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vor 13 Jahren, 5 Monaten
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Chrättli, Teofilo, Goofy, Betty Bossi, SMD

BaZ: CHRISTIAN GROSS UND SEINE EIGENWILLIGE AUFARBEITUNG DES LILLE-MATCHES

Startbeitrag von SMD am 26.02.2005 00:07

Die Suche nach Form und Harmonie

CHRISTIAN GROSS UND SEINE EIGENWILLIGE AUFARBEITUNG DES LILLE-MATCHES


Georg Heitz

Das Aus des FC Basel im Uefa-Cup gegen Lille hatte primär sportliche Gründe. Aber nicht nur.

Es muss eine seltsame Mischung gewesen sein, die Christian Gross zu seinen Äusserungen am Morgen nach dem Ausscheiden des FCBasel aus dem Uefa-Cup veranlasst hatte. Eine Mixtur aus Ärger über seine Spieler und Unmut über die Berichterstattung in den Medien. Wie ein Anwalt postulierte er einen milden Umgang mit seinem Team, das am Abend zuvor arg enttäuscht hatte. «Man darf jetzt nicht alles verteufeln», sagte der Basler Trainer, «wir haben etwas Wunderbares erreicht, indem wir im Uefa-Cup überwintern konnten.» Trotzdem wird sich Gross einige Fragen zur Darbietung seiner Mannschaft und auch zu seinen personellen und taktischen Dispositionen stellen müssen.

> Die Taktik.
Gross hat in dieser Saison verschiedene Systeme ausprobiert, er fordert von seiner Mannschaft diesbezüglich Flexibilität. Allerdings sind die ständigen Systemänderungen für eine Equipe dann heikel, wenn sie nach ihrer Form sucht, wie das der FCB derzeit macht. Spätestens beim Videostudium des Matches in Lille wird Gross zum Schluss kommen, dass ein Christian Gimenez als zurückgezogener Stürmer falsch eingesetzt ist. Der Goalgetter hat seine Stärken im Strafraum, wenn er den Ball mit möglichst wenigen Berührungen im gegnerischen Tor unterbringen kann. «Wir haben dank diesen Umstellungen in Budapest gewonnen», verteidigte er am Freitag seine Anordnungen. Das stimmt, wobei in Ungarn die Leistung auch nur in der zweiten Halbzeit wirklich gut war. Und folgte man dieser Logik, dann müsste der FCB permanent im 4-1-4-1 antreten; schliesslich besiegte er in dieser Formation die Grasshoppers mit 8:1.


> Der Fall Delgado.
Mit der Debatte ums System einher geht die Diskussion um die chronische Nicht-Berücksichtigung von Matias Delgado. Warum bloss schenkt ihm Gross nicht einmal über ein paar Spiele das Vertrauen? Weshalb stellt er an den 22-jährigen Argentinier Anforderungen, die ein Hakan Yakin als bestandener Spieler nie erfüllen musste? Delgado ist technisch einer der besten Spieler im Kader, zudem hat er sich in seiner Basler Zeit defensiv verbessert. «Warum wird Delgado thematisiert? Was hat er denn in internationalen Spielen schon an entscheidenden Szenen gehabt?», fragte Gross gestern ungehalten. Als Antwort zieht der Coach am besten die Statistik Delgados heran. Der wurde von 810 möglichen Minuten im Uefa-Cup (beim Auswärtsmatch gegen Terek Grosny war er verletzt) gerade mal während 307 eingesetzt. Dabei erzielte er das 1:1 gegen Schalke und gab zudem zwei Assists. Das ist eine zumindest solide Bilanz.


> Die Teamhygiene.
Dass es in einer Mannschaft zu Grüppchenbildung kommt, ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings haben beim FCB die atmosphärischen Störungen zwischen den argentinischen und einigen Schweizer Spielern in den letzten Monaten zugenommen. Der Vorwurf der Eidgenossen: Die Südamerikaner spielen den Ball ständig nur ihren Landsleuten zu. Tatsache ist: Solidarisch wars nicht gerade, wie der FCB am Donnerstag in Lille auftrat. Ausgerechnet der beste Spieler in dieser Partie fühlt sich von den Teamkollegen zu wenig geschätzt. Goalie Pascal Zuberbühler beklagte sich Anfang Woche intern darüber, dass er in einer Umfrage des «Sonntagsblick» aus dem eigenen Lager nur fünf Stimmen zur Wahl als bester Keeper der Super League erhalten hatte.


> Die Kritik.
Gross neigt dazu, permanent dieselben Spieler zu kritisieren. Nebst Delgado gehört Philipp Degen in diese Kategorie. «Dass sein Wechsel nach Dortmund bereits feststeht, ist nicht spurlos an ihm vorbei gegangen», bemängelt der Trainer. Andere Spieler jedoch, die seit Wochen schwächeln (Scott Chipperfield, Christian Gimenez) bleiben von öffentlicher Kritik verschont. Ebenfalls kein Thema sind für den Trainer die ungenügenden Leistungen von Mile Sterjovski. Einen Rüffel verteilte Gross gestern noch an die Adresse Benjamin Huggels, der in Interviews die Ballverluste der eigenen Stürmer erwähnt hatte. «Jeder muss seine persönliche Leistung analysieren. Kritik an Mannschaftskollegen ist völlig unangebracht.»


> Das Fazit.
Es ist alles andere als ein Skandal, wenn der FCB gegen eine Mannschaft mit den Qualitäten Lilles aus dem Uefa-Cup ausscheidet. Die Art und Weise aber, die Ideen- und Konzeptlosigkeit, muss den Verantwortlichen schon zu denken geben. Die Situation beim Schweizer Meister ist im Moment wenig harmonisch. Gross tut gut daran, gewisse Dinge zu hinterfragen. Dass er dies nicht öffentlich macht, ist sein gutes Recht. Applaus darf er dafür aber nicht erwarten.

BaZ, 26.2.05

Antworten:

Re: so sieht es die NZZ



26. Februar 2005, Neue Zürcher Zeitung

«Jetzt aber Volldampf!»
Basler Durchhalteparolen nach dem Ausscheiden aus dem Uefa-Cup

fcl. Lille, 25. Februar

Am Morgen danach waren die Blicke leer und hingen die Schultern tief. «Jetzt geht's mit Volldampf auf den Meistertitel», sagte FCB-Trainer Christian Gross in einem Anflug hochgetriebener Euphorie. Er verfehlte die Gemütslage damit um Längen. Ein anderer traf die Stimmung besser. Pascal Zuberbühler schlich mutterseelenallein durch die Hallen des Flughafens in Lille - Psychohygiene, Schmerzverarbeitung. Längst war der Ärger über die 0:2-Niederlage in seinem Gesicht einer tiefen Enttäuschung gewichen. Natürlich sagte er es niemandem, aber die Leistung seiner Kollegen im Uefa-Cup musste den Basler Goalie gekränkt haben, so schändlich wie sie ihn immer wieder im Stich gelassen hatten. Ohne ihn, seine grossen Hände und wachen Reflexe hätte die französische Lehrstunde auch leicht 0:4 ausgehen können. Als Einziger seines Teams behielt er bei mehreren Paraden den Überblick, er schien bereit, hellwach, zu vielem entschlossen.
Die Abwehr instabil

Aber auf keinen der Kollegen hatte er sich verlassen können, weder auf Patrick Müller, den neuen Abwehrchef, noch auf dessen Partner in der Innenverteidigung, Marco Zwyssig. Oft kamen die beiden einen Schritt zu spät, häufig standen sie am falschen Ort, mehrmals wurden sie genarrt, so dass sich das Publikum in der bissigen Kälte Nordfrankreichs diebisch amüsierte und sich vor Vergnügen auf die Schenkel klopfte. Von löchrigem Gruyère schrieb die französische Sportzeitung «L'Equipe», vermutlich die Käsesorten verwechselnd. Und manchmal, wenn der Abwehr mal wieder ein Lillois entwischt war, flog dem Duo der Dreck der Stollenschuhe nur so um die Ohren - zum Beispiel als der Franzose Moussilou nach schönem Steilpass zum 1:0 traf. Den Verteidigern an der Seitenlinie, Kléber und Phillipp Degen, erging es kaum besser. Der Brasilianer häufig überfordert, der Zwilling vor allem in jener Szene überlastet, als er Acimovic im eigenen Strafraum zu Fall brachte und der Slowene per Penalty zum entscheidenden 2:0 traf.

Entlastungshilfe wussten auch die FCB-Stürmer nicht anzubieten. Die Bälle, hatten sie ausnahmsweise einmal ihren Adressaten in der Spitze erreicht, kamen postwendend zurück, wie sich Benjamin Huggel, das defensive Gewissen der Mannschaft hinterher bitter beklagte. Drei Angreifern hatte FCB-Trainer Gross vertraut, mutig wollte er sein, «etwas Spezielles» sollte das Trio unternehmen. Aber keiner der drei Argentinier rechtfertigte die Hoffnung, die in ihn gesetzt wurde. Fleissig waren sie, aber schrecklich erfolglos. Giménez arbeitete und pflügte, Rossi rannte und rieb sich auf, und Carignano - stand er überhaupt auf dem Platz? Eine ähnlich phantomhafte Gestalt war der Australier Sterjovski, aber wenigstens fiel er auf diese Weise nicht unangenehm auf wie Landsmann Chipperfield, dem auf der gegenüberliegenden linken Seite vieles misslang.
Der FCB dünnhäutig

Dass der LOSC das Spiel so klar dominierte, wie gut er Fussball spielte, wie spritzig und vif er das Geschehen interpretierte - in dieser Klarheit war das nicht vorauszusehen gewesen. Man hatte dem FCB mehr zugetraut, wähnte ihn auf Augenhöhe mit dem Gegner, der in seiner Klubgeschichte noch nie in die Achtelfinals eines europäischen Wettbewerbs vorgestossen ist. Der Plan der Franzosen ging perfekt auf. Sich im Hinspiel in Basel nicht in die Karten blicken lassen, schlau abwarten und dann im Rückspiel zuschlagen. Doch wie die Mannschaft von Lille das tat, beeindruckte.

In der Niederlage erwies sich der FCB als ziemlich dünnhäutig, den Umgang mit Betriebsunfällen ist er nicht gewohnt, auch das gilt es zu lernen. Gewiss hatte Gross Recht, als er Folgendes in die Schreibblöcke diktierte: «Man kann nicht alles verteufeln, wenn man zuvor etwas Wunderbares geschaffen hat, nämlich europäisch zu überwintern.» Auch, dass sich die Basler aufgrund des mangelnden Spielrhythmus im Nachteil befanden, ist richtig. Es entbindet die Verantwortlichen aber nicht davor, sich vor Augen zu führen, dass der FCB nicht dort ist, wo er gemäss eigenen Vorstellungen gerne wäre. Damit steht er übrigens nicht allein: Auch Feyenoord und Schalke, im Herbst in der gleichen Gruppe wie die Basler, sind im gleichen Stadium gescheitert - was wiederum eine Aussage über die Stärke der damaligen Poule zulässt.


Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: [www.nzz.ch]

von Betty Bossi - am 26.02.2005 07:57

Re: so sieht es die NZZ

Ach was die schreiben ja fast als ob Lille derart gut war... Wieso nicht einfach bei der Wahrheit bleiben? Dass Basel einfach mehr als nur sackschwach war? Mit einer normalen Einstellung und Arbeitsmoral wäre sehr viel dringelegen, aber dafür müsste man halt etwas arbeiten! Mit dieser Leistung hat man auch gegen Xamax null Chance!



von Goofy - am 26.02.2005 12:39

Re: so sieht es die NZZ

was mich persönlich am meisten überrascht hat in Lille, war der Wille nach der ersten Halbzeit das Spiel unbedingt noch wenden zu wollen. Wie verwandelt kamen die Rotblauen aus der Kabine und legten los wie die Feuerwehr... ich war wirklich beeindruckt !!!!! Gross muss Ihnen in der Halbzeit die Leviten gelesen haben.

Achtung:




























Ironie....

Übrigens sagte mir ein LOSC-Fan in der Halbzeit, dass man hier froh sei, Sterjovski abgegeben zu haben.... dies wiederum ist Tatsache und keine Ironie !

von Teofilo - am 26.02.2005 16:33
grrr.. nei nei.. i will mi nid nerve.. nei nei.. wenn i das liis.. i verstand dr Gross eifach nid was de useloht..

i gang.. mir wird übel...

von Chrättli - am 26.02.2005 18:04
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