Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Red Blue Devils Poeten Forum
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Betty Bossi

Fußball ist ungesund

Startbeitrag von Betty Bossi am 13.11.2003 19:54

Fußball ist ungesund

Die Glosse

Eigentlich erschreckend, was ständig aus den Lazaretten des Berufsfußballs vermeldet wird, wären wir nicht längst abgestumpft vor lauter Meldungen. Wir horchen nur noch kurz auf, wenn die Krankschreibungen wahrlich epidemische Ausmaße annehmen, wie jüngst bei Borussia Dortmund, wo die Ausfallquote wochenlang bei mehr als 50 Prozent lag.


Wenn ich schätzen müsste, säße durchschnittlich ein Drittel aller Fußballprofis aus gesundheitlichen Gründen auf der Tribüne, falls ihnen der Arzt wenigstens das erlaubte.


Leistungssport, zumal Berufsfußball, hat offenbar nur insoweit mit Gesundheit zu tun, als er in höchstem Maße ungesund ist. Auf den ersten Blick scheint da selbst Leistungsrauchen gesünder. Der volkswirtschaftliche Schaden, den die maladen Edelkicker selbst auf den besten Tribünenplätzen anrichten, ist allerdings verschwindend gering, sofern die Vereinsaktien nicht breit gestreut sind.


Anfangs dachte ich immer so bei mir, was will etwa der FC Bayern München mit dieser Unmenge an Spielern? Die treten sich ja gegenseitig auf die Füße. Aber jetzt ist mir klar: Da wird per se mit barbarischem Krankenstand gerechnet.


Und trotzdem stellt sich bisweilen raus, dass noch viel zu knapp kalkuliert wurde. Wie oft hört man nämlich vom notgedrungenen Griff ins Amateurreservoir.


Die Jungs - auch die Millionäre unter ihnen - tun mir jedenfalls allesamt Leid. An derartigen Ausfallraten können letztlich nur drei Sorten Leute schuld sein, nämlich Trainer, Ärzte oder Schiedsrichter, wahrscheinlich alle drei im Verein. Was vergibt sich ein Spielleiter, wenn er eher eine Brutalität zu viel ahndet als zehn zu wenig?


Sollte allerdings die Härte - nach Maßgabe des Kernspruchs "Fußball ist Männersport" - vom System, also von Herrn Blatter, Herrn Beckenbauer und Herrn Netzer gewollt sein, ist der Schiedsrichter natürlich außen vor. Dann sind nämlich die Siechenraten insoweit gewollt.


Blieben am Ende nur noch Trainer und Arzt, die sich gegen die Seuche stemmen könnten, und zwar durch noch verantwortlicheren, noch qualifizierteren Umgang mit ihrem Spielermaterial. Aber geht das überhaupt: Noch qualifizierter?


Artikel erschienen am 14. Nov 2003
© WELT.de 1995 - 2003

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.