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vor 14 Jahren
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Betty Bossi

Gerald Houllier zur EM

Startbeitrag von Betty Bossi am 22.06.2004 11:57


EM-Zwischenbilanz

"Das Tempo beeindruckt"

Die Uefa kümmert sich bei der EM in Portugal nicht nur um Fouls und Spuck-Attacken. Ein eigenes Team befasst sich zum Beispiel mit spielerischen Trends.
Interview: Christoph Biermann


Gerald Houllier, 56, ist Mitglied der Technical Study Group. Dieser Kommission der Uefa unter Vorsitz des Schotten Andy Roxburgh gehören acht ehemalige Nationaltrainer an, darunter auch Berti Vogts. Sie dokumentiert die sportliche Seite des Turniers, macht Spielbeobachtungen, führt Gespräche mit Trainern und Spielern und analysiert taktische Entwicklungen.


SZ: Wie bewerten Sie die bisherige Qualität des Turniers?


Houllier: Ich bin inzwischen der Ansicht, dass es schwieriger ist, die EM zu gewinnen als die WM. Die Geschwindigkeit hat mich bisher wirklich beeindruckt. Selbst die Nachmittagsspiele hatten das gleiche Tempo wie die Partien am Abend, allerdings aufgrund der Temperaturen nicht über die gesamte Spielzeit. Außerdem ist es auffällig, dass es kaum einseitige Partien gegeben hat.


SZ: Nicht einmal der vermeintliche Außenseiter Lettland ist abgefallen.


Houllier: Ich bezweifle zwar, dass sie sich noch fürs Viertelfinale qualifizieren, aber sie sind noch im Rennen. Sie sind schnell in der Spitze, und das sorgt immer für Probleme. Dieser Bursche, der für Lettland vorne spielt, verdient genauere Betrachtung.


SZ: Verpakovskis hätte Deutschland in große Verlegenheit bringen können.


Houllier: Ja, Deutschland hätte das Spiel gegen Lettland zwar in den ersten 35 Minuten entscheiden können, aber nachdem die Letten diese Phase überstanden hatten, bekamen sie ihrerseits Chancen. Die Spiele sind sehr verteilt.

Auch England hatte gegen Frankreich gute Abschnitte, die Schweden haben gegen Italien die zweite Luft bekommen. Für die Ausgeglichenheit spricht auch der Umstand, dass, hätte Tschechien gegen Holland nicht in der letzten Minute getroffen, keine Mannschaft nach dem zweiten Spiel qualifiziert gewesen wäre.


SZ: Wie groß ist der Vorteil für die Tschechen, dass sie nun kürzer treten können?


Houllier: Viele Mannschaften wären gerne in deren Position. Frankreich musste bei der EM "96 im dritten Gruppenspiel gewinnen und war dann gegen Tschechien müde. Zwei Jahre später konnten sie im dritten Spiel Einige ausruhen lassen und wurden Weltmeister.


SZ: Gibt es schon taktische Trends?


Houllier: Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen, ich kann allenfalls über einzelne Spiele reden. Holland gegen Tschechien war das spektakulärste Spiel, auch wenn die Niederlage für die Niederlande vielleicht nicht verdient war. Diese Begegnung hat sich zweifellos in die Geschichte des Wettbewerbs geschrieben. Auch Italien gegen Schweden war ein offener Schlagabtausch.


SZ: Die Zahl der Tore ist bislang zwar etwas höher als früher, aber der Trend könnte dahin gehen, nur noch mit einer echten Spitze zu spielen.


Houllier: Offensichtlich spielen inzwischen viele Teams mit einem Stürmer vorne und einer hängenden Spitze dahinter. Es gibt mehr Formationen, die man als 4-1-4-1 oder 4-4-1-1 beschreiben könnte. Außerdem ist es auffällig, dass weder Pauleta, noch Owen, Raúl, Henry oder Vieri anfangs getroffen haben.


SZ: Gibt es eine Erklärung dafür?


Houllier: Sobald ein Team den Ball verliert, bildet sich eine Art defensives Quadrat vor dem Strafraum, dann gibt"s kaum ein Durchkommen. Selbst mit Flanken nicht, wie man gegen die Letten sehen konnte. Es ist sehr schwer, in der Mitte durchzukommen.

(SZ vom 22.6.2004)

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