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Das Weltknotenforum
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Erster Beitrag:
vor 17 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 17 Jahren, 5 Monaten
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zettel, Zettel, sascha

Wittgenstein & Kant

Startbeitrag von sascha am 14.10.1999 17:29

Geschrieben von sascha am 14. Oktober 1999 um 19:29:30:
Was haltet ihr von Wittgensteins (Tractatus) Standpunkt: Um ein Bild von etwas zu sein, muß das Bild etwas identisches mit dem Abgebildeten gemeinsam haben – die Form der Abbildung, oder auch die logische Form (jedes Bild ist auch zugleich ein logisches, aber nicht jedes gleichzeitig auch ein räumliches).

Was bei Kant transzendental war ist nun der Zusammenhang des Geistes mit der Welt?
















Antworten:

Re: Wittgenstein & Kant

Geschrieben von Zettel am 15. Oktober 1999 um 22:54:41:
Als Antwort auf: Wittgenstein & Kant geschrieben von sascha am 14. Oktober 1999 um 19:29:30:
>Was haltet ihr von Wittgensteins (Tractatus) Standpunkt: Um ein Bild von etwas zu sein, muß das Bild etwas identisches mit dem Abgebildeten gemeinsam haben – die Form der Abbildung, oder auch die logische Form (jedes Bild ist auch zugleich ein logisches, aber nicht jedes gleichzeitig auch ein räumliches).

>Was bei Kant transzendental war ist nun der Zusammenhang des Geistes mit der Welt?
Lieber Sascha, ich vermute eine interessante Idee hinter diesem Vorschlag, habe sie aber wahrscheinlich noch nicht ganz entdeckt.
Kants transzendenale Untersuchungen laufen natürlich gerade darauf hinaus, dass wir über die (bildhafte, formale, oder sonstige) Ähnlichkeit zwischen unseren Erkenntnisinhalten (wir würden sagen Kognitionen) und der Welt der Dinge an sich NICHTS aussagen können. Dazu müßten wir ja die Absurdität hinkriegen, mit Hilfe unseres Erkenntnisvermögens etwas zu erkennen, dessen Erkenntnis nicht auf unser Erkenntnisvermögen angewiesen ist.
Dies gesagt, können wir die Frage eine Etage tiefer angehen, nämlich wahrnehmungspsychologisch. Wie ähnlich sind unsere Kognitionen der Welt, wie wir sie mit objektiven Messmethoden untersuchen (die natürlich, im transzendentalen Sinn, auch den Grenzen unseres Erkenntnisvermögens unterworfen sind? Hierzu gibt es in der Geschichte der Wahrnehmungstheorien eine lange Diskussion. Helmholtz hat z.B. eine solche Ähnlichkeit zwischen Wahrnehmungsinhalt und Wahrnehmungsgegenstand strikt geleugnet, J.J. Gibson hat sie vehement vertreten.
Meine eigene Meinung dazu: Es gibt eine abstrakte Übereinstimmung nicht zwischen Wahrnehmung und ihrem Gegenstand, sondern zwischen **Wahrnehmung und der Rückmeldung auf die motorischen Aktionen, die durch die Wahrnehmung gesteuert werden**.
Wenn ich die Kaffeetasse vor mir als eine wahrnehme, die eine bestimmte Form, Größe und Entfernung von mir hat, und ich greife aufgrund dieser Wahrnehmung nach der Tasse, dann kann es sein, daß ich trinke oder daß ich meine Tastatur bekleckere. Im ersten Fall gab es eine hinreichende Ähnlichkeit meiner Wahrnehmung mit der realen Welt (d.h. der, die mir Rückmeldungen liefert), im anderen Fall nicht.
Thomas von Aquin hat bekanntlich die Wahrheit als adaequatio intellectus et rei definiert. Es ist vielleicht eher eine adaequatio intellectus et actionis.
Zettel



















von Zettel - am 15.10.1999 20:54

Re: Sascha, Wittgenstein & Kant

Geschrieben von zettel am 21. Oktober 1999 um 22:17:09:
Als Antwort auf: Re: Wittgenstein & Kant geschrieben von Zettel am 15. Oktober 1999 um 22:54:41:
Dieser kurze Thread ist irgendwann vertrocknet, als das Forum ein bisschen kränkelte (schön, daß es jetzt wieder gedeiht). Ich fand Saschas Anregung interessant, also auf 1 Neues:
Sascha schrieb:
>>Was haltet ihr von Wittgensteins (Tractatus) Standpunkt: Um ein Bild von etwas zu sein, muß das Bild etwas identisches mit dem Abgebildeten gemeinsam haben – die Form der Abbildung, oder auch die logische Form (jedes Bild ist auch zugleich ein logisches, aber nicht jedes gleichzeitig auch ein räumliches).

>>Was bei Kant transzendental war ist nun der Zusammenhang des Geistes mit der Welt?
Dazu mein Kommentar:
>Lieber Sascha, ich vermute eine interessante Idee hinter diesem Vorschlag, habe sie aber wahrscheinlich noch nicht ganz entdeckt.
>Kants transzendentale Untersuchungen laufen natürlich gerade darauf hinaus, dass wir über die (bildhafte, formale, oder sonstige) Ähnlichkeit zwischen unseren Erkenntnisinhalten (wir würden sagen Kognitionen) und der Welt der, nun ja, "Dinge an sich" gerade NICHTS aussagen können. Dazu müßten wir ja die Absurdität hinkriegen, mit Hilfe unseres Erkenntnisvermögens etwas zu erkennen, dessen Erkenntnis nicht auf unser Erkenntnisvermögen angewiesen ist.
>Dies gesagt, können wir die Frage eine Etage tiefer angehen, nämlich wahrnehmungspsychologisch. Wie ähnlich sind unsere Kognitionen der Welt, wie wir sie mit objektiven Messmethoden untersuchen (die natürlich, im transzendentalen Sinn, auch den Grenzen unseres Erkenntnisvermögens unterworfen sind)? Hierzu gibt es in der Geschichte der Wahrnehmungstheorien eine lange Diskussion. Helmholtz hat z.B. eine solche Ähnlichkeit zwischen Wahrnehmungsinhalt und Wahrnehmungsgegenstand strikt geleugnet, J.J. Gibson hat sie vehement behauptet.
>Meine eigene Meinung dazu: Es gibt eine Übereinstimmung nicht zwischen Wahrnehmung und ihrem Gegenstand, sondern zwischen **Wahrnehmung und der Rückmeldung auf die motorischen Aktionen, die durch die Wahrnehmung gesteuert werden**. Eine Wahrnehmung ist dann veridikal (der Wirklichkeit entsprechend), wenn das, was ich aufgrund dieser Wahrnehmung tue, zu den Wirkungen führt, die ich aufgrund dieser Wahrnehmungen antizipiere (vorwegnehmend erwarte).
>Wenn ich die Kaffeetasse vor mir als eine wahrnehme, die eine bestimmte Form, Größe und Entfernung hat, und ich greife aufgrund dieser Wahrnehmung nach der Tasse, dann kann es sein, daß ich trinke, oder es kann sein, daß ich meine Tastatur bekleckere. Im ersten Fall gab es eine hinreichende Ähnlichkeit meiner Wahrnehmung mit der realen Welt (d.h. der, die mir Rückmeldungen liefert), im anderen Fall nicht.
>Thomas von Aquin hat bekanntlich die Wahrheit als adaequatio intellectus et rei definiert. Es ist vielleicht eher eine adaequatio intellectus et actionis.



>Zettel


















von zettel - am 21.10.1999 20:17
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