Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Red Blue Devils Poeten Forum
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Tschum, Mätzli, Stavia, Betty Bossi

OT: wer steckt hinter ...

Startbeitrag von Betty Bossi am 19.02.2006 11:01

Wer steckt hinter...
...dem @-Zeichen in der E-Mail-Adresse?

Der Ingenieur Ray Tomlinson verschickte 1971 die erste E-Mail der Welt - und versah die Adresse mit einem uralten Zeichen.

Ray Tomlinson hat die Idee seines Lebens im Winter 1971: Wäre es nicht toll, wenn sich Menschen über ihren Computer Nachrichten schicken könnten - von einer Stadt zur anderen, von einem Kontinent zum anderen? Elektronische Post, schneller als ein Brief? Ja, das ist eine gute Idee. Computer allerdings, wie wir sie heute kennen, gibt es damals noch nicht: Tomlinson sitzt an einer schrankgroßen Maschine. Auch das Internet existiert nicht - aber an dem bastelt der 30-Jährige gerade.

Ray Tomlinson forscht bei Bolt Beranek and Newman (BBN). Die Firma aus Cambridge bei Boston soll für das Verteidigungsministerium ein Computernetz aufbauen: das Arpanet, aus dem eines Tages das Internet werden wird. Noch ist es klein, gerade mal zwei Dutzend Rechner sind vernetzt. Dass daraus einmal Millionen werden, liegt auch an den folgenden sechs Stunden. So lange braucht Tomlinson, dann ist das Programm fertig, mit dem sich elektronische Post schreiben, lesen und verschicken lässt. "E-Mail" wird so etwas bald heißen, und gute 30 Jahre später werden täglich zehn Milliarden davon durchs Internet sausen.

Doch noch ist es nicht so weit, denn Tomlinson hat ein Problem: Er weiß zwar, wie eine E-Mail-Adresse aussehen soll - der vordere Teil soll aus dem Namen des Empfängers bestehen, der hintere aus dem Namen des Computers, der die Post annimmt. Nur: Wie soll er die Teile voneinander trennen? Es muss ein Zeichen her, das auf seiner Tastatur vorkommt, aber nicht in Personen- oder Firmennamen - kein Buchstabe also, keine Zahl.

Ein Zeichen mit Vergangenheit
Ray Tomlinson entscheidet sich für ein Symbol, das Jahrzehnte später zur Ikone des Informationszeitalters werden wird: das @. Draußen ist Winter, es ist 1971, drinnen gibt sich Tomlinson die erste E-Mail-Adresse der Welt: tomlinson@bbntenexa. Kein .com, kein .org, kein .de hängt dran, das wird erst später erfunden. Kurz darauf verschickt er die erste Mail der Geschichte - an sich selbst, von einem Computer in seinem Zimmer zu einem anderen in seinem Zimmer. Was in der Mail stand, weiß Tomlinson heute nicht mehr. Schließlich ahnte er damals nicht, dass er gerade eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts gemacht hatte. "Ich dachte nur, das sei eine niedliche Idee, mehr nicht", sagt er später dazu.

Aber woher stammt eigentlich das @ auf seiner Tastatur? Woher kommt das Zeichen, das wir "Klammeraffe" nennen, das in Italien "Schnecke" heißt, in Tschechien "Rollmops" und in Israel "Shtrudl"? Die Antwort: Niemand weiß es genau. Einige Forscher wollen es bis in mittelalterliche Klöster zurückverfolgt haben. Fest steht, dass es im 16. Jahrhundert Kaufleute am Mittelmeer als Gewichtsmaß benutzten: Ein @, ein "arroub", waren etwa zehn Kilogramm. In der Renaissance bekam das @ eine weitere Bedeutung - als Abkürzung für "zu". Auf Märkten gab es "Hühner@10 Pence", eine Schreibweise, die sich in den USA und England bis heute erhalten hat. Nach der industriellen Revolution wurde das @ in der Buchhaltung populär - was erklärt, warum es sich auf Ray Tomlinsons Tastatur fand.

Reich ist er mit seiner Erfindung übrigens nicht geworden. Für die Allgemeinheit ist das ein großes Glück - wir müssten sonst wohl jedes Mal Porto zahlen, wenn wir E-Mails verschicken. "Es ist nett, wenn Leute über meine Erfindung reden", sagt Tomlinson, "aber es ist nicht das Zentrum meines Lebens." Ray Tomlinson ist heute 64 Jahre alt und arbeitet immer noch bei Bolt Beranek and Newman @ Cambridge bei Boston.

Sven Stillich
stern-Artikel aus Heft 7/2006

Antworten:

mal wieder ein danke an BB für die immer wieder unterhaltenden und informativen einschübe ins forum
:cheers:

von Stavia - am 19.02.2006 11:32
Hochinteressant. Merci, Betty.

Hab mich schon öfters gefragt, was der Affenschwanz da soll, und woher er stammt. Man lern nie aus, dank Betty Bossi.



von Mätzli - am 19.02.2006 13:10
Meines Wissens ist die Abkürzung für "ad" (zu, nach) älter als die Renaissance (aber ich bin kein Spezialist). Klar ist jedenfalls, dass es lateinisch und deshalb die neudeutsche Aussprache als "äd" ziemlich absurd ist.

von Tschum - am 19.02.2006 18:07
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.