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Betty Bossi

Fankontrolle ist Pflicht der Klubs

Startbeitrag von Betty Bossi am 26.10.2004 03:16


05:10 | Dienstag, 26. Oktober 2004


Fussball
Tages-Anzeiger vom 26.10.2004
Fankontrolle ist Pflicht der Klubs

Im Umfeld von vier Fussballspielen kam es am Wochenende zu Ausschreitungen. Was kann dagegen getan werden? Die Klubs wehren sich bisher gegen mehr Verantwortung.

Von Philipp Mäder

Das Zauberwort heisst Kausalhaftung. Gemeint ist damit, dass jeder Fussballverein für seine Fans zur Verantwortung gezogen werden kann - egal, ob sie im eigenen oder in einem fremden Stadion randalieren. Als Sanktionen drohen dem Klub Bussen, die Annullierung des Spielresultats oder Spiele vor leeren Rängen. Während einige dieser Regeln im Ausland üblich sind, gelten sie seit knapp zwei Jahren in der Schweiz nicht mehr. Damals hatte der FC Zürich per Gerichtsurteil erreicht, dass die Kausalhaftung aufgehoben wird.

So hat der Gastgeber heute in der Schweiz kaum eine Handhabe, wenn Hooligans oder Ultras des Gegners sein Stadion kurz und klein schlagen. Der angereiste Klub kann nicht dafür belangt werden. Das wissen die so genannten Fans und randalieren deshalb nur auswärts. Auch an diesem Wochenende: In Bellinzona verwüsteten GC-Anhänger das Stadion. In Baden demolierten St.-Gallen-Fans einen SBB-Wagen. In Meyrin verletzten Basler einen Materialwart. Und in Sion wüteten Servette-Anhänger.

Nun will die Swiss Football League (SFL) die Kausalhaftung wieder einführen. Im April haben dies die Klubpräsidenten noch abgelehnt. Am 12. November steht der Vorschlag erneut auf der Traktandenliste. Er sei guten Mutes, dass er diesmal Erfolg habe, sagt Thomas Helbling, der die Sicherheits- und Fankommission der SFL präsidiert. «Nicht zuletzt wegen der vielen Krawalle in diesem Jahr.»

Unterschiedliche Ansichten bei GC
Auch Peter Landolt, der bei GC für die Sicherheit zuständig ist, zeigt sich unzufrieden mit der heutigen Situation: «Viele Klubs drücken sich um die Verantwortung. Wenn es irgendwo Randale gibt, sagen alle: ‹Das waren nicht unsere Fans.›» Seltsam allerdings, dass sich auch GC auf diese Weise aus der Verantwortung für die Krawalle des Wochenendes stehlen will. So sagte GC-Sprecher Eugen Desiderato, die Randalierer seien «sicher keine GC-Fans» gewesen: «Diese würden uns nicht in Misskredit bringen.» Zudem habe GC am Sonntag gar keinen Fantransport nach Bellinzona organisiert. «Wer dort randaliert hat, wissen wir nicht.»

Besser als der Sprecher ist der Sicherheitsverantwortliche von GC informiert: «Ich kenne die Randalierer», sagt Landolt, «das waren Jugendliche, die oft im Hardturm sind.» Die Übeltäter würden dafür bestraft werden. Wie, wollte er nicht sagen.

Während GC am 12. November die Wiedereinführung der Kausalhaftung unterstützen wird, hat man sich beim FC Basel noch nicht festgelegt. Sprecher Josef Zindel äussert aber Bedenken: «Wenn ein Wahnsinniger im Hardturm unter der FCB-Flagge Blödsinn macht, kann man doch nicht auf uns zurückgreifen.» Falls die Kausalhaftung komme, müsse er den Fans raten, zu Hause zu bleiben. Auch beim FCZ ist man noch unschlüssig: «Es ist schon auffällig, dass die Basler zu Hause ruhig sind und auswärts ausrasten», sagt Christian Schöttli, Sicherheitsverantwortlicher beim FCZ. Doch wie man erreichen wolle, dass die Basler auch in Zürich gesittet seien, wisse man noch nicht. Der FC St. Gallen hingegen befürwortet die Kausalhaftung. «Heute glauben viele so genannte Fans, dass sie ihrem Team nicht schaden, wenn sie nur auf fremden Plätzen randalieren», begründet Präsident Dieter Froehlich seine Haltung.

Sicherheitschef Helbling ist gefordert
In den vergangenen Jahren ist die Swiss Football League nicht durch grosse Anstrengungen gegen Hooligans aufgefallen. «Die Verantwortlichen dort haben geschlafen», sagt Landolt. Erst im Januar, als Helbling Sicherheitschef wurde, habe sich die Lage geändert: «Er versteht langsam, was wir wollen.» Auch beim FCZ heisst es, nun sei Helbling gefordert.

Und dieser hat tatsächlich noch mehr Pläne, wie die Hooligans zurückgedrängt werden könnten. So will er endlich für alle Vereine einheitliche Eingangskontrollen und Stadionverbote erlassen. «Bisher hatte jeder Klub eigene Regeln», sagt Helbling. Weiter hat die SFL in dieser Saison erstmals 100 000 Franken für die Schulung von Sicherheits- und Fanverantwortlichen gesprochen. Und Helbling fordert die Politiker auf, endlich die Grundlagen für eine Hooligandatenbank zu schaffen: «Wir brauchen strengere Gesetze, um Gewalttäter abzuschrecken.»

Mit einer weiteren Forderung allerdings stösst Helbling auf Widerstand: Er will, dass die Polizei bei Auseinandersetzungen schneller eingreift - auch innerhalb des Stadions. Heute sorgen private Firmen für die Sicherheit im Stadion, während die Polizei für das Umfeld verantwortlich ist. Er halte es für gefährlich, mit der Polizei in die Menge zu gehen, sagt Josef Zindel vom FCB. Gleicher Meinung ist man auch in St. Gallen. Und der FCZ findet, das Problem seien die Politiker, die der Polizei den Rücken zu wenig stärken würden.

Vielleicht hätten die vergangenen Krawalle auch ihr Gutes und würden die Zuständigen aufrütteln, sagt Peter Landolt. «Denn bei der jetzigen Situation ist es eine Frage der Zeit, bis es einen Toten gibt.» Das kommende Wochenende lässt wenig Gutes erahnen: Der FCZ empfängt den FCB. Bei der Stadtpolizei Zürich habe man die höchste Gefährdungsstufe ausgerufen, sagt Sprecherin Nicole Fix.



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