Scotty in dr BaZ

Startbeitrag von Fanti am 23.07.2004 06:21

Fir die wo's noonig gsee hänn: do dr "Scotty-Artiggel" us dr BaZ vo hitte. :spos:


Die Energie, die im Chipperfield-Motor steckt

Der FC Basel bestreitet heute gegen Neuchâtel Xamax (19.30 Uhr/St.-Jakob-Park) sein zweites Spiel der Super-League-Saison 2004/2005. Im linken Mittelfeld wird Scott Chipperfield wieder seine Kilometer abspulen - mit dem ihm eigenen bedingungslosen «commitment».


Basel. Noch wartet das Bild auf die passende Wand im Hause Chipperfield; gerahmt ist es schon, signiert auch. Alle Spieler des FC Basel der Meistersaison 2003/2004 haben jenes Foto unterschrieben, das Scott Chipperfield (28) zeigt, wie er dynamisch-dominant seinen grösseren Gegenspieler Kader Mangane von Neuchâtel Xamax überspringt. Christian Gross hat die Aufnahme in der vergangenen Meisterschaft zum Symbolbild für die Spielweise des FC Basel erhoben und sie dann seinem «player of the year» geschenkt. «Am Anfang genierte ich mich ein wenig, dass ich die ganze Zeit als Beispiel dienen sollte», sagt Scott Chipperfield. Aber er weiss natürlich am besten, wie Scott Chipperfield Fussball spielt.
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Scott war ein sportbegeistertes Kind. «Mit vier Jahren zeigte er sein Talent sowohl im Cricket wie auch im Fussball», sagt Vater Kenneth über seinen einzigen Sohn, nachzulesen auf www.heroes.ch. Dale Chipperfield, die Mutter, ergänzt, dass Scott entweder mit dem Fuss- oder dem Cricketball die Latten aus dem heimischen Zaun geschlagen oder die Fensterscheiben der Garage zertrümmert habe. Die Spiele unter Freunden in der Heimatstadt Wollongong (45 Minuten südlich von Sydney) hätten, so der Sohn heute, bisweilen recht «wettkampfnahen Charakter» angenommen. Zudem habe er, wie sich die Mutter erinnert, «wie die meisten Jungen gerne auch leidenschaftlich auf seinen beiden Schwestern herumgehackt».
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Auch heute in Basel sind halbe Sachen nicht Chipperfields Sache. Sein bedingungsloses «commitment» ist sein Markenzeichen geworden. «Es kann sein, dass andere die bessere Technik haben als ich», sagt Chipperfield, «aber ich kann weniger gut verlieren als sie.» Fussball ist Arbeit für Scott Chipperfield, und Arbeit soll auch Spass machen. Dementsprechend geht er auf den Platz und bringt ein, was er hat. Also alles. Trainieren kann man diese vollumfängliche Bereitschaft vermutlich nicht. Der Chipperfield-Motor ist kein Einbauaggregat, seine Kraft ist Naturenergie pur.
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Chipperfields erster Fussballtrainer im Bellambi Junior Soccer Club hiess Fritz Hebben, er war der Vater eines Teamkollegen. «Scott war winzig», erzählt Hebben, «zwischen seinen Hosen und den Socken sah man knapp die hervorstehenden Kniescheiben.» Der kleine Knirps spielte als Fünfjähriger bei den Siebenjährigen, und er hatte keine Angst vor den Grossen. Hebben erinnert sich noch gut an ein Spiel in einem Ort namens Figtree. Der Rasen war nicht geschnitten, «es war war hart für die Kinder». In der Halbzeitpause entschied sich Scott, ein Nickerchen im hohen Gras einzulegen. Hebben: «Wir verbrachten die nächsten paar Minuten damit, ihn zu suchen.»
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«Relax» heisst Chipperfields Motto, wenn er nicht arbeitet. Auf dem Platz ist Chipperfield die australische Antwort auf den furchlosesten aller Duracell-Hasen, aber wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat, ist Feierabend. Beim Abschalten kennt Chipperfield kein Pardon, ein «paar Bierchen» dürfen es dann gerne sein. Oder ruhige Stunden mit seinem fünf Monate alten Sohn Liam im Garten seines Kaiseraugser Hauses. Früher, als er noch nicht Profi war, wusste Chipperfield noch besser, was «Feierabend» hiess. Anfänglich spielte er für 50 australische Dollar (rund 50 Franken) pro Woche für die Wollongong Wolves und arbeitete vollumfänglich in seinem Beruf als Mechaniker. Busse und Trucks sind sein Gebiet, ein Teil seines Jobs war auch der des Chauffeurs. Sein Traumberuf ist der des Mechanikers nicht. «Aber ich musste ja etwas machen neben dem Fussball.»
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Chipperfield war ein Spätzünder im bezahlten Sport. Er spielte nie für eine Juniorenauswahl Australiens, er war, weil er lieber mit Freunden kickte, auch nie in irgendwelchen Sportzentren wie etwa seine Clubkollegen Ivan Ergic und Mile Sterjovski. Dennoch erkannten die Verantwortlichen der Wollongong Wolves und die Fussballfachleute «down under» sein Talent. 1996 war Chipperfield «rookie of the season», im nächsten Jahr war er bester Torschütze seines Teams, er war mit den Wölfen zwei Mal Meister, und er wurde zwei Mal zum «Spieler des Jahres» in Australien gewählt.
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Eigentlich hätte Chipperfield auch den zahllosen englischen Scouts vor Ort (vielleicht sogar denen seines Lieblingsclubs Liverpool) auffallen müssen, die mitverantwortlich dafür sind, dass im Moment nicht weniger als 51 «aussies» in den englischen Profiligen ihr Geld verdienen. Stattdessen fand er im Sommer 2001 den Weg nach Basel, wo er heute noch immer spielt. Seit seiner Ankunft in Basel im Sommer 2001 ist Chipperfield mit zahlreichen Clubs in Verbindung gebracht worden. Zuletzt lagen dem FCB konkrete Offerten von Crystal Palace und Borussia Mönchengladbach auf dem Tisch. Was dann in den Augen des Spielers geschah, muss man nicht übersetzen: «The club prized me out of the market.» Fünf Millionen Euro wollte Gigi Oeri für den Australier. Damit war jeder Wechsel unmöglich geworden. Und Chipperfield? Schmollte nicht, sondern erzielte beim 6:0 gegen Aarau vier Skorerpunkte. Seine Mentalität liess nichts anderes zu. Gerne hätte er diese schon früher seiner Nationalmannschaft bewiesen. Geht es jedenfalls nach Christian Gross, dann hätte Australien die WM 2002 nicht verpasst. Doch Nationaltrainer Frank Farina entschied sich, in den entscheidenden Qualifikationspartien, in der Barrage gegen Uruguay, Harry Kewell den Vorzug zu geben. «Ein Fehler», sagt Gross. Chipperfield - im Nationalteam zunächst ein Opfer der kleinen Schweizer Liga - brauchte seine Zeit, bis er den grossen Durchbruch bei den «socceroos» schaffte.
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Er debütierte für Australien mit 23 Jahren im September 1998 im OFC-Nations-Cup gegen die Fidji-Inseln (3:1), und wenige Tage später, beim 16:0 gegen die Cook Island, erzielte er sein erstes von heute neun Toren in 32 Länderspielen. Entscheidendes Datum aber war der 12. Februar 2003. Im Upton Park von London besiegte Australien England mit 3:1, und Chipperfield bot eine herausragende Leistung. In den heimischen Medien feierten sie danach den Linksfüsser in den höchsten Tönen: «The bigger the stage, the better Chipperfield play» (Je grösser die Bühne, desto besser spielt Chipperfield») schrieb der «syndey morning herald», und Farina schwärmte: «Scott schaut sich nie nach einer Zone um, in die er sich für ein paar Minuten eines Spiels zurückziehen könnte. Er hat einen grossartigen ?Motor?. Nie akzeptiert er sein aktuelles Niveau, stets will er es verbessern.»
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Wohin ihn die Fussball-Reise noch führt, weiss Chipperfield nicht. Mit seinem Club Champions League zu spielen, das ist immer sein Ziel. Vier Jahre noch will er in Europa aktiv sein, allenfalls die WM 2006 miterleben und später noch mit zwei Saisons in Australien seine Karriere ausklingen lassen. Was dann? Chipperfield sieht seine Zukunft in Australien, auch weil Scott («studieren ist nicht meine Welt») vermutlich in 20 Jahren sein Deutsch noch nicht entscheidend verbessert haben wird. Der heutige Stand der Dinge ist, dass die Chipperfields eines Tages in Wollongong ein Restaurant eröffnen werden, Feierabend, Sonnenuntergang, Meeresrauschen. Dem geneigten Surfer wird Scott Chipperfield dann erklären dürfen, was es mit dem gerahmten Foto aus dem Jahre 2004 auf sich hat.

Michael Martin

Antworten:

Scott ist ein prima Kerl. Umso schader finde ich, dass seine Leistungen vom Verein unterdurchnittlich entlöhnt werden, was den Spieler gar nicht glücklich macht. Sollte er in der CL Furore machen, dann ist er weg. Interessenten gibts genug.



von Mätzli - am 23.07.2004 06:52
Obwohl ych bin eme Wäggang vom Scotty in e nur mit allerfeynschtem Single Malt kurierbaari Mega-Depressioon falle wuurd - ych wuurd's em gönne wenn er sy Premier League-Draum verwirggliche kennt.



von Fanti - am 23.07.2004 07:38
Für den FCB wäre sein Weggang eine empfindliche Schwäche, auch wenn wir ein grosses Kader haben.

Für ihn könnte es ein wertvoller, neuer Abschnitt sein.

Noch ist er da.



von Mahatma - am 23.07.2004 11:36
Richtig! Allerdings steht mit Mesbah ein Talent in den Startlöchern.... So weh es auch tun würde, wenn Chippers ein gutes Angebot bekommen sollte.... lasst ihn gehen und seinen Traum verwirklichen.... aber frühestens in einem Jahr (sicher nicht vorher ;))



von grufty - am 23.07.2004 12:22
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