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Das Weltknotenforum
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vor 16 Jahren, 6 Monaten
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Martin V, Wolfg@ngK., Doro, Michael Hellmanzik, Sven, Kay S, Cato der Patrone (Padrone), Zettel

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Startbeitrag von Martin V am 08.01.2001 15:32

Geschrieben von Martin V am 08. Januar 2001 16:32:10:
Als Antwort auf: Re: DIE EINZIGE UND LETZTE WARNUNG AKZEPTIEREND geschrieben von Der Inder am 08. Januar 2001 06:49:16:


Schoppenhauer ?

Schoppen + Hauer =

Bier + Hauer =

Schoppen + zuschlagen =

So Weltknoten. Hast deine Pause gehabt, weiter gehts.



Traut sich wohl niemand, sich hier einzutragen. Seltsamerweise auch kein Kommentar zu "esse est percipi" (von Berkeley). Entweder hat Berkeley den Weltknoten gelöst, oder er ist nur noch komplizierter durch ihn geworden ;)

Wir werden sehen.



MV















Antworten:

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Wolfg@ngK. am 10. Januar 2001 09:06:56:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Martin V am 08. Januar 2001 16:32:10:

Entweder hat Berkeley den Weltknoten gelöst, oder er ist nur noch komplizierter durch ihn geworden ;)

>Wir werden sehen.

>MV
Wir können jetzt bald eine Blau/Schwarze Koalition aufmachen.



Deshalb habe ich den "Blauen" endgültig den Krieg erklärt !


















von Wolfg@ngK. - am 10.01.2001 08:06

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Martin V am 10. Januar 2001 15:11:16:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Wolfg@ngK. am 10. Januar 2001 09:06:56:
Das



gibts ja nicht. Soll das ne schlechte Provokation sein? Man bekommt nicht jeden Tag Post von rechts aussen. Und warum um alles in der Welt Du? Der Kabas auch noch...



fragender MV
















von Martin V - am 10.01.2001 14:11

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Cato der Patrone (Padrone) am 10. Januar 2001 18:13:47:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Martin V am 10. Januar 2001 15:11:16:
>Das

>

>gibts ja nicht. Soll das ne schlechte Provokation sein? Man bekommt nicht jeden Tag Post von rechts aussen. Und warum um alles in der Welt Du? Der Kabas auch noch...

>

>fragender MV
Wenn ich das wüsste ?

Das muß ich aber den Kabas fragen ;]




Cato der Patrone (Padrone) alias Wolfg@ngK.














von Cato der Patrone (Padrone) - am 10.01.2001 17:13

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Martin V am 10. Januar 2001 19:18:51:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Cato der Patrone (Padrone) am 10. Januar 2001 18:13:47:
Das muß ich aber den Kabas fragen ;]



;) Genau deshalb solltest Du zu diesem Treffen (als verdeckter Ermittler) trotten Wolfgang!



MV


















von Martin V - am 10.01.2001 18:18

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Kay S am 10. Januar 2001 21:51:04:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Martin V am 08. Januar 2001 16:32:10:
Hallo Martin,
zunächst ein Frohes Neues!
Seltsamerweise auch kein Kommentar zu "esse est percipi" (von Berkeley). Entweder hat Berkeley den Weltknoten gelöst, oder er ist nur noch komplizierter durch ihn geworden ;)
Ich hatte mir tatsächlich einmal überlegt, ob ich einen lapidaren Kommentar zu Berkeleys Reflexionen hier hinstelle, es aber dann gelassen.
Nun tue ich es doch, da Du sehr an unseren Mut appelierst:
man kann von einem geschlossenen System ausgehen und mit jeder gedanklichen Bewegung seine Geschlossenheit bestätigen. Nun ist das aber nicht die wirkliche Absicht des Bischoffs, denn der will uns zu Gott führen, das System also doch irgendwo öffnen. Wenn man das nun macht und man muss es tun, soll es nicht ganz in der Luft hängen und einfach so da sein, als hätte es Becket erfunden, dann gibt es zu Gott natürlich eine Alternative: die Materie.

Wo wir wieder da wären, wo wir begonnen haben.
Wenn wir uns dafür entscheiden, es zu öffnen, bricht die Tautologie zusammen. Solange wir uns in der Tautologie bewegen existiert der Weltknoten nicht, aber die Entscheidung zu springen, wird irgendwann fällig. Bislang hat sie noch jeder getroffen, auch Berkeley.
Gruß Kay


















von Kay S - am 10.01.2001 20:51

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Martin V am 11. Januar 2001 15:32:17:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Kay S am 10. Januar 2001 21:51:04:
Grüsse Kai,



zunächst ein Frohes Neues!
Wünsche ich auch Dir Kai. Hoffen wir das Beste für dieses Jahr.
Ich hatte mir tatsächlich einmal überlegt, ob ich einen lapidaren Kommentar zu Berkeleys Reflexionen hier hinstelle, es aber dann gelassen.


Ich wollte auch nicht mehr, als diesen Text mal ins Forum stellen. Dies nämlich analog zum "Fluid-Talk" Akreos, es wäre nur "Wahrnehmung" wirklich. Nicht aber "Wahrnehmung von"



Nun tue ich es doch, da Du sehr an unseren Mut appelierst:
Nee, wollte nur mal Wissen, was man denn von Berkeley allgemein hält. Aber Du hast Mut ;)
Man kann von einem geschlossenen System ausgehen und mit jeder gedanklichen Bewegung seine Geschlossenheit bestätigen. Nun ist das aber nicht die wirkliche Absicht des Bischoffs, denn der will uns zu Gott führen, das System also doch irgendwo öffnen.
Wenn ich seine Theistischen Üblerlegungen mal ignoriere die da heissen, dass wenn seine "Formel" esse est percipi zutrifft, müsse auch der Wahrnehmende wahrgenommen werden, damit der Wahrnehmende "ist". Natürlich ist dieser Gedanke ähnlich dem, ob ein Baum der im Walde umfällt, tatsächlich krach macht. Manche verarschen dann Berkeley und antworten: Da ist ein Gott, der hört das schon.
Berkeley war einer der ersten Konstruktivisten. Dabei nähert er sich aber mehr einem Phänomenologischen Konstruktivismus. Deshalb kann er doch kein Konstruktivist sein und mein erster Satz in dieser Zeile ist falsch.
Doch er zeigte damit die Schwächen des Konstruktivismus auf: Es wird zwar davon gesprochen, die "Welt" sei eine Konstruktion des Gehirns (energetisch offen, operational geschlossen), so ist das Gehirn, untersucht und Ableitungen gemessen, nun denn auch nicht mehr als "meine Vorstellung" um mit Schopenhauer zu sprechen. Der "Weltsimulator" Gehirn ist bei manchen Konstruktivisten seltsamerweise nicht in der Simulation enthalten. Ein seltsamer und unsinniger Schluss mancher Konstruktis. Berkeley hat, so denke ich, diese Strömung vorweggenommen und zeigte auch schon implizit die seltsamen und expliziten Fehler in den Überlegungen heutiger Konstruktivisten und Systemtheoretiker.
Geschlossenheit (oder das "nicht aus dem Gehirn treten können um zu Beobachten kurz: Beobachten ohne zu beobachten") ist ja nichts schlimmes. Schlimm wird es bei Berkeley, wie Du schreibst, wenn er von einem Beobachter spricht, der den Beobachter beobachten muss, damit dieser "sei". Dieser Beobachter sei Gott. In der Kybernetik 2. Ordnung aber braucht es auch diesen anderen Beobachter nicht mehr - es ist der Prozess der Beobachtung selbst, der in sich "einen blinden Fleck" trägt. Die Beobachtung der Beobachtung spaltet analog zum Distinktionskalkül in eine Welt in Teile, die wiederum in diese Welt eingeführt werden. Das funktioniert und es braucht hierbei keinen Gott.



Wenn man das nun macht und man muss es tun, soll es nicht ganz in der Luft hängen und einfach so da sein, als hätte es Becket erfunden, dann gibt es zu Gott natürlich eine Alternative: die Materie. Wo wir wieder da wären, wo wir begonnen haben. Wenn wir uns dafür entscheiden, es zu öffnen, bricht die Tautologie zusammen. Solange wir uns in der Tautologie bewegen existiert der Weltknoten nicht, aber die Entscheidung zu springen, wird irgendwann fällig. Bislang hat sie noch jeder getroffen, auch Berkeley.



Ich denke, diese Tautologie ist zu überspringen, doch nicht zu öffnen. Genau dies ist es, was Rössler tut. Nicht der Weisheit letzter Schluss, auch keine Erklärung, was Bewußtsein ist, aber ein Schritt in die erstmals richtige Fragestellung bezüglich Schopenhauers Weltknoten: Wie erkennt ein "Subjekt" ein Objekt in der Distanz von sich ("in der Distanz von sich" ist hierbei nicht mehr als eine Illusion - eine Gaukelei.)
Naja, etwas wirr dieses Posting, aber ich muss mich wieder etwas in dieses Thema eingewöhnen. Ward in letzter Zeit auf nem anderen Gebiet studierend.
Wie läuft es mit Mimesis? Würde mich brennend interessieren.



Cheers,

MV
















von Martin V - am 11.01.2001 14:32

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Zettel am 15. Januar 2001 00:29:58:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Martin V am 08. Januar 2001 16:32:10:
>

>Schoppenhauer ?

>Schoppen + Hauer =

>Bier + Hauer =

>Schoppen + zuschlagen =

>So Weltknoten. Hast deine Pause gehabt, weiter gehts.

>

>Traut sich wohl niemand, sich hier einzutragen. Seltsamerweise auch kein Kommentar zu "esse est percipi" (von Berkeley). Entweder hat Berkeley den Weltknoten gelöst, oder er ist nur noch komplizierter durch ihn geworden ;)

>Wir werden sehen.

>

>MV
Berkeley geht, wie Descartes, vom reflektierenden Individuum aus. Die Evolution ist aber nicht vom reflektierenden Individuum ausgegangen, sondern von der Zelle und später dem Organismus, der sich in ständiger Interaktion mit seiner Umwelt befindet. Diese Interaktion bedurfte über einige Millarden Jahre überhaupt keiner Wahrnehmung; Reize wurden verarbeitet, indem auf sie reagiert wurde. Die Fähigkeit zur Wahrnehmung - d.h. zu einer Tätigkeit der Informationsaufnahme, die nicht in sofortige Aktion mündet, sondern in Gedächtnisinhalten, die raum-zeitlich kodiert werden und später verhaltensleitend wirken können - diese Fähigkeit ist rudimentär bei niederen Wirbeltieren vorhanden, dort aber in der Regel an bestimmte Verhaltensstrukturen gebunden (Beutefang, Vogelzug und dergleichen). Ein universell nutzbares "Modell der Welt" dürfte eine Errungenschaft der frühen Säugetiere sein, die es zur Steuerung ihre Nachtaktivität brauchten. Zur Aktualisierung dieses internen Modells hat sich parallel die Orientierungsreaktion herausgebildet. Diese könnte - nach meiner Auffassung - die evolutionäre Grundlage von Bewußtsein sein.
Irgendwann, evolutionäre Äonen später, hat das zu Gehirnen geführt, die die seltsame Idee ausbrüten konnten, daß die Welt ihr Konstrukt ist und nur insofern existiert, als sie sie wahrnehmen (bzw. Gott, der bei Berkeley ja genauso einspringen muß wie bei Descartes).
Herzlich und nostalgisch
Zettel



















von Zettel - am 14.01.2001 23:29

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Sven am 15. Januar 2001 18:16:36:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Zettel am 15. Januar 2001 00:29:58:
Grüße!
Berkeley geht, wie Descartes, vom reflektierenden Individuum aus. Die Evolution ist aber nicht vom reflektierenden Individuum ausgegangen, sondern von der Zelle und später dem Organismus, der sich in ständiger Interaktion mit seiner Umwelt befindet. Diese Interaktion bedurfte über einige Millarden Jahre überhaupt keiner Wahrnehmung; Reize wurden verarbeitet, indem auf sie reagiert wurde.
Schwieriger Anspruch - erneut ist hier das große Problem, das Problem schlechthin eigentlich, die Grenze zwischen "bewußt" und "unbewußt" zu ziehen. Es wurde fast nie einfach nur auf einen Reiz reagiert. Denn bereits hier ist ein Zwischenschritt vorgegeben: der Unterschied zwischen dem Reizerfassen und dem Reizreagieren. Ganz zu Anfang war sicherlich die Reaktion auf den Reiz das eigentliche Reizerfassen: so zum Beispiel ein UV-Quant direkt die DNA modifiziert hat und die Reaktion einfach die entstehende Mutation war. Doch bereits simple Reizverarbeitung von relativ einfachen Einzellern hat einige Einzelstufen: z. B. mag also ein Lichtquant über Rhosopsin erfaßt werden, dieses dann zu einem geänderten Elektronenpotential führen und so andere Aktionen (z. B. geänderte Flagellenaktivität) erwirken.

Aber hier haben wir bereits eine Kopplung zweier unabhängiger Effekte über eine "willkürliche" Brücke, eine "willkürliche" Erschaffung von Kausalität. Denn es ist sicherliche nicht der "einzige wahre Sinn" (die Idee in einem Pseudo-Plato-Sinn sozusagen" des Rhodospin zu einer geänderten Flagellenaktivität zu führen.
Und mir scheint darum geht es vor allem in der Evolution der Wahrnehmung: die verschiedenen Schritte, welche zu den inzwischen vorliegenden Kopplungen der Reize und der Reaktionen auf die Reize (welche wiederum zu verarbeitende Reize auslösen) zu erfassen.
Und dann zu beschließen, ab welcher Komplexität hier etwas bewußt passiert ;-)
Die Fähigkeit zur Wahrnehmung - d.h. zu einer Tätigkeit der Informationsaufnahme, die nicht in sofortige Aktion mündet, sondern in Gedächtnisinhalten, die raum-zeitlich kodiert werden und später verhaltensleitend wirken können - diese Fähigkeit ist rudimentär bei niederen

Wirbeltieren vorhanden, dort aber in der Regel an bestimmte Verhaltensstrukturen gebunden (Beutefang, Vogelzug und dergleichen).
Die zeitliche Verzögerung und die Speicherung früherer Reizerfassungen scheint wirklich eine der wichtigsten Eigenschaften des Bewußtseins zu sein. Trotzdem möchte ich hier darauf hinweisen, daß auch das schon in recht einfachen Systemen auftreten kann: so mag das Rhodospin ausbleichen . . . .

Ich möchte hier wirklich nicht polemisieren, sondern nur daran erinnern, daß "Verhalten" ein schwammiger Begriff ist. Es ist sehr schwierig, zwischen Automatismus und Verhalten zu differenzieren.
Ein universell nutzbares "Modell der Welt" dürfte eine Errungenschaft der frühen Säugetiere sein, die es zur Steuerung ihre Nachtaktivität brauchten. Zur Aktualisierung dieses internen Modells hat sich parallel die Orientierungsreaktion herausgebildet. Diese könnte - nach meiner Auffassung - die evolutionäre Grundlage von Bewußtsein sein.

Irgendwann, evolutionäre Äonen später, hat das zu Gehirnen geführt, die die seltsame Idee ausbrüten konnten, daß die Welt ihr Konstrukt ist und nur insofern existiert, als sie sie wahrnehmen (bzw. Gott, der bei Berkeley ja genauso einspringen muß wie bei Descartes).
Och, mir erscheint das als Tatsache.
Zumindest der erste Schritt

- Wahrnehmung definiert Weltbild, somit ist jedes Bild der Welt von der Wahrnehmung abhängig -

versteht sich von selbst, oder?
Der zweite Schritt

- ich habe das Bild der Welt und somit wird die Welt so wie mein NBild von ihr -

ist eine Meile davon entfernt.
Und rationell leider immer noch nur durch drei mögliche Punkte nachvollziehbar:

1) ich sehe die Welt so, wie sie ist und verändere sie durch meien Aktionen immer mehr auf dieses Bild hin

2) die Welt ist per se nur in meinem Kopf, ein reines Hirngespinst. Womit mein Bild der Welt einfach bloß die Welt ist

3) die Physik unseres Universums ist wirklich unbedingt abhängig von einem beobachtenden Bewußtsein und somit bestimmt mein Bild der Welt die Welt wirklich auf sehr kleiner Ebene
Ehrlich gesagt sagt mir keine der drei Möglichkeiten sonderlich zu. Während mir die erste gegen mein empirisches Herz geht, ruiniert mir die zweite meine Hoffnungen und Träume und die dritte erzwingt ein so massives Umdenken in der Naturwissenschaft und vor allem in der Naturgeschichte (!), daß mir angst und bange wird . . .
Herzlich und nostalgisch

Zettel
Grüße, Sven


















von Sven - am 15.01.2001 17:16

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Doro am 31. Januar 2001 22:14:37:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Sven am 15. Januar 2001 18:16:36:
Liebe Grüße an alle!
Beim Nachschauen sehe ich, dass es Euch noch gibt hier in Martins Forum!

Das freut mich sehr.

Und die Welt- und Bewusstseinserklärungen lassen schöne alte Erinnerungen wachwerden.
Ich möchte zum Thema einen Diederichsen-Text zitieren, da ich das Bewusstsein und die Welt gerade nicht erklären kann...


Je kleiner der Mensch, desto größer die Welt

Über erste Theorien · Von Diedrich Diederichsen
Das nächste Mal kommt wieder das Denken der Straße und der Stadt zur Welt. Heute die Theorien von Kindern. Die machen aber nur Theorien, wenn sie genügend Vertrauen zu Haus und Garten entwickeln. Schon früh beginnt man, sich die Welt zu erklären. Die ersten Theorien sind von schon vorhandenen Lehrgebäuden noch wenig beeinflußt. Man mag die Eltern nach Gott und dem Tod fragen, aber da man keine wirklich befriedigenden Antworten erhält, begreift man, daß es nun von den eigenen Erklärungen abhängt, ob man sich gegen die bohrenden und ungeklärten Fragen ein bißchen Seelenfrieden verschaffen kann. Eine gute Theorie entscheidet nun darüber, ob man nachts schlafen kann.
Erstaunlich ist, wie viele kleine Kinder in dieser Zeit diese Theorie entwickeln: Alle Menschen müssen sterben, okay, das kann man akzeptieren, es scheint wirklich so zu sein. Es gibt Erfahrungswerte. Aber dies trifft ja nur auf die Vergangenheit zu, vorwiegend auf alte Menschen. Ich bin aber der erste Mensch, der unsterblich sein wird. Dessen bin ich ganz sicher. Keine Ahnung, woher die Kinder das so genau wissen, aber wenn sie erwachsen sind, erinnern sie sich noch genau daran, diesen Gedanken gehabt zu haben.
Kindliche Theoriebildung hat sehr viel mit Geltungsbereichen zu tun. Für wen oder was soll meine Theorie gültig sein? Da die soziale Differenzierung noch nicht weiter geführt hat, als Kinder, mit denen man spielen darf, von denen zu unterscheiden, mit denen man besser nicht spielen sollte, tendieren die Theorien der Kinder dazu, das ganze Universum erklären zu wollen. Auch wenn die Klassenkämpfe unter Kindern heute härter sind als zu meiner Kinderzeit: Es gibt noch keine Grenze für ihren Einzugsbereich. Je kleiner der Mensch, desto größer seine Welt. Kinder müssen Unendlichkeit erklären, Erwachsene machen sich Gedanken über den Unterschied von Mitte und Prenzlauer Berg. Und die Pointe einer Kindertheorie ist meistens eine punktuelle Einschränkung ihres Geltungsbereiches. Ein anderer kleiner Junge glaubte zum Beispiel, daß alle Frauen, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, Männer werden. Seine Großmutter war aber die erste Frau, für die diese Theorie nicht galt.
Eine meiner liebsten Kinderkosmologien ist inzwischen von einem berühmten Physiker - als denkbar - bestätigt worden. Alles passiert, was passieren könnte. Aber die Konsequenzen können uns egal sein, weil sie nur in einem von unendlich vielen Paralleluniversen stattfinden. Jedesmal, wenn etwas geschehen ist, das auch anders ausgegangen sein könnte, entsteht ein neues Paralleluniversum, jede knappe Entscheidung fällt auch anders und gebiert eine neue Welt. Unser Bewußtsein bleibt aber immer in der Welt, in der es für uns noch am besten ausgegangen ist. Wir bleiben immer da, wo es gutgegangen ist, und leben da weiter. Aber die Schicksale aller anderen um uns herum sind nicht immer die jeweils günstigsten. Wir gehen also davon aus, daß wir von diesen anderen nicht die Version sehen, die in der für sie besten Welt geblieben ist, sondern irgendeine zwischen bestmöglich und schlimmstmöglich. Nur das reflexive Ich lebt also in der besten der möglichen Welten - alle anderen je nach Zufallsverteilung in irgendeiner Welt dazwischen - jedenfalls von uns reflexiven Ichs aus gesehen.
Der Widerspruch war immer der, daß, wenn ich in der besten möglichen Welt für mich lebe, die anderen, die das nicht tun, entweder nicht authentisch reflexive Ichs besitzen - oder daß es doch anders laufen könnte. Daß man nur bis zu einem bestimmten Punkt mit seinem Bewußtsein im richtigen Universum landet - und dann irgendwann doch nicht oder nicht mehr selbst entscheiden kann. Schließlich werden auch Bürgerkinder zuweilen krank. Muß man dann doch in das Universum, wo man mit dem Auto angefahren wird und an Krücken gehen muß? Oder kann man doch ewig auf der richtigen Seite bleiben, und die kleinen Kümmernisse sind immer noch bestmögliche Lösungen? Und kann man zwischen den auf verschiedenen Entscheidungen basierenden Universen kommunizieren?
Jedenfalls hat vor ein paar Jahren in der "Zeit" ein Outsider- Wissenschaftler, nein, keine Eso-Type, genau diese Kosmologie vertreten. In dem Artikel stand, daß die Mehrheit der Zunft zwar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, es gäbe aber auch ernst zu nehmende Kollegen, die das erwägenswert fänden. Natürlich meinten die nur den Paralleluniversumsteil. Meine Kinderkosmologie läuft aber ja im Prinzip darauf hinaus, daß "Ich-denken-Können" zur Unverwundbarkeit und Unsterblichkeit führt. Daß leidende Mitmenschen irgendwie nicht ganz wirklich sind, Leid immer nur in der nicht endgültigen und nicht ganz gültigen Version des Universums vorkommt, derjenigen, gegen die sich das Bewußtsein entscheiden kann. Interessanterweise ist es bei Erwachsenen ja genau umgekehrt: Sie halten nur Leid für wirklich authentisch und können den anderen nur in seinem Leid anerkennen. Oft nicht einmal dann, seufzen jetzt viele. Seine Majestät das Kind lebt dagegen immer in "Truman's World" und denkt - auch diese Welterklärung ist ja bei Kindern immens verbreitet -, daß die anderen nur Staffage und Statisten in dem Film "Mein Leben" sind. Wenn der Geltungsbereich meiner Theorie alles umfaßt, trifft er eigentlich doch nur auf mich zu. Alles für mich. So ähnlich ja auch der Tausend-Theorien-Autor Fichte.
Am tröstlichsten wäre dann vielleicht doch die erste Theorie, an die ich mich erinnern kann. Das Leben nach dem Tode gleicht dem Leben davor. Das Leben auf der Erde ist nur eine Unterbrechung. Vor und nach dem Tode hält man sich aber in einer Welt auf, die aussieht, wie wenn man mit Legosteinen baut, aber ohne etwas Konkretes, ein Haus etwa, zu bauen, sondern wenn man ungegenständlich willkürlich, ja rein ästhetisch geleitet Legosteine aufeinanderschichtet. Die Ewigkeit - das sind abstrakte Legowelten. Japanische Architekten ahnen manchmal etwas von der Wahrheit dieser Theorie. Sie gilt nämlich überall, und man kann auch andere Steine benutzen, wenn sie nur entsprechend glatt sind. Alle diese Theorien stammen von weitgehend behütet aufwachsenden Kindern. Und denkt nicht jeder, auch der nichtjapanische Architekt, gerne so, als würde er von einer Welt ausgehen, in der er, weitgehend ohne lästige Nebenbedingungen, mit Häusern das Modell wie die konkreten Bedingungen von Glück schaffen kann - und damit die Voraussetzungen der hier referierten Theorien. Und führt diese Behütetheit irgendwie zwangsläufig zu Erinnerungen an und Hoffnungen auf abstrakte Ewigkeiten?
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
zitiert von: [www.u3000.de]


Liebe Grüße und Euch allen das Beste wünschend
Doro


















von Doro - am 31.01.2001 21:14

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Michael Hellmanzik am 08. Februar 2001 23:01:29:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Doro am 31. Januar 2001 22:14:37:
Je kleiner der Mensch, desto größer die Welt
*grins*


















von Michael Hellmanzik - am 08.02.2001 22:01

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Wolfg@ngK. am 09. Februar 2001 04:50:06:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Michael Hellmanzik am 08. Februar 2001 23:01:29:
>Je kleiner der Mensch, desto größer die Welt

>*grins*
Dann muß die Welt rießengroß sein da du dies bemerkst.



















von Wolfg@ngK. - am 09.02.2001 03:50

Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten

Geschrieben von Martin V am 09. Februar 2001 18:21:17:
Als Antwort auf: Re: Berkely, Schopenhauer und der Weltknoten geschrieben von Wolfg@ngK. am 09. Februar 2001 04:50:06:
Dann muß die Welt rießengroß sein da du dies bemerkst.



Böse, Wolfgang, böse! ;)

Sah erst jetzt, dass sich Doro eingetragen hat. Auf diesen Weg einen lieben Gruss! Das waren noch Zeiten.
So, die Umgestaltung der HP ist fast abgeschlossen (man sieht nicht wirklich was, aber es war etwas zeitaufwenig).
Somit: Auf, auf, Besucher hab` doch genug auf meiner HP. Also eintragen, diskutieren, konstruktiv streiten.
Wolfgang, wie ward die Demo?



MV

















von Martin V - am 09.02.2001 17:21
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