Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Red Blue Devils Poeten Forum
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Betty Bossi

Meister in Italien wird, wer das meiste Geld hat

Startbeitrag von Betty Bossi am 26.08.2005 13:56

DIE WELT.de


Meister in Italien wird, wer das meiste Geld hat

Sicherheit und Seriosität lauten die wichtigsten Saisonziele der morgen beginnenden Serie A, die sportlich längst eine Mehrklassengesellschaft ist

von Carina Zaune

Mailand/Berlin - Inter Mailand hat zum Saisonauftakt eigens einen Radiospot geschaltet. Wer am Sonntag zum Spiel gegen Treviso kommen wolle, mahnte der Moderator, der solle früher als sonst ins Stadion San Siro kommen. Nicht etwa, weil Aufsteiger Treviso die Massen anziehen könnte, prognostizierte der Klub Wartezeiten. Sondern, weil es erstmals personalisierte Eintrittskarten gibt.

Das von den Mailändern befürchtete Organisationschaos ist Innenminister Giuseppe Pisanu nämlich egal, der Politiker hat den Anti-Gewalt-Kampf als sein oberstes Saisonziel ausgegeben. Dafür ordnete er eine lückenlose Videoüberwachung der Fußballarenen an und verkündete einen Strafenkatalog, der brutale Tifosi abschrecken soll. "Die Sicherheit ist wichtiger als der teuerste Spieler auf dem Platz", sagte Pisanu.

Vor dem Start der Serie A am Samstag hat die Liga aber nicht nur die bekannten Probleme mit ihren gewaltbereiten Fans. In der fußballfreien Zeit gab die Liga ein beschämendes Bild ab. Nach dem Sommer des Chaos und der Zwangsabstiege "müssen wir unser verlorengegangenes Image auf sportlichem Wege zurückgewinnen", fordert Liga-Präsident Adriano Galliani. Denn eine Prozeßlawine folgte der nächsten, mit dem AC Turin wurde erstmals einem Aufsteiger wegen Steuerschulden in Höhe von 34 Millionen Euro keine Lizenz erteilt. Konkurrent Genua degradierte der Verband wegen eines gekauften Sieges gar in die dritte Spielklasse. Und Messina rettete sich nur dank des autonomen Steuergebietes Sizilien. "Es war eine moralische und organisatorische Katastrophe", kommentierte die Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport", erst zehn Tage vor Saisonstart standen alle Erstligisten fest. Ascoli und Treviso nehmen die freigewordenen Plätze ein, erstligatauglich ist vor allem der Kader von Ascoli aber kaum.

Und so bleibt die Serie A auch in dieser Saison eine Mehrklassengesellschaft. Meister wird, wer das meiste Geld hat und investieren kann, also Juventus Turin, Inter und AC Mailand. Hinter Juve stehen der Fiat-Konzern und der Libyer Ghaddafi, Milan gehört Ministerpräsident Berlusconi, und Petromilliardär Moratti hält sich Inter als Spielzeug.

Diese Klubs teilen sich auch den Großteil der Fernseheinnahmen, schon im Sommer 2004 hatte das Trio mit dem Pay-TV-Sender Sky Italia Verträge über insgesamt 621,5 Millionen Euro für drei Jahre abgeschlossen - das sind rund 60 Prozent der Gelder, die Sky bis 2007 in die Serie A investiert. Auch von Berlusconis Sendergruppe Mediaset werden die drei mit dem Löwenanteil bedacht. Dazu kommen die internationalen Einnahmen, Turin kassierte vergangene Spielzeit allein in der Champions League 124,4 Millionen Euro.

Von Erfolg durch Geld träumt auch Fiorentina-Eigner Diego Della Valle. Der Besitzer eines Schuhimperiums hatte schon vergangenes Jahr 50 Millionen Euro in einen neuen Kader investiert. Am Ende entging man nur zwar knapp der Abstiegsrelegation, dennoch griff Della Valle erneut tief in seine Privatschatulle und heuerte Nationalstürmer Luca Toni (Palermo) und Stefano Fiore (Valencia) an.

Die schillerndsten Wechsel jedoch präsentierte das reiche Trio aus dem Norden. Juventus Turin eiste für 24 Millionen Euro Patrick Vieira von Arsenal London los. "Unsere Defensive ist in dieser Saison unüberwindbar. Wir werden wieder um den Titel spielen, das liegt in der Juve-DNA", frohlockte Trainer Fabio Capello. Titelkonkurrent AC Mailand gewann das Tauziehen um Italiens größtes Talent Alberto Gilardino. Die Offensive um Kaka, Andrej Schewtschenko, den Zugängen Christian Vieri und Gilardino läßt auch den sonst eher nüchternen Coach Carlo Ancelotti aufleben: "Wir wissen, daß wir die stärkste Mannschaft haben." Für Gilardino hatte Berlusconi 24 Millionen Euro locker gemacht.

Auch Inter-Patron Moratti ist generös mit sommerlichen Titelversprechen, die sich im Winter meist in Luft auflösen. Doch diesmal bekam er gar Lob von der Konkurrenz. "Juve, Inter und Milan starten alle vom gleichen Level. Allerdings nur, weil Inter sehr viele Schritte nach vorn gemacht hat", sagte Ancelotti. Erstmals nach Jahren haben sich die Nerazzurri mit David Pizarro (Udinese), Luis Figo, Santiago Solari und Walter Samuel (Real Madrid) intelligent verstärkt. Den an sich unbedeutenden Sieg im Super-Pokal feierten die Inter-Tifosi bereits als gutes Omen: dem letzten 1989 folgte später die Meisterschaft.

Artikel erschienen am Fr, 26. August 2005

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.