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Betty Bossi, atzge

Pyramiden, Pharaonen und Probleme (kicker.de)

Startbeitrag von atzge am 19.01.2006 13:02





Am kommenden Freitag beginnt der 25. Afrika-Cup, das Pendant zur EURO, bei dem viele in Europa beschäftigte Profis am Start sind. Gastgeber Ägypten will den Heimvorteil nutzen, um zum fünften Mal den Titel zu holen.

Der Schwarze Kontinent blickt gebannt nach Ägypten. Vom 20. Januar bis zum 10. Februar wird im Land der Pyramiden zum 25. Mal der Afrika-Cup ausgetragen. In 32 Spielen kämpfen 16 Mannschaften in vier Städten um den kontinentalen Titel der Confédération Africain de Football, kurz CAF, um den Titel des Afrika-Meisters.

Ägypten erlebt zu Beginn des WM-Jahres den traditionsreichen Wettbewerb, der erstmals 1957 zur Austragung kam. Damals siegten die "Pharaonen" im Sudan, wo allerdings nur drei Nationen (Sudan, Ägypten und Äthiopien) teilnahmen. Doch diese Zahl erhöhte sich kontinuierlich, vor allem zu Beginn der 60er Jahre, als viele Nationen ihre Unabhängigkeit erlangten. Seit 1996, als Südafrika die CAN, den "Coupe d’Afrique des Nations" ausrichtete, nehmen 16 Nationalteams an der Endrunde teil.

Erstmals wurden jetzt die Resultate der WM-Qualifikation für die Teilnahme am "Cup of Nations" herangezogen und keine separate Qualifikationsrunde gespielt. Auch ein Zugeständnis an die Konstellation, dass viele der Aktiven als Profis in europäischen Klubs angestellt sind und deren Terminkalender eng genug ist. Aber auch die Abstellung der Spieler für das Turnier in Ägypten ist im Vorfeld der WM für die Klubs schon problematisch. Dennoch beharren die Verbände auf die Beibehaltung des Turniers im Zwei-Jahres-Rhythmus.

Die CAN bietet den Verbänden immerhin die Möglichkeit, die leeren Kassen ein bisschen aufzufüllen. Aber die Dimensionen des Turniers sind immer noch sehr bescheiden. So gingen beispielsweise die kompletten TV-Rechte für nur fünf Millionen Euro über den Tisch. Dazu bekommen die teilnehmenden Verbände ein Startgeld von etwa 100.000 Euro. Auch die Prämie für den Turniersieg nimmt sich bescheiden aus: Etwa 300.000 Euro werden für den Afrika-Meister ausgeschüttet. Peanuts im Vergleich zu den Zahlen, die zum Beispiel in Europa aufgerufen werden.



Ägypten, das zum 20. Mal an der Endrunde teilnimmt und damit weit vor den folgenden Nationen wie die Elfenbeinküste (15) und Ghana sowie die Demokratische Republik Kongo (je 14) rangiert, richtet bereits die vierte Endrunde aus. 1959, 1974 und 1986 waren die "Pharaonen" bereits Veranstalter. Für die CAN wurden sechs Stadien herausgeputzt. Das Eröffnungsspiel zwischen Ägypten und Libyen sowie abschließend auch das Finale findet im 74.100 Zuschauer fassenden Stadion International von Kairo statt. Die fünf übrigen Stadien (MilitärAkademie-Stadion/Kairo/25 000, Port-Said-Stadion/22 000, Alexandria-Stadium/20 000, Harras-ElHedoud-Stadium Alexandria/22 000 und das Ismailia-Stadium/16500) sind wesentlich kleiner, aber nicht weniger schön hergerichtet.

Klar, dass die Gastgeber den Heimvorteil nutzen und den Cup zum fünften Mal gewinnen wollen. Die heimische Umgebung ist in Afrika ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Schließlich konnten sich in der Geschichte der CAN neunmal die Gastgeber des Turniers durchsetzen. Auch dieses Mal wird’s wieder den ewigen Kampf der arabischen Nordafrikaner (Maghreb) gegen die aufstrebenden schwarzafrikanischen Nationen geben.

CAN-Gastgeber Ägypten will sich zudem für die verpasste WM-Qualifikation rehabilitieren. Sie scheiterten in ihrer Gruppe gegen das Team der Elfenbeinküste. Für das Gelingen zog Nationaltrainer Hassan Shehata eigens noch einen Joker aus dem Ärmel: Der 39jährige Stürmer Hossam Hassan wurde zur Rückkehr überredet und stürmt noch einmal für die "Pharaonen". 165 Länderspiele hat der "Methusalem" auf dem Buckel, wird seine siebte CAN spielen und schließt damit zum Rekordhalter, dem Ivorer Alain Gouamene auf, der den Vorteil hatte, im Tor zu stehen. Hossam Hassan ist dagegen ein Torjäger, der es im Nationalteam bislang auf 64 Treffer brachte.



Dafür fehlt den Ägyptern aber der Mainzer Mohamed Zidan. Der Leihspieler von Werder war nicht erpicht auf eine Teilnahme am Afrika-Cup und wollte sich lieber auf die Rückrunde der Bundesliga vorbereiten. Ein Zwiespalt, in dem viele afrikanische Spieler stecken, die ihr Geld in Europa verdienen. Das Gerangel um die Freistellung ihrer afrikanischen Spieler – für die europäischen Manager und Trainer ist es eine permanente Übung. Dabei ist die CAN genauso fest im Rahmenterminplan der FIFA verankert wie die anderen kontinentalen Meisterschaften. Ebenso klar ist die Abstellungspflicht geregelt.

Ein Profi, der den AfrikaCup als angenehme Pflichtübung sieht, ist Kameruns Kapitän Rigobert Song. Der ehemalige Kölner, der mittlerweile sein Geld bei Galatasaray Istanbul verdient (wenn er es denn bekommt), bestreitet beim Auftaktspiel gegen WM-Teilnehmer Angola sein 100. Länderspiel. Damit ist AbwehrHaudegen Song der erste Schwarzafrikaner, der dieses besondere Jubiläum feiert. Und wer den Ehrgeiz des Kapitäns der "Unbezähmbaren Löwen" kennt, der weiß, dass Song heiß ist auf den Turniersieg. Es wäre auch Kameruns fünfter – und ein kleine Entschädigung für die verpasste WM-Teilnahme.

Hardy Hasselbruch

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Ein Cup voller Konflikte

Die diesjährige Afrika-Meisterschaft schadet unmittelbar allen WM-Teilnehmern
VON DANIEL THEWELEIT

Afrika gilt als Kontinent ohne Macht und Einfluss. Die laufende Saison der Fußball-Bundesliga kann der verarmte Erdteil allerdings entscheidend beeinflussen, denn am morgigen Freitag beginnt der Afrika-Cup, und dieser Wettbewerb wird das Mittelfeld des 1. FC Nürnberg neu sortieren, Klaus Augenthalers Mission beim VfL Wolfsburg empfindlich stören, vor allem aber wird er die erfolgreichste Abwehr der Liga sprengen. Denn der HSV muss auf seine Außenverteidiger Guy Demel (Elfenbeinküste) und Thimothee Atouba (Kamerun) verzichten. Bis zu vier Wochen könnten die zwei fehlen.

"Wenn man Afrikaner verpflichtet, dann kennt man diese Problematik vorher", sagt Hamburgs Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. "Ich bin traurig, dass die beiden nicht dabei sind. Mitte Februar werden sie sofort wieder die alte Leistung abrufen", glaubt Trainer Thomas Doll. Die Erfahrung hingegen lehrt etwas anderes. Oftmals kommen die Spieler erschöpft, angeschlagen und in einer insgesamt schlechten Verfassung von dem Turnier zurück.

Thiam reist mit Physiotherapeut

Der Alltag während des Wettbewerbs ist oft wenig professionell strukturiert, die Trainingsarbeit ist kurzfristig angelegt, zudem wird in Afrika sehr hart gespielt. Wolfsburgs Pablo Thiam, der für Guinea dabei ist, hat das schon mehrfach erlebt und nimmt einen eigenen Physiotherapeuten mit nach Ägypten. Der Termin sei "nicht optimal", sagt er, "aber ich habe alles abgesprochen, mache Sonderschichten, trainiere extra".

Damit bildet er eine seltene Ausnahme. Nürnbergs Trainer Hans Meyer rechnet daher nicht damit, dass seine beiden Tunesier Jawhar Mnari und Adel Chedli noch viel bewegen werden. "Ich habe sie abgehakt", sagt der Trainer resignierend, "es ist für beide wahrscheinlich ein verlorenes Jahr in Nürnberg." Damit schadet der Wettbewerb auch der Perspektive der Tunesier bei der WM.

Neun Spieler aus der Bundesliga sind in diesen unverschuldeten Konflikt verwickelt. Neben Demel, Atouba, Thiam, Mnari und Chedli, ist mit Hans Sarpei (Ghana) ein zweiter Wolfsburger dabei, ebenso wie der Dortmunder Neuzugang Matthew Amoah (Ghana), der Sambier Andrew Sinkala vom 1. FC Köln und Bielefelds Top-Stürmer Sibusiso Zuma (Südafrika). Abstiegskampf, Meisterschaft und Ringen um die internationalen Plätze sind unmittelbar betroffen.

Deutlich härter trifft der Afrika-Cup aber die englische Premier League, aus der etwa 30 Spieler in Ägypten spielen, und die französische Liga mit rund 50 Teilnehmern. Hier treibt die Diskussion bisweilen bizarre Blüten: Roman Abramowitsch hatte vorgeschlagen, seinen Star Michael Essien per Privatjet zwischen Ägypten und London hin und her zu befördern, doch der Ghanaer hat sich am Knöchel verletzt, worüber José Mourinho nicht unglücklich ist.

Sein Kollege Arsène Wenger feilschte, damit Kolo Touré und Emmanuel Eboué, seine Spieler von der Elfenbeinküste, länger zur Verfügung stehen. Er ärgert sich über den afrikanischen Kontinentalverband CAF. "Der Zeitpunkt ist unglaublich: Das ist, als würde man die EM jetzt spielen und im Sommer die WM." Er prophezeit, dass seine Spieler, nach der Rückkehr "körperlich tot" sein werden. Beistand erteilt Henri Michel, Trainer der Elfenbeinküste. "Der Afrika-Cup ist keine gute Vorbereitung auf die WM."

Gerade für die WM-Teilnehmer ist die Problematik fatal: Die Spieler fehlen in ihren Ligen, schauen mit einem Auge auf den Klub und den dort in Gefahr geratenen Stammplatz. Gleichzeitig müssen sie in Ägypten erfolgreich sein, damit die Sportminister und Verbandspräsidenten nicht panisch werden, Trainer feuern oder anderen selbstzerstörerischen Reflexen des afrikanischen Fußballs folgen.

Die Aussichten der Afrikaner bei der WM verbessert das Turnier eher nicht. Als Grund für das sture Beharren auf dem Termin nennt der Kontinentalverband CAF den WM-Qualifikationskalender und Verpflichtungen den Sponsoren gegenüber. Kenner hingegen glauben eher, dass es sich um den Stolz des chronisch zu kurz Gekommenen handelt. Deutlich wird aber: Je mehr Afrikaner in Europa spielen, desto mehr schadet sich der Fußball vom Schwarzen Kontinent mit dem Afrika-Cup selbst.

Quelle: [www.fr-aktuell.de]

von Betty Bossi - am 19.01.2006 14:33

Re: Fifa sorgt für ein Klima der Angst

HANDELSBLATT, Freitag, 20. Januar 2006, 09:00 Uhr
Zu viele Vorschriften

Fifa sorgt für ein „Klima der Angst“

Der Fußballweltverband macht sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft nicht nur Freunde. Von Flensburg bis Füssen wächst der Unmut.

HB FRANKFURT. Ob die peniblen Vorschriften der Fifa für den Stadionumbau (30 Zentimeter Rückenlehne), ihr Anspruch auf Hoheit über die Stadien oder das aggressive Durchdrücken ihrer Vermarktungsansprüche: Wirtschaft, Kommunen und Politiker fühlen sich vom Fußballweltverband zunehmend gegängelt.

Von „Knebelverträgen“ schimpfte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, von „knallharten Bedingungen“ sein Kollege Bernhard Deubig aus Kaiserslautern. Am Montag platzte Peter Danckert der Kragen. Dass die Fifa nach der Absage der WM-Gala in Berlin nun angeblich auch eine geplante Ersatzparty am Brandenburger Tor verhindern wolle, „das geht wirklich zu weit“. Letztlich lenkte die Fifa dann doch ein und sagte dem Berliner Senat nach zähen Verhandlungen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eine Million Euro Zuschuss für die Ersatzveranstaltung zu.

Dabei kommt die Einmischung aus Zürich keineswegs unangekündigt. Denn alle möglichen Partner haben dem Fifa-Diktat zugestimmt, schon bevor Deutschland vor fünfeinhalb Jahren den Zuschlag erhielt. Punktgenau nachzulesen sind viele Vorgaben im „Pflichtenheft zur WM 2006“. In der Präambel heißt es: Der DFB und das Organisationskomitee unterliegen „der Überwachung und Kontrolle der Fifa, die in allen Punkten letztinstanzlich entscheidet“.

Die letzte Instanz in einem der brisantesten Streitfälle hat indes noch nicht gesprochen: Es geht um den Wunsch des Schokoladeproduzenten Ferrero, seine traditionellen Sammelbildchen in „Hanuta“ und „Duplo“ mit der Wortbildmarke „WM 2006“ zu bewerben. Ferrero wollte sich das von der Fifa nicht verbieten lassen, die wiederum den Bundesgerichtshof anrief, weil sie sich die Marke „WM 2006“ hat sichern lassen. Mit einem Urteil wird vor der WM nicht gerechnet, dabei stehen erhebliche Regressforderungen auf dem Spiel.

Wie aggressiv die Fifa versucht, mit Abmahnungen oder Klagen jede Form des so genannten Ambush-Marketings von Trittbrettfahrern zu unterbinden, die nicht zu den 15 Hauptsponsoren oder sechs nationalen Förderern gehören, weiß Stefan Engels von der Sozietät Lovells. Er und seine Kollegen betreuen eine Vielzahl von Unternehmen, die Angst vor teils drakonischen Strafen haben. Der entstandene Druck sei im Interesse der Fifa, sagt Engels. „Die Mandanten werden sehr vorsichtig“; und würden so davon abgehalten, ihre rechtlichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen.


Für Zähneknirschen in Kommunen und Vereinen sorgt auch die Bannmeile um die Stadien: Innerhalb eines umzäunten Sicherheitsrings darf es während der WM keine Hinweise auf Partner oder Sponsoren der Heimvereine geben, von Fanshops bis zu Zapfhähnen muss alles abgeklebt werden. Selbst die Stadionnamen müssen, wie im Fall der Hamburger AOL-Arena oder der Münchner Allianz-Arena, kostspielig abmontiert werden. Entlang der Wege von wichtigen Hotels zu den Stadien hat sich die Fifa Werbefläche sichern lassen, die mit Plakaten der offiziellen Sponsoren tapeziert werden.

Die Forderungen gehen laut Engels teilweise über deutsches Recht hinaus. So seien etwa Fragen, inwieweit die Fifa die Berichterstattung der Medien reglementieren, für das so genannte Public Viewing Lizenzen vergeben oder öffentliche Flächen vereinnahmen könne, juristisch noch nicht hinreichend geklärt, sagt er. Und nur die wenigsten hätten den Mut wie Ferrero, sich auf einen Rechtsstreit mit der Fifa einzulassen, so dass sich der Weltverband meistens durchsetze.

Den Unmut kontert die Fifa mit dem Hinweis auf ihre Pflicht, den internationalen Sponsoren und nationalen Förderern von Yahoo bis zur Deutschen Bahn Exklusivität zu sichern - immerhin zahlen diese dafür etwa 650 Mill. Euro. Ohne das Geld wäre die WM, die die Fifa und das Organisationskomitee rund eine Milliarde Euro kosten, nicht auszurichten. Dennoch hat Gregor Lentze, Geschäftsführer der Fifa Marketing & TV Deutschland GmbH, Verständnis für das Grollen in den Rathäusern. „Anfangs war das für viele sicher ein Kulturschock“, zitiert ihn der „Spiegel“.

Doch nicht nur Wirtschaft und Kommunen müssen sich der Fifa unterordnen, auch die Bundesregierung hat zahlreiche Garantien abgegeben. So wird sämtlichen Fifa-Mitgliedern für die WM eine Abgaben-, Gebühren- und Steuerfreiheit gewährt. Der unüberschaubare Tross des Weltverbandes aus aller Herren Ländern hat weitgehenden Anspruch auf Ein- und Ausreisefreiheit. Und für Ausländer, die mit der WM zu tun haben, wird das deutsche Arbeitsrecht teilweise außer Kraft gesetzt.

Das Pflichtenheft als Grundgesetz? Von einem „Diktat der Macht“ des Weltverbandes über „Fifa“-Land schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ bescheinigt dem Veranstalter, mit seiner Regulierungswut unter Unternehmern ein „Klima der Angst“ zu erzeugen. Rechtsanwalt Engels sagt: „Die Empörung wächst.

von Betty Bossi - am 20.01.2006 09:06

Der Afrika-Cup ärgert Europas Trainer (BaZ)






STATT IN DEN EUROPÄISCHEN LIGEN SPIELEN AFRIKAS STARS UM DEN KONTINENTALTITEL



Sie freuen sich. Den Fans aus Kamerun dürfte der Ärger der europäischen Club-Trainer über den Termin des Afrika-Cups ziemlich egal sein. Foto Keystone

DANIELTHEWELEIT


Mit der Partie von Gastgeber Ägypten gegen Libyen beginnt heute der Afrika-Cup (18.00 Uhr, Eurosport live). Zu einem Zeitpunkt, der vor allem europäische Clubtrainer die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Afrika gilt als Kontinent ohne Macht und Einfluss. Die laufende Saison der deutschen Fussball-Bundesliga kann der verarmte Erdteil allerdings entscheidend beeinflussen, denn der Afrika-Cup wird das Mittelfeld des 1. FC Nürnberg neu sortieren, Klaus Augenthalers Mission in Wolfsburg empfindlich stören und vor allem die erfolgreichste Abwehr der Liga sprengen. Denn der HSV muss auf seine starken Aussenverteidiger Guy Demel (Elfenbeinküste) und Thimothee Atouba (Kamerun) verzichten, die entscheidend für die starke Hamburger Defensive waren. Bis zu vier Wochen, fast ein Viertel der Rückrunde, könnten Spieler fehlen, die an der afrikanischen Kontinentalmeisterschaft teilnehmen.
Hamburgs Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer will sich die gute Stimmung rund um seinen Club von diesem Ärgernis aber nicht verderben lassen. «Wenn man Afrikaner verpflichtet, kennt man diese Problematik vorher», sagt er. Und auch Trainer Thomas Doll gelingt es mit einiger Mühe, die offenkundige Schwächung in positive Formulierungen zu pressen. «Mitte Februar werden die beiden sofort wieder die alte Leistung abrufen», glaubt er. «Sie haben unser System total verinnerlicht, deshalb mache ich mir keine Sorgen, dass sie nach ihrer Rückkehr Anpassungsschwierigkeiten haben.»
Die Erfahrung hingegen lehrt etwas anderes. Oftmals kommen die Spieler erschöpft, angeschlagen und in einer schlechten Verfassung von dem Turnier zurück. Der Alltag während des Cups ist oft wenig professionell strukturiert, die Trainingsarbeit kurzfristig angelegt. Zudem wird in Afrika sehr hart gespielt. Wolfsburgs Pablo Thiam, der für Guinea dabei ist, hat das schon mehrfach erlebt und nimmt einen eigenen Physiotherapeuten mit nach Ägypten. Der Termin sei «nicht optimal», sagt er, «aber ich habe alles abgesprochen, mache Sonderschichten, trainiere extra».

DIEIDEEMITDEM privatjet. Neun Spieler aus der Bundesliga sind in diesen unverschuldeten Konflikt verwickelt. Deutlich härter trifft der Afrika-Cup aber die englische Premier League, aus der etwa 30 Spieler in Ägypten spielen, und die französische Liga mit rund 50 Teilnehmern. Hier treibt die Diskussion um den Afrika-Cup bisweilen bizarre Blüten: Roman Abramowitsch hatte im Dezember vorgeschlagen, seinen Star Michael Essien per Privatjet zwischen Ägypten und London hin und her zu befördern. Inzwischen hat sich der Ghanaer am Knöchel verletzt, worüber man in Chelsea vermutlich nicht unglücklich ist.

Arsenals Trainer Arsène Wenger feilschte um einzelne Tage, damit ihm Kolo Touré und Emmanuel Eboué, seine beiden Spieler von der Elfenbeinküste, länger zur Verfügung stehen. Seit Wochen ärgert er sich öffentlich über den afrikanischen Kontinentalverband CAF. «Der Zeitpunkt ist absolut unglaublich», sagt er, «das ist, als würde man die Europameisterschaft jetzt spielen und im Sommer die Weltmeisterschaft». Er prophezeit, dass seine Spieler nach ihrer Rückkehr «körperlich tot» sein werden.
Ebenfalls zu Wengers Spielern am Afrika-Cup gehört seit kurzem der Togolese Emmanuel Adebayor. Der Star des WM-Gegners der Schweiz wurde von Monaco abgeschoben, weil er sich nach den Ferien lieber direkt ins Vorbereitungscamp für den Afrika-Cup begeben wollte, statt mit den Monegassen zu trainieren.
Beistand erhält Wenger von Henri Michel, dem Trainer der Elfenbeinküste. «Ich glaube nicht, dass der Afrika-Cup mit dieser schweren Gruppe eine gute Vorbereitung auf die WM ist», sagt der Franzose. «Es ist extrem schwer, ein Team zweimal im Jahr auf ein grosses Turnier vorzubereiten.» Gerade für die WM-Teilnehmer ist die Problematik fatal: Die Spieler fehlen in ihren Ligen, schauen mit einem Auge auf den im Club in Gefahr geratenen Stammplatz. Gleichzeitig müssen sie in Ägypten erfolgreich sein, damit die Sportminister und Verbandspräsidenten nicht panisch werden, Trainer feuern oder anderen selbstzerstörerischen Reflexen des afrikanischen Fussballs folgen.

nur wasserball?Als Grund für das Beharren auf dem Termin nennt der CAF den WM-Qualifikationskalender und Verpflichtungen gegenüber Sponsoren. «Zudem», erklärt CAF-Präsident Issa Hayatou, «gibt es in Afrika Länder, in denen wegen des Klimas im Sommer nur Wasserball gespielt werden könnte.» Darum sei das Turnier zu keinem anderen Zeitpunkt durchführbar. Kenner des afrikanischen Fussballs glauben eher, dass es sich um den Stolz des chronisch zu kurz Gekommenen handelt. Je mehr Afrikaner in Europa spielen, desto deutlicher wird aber, dass sich der Schwarze Kontinent mit dem Afrika-Cup zu diesem Termin selbst schadet.
> www.egypt2006.com.eg
Afrika-Cup
Gruppe A. Ägypten, Libyen, Marokko, Elfenbeinküste. - Gruppe B. Kamerun, Angola, Togo Kongo. - Gruppe C. Tunesien, Sambia, Südafrika, Guinea. - Gruppe D. Nigeria, Ghana, Simbabwe, Senegal. - Ausgewählte Spiele live auf Eurosport.



von atzge - am 20.01.2006 19:58
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