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vor 14 Jahren, 7 Monaten
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Betty Bossi

Calmund und ein Schweizer

Startbeitrag von Betty Bossi am 12.12.2003 23:12

Leverkusens Manager Reiner Calmund will sich langsam aus dem Fußballgeschäft zurückziehen. Es ist ein Versuch

Daniel Theweleit

LEVERKUSEN, 12. Dezember. Wenn er loslegt, ist er immer noch kaum zu bremsen. Dann mag man kaum glauben, dass Reiner Calmund dabei ist, sich langsam zurück zu ziehen aus seinem Fußball-Alltag. "Ich probiere schon seit längerem, die Ära nach Calmund zu organisieren", erzählt der Manager von Bayer Leverkusen. Es ist ein Versuch. Denn der Rückzug fällt ihm wohl noch schwerer als die zahlreichen Diäten, die er begonnen und wieder abgebrochen hat.
Doch seit Saisonbeginn taucht der Mann immer seltener vor den Mikrofonen und Fernsehkameras auf, ein erster Schritt. Der Klassenerhalt in der vorigen Saison und die Erfolge des laufenden Jahres sind wohl so etwas wie die Vollendung seiner Mission beim Werksklub. "Wir haben in den vergangenen Jahren das Plastik-Image abgestoßen, wir sind ein familiärer Klub, der hochmodern strukturiert ist. Wir gehören zur G14, zu den wichtigsten Klubs Europas", sagt er und klingt, als müsse er den Klub immer noch gegen den Vorwurf verteidigen, eine gesichtslose Betriebself zu sein.

Calmund, 55, ist ein Kämpfer für das Bayer-Image, aber in der letzten Saison hat er gemerkt, dass der Stress seiner Gesundheit enorm abträglich ist. "Das steckt in den Knochen", erzählt er, und mit einem Hauch Melancholie fügt er an: "Ilja Kaenzig hat einen großen Vorteil mir gegenüber: die Zukunft. Die habe ich leider nicht mehr." Kaenzig ist sein designierter Nachfolger. "Wir bauen da einen Kronprinzen auf", sagt Calmund. Er schwärmt von dem 30-jährigen Schweizer, der seit 1998 in Leverkusen arbeitet. "Er spricht vier Sprachen, ist fest installiert in der G14, und er macht das Scouting. Der kann Fifa-Präsident werden", verkündet der Mentor.

Tatsächlich gilt Kaenzig als Fußballwunderkind. Mit 22 versuchte er sich als Spielervermittler und bot Erich Vogel, damals Sportdirektor bei Grasshoppers Zürich, ein paar Akteure an. Die wollte Vogel nicht, aber angetan von der innovativen Präsentation bot er Kaenzig einen Job an. Vier Jahre später holte Calmund den Betriebswirt als Nachfolger von Andreas Rettig an seine Seite. Dort reifte der Schweizer zum Prototypen des Fußball-Managers der jüngeren Generation.

"Die charismatischen Dinosaurier wie ich, Uli Hoeneß oder Rudi Assauer sterben langsam aus", sagt Calmund. "Das Geschäft ist so komplex geworden, dass die Allrounder-Funktion nicht mehr möglich ist", sagt Kaenzig selbst. Es sei "eine große Spezialisierung nötig, einer der versucht, heute alleine zu lenken, ist schnell überfordert". Der Trend hin zu betriebswirtschaftlich ausgebildeten Funktionären ist ein Merkmal der Professionalisierung des Fußballgeschäftes. Auffällig dabei, dass die neue Generation von kühl kalkulierenden Typen beherrscht wird; die Strahlkraft der Dinosaurier geht den Rettigs, Rummenigges, Beiersdorfers ab. Calmund sagt: "Durch den täglichen Druck, dreißig Scheinwerfer links, rechts, kann man sich nicht mehr geschützt entwickeln. Deswegen wachsen weniger charismatische Figuren mit weniger Angriffsflächen heran."

Bei Bayer folgt selbst die Besetzung der Trainerposten dem neuen Zeitgeist. Nach Christoph Daum und Klaus Toppmöller amtiert nun der schweigsame Klaus Augentaler. Ob dem Klub das gut tut? Meinolf Sprink, Sportbeauftagter der Bayer AG meint, mit dem Tandem Kaenzig/Augenthaler sei "eine andere emotionale Schlagzahl drin". Deshalb wollen alle, dass Calmund dem Klub erhalten bleibt. "Der wird hier eine Vaterfigur bleiben, wie Beckenbauer bei den Bayern", sagt Kaenzig. Vermutlich hat er recht: Das Leben des Reiner Calmund ist ohne Fußball ohnehin kaum vorstellbar.

Quelle: www.berlinonline.de

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