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vor 13 Jahren, 2 Monaten
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Betty Bossi

Befreit aus der künstlichen Welt

Startbeitrag von Betty Bossi am 08.09.2004 12:47

Berliner Zeitung
Mittwoch, 08. September 2004
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Befreit aus der künstlichen Welt

Die Nationalspieler genießen die neue Offenheit

Andreas Lesch
BERLIN, 7. September. Michael Ballack hat schnell gemerkt, dass sich etwas geändert hat in seinem Kopf. Dass ihm jetzt Gedanken kommen, die er früher einfach nicht gehabt hätte. "Ich gehe mehr auf die anderen Spieler ein", sagt Ballack. "Ich sehe Probleme im Umfeld, für die ich mich vielleicht vorher nicht so verantwortlich gefühlt habe." Ballack ist der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft neuerdings, der Nachfolger von Oliver Kahn, und insofern eine Art Sprecher des ganzen Teams.

Bislang erfüllt er diese Rolle korrekt. Denn was Ballack sagt, denken seine Mitspieler offenbar auch: Die meisten Neuerungen des Bundestrainers Jürgen Klinsmann, die Reformen und Reförmchen, wirken erst mal erfrischend; sie beleben eine Mannschaft, die seltsam erstarrt zu sein schien - bei der Europameisterschaft 2004 hat das zu Fußball in Zeitlupe geführt.

Ein bisschen Skepsis

Klinsmann hat seinen Kickern während ihrer Zeit in Berlin auch mal ein paar freie Stunden gegeben; sie sollten tun, was sie wollten: Eis essen, ins Museum gehen, Freunde treffen. "Es ist jetzt normal, dass man auch mal rausgeht aus dem Hotel", sagt Ballack. "Dass wir nur unsere vier Wände anschauen, das gibt es jetzt nicht mehr." Allein die Tatsache, dass er das betonen muss, zeigt, in welch künstlicher Welt die Spieler vorher lebten. Sie wohnen jetzt zudem in einem Hotel am Potsdamer Platz - früher wurden sie gern in Landgasthöfen versteckt.

Kevin Kuranyi hat noch eine Neuerung entdeckt: "Jeder darf hier seine Meinung sagen. Das finde ich wichtig." Also widerspricht Ballack gleich mal seinem Coach. Der kündigt für das Spiel eine offensive Gangart an. "Wir wollen unseren eigenen Rhythmus vorgeben", sagt Klinsmann. "Damit tut sich jeder Gegner schwer." Ballack klingt skeptisch, als er erwidert: "Er will das sehen, er verlangt das. Wir werden versuchen, das umzusetzen." Immerhin räumt Klinsmann ein, dass man den Plan, kompakt zu stehen, "gegen Brasilien vielleicht ein paar Meter nach hinten verlagert".

Der Trainer will auch Psychologe sein vor dem Duell mit dem Weltmeister. "Wir haben Respekt vor so einer großen Fußballnation", sagt er, "aber ich will ihn nicht noch größer machen." Bis zur WM 2006 gehe es ohnehin "ein bisschen rauf und runter". Man muss ja nicht gleich mit einem Abschwung beginnen.

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