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Ball sagt, ob es ein Tor war

Startbeitrag von Betty Bossi am 06.01.2005 12:40

Ball sagt, ob es ein Tor war

Die Fußball-Revolution: Deutsche Wissenschaftler entwickeln Chip für Ball und alle Spieler

Von OLIVER REUTER und ALEXANDER HAUBRICHS

Köln – Die Bundesliga-Profis sind wieder am Ball, in 16 Tagen startet die Rückrunde. Die Fans freuen sich auf tolle Tore – und wissen, dass sie sich über Fehlentscheidungen ärgern werden. Aber damit ist vielleicht bald Schluss.

Deutsche Forscher haben einen Computerchip entwickelt, mit dem Ball und Spieler radargenau geortet werden können. Die Fußball-Revolution!

Geklaute Treffer, Phantom-Tore und die unsäglichen Abseitsentscheidungen – Ideen zur Vermeidung der Fehlentscheidungen sind so alt wie der Begriff Tomaten-Schiri. Doch TV-Beweis, Lichtschranken oder noch mehr Referees auf dem Platz scheiterten am FIFA-Dogma Tatsachenentscheidung.

Doch jetzt die brillante Idee des Fraunhofer-Instituts in Erlangen: Der Fußball wird verwanzt! 60 Chip-Experten gelang nach fünf Jahren Forschung der Durchbruch. Mit Halbleiter-Plättchen so klein wie 10-Cent-Münzen im Ball, Trikot und Schienbeinschoner lässt sich das Spielfeld digitalisieren.

„Die Chips erheben bis zu 2000-mal pro Sekunde die aktuellen Positionen der 22 Spieler und des Balles auf den Zentimeter genau“, erklärt Fraunhofer-Experte René Dünkler. Die Daten werden von bis zu zehn Antennen erfasst und an den Computer weitergeleitet, der sie zu einem Bild zusammenfasst. Schiris und Zuschauer könnten in Sekundenschnelle die Wahrheit erfahren.

DFB und FIFA haben auch bereits Interesse bekundet. FIFA-Chef Sepp Blatter: „Wonach wir schauen, ist eine akzeptable Lösung, die Torlinie zu kontrollieren, ob der Ball drin war oder nicht.“

Aber fühlen sich die Schiris vom Computerchip nicht entmündigt? Im Gegenteil, DFB-Schirilehrwart Eugen Strigel ist dafür: „Wenn das System hundertprozentig funktioniert, stehen wir dem als Schiedsrichter positiv gegenüber.“

Die Fußball-Revolution wird von der Firma Cairos in Karlsbad angeboten und ist laut Marketingchef Oliver Braun marktreif. Ein mit dem Chip ausgerüsteter Ball soll bald von der Firma adidas vorgestellt und von der FIFA im englischen Liga-Cup-Finale am 27. Februar getestet werden.

Beim Sportartikel-Riesen denkt man sogar noch weiter, will auch die Schuhe verwanzen. Sprecherin Anne Putz: „Der neueste Beweis für unsere Führungsposition im Bereich der Innovationen ist der erste intelligente Schuh, adidas_1, der im Frühjahr auf den Markt kommen wird.“ Damit wäre sogar Körperkontakt nachweisbar – heißt: das Ende der Schwalben!

Und was sagen die Aktiven? „Interessant“, lobt Stuttgarts Trainer Matthias Sammer das System, das er sich auch zur Leistungsdiagnostik wünscht.

Pro und Contra: Was Sepp Maier und Ilja Kaenzig von dem System halten, lesen Sie rechts im „Mehr Info”-Kasten.

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Antworten:

So wie ich das verstehe, findet man das System bei Tor/Nicht-Tor Entscheidungen gut, bei Abseitsfragen aber weniger (vgl. die Aussage von Blatter). Ich kann diese Haltung nicht ganz nachvollziehen...

von Captain Sky - am 06.01.2005 13:02
us em fusifo, ha's bis jetzt nid poschtet do leider kei quelleagob, aber isch no e gli usfiehrliger

Erlangen - Die Mitarbeiter der benachbarten Unternehmen hatten lange Zeit verwundert nach oben geblickt, als sie die hüftsteifen und neonlichtbleichen Chipexperten des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen kicken sahen. Allerdings traten die international gefragten Ingenieure nicht zum Spaß gegen den Ball: Sie haben es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, die schönste Nebensache der Welt zu digitalisieren.

Mit der Entwicklung eines neuartigen, drahtlosen Ballortungssystems ist es ihnen gelungen, den Pass in eine Zukunft des Fußballs zu schlagen, in der umstrittene Schiedsrichterentscheidungen der Vergangenheit angehören und fundierte Spielanalysen Trainern, Medien und Zuschauern in Echtzeit zur Verfügung stehen.

Die Vorlage bekamen die Fraunhofer-Forscher von der Cairos Technologies AG aus Karlsbad. Deren Vorstandsvorsitzender Hartmut Braun kam mit seinem Mitaktionär Roland Stucky nach einem Altherrenfußballspiel des ATSV Mutschelbach auf die revolutionäre Idee. Denn wie jedes Wochenende Hunderttausende anderer Fußballexperten auf dem heimischen Sofa oder am Stammtisch diskutierten sie stundenlang darüber: War der Ball im Tor, der Spieler im Abseits?

Man dachte daran, Lichtschranken oder Radar einzusetzen, ehe Cairos um die Jahrtausendwende an das Fraunhofer-Institut mit der Bitte herantrat, Ball und Spieler mit Chips zu verwanzen, um deren genaue Position im dreidimensionalen Raum eines Fußballfeldes messen zu können.
Fünf Jahre haben bis zu 60 Wissenschaftler in Erlangen gekickt und gebastelt, programmiert und gemessen: Nach ungezählten Testspielen auf dem Dach des Instituts und einem kleinen Platz nebenan sind auch erste Generalproben im Nürnberger Frankenstadion erfolgreich verlaufen. Die kleinen Sender im Ball und in den Schienbeinschonern könnten den Fußball revolutionieren.

"Die Chips erheben bis zu 2000-mal pro Sekunde die aktuellen Positionen der 22 Spieler und des Balles auf den Zentimeter genau", sagt René Dünkler vom Fraunhofer-Institut. Die Daten werden dann von bis zu zehn Antennen, die rund um den Platz angebracht sind, erfasst und an den Zentralcomputer weitergeleitet, der dort sofort die statistischen Informationen aufbereitet.

So könnten die Zuschauer in Sekundenbruchteilen erfahren, dass - dies ein fiktiver Fall - der Stuttgarter Stürmer Kevin Kuranyi den Ball in der 67. Minute von 21 auf 137 Stundenkilometer beschleunigte, ehe die Kugel im Abstand von 3,9 Zentimetern am rechten Pfosten vorbeiflog. Kuranyis Trainer Matthias Sammer könnte sich anhand der gewonnenen Zweikämpfe, der Lauffreudigkeit oder der Torschüsse überlegen, ob er den Angreifer auswechselt - zumal ein weiterer Chip im Trikot demnächst auch Informationen über die Fitness der Spieler liefern könnte.
"Interessant", sagt Sammer über das innovative Modell. Der VfB-Coach kann sich das System zur Unterstützung der Leistungsdiagnostik vorstellen, wobei er kritisch anmerkt, dass die Boulevardmedien die Daten ausschlachten und regelmäßig den faulsten Spieler küren könnten.

Dennoch hat der DFB Interesse signalisiert. "Wir arbeiten schon jetzt ständig mit Videoanalysen", sagt DFB-Chefausbilder Erich Rutemöller, der in der Vielzahl neuer Daten eine sinnvolle Ergänzung zum Ausdauertraining und der Taktikschulung der Spieler sieht. Fifa-Boss Joseph Blatter zeigt sich neuer Technik ebenfalls aufgeschlossen, er erwägt Tests in offiziellen Spielen, eventuell schon beim englischen Ligapokal-Finale am 27. Februar.

Zudem könnte die Rundleder-Innovation eine Orientierungshilfe für Schiedsrichter in umstrittenen Tor- und Abseitssituationen sein. Die Männer in Schwarz sind einem immensen Druck ausgesetzt und müssen in wenigen Augenblicken mit einem Pfiff über Siege, Titel und Millionen entscheiden.

"Gerade in einer Zeit, in der sich der Fußball in der Schnelligkeit und Genauigkeit rasant weiter entwickelt, wird der Job immer anspruchsvoller", sagt Fifa-Schiedsrichter Urs Meier, der bei der WM 2002 in Asien das Halbfinale Deutschland gegen Südkorea leitete, "wenn die Technik ausgereift ist, dann sollte sie auch eingesetzt werden."

Das sieht auch der DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Striegel so: "Wenn das System hundertprozentig funktioniert, stehen wir dem als Schiedsrichter positiv gegenüber." Bei Investitionen im zweistelligen Millionenbereich ist das jedoch nur einer von vielen Schauplätzen, an denen das Hightech-Tool eingesetzt werden könnte.
Hauptabnehmer für die Daten sollen laut Cairos-Marketingchef Oliver Braun daher vor allem die Medien sein, die ihren Zuschauern, Hörern und Lesern bereits die Welt des Fußballs mit Zahlenspielereien näher bringen. "Nur mit Statistiken allein kann man Fußball aber nicht erklären. Ein Stürmer, der wenig läuft, aber zwei Tore schießt, hat trotzdem seine Rolle erfüllt", sagt Premiere-Chef Georg Kofler, "ich warne davor, solche Zahlen überzubewerten. Aber wenn sich dadurch die Analyse des Spiels verbessert, wird Premiere das Chip-System natürlich nutzen."

In anderer Form tut das der Pay-TV-Sender auch jetzt schon. Denn bei seiner Berichterstattung greift Premiere zum Großteil auf die Datenbank der Firma IMP zurück - die hat Cairos inzwischen aus der Konkursmasse des Kirch-Imperiums herausgekauft.

Sollte das 3D-Ortungs-System in naher Zukunft in allen Stadien der ersten Bundesliga eingebaut sein, so der Plan des Unternehmens, dann wäre das eigentlich nur eine Weiterführung des bisherigen Scoutings, mit dem IMP bisher unter großem personellen Aufwand alle Pässe, Schüsse und Tore eines Spieltags gezählt hat.

Während sich die Fraunhofer-Ingenieure in Erlangen langsam warm gekickt haben, könnten aber schon bald neue Herausforderungen auf sie warten. Skispringen zum Beispiel, vielleicht auch Basket-, Foot- oder Baseball, denn die US-Amerikaner gieren schon jetzt nach Statistiken, aus denen die Buchmacher dann neuartige Wetten kreieren können. Und im Golf und im Boxen steckt sowieso jede Menge Geld hinter den Schlägen.
Die Cairos AG hat zudem bereits über den Sport hinaus Interesse geweckt. "Auch Manager schauen Sport", sagt Oliver Braun. Und Fraunhofer-Forscher Dünkler fügt hinzu: "Das System ist überall dort gefragt, wo sich Objekte schnell bewegen oder leicht verloren gehen können."

Erste Tests an einem Flughafen sind bereits gelaufen. Auf der Security-Messe in Essen war die Cairos AG ebenfalls vertreten. Das System eignet sich schließlich auch für die Suche nach vermissten Personen, die Überwachung Gefangener oder die Sicherung von Gebäuden. Die Zukunft scheint mit der Revolution des Fußballs gerade erst begonnen zu haben.



von dr Dave - am 06.01.2005 14:24
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