Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Red Blue Devils Poeten Forum
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
atzge

«Ein Sieg in Zürich wäre ein riesiger Schritt zum Hattrick» (Tagi)

Startbeitrag von atzge am 11.02.2006 14:26


Tagesanzeiger vom 11.02.2006


Der FC Basel reist am Sonntag zum Spitzenspiel in den Letzigrund. Die künftige Präsidentin Gigi Oeri über Murat Yakin, Titelträume und Transfers.
Mit Gigi Oeri sprach Ueli Kägi, Basel

Es ist das Spiel der kribbelnden Mägen. Der zweitplatzierte FC Zürich empfängt morgen Sonntag den Leader aus Basel. Es ist das Spiel der Offensiven. Kein anderes Super-League-Team hat annähernd so viele Tore erzielt wie FCB und FCZ mit bislang 47 und 45 Treffern.

Als sich die beiden Mannschaften kurz vor Weihnachten im St.-Jakob-Park für den Cup-Achtelfinal trafen, entwickelte sich daraus eines der aufregendsten Schweizer Spiele der vergangenen Jahre - mit dem 4:3-Happyend für den FCZ. Nun kommt der FC Basel nach Zürich, um einen weiteren Schritt Richtung Titel zu tun.

Was die Basler mit sich bringen, ist wie nach jeder Transferperiode ein verändertes Kader. Patrick Müller und Julio Hernan Rossi haben sie verloren und dafür die Nationalspieler Daniel Majstorovic (Schweden, 29) und Koji Nakata (Japan, 27) angelockt. Und der FCB muss in diesem Frühjahr weitere Fragen um sein Personal beantworten. Murat Yakin leidet noch immer an einer Entzündung im Becken- und Hüftbereich. Trainer Christian Gross schreibt seinem ehemaligen Captain und Abwehrchef zwar einen unbändigen Willen beim Comebackversuch zu. Immer unwahrscheinlicher aber wird, dass der FC Basel den im Sommer auslaufenden Vertrag verlängert. Geldgeberin Gigi Oeri sagt zu diesem Thema nicht mehr als: «Murat Yakins Situation ist unklar.»

Gigi Oeri, haben Sie die Kühlbox für den Sonntag bereitgestellt?

Ein Wärmekissen eher (lacht). Wieso eine Kühlbox?

Champagner für die Meister nimmt man am besten in der Kühlbox mit.

Aha. Nein, den Champagner trinken wir dann hoffentlich erst später einmal zu Hause. Wir haben noch nie auch nur einen Schluck Champagner irgendwohin mitgenommen, bevor wir nicht rechnerisch zu 100 Prozent sicher Meister waren. Und das wären wir auch dann bei weitem noch nicht, wenn wir jetzt in Zürich gewinnen. Es wird beim FCZ kein einfaches Spiel für uns werden. Aber wir freuen uns darauf

Doch stimmen Sie zu: Wenn Basel beim FCZ am Sonntag gewinnt und der Vorsprung auf 11 Punkte anwächst, wird die Meisterschaft nicht mehr spannend?

So konkret möchte ich das nicht behaupten. Sicher: Ein Sieg in Zürich wäre ein riesiger Schritt zum Hattrick. Doch danach folgt noch eine ganze Reihe wichtiger Spiele.

Der FCZ ist hinter dem FCB zur stärksten Mannschaft der Liga aufgestiegen. Wo sehen Sie noch Qualitätsunterschiede zwischen den beiden Teams?

Sicher in der Erfahrung und Routine des FC Basel. Der FCZ hat in den vergangenen Monaten riesige Fortschritte gemacht. Vielleicht hat er den Vorteil, dass er etwas hungriger ist, als wir es selbst sind. Wir setzen ihm in den meisten Fällen die bessere Qualität der Einzelspieler entgegen. Der FCZ wiederum glänzt mit einem hervorragenden Teamgeist. Er stellt eine sehr gute, sehr kompakte Mannschaft.

Basel kämpft vor allem mit den vielen Wechseln und muss seine Mannschaft immer wieder neu aufbauen. Allein seit dem vergangenen Sommer wurden mit Philipp Degen, Huggel, Gimenez, Rossi und Müller fünf Stammspieler von ausländischen Klubs abgeworben.

Sie können nicht Erfolg haben, im Schaufenster stehen und glauben, jeden Spieler halten zu können. Wir erleben das nun seit vier Jahren, und ich behaupte nach wie vor, dass wir die Wechsel sehr gut kompensiert haben. Vergessen Sie nicht: Mit Ausnahme von Philipp Degen waren alle abgegebenen Spieler gegen 30 jährig. Wir wissen nicht, ob die alte Mannschaft weiterhin ihre Leistung gebracht hätte. Bilanz können wir im besten Fall erst Ende Saison ziehen.

Die Basler Erfahrungen zeigen aber, dass Verträge mit Spielern nicht mehr viel wert sind. Ärgert Sie das nicht?

Es kommt immer darauf an, wie ein Transfer vollzogen wird. In einigen Fällen war es enorm nervig, in den meisten Fällen aber ist ein Klubwechsel ein ganz normales Prozedere, wie es im Fussball vorkommt. Wenn nicht «link» gespielt wird, wenn alle drei Parteien am Schluss zufrieden sind, dann spreche ich gerne von einem seriösen Transfer. In solchen Fällen stimmt für uns dann wenigstens die wirtschaftliche Seite. Mir genügt es, wenn die Spieler so fair sind und sagen: «Ich gehe nicht, wenn es für Basel nicht stimmt.» Der letzte entsprechende Fall war Patrick Müller. Wenn hingegen Spieler mehr Lohn verlangen oder von ihrem Unglück erzählen, sind das ganz andere Diskussionsgrundlagen. Das ist nervig.

Zählen Sie den Fall Gimenez dazu, weil sich der argentinische Stürmer am Tag des Champions-League-Qualifikationsspiels in Bremen nach Marseille verabschiedete?

Es hat neben Gimenez noch ein, zwei andere Fälle gegeben. Trotzdem kann ich sagen: In der Regel laufen die Transfers fair ab.

Verloren gegangene Spieler müssen oft mit viel Geld ersetzt werden. Steht die Transferrechnung beim FCB im Gleichgewicht?

Ja, wir hatten zuletzt dieses Glück. Chefscout Ruedi Zbinden fand für Patrick Müller gleichwertigen Ersatz, der deutlich weniger kostete. Vom Verkauf der Spieler Müller und Rossi einerseits und der Verpflichtung von Daniel Majstorovic und Koji Nakata andererseits blieb uns ein Überschuss von rund drei Millionen Franken. Betrachte ich alle Transfers während meiner Zeit beim FCB, stehen Einnahmen und Investitionen ungefähr im Gleichgewicht.

Überraschend war, dass Sie mit dem 23-jährigen und umworbenen Regisseur Matias Delgado bis 2008 verlängern konnten.


Matias Delgado ist der Kopf dieses Teams, und er soll für uns noch wichtiger werden. Er kam sehr jung nach Basel, hat weniger gute Zeiten erlebt, aber er hat sich bei uns durchgebissen. Das sind die Spieler, die auch der Trainer will. Seine Vertragsverlängerung war für mich besonders wichtig.

Das allerdings hat Sie etwas Kleingeld gekostet.

Die guten Transfers sind alle nicht ganz billig. Delgado befindet sich immer noch in einem Rahmen, den wir vertreten können. Wir haben uns auf einer relativ vernünftigen Ebene gefunden.

Die relativ vernünftige Ebene dürfte bei einem Spitzenspieler wie dem Argentinier bis gegen eine Million Franken jährlich gehen.

(Sie lacht) Vielleicht zeigt Ihnen jemand seinen Lohnausweis. Von mir erfahren Sie nichts.

Aber einen Versuch war es wert . . .

. . . es immer wieder einen Versuch wert, aber Sie werden es nicht schaffen (lacht).

Am Mittwoch empfängt der FCB zum Sechzehntelfinal-Hinspiel im Uefa-Cup Monaco. Scheidet das Team wie im Vorjahr gegen Lille aus, würde das ganz nüchtern als Enttäuschung eingeschätzt.

Ich sage immer: Wenn ich in einem Wettbewerb starte, will ich auch gewinnen. Ich war Kunstturnerin. Ich habe zwar nie einen Wettkampf gewonnen, aber wenn ich mitmachte, wollte ich stets die Beste sein. Wurde ich dann Zweite oder Dritte, war das keine Enttäuschung. Was ich damit ausdrücken möchte: Man soll sich hohe Ziele setzen, aber die Ansprüche müssen trotzdem realistisch bleiben. Vor wenigen Jahren spielten wir in der Schweiz noch gegen den Abstieg. Jetzt soll schon ein Ausscheiden im Uefa-Cup-Sechzehntelfinal eine Enttäuschung sein? Wir spielen mit dem 30-Millionen-Franken-Budget international in einer kleinen Liga und müssen aufpassen, uns nicht allzu sehr von der Realität zu entfernen. Unser Ziel war, im Uefa-Cup zu überwintern. Was jetzt noch kommt, ist das Zückerchen.

Die grossen Basler Ziele aber bleiben mit Meisterschaft und Champions League unverändert?

Ja. Und weil die gewöhnlichen Ziele irgendwann einmal bei den Spielern etwas an Wirkung verlieren, schaffen wir uns auch leicht künstliche Reize: Wir können in diesem Jahr zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Titel-Hattrick erreichen. Und weiterhin arbeiten wir daran, den Heimspiel-Rekord mit 52 Partien ohne Niederlage zu brechen (bei 51 Spielen sind die Basler mittlerweile angekommen, die Red.). Das ist zwar international nicht besonders relevant, aber für den Klub und seine Mitglieder von Bedeutung.

In den vergangenen Monaten hat sich der Eindruck festgesetzt, dass die Basler Mannschaft im Hinblick auf eine mögliche nächste Champions-League-Qualifikation verstärkt werden müsste.

Lassen Sie diese Mannschaft erst einmal ein Wettbewerbsspiel austragen, wir haben sie ja beide noch nicht gesehen. Danach werden wir kritisieren oder loben. Wenn wir feststellen, dass die Substanz für internationale Prüfungen nicht reicht, können wir im Sommer immer noch reagieren. Zuerst aber möchte ich dieser Gruppe eine Chance geben. Es könnte meiner Ansicht nach die stärkste Mannschaft des FC Basel überhaupt sein. Sie wird von Spielern aus fünfzehn Nationen und von allen fünf Kontinenten gebildet, es handelt sich dabei fast ausschliesslich um Nationalspieler. Das hat es kaum je gegeben.

Pascal Zuberbühler ist der einzige Schweizer Nationalspieler, der im Team übrig geblieben ist. Schafft das genügend Identifikation?

Vielleicht schafft es Boris Smiljanic wieder zurück ins Nationalteam, dem er im vergangenen Herbst bis zu einer Verletzung angehört hat. Und dann haben wir ja noch einige Nachwuchs-Nationalspieler im Kader. Aber wenn wir international dabei sein wollen, dürfen wir auf der anderen Seite auch keine Folkloretänze aufführen und den Anspruch haben, mit vielen Schweizern erfolgreich zu sein.

Wenn Sie im Sommer wieder neue Spieler suchen, tun Sie das dann als Präsidentin des FC Basel?

Das weiss ich jetzt noch nicht, werde es aber bald wissen.

Alles deutet darauf hin, dass Sie sich an der Generalversammlung vom 9. Mai zur Wahl stellen.

Die Abstimmung am Montag (als die Mitglieder der Überführung des Profibetriebs in die neue FC Basel 1893 AG zustimmten, die Red.) war bestimmt ein riesiger Schritt dahin. Aber ich werde mir trotzdem noch ein paar Tage Zeit nehmen für meine Entscheidung. Wenn ich mich um den Titel der Präsidentin gerissen hätte, hätte ich die Position früher schon übernommen. Ich bin nicht titelsüchtig. Mir ist es wurst, ob ich Präsidentin, Vizepräsidentin oder Mitglied des Vorstands bin.

Gigi Oeri als Präsidentin wäre der logische Schritt, weil Sie im Klub auch als Vizepräsidentin schon seit über drei Jahren die Gangart bestimmen.

Es wäre der logische Schritt, ja. Ändern würde sich in meinem Aufgabengebiet nicht viel.

Eigentlich waren Sie ja schon Präsidentin, Sie hatten einfach den Titel nicht.

Am liebsten würde ich es ohne das Konstrukt eines Präsidenten durchziehen, aber das geht rechtlich leider nicht. Und ich wüsste im Moment nicht, wer sonst für diese Position in Frage käme.



FCZ, die Hoffnung
Von Fredy Wettstein

Fussballgott, sofern es dich gibt, mach eines: Der FC Zürich muss morgen Nachmittag gewinnen. Unbedingt. Das ist keine Bitte, die von einem blau- weissen Herzen blind gesteuert ist und lokalpatriotischen Ursprung hat, sondern nur die Hoffnung, dass nicht auch bei uns die grosse Langeweile droht. Wie in England ( Chelsea), wie in Deutschland ( Bayern München), wie in Italien ( Juventus), wie in Spanien ( Barcelona) und wie in Frankreich ( Lyon) – überall dort steht schon zu 99 Prozent fest, wer Meister wird.

Deshalb: Der FCZ muss es möglich machen. 11 oder 5 Punkte Unterschied? Das ist nämlich die Frage. 11 wären es, wenn Basel auf dem Letzigrund gewinnt – das grosse Gähnen begänne, und auch wir würden nur noch die Tage ( es sind noch 118) zählen, bis endlich die WM beginnt. 5 wären es, wenn Basel verliert – ein Hauch von Spannung käme so zurück. Und was eigentlich ein Unsinn der Planer ist, das Duell Zürich gegen Basel gleich am ersten Tag, mitten im Winter und während der Olympischen Spielen anzusetzen, würde noch zum Glücksfall.

Der Unterschied

Aber ist der FC Basel überhaupt daran zu hindern, nach 2004 und 2005 zum dritten Mal in Folge Meister zu werden? Niemand glaubt ernsthaft daran. Denn der Unterschied in den Möglichkeiten zeigte sich auch diesen Winter. GC verlor Cabanas, den Spieler, der im Herbst zwar selten stark, aber doch eine wichtige Persönlichkeit war – und setzt, weil der Klub weiter sparen muss, noch mehr auf die Jungen.

« 2010 » , so träumt ihr Präsident Walter Brunner und meint es ernst, « spielen wir wieder um den Meistertitel. » Der FCZ verlor Tararache, vielleicht der noch grössere Verlust – und fand ebenfalls keinen gleichwertigen Ersatz. Die Basler dagegen mussten zwar nach früheren Abgängen auch Müller und Rossi ziehen lassen, doch sie konnten wenigstens einen schwedischen ( Majstorovic) und einen japanischen ( Nakata) Nationalspieler verpflichten.

In einem allerdings geht es Basel gleich: Wenn ein ausländischer Klub kommt und einen Spieler will, dann ist er kaum zu halten. Mit dem Geld, das dort lockt, und das kann in Prag sein ( Lustrinelli) oder in Köln ( Cabanas) und Duisburg ( Tararache) bei Klubs, die gegen den Abstieg kämpfen, können die Schweizer Klubs nicht und immer weniger mithalten.

« Wir sind eine Ausbildungsliga » , sagt FCB- Trainer Christian Gross.

Der Neue

In Ausbildung ist auch einer, der einen Namen trägt, der einst als Spieler für Weltklasse dastand: Krassimir Balakov, als Regisseur für Bulgarien und vor allem in Stuttgart einer der Besten überhaupt, war froh, als er Anfang Januar einen Anruf von Karl- Heinz Riedle aus Zürich bekam, und sagte sofort zu. Die Grasshoppers bieten ihm die Chance, als Trainer eine Karriere zu beginnen.

Gelingt dies, dann öffnen sich auch ihm anderswo Möglichkeiten. Balakov, vom lauten Vorgänger Latour zu ihm, der möglichst still und ungestört schaffen möchte – wohin führt der Weg von GC mit dem neuen Gesicht? Wann hört Urs Schönenberger in Thun offiziell, dass der Verein nicht mehr mit ihm als Trainer plant? Oder gibt er gar selbst auf? Und das Dauerthema: Was ist mit den Brüdern Yakin? Murat ist weiterhin nur in den Peoplespalten ein Thema, Hakans Liste von Ärzten, die sich mit seinem Körper beschäftigen, wird seit dieser Woche mit einem aus Paris erweitert. Sein Trainer Gernot Rohr schickte ihn dorthin, weil er nach seinem Kurzeinsatz im Cup am vergangenen Wochenende erneut Adduktorenprobleme hat.

Fragen, die irgendwann beantwortet werden. Aber vorläufig interessiert nur eines: der FCZ. Er ist die Hoffnung. Nicht nur in Zürich.

11.02.2006, 13:04

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.