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vor 12 Jahren, 6 Monaten
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Betty Bossi

Noch ein Rekord - 120 Bälle für ein Spiel

Startbeitrag von Betty Bossi am 04.02.2006 12:19



Noch ein Rekord - 120 Bälle für ein Spiel
Von Jürgen Kalwa, New York

03. Februar 2006 Es erfordert einige Arbeit, das wichtigste Zubehör eines Footballspiels herzustellen. Von der Auswahl der Kuhhäute über das Zusammennähen bis zum Aufpumpen durchläuft jeder eiförmige Ball etwa 50 Schritte, ehe er die Fabrik in der kleinen Stadt Ada im amerikanischen Bundesstaat Ohio verläßt. Ein kleiner Teil der Auflage trifft Woche für Woche in den Stadien der National Football League ein, wo, wie es die NFL-Regel verlangt, die Schiedsrichter zwei Stunden vor dem Anpfiff einen in der Fabrik versiegelten Karton mit zwölf nagelneuen Bällen öffnen und auf ihre Beschaffenheit überprüfen.

An diesem Sonntag nachmittag (Ortszeit) in den Katakomben des Ford Field in Detroit wird die Crew der Referees, die den Super Bowl leitet, für diese Aufgabe etwas länger als gewöhnlich benötigen. Die Liga hat bei der Herstellerfirma 120 Stück bestellt. Und nicht nur das: Sie hat die Absicht, sie alle im Verlaufe des Spiels einzusetzen.

Neigung zum Exzeß
Nicht alle Stones scheinen Jaggers Football-Begeisterung zu teilen

Der Plan scheint ambitioniert. Denn um ihn zu erfüllen, müssen die Unparteiischen die Bälle in der ersten Hälfte der Begegnung zwischen den Pittsburgh Steelers und den Seattle Seahawks vor jedem einzelnen Spielzug auswechseln. Doch bei einer Veranstaltung der Superlative, die in diesem, dem 40. Jahr, die römische Ziffer XL trägt, die in anderen Lebensbereichen zum Inbegriff für Übergröße geworden ist, gehören solche Dinge zur Routine. Die Neigung zum Exzeß - eine 30-Sekunden-Werbeeinblendung in der Fernsehübertragung kostet 2,6 Millionen Dollar, die Rolling Stones spielen live auf einer improvisierten Bühne in der Halbzeit - wirkt sich bis in jedes kleinste Detail aus.

Die Manie mit den Bällen entspringt jedoch weniger der Tatsache, daß das Endspiel der National Football League nach wie vor Amerikas bedeutendste Sportveranstaltung ist, die ein Publikum von mehr als 120 Millionen an die Fernsehschirme lockt. Der Hauptgrund ist die enorme Popularität sogenannter Sportmemorabilia, für die Sammler inzwischen sehr viel Geld ausgeben. Sie ähneln darin Philatelisten, die sich auf Briefmarken mit Ersttagsstempel spezialisiert haben. Das fragliche Objekt muß benutzt worden sein. Und sei es noch so kurz. Die Bälle aus dem Match vom Sonntag werden anschließend Organisationen zur Verfügung gestellt, die Auktionen für karitative Zwecke ausrichten, an verdienstvolle Spieler und Trainer, sowie an die Football Hall of Fame, die ebenfalls im Bundesstaat Ohio zu Hause ist.


Ligaverantwortliche haben schon eine Weile darüber nachgedacht, wie sie gewährleisten können, daß niemand die Bälle nachmachen kann und mit hohem Gewinn verkauft. Vor sechs Jahren fand man die Lösung: Jedes Ledereei ist mit einer unsichtbaren, mit synthetischer DNA-Information injizierter Tinte markiert, die sich nur von speziellen Lasergeräten identifizieren läßt.

"Egal ob der Ball durch tausend Hände geht", sagt Joe Orlando, der Präsident der Firma PSA/DNA Authentication Services in Kalifornien, der das von einem kanadischen Unternehmen entwickelte Verfahren im Auftrag der Liga anwendet, "die DNA-Information verschwindet nicht. Und die Chance, daß jemand exakt die gleiche DNA-Sequenz hinbekommt, ist 1:33 Billionen."

Solche Sorgen haben die Spieler nicht. Angreifer wie Pittsburghs Wide Receiver Antwaan Randle El, der die Aufgabe hat, lange Pässe sicher zu fangen, fürchtet eher, daß die frischen Ledereier zu glatt sind und ihm aus den Händen gleiten. "Jedes Spiel ein neuer Ball? Das ist nicht gut." Ersatzquarterback Charlie Batch, der allenfalls dann zum Einsatz kommen wird, wenn sich die überragende Nummer eins, "Big" Ben Roethlisberger verletzt, hat Angst, daß den Spielern das "Ei" beim Zupacken entgleitet.

Tatsächlich hat die NFL auch schon über solche Probleme nachgedacht und hat eine Maschine im Einsatz, die vor der Partie die Oberfläche eines jeden Balls mechanisch aufrauht. Der Apparat ähnelt einer Poliermaschine für Schuhe, wie man sie in Hotels findet. "Das sorgt dafür, daß die Regenimprägnierung abgekratzt wird, die manchmal wie Vaseline wirkt", weiß Josh Brown, der für die Seattle Seahawks spielt und im amerikanischen Nordwesten mit einem anderen Handikap kämpft - Regen. So reagierte er denn auch gelassen auf die Nachricht von den 120 Bällen.

Jeder einzelne ist hinterher "zwischen 1.000 und 1.500 Dollar wert", schätzt Simeon Lipman, der als Experte für Memorabilia aus der Popkultur beim kanadischen Spezialisten RM Auctions arbeitet. Die Summe könnte eines Tages noch höher ausfallen, sagt Lipman. Bedingung: "Das Spiel muß aus sportlicher Sicht ein Klassiker werden."

F.A.Z. vom 4. Februar 2006

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