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SMD

Mit Transfers und Finanzproblemen

Startbeitrag von SMD am 02.01.2005 11:38

«SonntagsZeitung» vom 2.1.2005, Seite 35


Mit Transfers und Finanzproblemen

Fast alle Super- League- Klubs nehmen in der nächsten Woche das Training wieder auf – die Winteraktivitäten im Überblick

Basel, Platz 1
Neues Kalenderjahr, neuer Saisonbillettverkauf in Basel. 2004 hatte der Meister die Rekordmarke von 26 000 Dauerkarten abgesetzt. Er wird dieses Niveau nicht mehr erreichen. Finanzchef Mathieu S. Jaus rechnet per Stichtag 31.12.04 mit 20 000 bis 25 000 abgesetzten Tickets. Am 17. Februar empfängt der FCB im Uefa- Cup Lille zum Sechzehntelfinal- Hinspiel. Rechtsverteidiger Reto Zanni vom FC Thun, der einen Vertrag bis 2008 unterschreiben wird, gehört dann zu seinem Kader und wird Konkurrent von Philipp Degen, der mit grosser Wahrscheinlichkeit erst im Sommer nach Dortmund wechselt. Ungebrochenes Interesse zeigt der FCB an Nationalspieler Patrick Müller, der bei Mallorca meist nur Ersatz ist.

Thun, 2
Nirgends waren die Weihnachtstage so turbulent wie im Berner Oberland: Kurz vor Heiligabend teilte Hanspeter Latour seinen Vorgesetzten mit, dass er ab 1. Januar Trainer bei GC sein wird. Innert sieben Tagen war der Nachfolger für den 57- Jährigen gefunden. Verpflichtet wurde einer, der von sich sagt, dass er Ähnlichkeiten mit Latour habe: Urs Schönenberger. Die markanteste Änderung im Kader betrifft Reto Zanni, weitere Abgänge soll es in der Winterpause nicht geben. Will heissen: Schönenberger rechnet damit, dass ihm der umworbene Goalie Fabio Coltorti und auch der abwanderungswillige Baykal vorderhand erhalten bleiben. Neuverpflichtungen sind laut Sportchef Werner Gerber ( noch) keine geplant. Der Tabellenzweite startet wie fast alle Konkurrenten am 6. Januar in die Vorbereitung.

Xamax, 3
Gäbe es nicht Servette, es könnte Xamax sein. Die Neuenburger sind Überlebenskünstler am finanziellen Abgrund. Sie haben die beiden letzten Saisons dank einer Kapitalerhöhung und einer Finanzspritze der beiden Stadioninvestoren Coop und HRS von 3,5 Millionen Franken überstanden. Nun stehen sie ein weiteres Mal vor leeren Kassen. Rund 500 000 Franken fehlen ihnen zum Jahresende, das Budget von 4,6 Millionen ist nicht zu finanzieren. Spieler müssen sie deshalb schnell in Geld umtauschen, das wiederum könnte sich im Frühjahr erheblich auf die Leistungsfähigkeit des Teams auswirken. An oberster Stelle der Verkaufsliste steht Mobulu M’Futi, der Xamax mit seinen acht Toren überhaupt erst auf Rang 3 geführt hat. Einige französische Vereine zeigen ihr Interesse am Stürmer aus Kongo, der seit Jahren ohne Pass in der Schweiz lebt. Eine Anfrage für den U- 21- Nationalspieler Xavier Margairaz hat der FCZ gemacht, die Zürcher aber schreckten vor der geforderten Ablösesumme von 700 000 Franken zurück.

FC Zürich, 4
Bastida, Pallas und Buess sind die Spieler, deren Verträge im Sommer auslaufen und die den Klub bei einem passenden Angebot sofort verlassen dürften. Der FCZ hat mit Daniel Stucki von Concordia den Defensivspieler verpflichtet, der ihm mehr Alternativen bieten soll. Damit sind die Ziele auf dem Transfermarkt aber noch nicht erreicht.

« Wir müssen die Zukunft planen » , sagt Trainer Favre, « vielleicht können wir die Spieler zwar noch nicht im Januar verpflichten, aber möglicherweise später. » Einen Stürmer sucht der FC Zürich weiterhin, Wunschkandidat Torghelle vom Premier- League- Klub Crystal Palace aber kann nicht ausgeliehen werden und ist für einen Kauf zu teuer. Die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Xavier Margairaz hingegen, für den Xamax derzeit noch viel Geld verlangt, hat Sportchef Fredy Bickel noch nicht abgeschrieben.

Young Boys, 5
Die Vorrunde war nicht sonderlich gut, oder wie es Trainer Hans- Peter Zaugg formuliert: « Wir haben nicht gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben. » Im Jahr, in dem in Bern das Stade de Suisse eröffnet wird, soll YB aber zu alter Stärke zurückfinden. « Mit etwas weniger Verletzungspech müsste eine Steigerung möglich sein » , sagt Zaugg, dessen Vertrag im Sommer endet, der aber davon ausgeht, dass er auch im neuen Stadion YB- Trainer sein darf. Die Berner haben mit dem Isländer Gretar Steinsson ( 22) einen Innenvertei- diger verpflichtet, der aber zuerst « für die Zukunft aufgebaut werden soll » ( Zaugg). Denkbar ist, dass Spieler wie Burki und Kehrli ausgeliehen werden. Im Fall von Knez ist ein definitiver Weggang nicht ausgeschlossen. Der Challenge- League- Klub Luzern hat Interesse am Verteidiger.

Aarau, 6
Torhüter Massimo Colomba, der mit einem Mittelhandbruch längere Zeit ausfiel, wird beim Vorbereitungsstart morgen Montag wieder im Training erwartet. Swen König, sein Stellvertreter, fällt mit einem Kreuzbandriss weiterhin aus; Lehrling Roman Rudolf, der in Abwesenheit von Colomba und König zur temporären Nummer 1 aufgerückt war, wird in der Rückrunde aus beruflichen Gründen nicht mehr dabei sein. Aarau sucht deshalb einen zweiten Goalie für ein halbes Jahr. Bis zum Abflug ins Trainingslager nach Paphos auf Zypern ( 26.

Januar bis 5. Februar) soll dieser gefun- den sein. Ansonsten wird das Kader nicht verstärkt. « Das liegt bei einem Budget von 4,5 bis 5 Millionen Franken nicht drin » , sagt Präsident Michael Hunziker. Und David Sesa, der im Herbst unplanmässig aufs Brügglifeld geholt worden war, sich aber bereits wieder verabschiedet hat, wird nicht ersetzt.

Grasshoppers, 7
« Der Gesundheitszustand des Patienten war unerfreulich. Er hatte seine Kräfte überschätzt und wurde fast gleichzeitig von verschiedenen Viren befallen. » Im Grasshopper- Magazin beurteilte Task- Force- Leiter Walter Brunner den Zustand der Fussball- Sektion.

Massnahmen sind mittlerweile getroffen: GC hat mit Hanspeter Latour seinen neuen Trainer. Und der Rekordmeister versucht in diesen Tagen auch, sein Kader zu verändern. Castillo verliess den Klub, für den ungenügenden Villarreal sucht GC einen Abnehmer. Latour hat seit seiner Anstellung jeden zweiten Tag in Zürich verbracht und sich Gedanken zur Mannschaft gemacht. Er will « erst einmal mit diesen Spielern arbeiten, die schon da sind » – und daneben prüfen, welche Spieler GC gehören, aber ausgeliehen sind. Er sagt: « Wir sind nicht auf Thuns Goalie Coltorti fixiert. Aber selbstverständlich muss GC irgendwann über Coltorti sprechen. » Zum Handlungsbedarf auf einzelnen Positionen mag sich Latour nicht äussern, solange er sich bei der täglichen Arbeit kein Bild des Teams gemacht hat.

Erstaunlich findet er aus der Distanz aber, dass GC in der Super League am wenigsten Tore erzielt hat. Deshalb beschäftigt ihn, dass neben Verteidiger Schwegler beim Trainingsauftakt die Stürmer Eduardo und Touré fehlen.

Servette, 8
Wie weiter, Servette? Gegenwärtig herrscht in Genf Funkstille. Unklar ist, wie weit Präsident Marc Roger auf seiner verzweifelten Suche nach Investoren ist und ob er die 10 Millionen Franken, die zur Rettung des Klubs dringend benötigt werden, aufbringt; unklar ist, welche Spieler Genf verlassen; unklar ist im Grunde alles, was Servette angeht. Lohn haben die Spieler letztmals im September bekommen. Die Situation ist zermürbend, Informationen fliessen keine. Am 13. Januar soll der Auftakt zur Vorbereitung erfolgen. Soll. Denn nicht einmal der Trainingsstart scheint derzeit gesichert. « Wir haben vom Stand der Dinge absolut keine Kenntnis » , sagt der U- 21- Nationalspieler Callà. Letztmals hatte er am 12. Dezember Kontakt mit den Klubverantwortlichen. Das war nach dem letzten Vorrundenspiel gegen St. Gallen, als man sich zum Abschied « schöne Festtage » wünschte. Sonderlich schön wurden sie nicht.

St. Gallen, 9
Diskussionen um Heinz Peischl gab es bereits in der missratenen Vorrunde, aber der Österreicher ist weiterhin Trainer. Präsident Dieter Froehlich verweist auf den bis 30. Juni 2005 gültigen Vertrag. Und René Weiler, der seine Stelle als Sportchef offiziell am 1. Januar angetreten hat, erklärt: « Es bleibt alles beim Alten. » Das Kader soll nach Möglichkeit in der Offensive verstärkt werden. Goran Obradovic, dem ein unterschriftsreifes Angebot vorlag, liess die Frist bis Weihnachten verstreichen. « Es war eine sehr gute Offerte » , sagt Froehlich. Das Thema Obradovic hat sich für ihn nun erledigt. Die Grundlage für eine Steigerung in der Rückrunde soll die Mannschaft in der Türkei holen. Vom 22. Januar bis 5. Februar verbringt sie in Side ein zweiwöchiges Trainingslager.

Schaffhausen, 10
Ursal Yasar ist der neue Stürmer, der am 5. Januar mit Schaffhausen die Vorbereitung beginnt. Er soll nicht der letzte Zuzug vor dem Frühling sein. Einen Defensivallrounder wünscht sich Trainer Jürgen Seeberger, sagt aber auch: « Eigentlich suchen wir für jede Reihe einen neuen Spieler, aber man muss realistisch bleiben. » Der Aufsteiger ist der kleine Klub mit den stark beschränkten finanziellen Mitteln. Zehn Tage Trainingslager auf Zypern gehören zu seinem Vorbereitungsprogramm. Vorher aber wird die Mannschaft am 10. Januar für drei Tage in eine Berghütte nach Österreich fahren. Seeberger schmunzelt auf die Frage, ob er seine Spieler durch den Tiefschnee hetzen werde. Es gehe bei diesem Ausflug vor allem um den Teamgeist, antwortet er. « Vor allem » , sagt er – arme Spieler.
PETER M. BIRRER/ UELI KÄGI

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