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SMD

Der FCB und sein Quartett auf der Suche nach dem Glück

Startbeitrag von SMD am 06.03.2005 09:26

«SonntagsZeitung» vom 6.3.2005, Seite 38


Der FCB und sein Quartett auf der Suche nach dem Glück
Der Schweizer Meister mit seiner argentinischen Offensive erzielt zu wenig Tore

VON UELI KÄGI

BASEL Der Himmel ist blau, die Luft kühl an diesem Freitagmorgen in Basel. 4 Grad Celsius um 11 Uhr an der Sonne, deshalb auch ist der Zuschauerauflauf spärlich beim Training des FC Basel. Emine Yakin immerhin hat ihr Dreirad neben dem Rasen parkiert, weil Sohn Murat in einer Ecke sein Sonderprogramm abspult. ( Der Abwehrchef wird erst im April wieder für den FCB spielen können und damit auch der Nationalmannschaft für die WMAusscheidungsspiele gegen Frankreich und Zypern nicht zur Verfügung stehen.)

Die Goalies absolvieren ihre Einheit eine gute halbe Stunde lang abseits, die Spieler trainieren unter Assistenztrainer Fritz Schmid und tragen schwarze Handschuhe. Christian Gross steht in der Platzmitte und schaut wortlos zu. Später verteilt er rote Vesten, 8 gegen 8 jetzt, dann 9 gegen 9 mit zwei Goalies. Gross ist immer noch vor allem ruhig, im Spiel hat Pascal Zuberbühler das Kommando übernommen und gibt sich keine Auszeit mehr.

Neben dem Rasen mag der Nationalgoalie derzeit gar nichts mehr kommentieren, weil er vom Boulevard zuletzt heftig angegriffen worden war. Er habe es nicht nötig, sich « auf den Kopf scheissen zu lassen » , und bittet um Verständnis.

Seine Antwort wolle er auf dem Rasen geben. Der FCB hat sich schon lässiger angefühlt. Matias Delgado mit seiner feinen Technik ist die prägende Figur im Trainingsmatch. Cesar Carignano, in Punktspielen noch nicht als grandioser Stürmer aufgefallen, vergibt drei Chancen, bis er seinen Lauf findet und die Bälle serienweise im Tor versteckt. Steigerungsläufe wählt Gross zum Abschluss.
Das 8: 1 gegen die Grasshoppers war nicht der Start in bessere Zeiten
GC ist heute Sonntagnachmittag im St.- Jakob- Park Gegner. 8: 1 hatte der FCB den kriselnden Rekordmeister im vergangenen September abgefertigt – zweieinhalb Wochen, nachdem er in der Champions- League- Qualifikation gegen Inter ohne Chance geblieben war. Der Kantersieg bedeutete aber nicht der Start in glücklichere Zeiten.

Der FCB ist in Cup und Uefa- Cup ( gegen Lille vor 10 Tagen) ausgeschieden. Er hat in drei Spielen dieses Jahres ein Tor erzielt. Seine Leistungen waren abgesehen vom Heimspiel gegen Lille mangelhaft. Er hat seine Schwierigkeiten auf mehreren Ebenen. Die Mannschaft ging in den vergangenen Monaten nicht einmal mehr in der Liga mit dem Selbstverständnis auf den Rasen, den Gegner bis zum 1: 0 nicht atmen zu lassen. Die Laufwege sind kurz geworden, die Leistungsbereitschaft klein.

Dass sich die Spieler füreinander zerreissen, war nicht erkennbar. Erfolg und Geld haben einen kräftigen Teil dieses Teams träge gemacht, einstige Leistungsträger laufen ihren besten Zeiten nach oder spielen nicht für die Gemeinschaft.

Und das stösst anderen Teilen sauer auf. Das Basler Tief manifestiert sich im argentinisch geprägten Sturm. 57 Tore hatte das Team nach 19 Partien in der vergangenen Saison erzielt und nie
Christian Gimenez: Immerhin 11 Treffer
ren. 37 Treffer sind es derzeit, 20 Punkte beträgt der Unterschied zum Vorjahr. Die mangelnde Offensivkraft zeigt, dass Gross trotz vielen Versuchen keine passende Angriffsformel gefunden hat, seit Hakan Yakin den Klub zum zweiten Mal verlassen hat. Die jüngste Variante mit einer richtigen Spitze ( zuletzt Carignano) und zwei Stürmern dahinter ( Rossi, Gimenez) passt nicht zum Team. Christian Gimenez ist ein ausserordentlicher Strafraumspieler, für andere Aufgaben aber zu limitiert. Julio Hernan Rossi, lauf- und kampfstark, verlor an Wirkung. Seine Torquote ist in der Liga auf den vernichtenden Wert von 1 gesunken.

Gross stellt sich in diesen Tagen mit allen Möglichkeiten vor Mannschaft und Stürmer. Er lässt Kritik an Team und seinem Ein- Spitzen- Modell nicht gelten, sondern reagiert mit leichter Verärgerung. Dunnhäutiger als auch schon ist der 50- Jährige. Das ist schwer nachvollziehbar, weil er als Trainer dieses Klubs schon so viel erreicht hat, Leistungsschwankungen und damit auch kritischere Fragen zum Geschäft gehören, er über der Situation stehen könnte, sein grossartiger Ruf deshalb in keiner Weise leidet.

Die Argentinier sind auf Grund der jüngsten Leistungen ins Zentrum der Beobachtungen geraten. Rossi und Gimenez verlogelten in der Mannschaft wegen ihrer alten Verdienste nach wie vor als unumstritten. Gimenez hat auch in seiner aktuellen, schwächsten Phase in Basel, 11 Meisterschaftstore erzielt.
Gezweifelt wird in Basel an Delgados Qualität und Carignanos Klasse
Es muss bezweifelt werden, dass Delgado der Durchbruch noch gelingen wird, weil er sein Talent bisher in den Spielen kaum einmal umsetzen konnte und in den Schlüsselpartien gegen Lille nicht mehr von Anfang an zum Einsatz kam – was auf einen grösseren Vertrauensverlust beim Coach hindeutet.

Cesar Carignano hat sich mit seinen Auftritten nicht nur Freunde gemacht im Umfeld des FC Basel, weil der Kaufpreis von 3,7 Millionen Franken und die Leistung bis anhin meist im Missverhältnis standen. Dem FCB ist es nicht gelungen, seine Strategie der Neueinkäufe und des erhöhten Konkurrenzdrucks erfolgreich umzusetzen und Abgänge vergessen zu machen. Er hat in den vergangenen Monaten eindeutig an Qualität verloren statt gewonnen.

Ein tiefer Graben aber durchquert das Team nicht. Rossi glaubt, dass sein Schwager Delgado der Regisseur wäre, der dem Team weiterhelfen könnte, wenn er einmal fünf, sechs Partien in Serie absolvieren und in seine Rolle wachsen könnte, er sieht aber auch die Zwänge des Trainers, der den schnellen Erfolg suchen müsse.
Die Rückkehr zum Zwei- Mann- Angriff steht auf dem Wunschzettel
Rossi denkt wie andere Spieler auch, dass sie beim FCB für ihr Glück zusammenstehen, für einander laufen und kämpfen müssen. Bedingungslos. Wieder. Die Rückkehr zum Zwei- Mann- Sturm steht ausserdem auf dem Wunschzettel einiger Kadermitglieder.

Gross wird über Veränderungen nachdenken, auch wenn er das zum Zeitpunkt nicht zugeben will, irgendwie nicht zugeben kann. Zwei Stürmer gegen GC ( Gimenez und Carignano) und eine nächste Chance für Delgado könnten zum Plan gehören. « Die Argentinier haben vor dem Spiel in Lille die Anforderungen erfüllt » , urteilt Gross, « es ist ihre Berufung und Obsession, Tore zu erzielen. Deshalb haben wir sie auch verpflichtet. » Recht gegeben haben ihm noch nicht alle vier.

Eine heftige Reaktion von Mannschaft und Offensive auf die Kritik aber wäre heute keine Überraschung. Die Klasse dafür reicht aus.

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