«Wir sind jetzt wieder mal dran»

Startbeitrag von atzge am 11.02.2006 11:53




Christoph Kieslich

Es hat beinahe schon Tradition: Wenn die Meisterschaft pausiert, kommt es beim FCB scheinbar unweigerlich zu Rochaden. Doch auch nach der abgelaufenen Transferperiode sehen sich die Basler Verantwortlichen auf dem richtigen Weg.

Es war Montagabend in der Lounge des Plaza Hotels, als ein Teil des FCB-Vorstands noch auf ein Glas zusammensass. Die letzte Baustelle des Winters, die ausserordentliche Generalversammlung mit dem Mitgliedervotum für die Ausgliederung des Profispielbetriebs in eine eigene AG, war bearbeitet, als Bernhard Heusler einem eigentlichen Bedürfnis Ausdruck gab: «Es wird Zeit, dass es wieder um Fussball geht.»
Das heisst: Um Meisterschaftspunkte und den Vorsprung in der Liga, am Sonntag beim FC Zürich. Das schliesst die zwei Heimspiele im Februar gegen Schaffhausen und Yverdon ein, an deren Ende eine neue, grosse Serie der Unverwundbarkeit stehen soll. Und es bedeutet insbesondere die Herausforderung im Europacup gegen Monaco.
Fünf Spiele in nur 15 Tagen, in denen sich einige Fragen beantworten lassen werden, die den FC Basel in den Frühling 2006 begleiten. Hat er Substanz verloren durch die Abgänge Rossis und Müllers? Oder dazugewonnen durch die Zuzüge von Koji Nakata und Daniel Majstorovic? Gelingt es der Mannschaft, wie vom Trainer gefordert, erhöhte «Effizienz und Flexibilität in Defensive und Offensive» an den Tag zu legen, vor allem auf europäischem Niveau? Werden ein japanischer und ein schwedischer Internationaler der Verteidigung mehr Stabilität verleihen können?
Sicher ist, dass die Transferverantwortlichen etwas für sich in Anspruch nehmen dürfen: Dass es ihnen gelungen ist, in kurzer Zeit nach dem Verlust von Rossi und Müller zu reagieren, als die Fliehkräfte im FCB schon wieder besorgniserregend schienen. Noch können die sportlichen Qualitäten der Neuzugänge Nakata und Majstorovic nicht abschliessend beurteilt werden. Und doch beweist ihr Engagement, dass der FCB wohl finanziell nicht mit den ganz grossen der Branche mithalten kann. Dass er aber sportlich seit seiner Teilnahme an der Champions League durchaus attraktiv genug ist, zwei Nationalspieler von sich zu überzeugen.

IM vergleich POSITIV. Bei der Schweizer Konkurrenz sieht diese Bilanz im Vergleich dazu verheerend aus: Die Grasshoppers haben Kopf und Herz der Mannschaft verloren, ohne kompensieren zu können; Thun erlebt fast schon eine Fluchtbewegung, und welchen Wert Mihai Tararache beim FCZ hatte, war erst kurz vor Weihnachten im Cup in Basel zu besichtigen. Kompensieren wie der FC Basel - zumindest auf dem Papier - konnte keiner dieser drei Clubs.

Der Mannschaft von Christian Gross stellt sich andererseits die Aufgabe, Automatismen einzuschleifen, die sich aus den Mutationen ergeben. Und: Wer fällt aus dem Kalkül für die Anfangsformation vor dem Hintergrund der Schweizer Kontingentierung für Nicht-EU-Spieler? Für Nakata, Ba, Chipperfield, Ergic, Sterjovski und Eduardo gilt: fünf aus sechs.
Im Uefa-Cup besteht diese Beschränkung zwar nicht, doch Koji Nakata steht dem FCB nicht zur Verfügung, weil er bereits mit Olympique Marseille in diesem Wettbewerb gespielt hat. Darum würde sein Einsatz in der Super League zwangsläufig der Kontinuität und damit Sicherheit im defensiven Gefüge zuwider laufen.

VARIANTEN. Eine Überlegung, die sich in andere Mannschaftsteile fortpflanzt: Rückt Chipperfield an seine angestammte Position links im Rhombus vor und bekommt Berner eine Chance als linker Verteidiger? Oder bleibt der Australier links hinten, und besetzt Petric die ehemalige Rossi-Stelle? Alle Varianten waren in der taktischen Arbeit dieser sehr kurzen Vorbereitungszeit zu beobachten. Ganz abgesehen davon, dass von den jungen Spielern im Kader Zdravko Kuzmanovic zu mehr Einsatzzeit als im Herbst kommen dürfte.

Vielleicht wird es auch für Christian Gross spannend, diese Fragezeichen aufzulösen, bevor er der Mannschaft die Formation für den Letzigrund eröffnet. «Das Ziel ist, dort zu gewinnen», sagt der FCB-Trainer, wohlwissend, dass die Fussball-Schweiz sich von diesem Showdown Spannung für die Liga verspricht - sprich: ein Straucheln des Meisters.
Genauso zuversichtlich wie der Cheftrainer («Ich spüre die Mannschaft») ist auch die Vizepräsidentin. «Das Team hat sich noch selten so gut verstanden», sagte Gigi Oeri noch am Trainingsplatz in La Manga, «das ist eine Riesentruppe.» An dieser Zuneigung dürfte auch der Verlust Patrick Müllers dank eines Schmerzensgeldes aus Lyon nicht viel verändert haben.
Was diese «Riesentruppe» zu leisten hat, ist auch klar: Der Titel-Hattrick ist oberstes Ziel, der erste im Schweizer Fussball seit der Triplette von GC 1984. Den internationalen Exploit, und nichts weniger wäre ein Erreichen des Uefa-Cup-Achtelfinals, hält Gigi Oeri auch im Bereich des Vorstellbaren: «Wenn bei uns alles stimmt, ist vieles möglich. Wir sind jetzt einfach wieder mal dran.»
Boris Smiljanic im Training geschont
absenzenliste. Boris Smiljanic fehlte gestern im Training des FCB, doch Trainer Christian Gross gab Entwarnung:Dem Innenverteidiger war das Testspiel auf dem harten Boden in Payerne nicht bekommen, weshalb er geschont wurde. Heute soll er wieder mittun und auch für Sonntag in Zürich zur Verfügung stehen. Nicht im Training sind auch Alexandre Quennoz und Djamel Mesbah sowie die Langzeitverletzten Murat Yakin, Damir Dzombic sowie César Carignano, der nächste Woche aus Argentinien zurückerwartet wird. «Es geht ihm den Umständen entsprechend», sagt Gross, «ich bin verhalten optimistisch, aber seine Situation wird erst neu evaluiert werden können, wenn er in Basel ist.»

cok

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