brain could not accomodate.“

>Was Ockhams Rasiermesser angeht, so tut man gut daran, auch das Anti-Ockham’sche Rasiermesser zu berücksichtigen: Wo wenige Entitäten zur Erklärung relevanter Daten nicht genügen, müssen mehr Entitäten postuliert werden.
Aber das bestreitet doch Niemand. Nur muss die Notwendigkeit erwiesen sein.



>Nachtrag: Dies ist nur ein Gedanke von mir, den ich aber nicht unbedingt als wahr ansehen muß. Ich lasse ihn einfach mal so stehen, wie er ist.

>

>So plausibel einiges klingt; ich unterscheide nicht zwischen Materie und Geist. Wobei mir das Qualia und Intentionalitätsproblem(Brentano, Chisholm, Chalmers, Searle, Husserl)als wesentlich erscheint, und scheinbar doch eine Trennung verlangt, wobei diese Trennug kein reiner Dualismus sein sollte, sondern es ist der Qualitative Charakter eines physikalisch-biologischen Prozesses ein und dasselbe, nur erfolgt die Trennug dessen, aufgrund unserer epistemologischen Blindheit.
Sagen wir, epistemischen Grenzen. Ich kann nur immer wieder empfehlen, Kant und Schopenhauer zu lesen. Sie sind, da schlecht oder gar nicht ins Englische übersetzt, in der gegenwärtigen Diskussion ausgeklammert. Es soll ja, ich schrieb es wohl schon, renommierte Philosophen geben, die nicht einmal Griechisch, Latein, Französisch und Deutsch lesen können!

















von Zettel - am 13.07.1999 17:39

Re: Konstruktivismus - ein Vergleich subjektiver Erfahrung und Schopenhauer

Geschrieben von Martin V am 14. Juli 1999 at 15:06:54:
Als Antwort auf: Re: Qualia, Intentionalität, Parawissenschaft und Modalargument geschrieben von Zettel am 13. Juli 1999 at 19:39:41:
Gruß Zettel!

Der Server ist heute wohl überlastet; habe schon das 3. mal mein posting verloren, deshalb nun kürzer als vorgesehen.
Mein erstes posting dieses threads ist ein Auszug meiner Pro-Seminar Arbeit zum Thema "Computation des Ich". Wie du sicherlich ersehen kannst, sind "meine" Philosophischen Vorbilder weniger Schopenhauer oder Kant (obwohl der "Weltknoten" ein Ausdruck Schopenhauers ist).

Es sind eher Aristotels, Laotse, Husserl, Norbert Wiener, Tarski, Carnap, Wittgenstein, Bertrand Russel, Kurt Gödel, Heinz von Foerster und George Spencer Brown.
Ich zähle deshalb all diese Namen auf, da sich ein reductio ad absurdum dahinter befindet. Aristoteles begründete den "Formalismus", Gödel zeigte seine Grenzen; doch mit den mitteln des "organon". Wittgenstein war leider auch ein "zweiwertiger" wie Aristotels, nur mit dem Unterschied, daß er keinen ontologischen Anspruch auf eine binäre Welt legte. Ich gehöre der Familie der Konstruktivisten an, oder besser der Endophysik, da diese eine interessante Weiterentwicklung darstellt. Deshalb ist meine Auswahl an Philosophen diesem Jahrhundert verhaftet.
Keiner kann über sich sehn. Hiermit will ich sagen: Jeder sieht am

Anderen nur so viel, als er selbst auch ist: denn er kann ihn nur

nach Maßgabe seiner eigenen Intelligenz fassen und verstehen.
Dies war von Schopenhauer.
Ich habe mir einmal mit einem Hammer auf den Finger gehauen und als der Schmerz soweit abgeklungen war, daß ich wieder denken konnte, da fiel mir auf, daß mir nicht nur der Finger weh tat, sondern daß auch das Wissen um den Schmerz in meinem Finger war und nicht in meinem Kopf.

Mir fiel in dieser Situation schlagartig auf, daß in meinem unmittelbaren Erleben das Bewußtsein überhaupt nicht nur in meinem Kopf ist, sondern überall. Überall wo ich etwas fühle oder wahrnehme.

Wenn ich meinen Computermonitor ansehe, dann habe ich das unmittelbare Erleben, daß das Wissen um die Existenz dieses Monitors dort ist, wo der Monitor ist und nicht in meinem Kopf. Wenn mein Bewußtsein in meinem Kopf entstünde, könnte ich dann überhaupt außerhalb meines Kopfes Bewußtsein erleben? Und wenn die Welt, so wie ich sie bewußt wahrnehme, erst in meinem Kopf entstünde

(wie es zum Beispiel Kant und die moderne Naturwissenschaft behauptet), wie kommt dann diese Welt wieder aus meinem Kopf heraus? Denn in meinem unmittelbaren Erleben ist die Welt nicht in meinem Kopf, sondern um mich herum.
Dies ist eine allgemeine Erfahrung, die nicht nur ich gemacht habe(schrieb dies vor 4 Jahren nieder), sondern, denkt mein Ich, viele andere Ichs ebenfalls.
Wie stehen sich hier beide Blöcke gegenüber?
Gruß, MV, leider kürzerer Text.
Die Regeln des Universums, die wir zu kennen glauben,

sind tief in unseren Wahrnehmungsprozessen begraben." - G. BATESON




















von Martin V - am 14.07.1999 13:06

Re: Konstruktivismus - ein Vergleich subjektiver Erfahrung und Schopenhauer

Geschrieben von Sascha Gräser am 14. Juli 1999 at 16:34:46:
Als Antwort auf: Re: Konstruktivismus - ein Vergleich subjektiver Erfahrung und Schopenhauer geschrieben von Martin V am 14. Juli 1999 at 15:06:54:
>Gruß Zettel!

>Der Server ist heute wohl überlastet; habe schon das 3. mal mein posting verloren, deshalb nun kürzer als vorgesehen.

>Mein erstes posting dieses threads ist ein Auszug meiner Pro-Seminar Arbeit zum Thema "Computation des Ich". Wie du sicherlich ersehen kannst, sind "meine" Philosophischen Vorbilder weniger Schopenhauer oder Kant (obwohl der "Weltknoten" ein Ausdruck Schopenhauers ist).

>Es sind eher Aristotels, Laotse, Husserl, Norbert Wiener, Tarski, Carnap, Wittgenstein, Bertrand Russel, Kurt Gödel, Heinz von Foerster und George Spencer Brown.

>Ich zähle deshalb all diese Namen auf, da sich ein reductio ad absurdum dahinter befindet. Aristoteles begründete den "Formalismus", Gödel zeigte seine Grenzen; doch mit den mitteln des "organon". Wittgenstein war leider auch ein "zweiwertiger" wie Aristotels, nur mit dem Unterschied, daß er keinen ontologischen Anspruch auf eine binäre Welt legte. Ich gehöre der Familie der Konstruktivisten an, oder besser der Endophysik, da diese eine interessante Weiterentwicklung darstellt. Deshalb ist meine Auswahl an Philosophen diesem Jahrhundert verhaftet.

>Keiner kann über sich sehn. Hiermit will ich sagen: Jeder sieht am

>Anderen nur so viel, als er selbst auch ist: denn er kann ihn nur

>nach Maßgabe seiner eigenen Intelligenz fassen und verstehen.

>Dies war von Schopenhauer.

>Ich habe mir einmal mit einem Hammer auf den Finger gehauen und als der Schmerz soweit abgeklungen war, daß ich wieder denken konnte, da fiel mir auf, daß mir nicht nur der Finger weh tat, sondern daß auch das Wissen um den Schmerz in meinem Finger war und nicht in meinem Kopf.

>Mir fiel in dieser Situation schlagartig auf, daß in meinem unmittelbaren Erleben das Bewußtsein überhaupt nicht nur in meinem Kopf ist, sondern überall. Überall wo ich etwas fühle oder wahrnehme.

>Wenn ich meinen Computermonitor ansehe, dann habe ich das unmittelbare Erleben, daß das Wissen um die Existenz dieses Monitors dort ist, wo der Monitor ist und nicht in meinem Kopf. Wenn mein Bewußtsein in meinem Kopf entstünde, könnte ich dann überhaupt außerhalb meines Kopfes Bewußtsein erleben? Und wenn die Welt, so wie ich sie bewußt wahrnehme, erst in meinem Kopf entstünde

>(wie es zum Beispiel Kant und die moderne Naturwissenschaft behauptet), wie kommt dann diese Welt wieder aus meinem Kopf heraus? Denn in meinem unmittelbaren Erleben ist die Welt nicht in meinem Kopf, sondern um mich herum.

>Dies ist eine allgemeine Erfahrung, die nicht nur ich gemacht habe(schrieb dies vor 4 Jahren nieder), sondern, denkt mein Ich, viele andere Ichs ebenfalls.

>Wie stehen sich hier beide Blöcke gegenüber?

>Gruß, MV, leider kürzerer Text.

>Die Regeln des Universums, die wir zu kennen glauben,

>sind tief in unseren Wahrnehmungsprozessen begraben." - G. BATESON
Hier am besten noch ein paar Beispiele, die offensichtlich belegen, daß die Objektivierung einiger Bewußtseinsinhalte (rezeptiver Natur) Geist- (nicht-physikalisch) oder Gehirn- (physikalisch) -konstrukte sind.

1. Der Traum

2. "Stumpfschmerzen" nach Amputationen.

3. Man hat festgestellt, daß gewisse benachbarte Hirnareale sich unter Umständen gegenseitig beeinflussen können; (ich weiß das Beispiel nicht mehr 100%ig - aber das Prinzip sollte klar sein, dieses Beispiel ist fiktiv)so "benachbart" das Daumenareal das Gesichts/Wangenknochenareal, bei Daumamputationen erhält das Daumareal keine Impulse mehr, bei Reizungen des Gesichts/Wangenknochenareal haben die Patienten u.a. ihren Daumen gespürt

4. Ein sehr populäres Beispiel: die Erinnerungsfilme

Als der Neurochirurg Penfield (Montreal) bei Gehirnoperationen epileptisch erkrankter Patienten bestimmte Teile des temporalen Assoziationscortex reizte, wurden bei diesen oft jahrelang zurückliegende Erinnerungen wachgerufen - in jeder noch so kleinen Einzelheit.... Die Ereignisse waren nicht gerafft, und der Patient war sich nicht bewußt, daß es nur Erinnerungen waren - er empfand es als Realität.

















von Sascha Gräser - am 14.07.1999 14:34
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.