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Hitzfeld: Ich bin nicht auf Spitzenklubs fixiert

Startbeitrag von Betty Bossi am 09.01.2006 13:19

DIE WELT.de


"Ich bin nicht auf Spitzenklubs fixiert"

Trainer Ottmar Hitzfeld über seine Comebackpläne, Klinsmanns Arbeit und die Zukunft von Ballack und Podolski

Berlin - Ottmar Hitzfeld ist der einzige deutsche Fußballtrainer, der zweimal die Champions League gewinnen konnte. Im Sommer 2004 hörte er beim FC Bayern München auf und unterbrach seine erfolgreiche Karriere, um sich erholen. In der WELT spricht Hitzfeld über Herausforderungen und Chancen im WM-Jahr 2006 sowie seine Rückkehrpläne.

Die Welt: Premiere hat die Bundesligarechte verloren. Ist Ihr Job als TV-Experte in Gefahr?

Ottmar Hitzfeld (56): Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber mein Vertrag läuft ohnehin zunächst nur bis zum Sommer. Und bis dahin werde ich weiter in der Bundesliga, in der Champions League und bei der WM im Einsatz sein.

Die Welt: Kehren Sie danach wie angekündigt auf die Trainerbank zurück?

Hitzfeld: Ich habe gesagt, daß ich mir vorstellen kann, ab Sommer wieder als Trainer zu arbeiten. Aber auch das möchte ich offenlassen. Ich fange nur wieder an, wenn ich ein absolut reizvolles Angebot erhalte und spüre, daß ich topmotiviert bin. Vor der WM wieder einzusteigen, kann ich mir nicht vorstellen.

Die Welt: Ist es möglich, daß Sie nie wieder zurückkehren?

Hitzfeld: Das glaube ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Die Welt: Sie müssen mit Angeboten überhäuft worden sein.

Hitzfeld: Ich habe natürlich sehr viele Angebote für Trainer und Managerposten bekommen. Eine Stelle als Manager steht aber nicht zur Diskussion. Wenn, dann fange ich nur als Trainer wieder an.

Die Welt: Gab es auch Anfragen abseits des Fußballs?

Hitzfeld: Ja, ich halte Vorträge über Teamführung, Motivation und Streßbewältigung. Natürlich gab es auch Angebote von Fernsehshows. Das kam aber für mich nicht in Frage.

Die Welt: Was kommt denn an Arbeitgebern in Frage? Muß es ein Klub wie Real Madrid sein?

Hitzfeld: Ich bin nicht auf absolute Spitzenklubs fixiert, sondern kann mir auch vorstellen, einen kleineren Verein zu trainieren. Es kann auch sein, daß ich plötzlich in ein Land außerhalb Europas gehe, um noch einmal eine neue Kultur kennenzulernen. Ich möchte mir jede Möglichkeit offenhalten.

Die Welt: Wie erkennen Sie das richtige Angebot?

Hitzfeld: Es muß einfach klick machen. Ich muß sofort vom Umfeld, aber auch von der Herausforderung begeistert sein. Ich werde mich aber erst ab April, Mai konkret damit beschäftigen, vorher nicht.

Die Welt: Sind Sie denn gesundheitlich wieder auf der Höhe? Am Ende Ihrer Zeit bei den Bayern beklagten Sie, ausgebrannt zu sein.

Hitzfeld: Ich war damals nicht mehr so belastbar. Mir hat die Freude am Beruf gefehlt, und am Ende litt ich sogar unter Schlafstörungen. Dies ist vorbei, ich bin ausgeruht und im Vollbesitz meiner Kräfte. Eigentlich fühle ich mich so gut wie noch nie in meinem Leben.

Die Welt: Wäre da nicht ein Job als Nationaltrainer perfekt? Der könnte eine gesunde Mischung aus Streß, Arbeitsaufwand und Freizeit bieten.

Hitzfeld: Natürlich kann ich mir auch vorstellen, einen solchen Job zu übernehmen, und ich hatte auch bereits entsprechende Angebote. Die Vorteile einer solchen Anstellung wären natürlich die ganz neuen Ziele und die anderen Arbeitsbedingungen. Man hat viel weniger Spiele zu absolvieren und ist nicht mehr der Doppel- und Dreifachbelastung ausgesetzt, wie es bei den Bayern der Fall war.

Die Welt: Dort arbeitet Ihr Nachfolger äußerst erfolgreich. Verwaltet Felix Magath denn Ottmar Hitzfelds Erbe auch in Ihrem Sinne?

Hitzfeld: Da kann man nicht von einem Erbe sprechen, schließlich ist jeder für sich allein verantwortlich. Magath leistet aber hervorragende Arbeit und hat beachtliche Serien hingelegt.

Die Welt: Meister und Pokalsieger ist er mit den Bayern Magath schon geworden. Kann er in diesem Jahr auch die Champions League gewinnen?

Hitzfeld: Die Bayern haben eine sehr gute Mannschaft und mit Kahn, Lucio, Ballack und Makaay eine starke Achse, die von weiteren Nationalspielern flankiert wird. Sie können jeden Gegner in Europa schlagen. Daher haben sie gute Chancen, das Finale zu erreichen und zu gewinnen. Es gibt aber noch bestimmt neun andere Teams, die dazu ebenfalls in der Lage sind. Für einen Triumph muß alles passen - wer die Champions League gewinnen will, benötigt nicht nur Klasse, sondern auch Glück und Teamgeist. Wir haben damals nicht gewonnen, weil wir die beste Mannschaft waren, sondern weil einfach alles gepaßt hat.

Die Welt: Sie sprachen Ballack an. Sollte er in München bleiben oder ins Ausland wechseln?

Hitzfeld: Michael Ballack ist der absolute Leistungsträger und die Identifikationsfigur des FC Bayern. Er verkörpert alles, was ein Weltklassespieler braucht und hat sich zuletzt auch als Persönlichkeit noch einmal enorm weiterentwickelt. Sein Abgang wäre sehr schmerzlich. Für die persönliche Entwicklung ist ein Wechsel ins Ausland mit einer sportlichen Herausforderung und einer neuen Sprache sicher förderlich. Es gibt aber auch gute Gründe, in München zu bleiben. Ansonsten möchte ich mich zurückhalten. Es soll nicht heißen, Hitzfeld würde Ballack zu irgend etwas raten.

Die Welt: Woran machen Sie die Entwicklung Ballacks fest?

Hitzfeld: An vielen Details: Es geht darum, wie Michael sich im Spiel zeigt und auf dem Platz immer mehr Verantwortung übernimmt. Man sieht es aber auch an Interviews, in denen er deutlichere Aussagen trifft und klarer seine Meinung vertritt.

Die Welt: Ballack steht bei den Bayern vor dem Absprung, Lukas Podolski vor dem Vertrag. Fänden Sie es richtig, wenn er den 1. FC Köln schon dem Ende dieser Saison verläßt?

Hitzfeld: Ich hätte mir gewünscht, daß er noch in Köln bleibt, um sich zu entwickeln. Natürlich nur, wenn Köln in der Liga bleibt, wovon ich aber ausgehe. Dort kann Podolski der absolute Leistungsträger sein und sich als Führungsspieler profilieren, ehe er zu einem Topklub wechselt, wo er einer von vielen ist.

Die Welt: Neben den Bayern bieten auch deren Verfolger um Podolski mit. Glauben Sie, daß Bremen oder Hamburg den Münchnern den Meistertitel streitig machen können?

Hitzfeld: Werder und der HSV spielen eine sehr gute Saison und haben einfach das Pech, daß die Bayern eine überragende Saison spielen. Ich glaube aber, daß es spannend bleibt, weil Bremen sich in der Defensive stabilisiert hat. Hamburg erlebt eine von Thomas Doll entfachte Euphorie und hat mit dem mutigen Kauf von Rafael van der Vaart einen Volltreffer gelandet. Der HSV hat die Substanz, sich über mehrere Jahre an der Spitze zu halten.

Die Welt: Am Ende der Liga steht der 1. FC Kaiserslautern, wo Ihr langjähriger Assistent Michael Henke nach nur 13 Spielen bei seiner ersten Station als Cheftrainer entlassen wurde. Hat er sich zu wenig Rat bei Ihnen geholt?

Hitzfeld: Ich bedaure die Entlassung sehr, weil ich überzeugt bin, daß Kaiserslautern mit Michael Henke nicht abgestiegen wäre. Wir hatten zwar Kontakt, aber als Chef muß man eigene Entscheidungen treffen, so daß Tips von mir nicht nötig waren.

Die Welt: Wird es bald wieder das Duo Hitzfeld/Henke geben?

Hitzfeld: Wir haben uns darüber noch nicht unterhalten. Ich denke, daß Michael seine nächste Chance als Cheftrainer suchen wird. Mein Wunsch ist es aber, immer mit ihm zu arbeiten.

Die Welt: Neben Henke wurden in der Vorrunde sieben weitere Trainer gefeuert. Ist die Arbeit Ihrer Kollegen so schlecht?

Hitzfeld: Die Arbeit der Kollegen ist mit Sicherheit nicht schlechter geworden. Vielmehr glaube ich, daß die Macht der Medien weiter zugenommen hat und viele Diskussionen immer öffentlicher werden. Da braucht ein Trainer schon sehr starken Rückhalt, zumal ja auch die Manager und Präsidenten immer mehr unter Druck geraten.

Die Welt: Sie werten die große Zahl an Entlassungen also als Trend und nicht als Ereignis.

Hitzfeld: So würde ich das nicht sagen. In der Hinrunde hat auch Aktionismus eine große Rolle gespielt. Ein Klub entließ einen Trainer und trat dann eine regelrechte Lawine los. Andere Klubs sahen dies und dachten, daß sie nun auch die Reißleine ziehen müssen - das ist ein psychologisches Phänomen. Ich gehe davon aus, daß wir im nächsten Winter weniger Entlassungen beklagen müssen.

Die Welt: Ob Bundestrainer Jürgen Klinsmann bleibt oder geht, entscheidet sich bereits im Sommer. Wie bewerten Sie die WM-Chancen der Deutschen?

Hitzfeld: Der Heimvorteil und die Stimmung im Land sind ein großes Plus. Außerdem hatte man großes Glück mit der Auslosung. Deutschland hat drei machbare Gegner bekommen, ist absoluter Favorit und kann sich einspielen. Klinsmann hat die Mannschaft sehr gut ausgebildet, den nötigen Umbruch geschafft und bietet attraktiven Fußball. Die Rückschläge, die er erleiden mußte, waren wichtig und kamen zum richtigen Zeitpunkt, da Klinsmann jetzt noch auf sie reagieren kann.

Die Welt: Wer soll beim Turnier im Tor stehen?

Hitzfeld: Es liegt auf der Hand, daß Kahn mit seiner Erfahrung auch für die WM wichtig sein wird. Warum sollte man kurz vor dem Turnier noch mit Jens Lehmann einen Torwart, der weniger erfahren ist, bringen? Ich glaube auch, daß Kahn für Klinsmann die Nummer eins ist, er will mit der Rotation nur beiden Spielpraxis geben.

Die Welt: Wer sind Ihre Favoriten?

Hitzfeld: Brasilien steht über allem. Dahinter kommen Teams wie Deutschland, Argentinien, England, Italien, die Niederlande, vielleicht noch Frankreich.

Die Welt: Welche fußballerische Entwicklung erwarten Sie?

Hitzfeld: Von der taktischen Formation wird sich nicht viel tun. Die Mannschaften werden mehrheitlich im 4-4-2 oder 4-3-3-System mit unterschiedlichen Interpretationen agieren, die verschiedenen Mannschaftsteile aber noch dichter zusammenstehen. Im Spiel der Zukunft konzentriert sich das Geschehen auf einen immer engeren Raum. Um dann noch schnell und sicher kombinieren zu können, müssen auch Verteidiger immer versierter werden. Du brauchst elf technisch gute Spieler.

Die Welt: Welchen Spieler sehen Sie am liebsten?

Hitzfeld: Ronaldinho ist zur Zeit der Beste der Welt. Er hat die beste Technik und ist unabhängig von seinen Mitspielern, da er Spiele durch Freistöße, Dribblings und Vorlagen allein entscheiden kann. Daß er sich auch fürs Defensivverhalten nicht zu schade ist, macht ihn komplett. Ronaldinho begeistert mich.

Die Welt: Ist einer wie er überhaupt noch trainierbar?

Hitzfeld: Jeder Trainer wäre zunächst einmal stolz, ihn zu haben, weil er ein phänomenaler Spieler ist. Aber auch Ronaldinho muß fit sein, auch Ronaldinho benötigt Schutz, Kritik und psychologische Führung.

Die Welt: Kann man sich an Ronaldinhos Glanz auch als gegnerischer Trainer erfreuen?

Hitzfeld: Das geht schon, wenn auch nicht bedingungslos. Ich würde es zähneknirschende Bewunderung nennen.

Interview: Sven Flohr
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Artikel erschienen am Mo, 9. Januar 2006

© WELT.de 1995 - 2006

Antworten:

Betty Bossi schrieb:

Zitat

Hitzfeld: Ich bin nicht auf absolute Spitzenklubs fixiert,
sondern kann mir auch vorstellen, einen kleineren Verein zu
trainieren.

Die Welt: Wie erkennen Sie das richtige Angebot?

Hitzfeld: Es muß einfach klick machen. Ich muß sofort vom
Umfeld, aber auch von der Herausforderung begeistert sein.
Ich werde mich aber erst ab April, Mai konkret damit
beschäftigen, vorher nicht.


träume dörf me jo... ;)



von Latteknaller - am 09.01.2006 13:28
und es würd au passe zu "es kann auch ein club ausserhalb europas sein" ;)



von Zuschauer - am 09.01.2006 13:40
Aah.

Pletzlig kunnt Nantes und sait: " Wir ätten ausch gerne nosch ihrän Trainer, messieurs!".

Mir kassiere d'Ableesi fir d'Flaischkappe und dr Hitzfäld trainert dr FCB, also derte, wo-n-är aanegheert. *träum*

;-)



von Mätzli - am 09.01.2006 13:48
beantwort lieber emol mini frog im "nochfolger" thread ;)



von Latteknaller - am 09.01.2006 13:59
welli froog? gseh nur e mannschaftsufstellig. aber kei froog!



von Zuschauer - am 09.01.2006 14:08
Zuschauer schrieb:

Zitat

welli froog? gseh nur e mannschaftsufstellig. aber kei froog!

isch kai uffstellig. sin näme zur uswahl, am schluss mitemene frogezeiche. also e frog :p



von Latteknaller - am 09.01.2006 14:19
e froog wärs, wens en ganze satz wär!



von Zuschauer - am 09.01.2006 14:25
söll y for jedem name öppe no "isch es dr" vornedra setze, damits em herr hsg genähm wär druff z antworte?



von Latteknaller - am 09.01.2006 14:33
herr hsg? pardon, aber min name isch andersch... ;)



von Zuschauer - am 09.01.2006 14:52
btw: ich weiss natürlich nüt konkrets, aber d wörter hassli und fcb hani in letschter zit doch einigi mol im selbe atemzug ghört. und ich meine nöd s forum ;)



von Zuschauer - am 09.01.2006 17:45
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