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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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atzge

Der FCBasel verliert Patrick Müller an Lyon (BaZ)

Startbeitrag von atzge am 26.01.2006 16:53






VERTEIDIGER STEHT VOR VERTRAGSUNTERSCHRIFT - SCHWEIZER MEISTER BÜSST WEITER SUBSTANZ EIN UND GEWINNT MILLIONEN



Auf dem Weg zurück:Patrick Müller im Trikot von Olympique Lyon, für das er vier Jahre lang spielte. Foto Keystone

Christoph Kieslich

Das Geld entscheidet:Weil Olympique Lyon auf die hohen Forderungen des FCBasel eingeht, steht Patrick Müller unmittelbar vor dem Wechsel nach Frankreich.

Es ist in jeder Hinsicht ein weiterer schwerer Schlag ins Kontor des FCB. Nach Christian Gimenez, der Stunden vor dem Rückspiel der Champions-League-Qualifikation in Bremen unter unschönen Umständen nach Marseille verschwand, verliert der Schweizer Meister nun auch Patrick Müller. Jener Müller, der im Spätsommer in einem Formtief steckte, die beiden Spiele gegen Bremen nicht mitmachte - und erst so für Olympique Lyon wirklich interessant wurde.
Aufgrund einer Verletzungsserie in der Abwehr erinnerten sich die Franzosen, die vor dem Champions-League-Achtelfinal stehen, wieder an Müller, der vier Jahre lang, von 2000 bis 2004, mit Olympique drei Titel geholt hatte, Captain war - aber seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Das wird er heute mit allergrösster Wahrscheinlichkeit mit eineinhalb Jahren Verzögerung und den Zwischenstationen Mallorca und Basel tun.

Position der Stärke. Müllers Erfahrung und vor allem sein Bezug zum Verein («Er kennt sich in der Kabine aus», Präsident Jean-Michel Aulas) führten dazu, dass Lyon bereit ist, die Basler Forderungen zu erfüllen. Ein erstes, inakzeptables Angebot lehnte der FCB ab, am Dienstag folgte ein zweites und in der Nacht zum Mittwoch besserte Lyon offenbar noch einmal nach. Es war eine «Verhandlungsposition der Stärke», wie es Vorstandsmitglied Bernhard Heusler beschreibt, weil der FCB keine Absicht besass, Müller abzugeben. Soll heissen: Der FCB diktierte den Betrag, Lyon musste ohne Wenn und Aber einwilligen.

So dürften - geschätzte - 4,5 Millionen Franken herausgekommen sein. Da Müller vor einem Jahr ablösefrei ans Rheinknie kam, ist es ein blendendes Geschäft, auch wenn FCB-Vizepräsidentin und Transferchefin Gigi Oeri gestern noch nicht von definitiven Fakten ausgehen wollte, so lange der Spieler («Von Seiten Patrick Müllers läuft die Angelegenheit sehr fair ab, so, wie ich mir das wünsche») aus Lyon nicht Vollzug meldet.
Müller rückt damit in die Nähe des Rekordtransfers von Thimothee Atouba, dem bisher teuersten Spieler, den der FCB je verkauft hat. Bei Atouba sollen gegen sechs Millionen von den Tottenham Hotspurs geflossen sein, an denen jedoch noch Berater des Spielers partizipiert haben.

BaselS Problem. Mit dem Verlust Müllers verschiebt sich nun ein Verteidigerproblem von Lyon nach Basel. Das will Trainer Christian Gross zwar so überhaupt nicht stehen lassen («Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen»), doch Routinier Quennoz und Youngster Dzombic, die nominell anstelle Müllers in Frage kommen, haben die Vorbereitung nur eingeschränkt absolvieren können. Als Alternative gilt in den Augen der FCB-Verantwortlichen auch U21-Nationalspieler Kuzmanovic; vielleicht wird nun auch mit Nachdruck eine Verpflichtung Nakatas vorangetrieben, der von Marseille für das Testspiel am Freitag in Bellinzona freigestellt wurde. Für Gross gilt die Massgabe:«Jeder Transfer ist die Chance für einen Jungen, sich ins Licht zu rücken.» Und an seine eigene Adresse gerichtet sagte er: «Wir müssen speziell kreativ sein.»

Aber egal, wer gemeinsam mit Boris Smiljanic das Duo bilden wird: Die Spielerdecke ist sehr dünn geworden, der Qualitätsverlust nicht von der Hand zu weisen. Adäquaten Ersatz zu finden, fällt dem FCB derzeit schwer. Das Anforderungsprofil ist klar:«Ein Patron», wie es Chefscout Ruedi Zbinden formuliert, «der mit Smiljanic die Sache in die Hand nimmt, einer, der schnell und dynamisch ist.» Das Problem: Einen Spieler solchen Formats zieht es nicht zwingend in die Schweiz; die Spielerlaubnis für den Uefa-Cup (als kurzfristiges Merkmal) und ein EU-Pass (mit Blick auf die Begrenzung für Nicht-EU-Ausländer) sind weitere Einschränkungen. Gefahndet wird für diese Position nicht erst seit gestern, aber Zbinden betont:«Wir machen keinen Schnellschuss, eventuell kommt ein neuer Innenverteidiger erst im Sommer.»
Auf dem Weg nach Lyon sagte Patrick Müller gestern Abend der baz:«Es ist noch nichts unterschrieben, aber ich fahre nach Lyon, um die Dinge zu regeln.» Was heisst:letzte Verhandlungen über einen Zweieinhalb-Jahres-Vertrag, ein obligatorischer medizinischer Test - und dann trainiert Müller möglicherweise heute schon in Lyon. Wenn es nach Trainer Gérard Houllier geht, soll Müller am Sonntag bereits in Monaco eingesetzt werden. «Wenn es nicht Lyon wäre, ein Club, den ich kenne und der inzwischen ganz oben in Europa steht», erklärte Müller seine durchaus überraschende Wende, «dann wäre ich in Basel geblieben.»
kommentar
Kleiner Fisch

Florian Raz
Im Trainingslager in La Manga hatte Gigi Oeri noch gesagt, das Ziel eines Fussballclubs müsse eigentlich immer der Sieg in der Champions League sein. Doch die vergangenen Tage haben dem FC Basel und seiner Vizepräsidentin wieder einmal aufgezeigt, dass sie im internationalen Geschäft nur zu den kleinen Fischen gehören. Gross genug, um paraguayische, finnische und japanische Internationale dazu zu bewegen, sich beim FCB einem Test zu unterziehen. Aber nicht mit genug Zugkraft, um einen Spieler zu halten, dem bei seinem neuen Club der Auftritt im Achtelfinal der Champions League winkt. Den Vorwurf, Basel verkomme zum Selbstbedienungsladen, muss sich der Verein zwar nicht gefallen lassen. Nicht umsonst wird in Lyon gejammert, die Notsituation Olympiques sei ausgenutzt worden, um den Preis Müllers in die Höhe zu treiben. Doch auf sportlicher Ebene ist der Abgang des Verteidigers ein herber Rückschlag. Und zugleich ein weiterer Fingerzeig darauf, wie schwierig sich der viel geforderte Einkauf grosser Namen für den FCB gestaltet. Nur gerade ein Jahr konnte der FCB Müller halten, der im letzten Winter der Transfercoup gewesen war. Erfolgversprechender ist da das Modell Delgado: Junge, talentierte Spieler, die beim FCB den letzten Schliff erhalten. Rund fünf Millionen Franken sind mit den Wegzügen Müllers und Rossis in die Basler Kassen geflossen; zudem wurde die Lohnsumme deutlich gesenkt. Dieses Geld nun klug zu investieren, ist die grosse Herausforderung, an der die Verantwortlichen des FC Basel gemessen werden - wenn es wieder einmal um den Einzug in die Champions League geht. florian.raz@baz.ch

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