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vor 11 Jahren, 7 Monaten
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Betty Bossi

Wo Torhüter gekonnt neben den Ball greifen

Startbeitrag von Betty Bossi am 28.02.2006 08:25

URL: [www.fr-aktuell.de]

Wo Torhüter gekonnt neben den Ball greifen

Im belgischen Fußball-Wettskandal gelten inzwischen mehr als 50 Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Manager als bestechlich
VON JÖRG RECKMANN (BRÜSSEL)

Saint Trond, SK Lierse, SK Lommel. Namen, die im internationalen Fußball kaum jemand kennt. Läuft es gut, kommen zu den Spielen dieser belgischen Klubs ein paar tausend Zuschauer, mehr als 15 000 finden in den bescheidenen Arenen ohnehin kaum Platz. Es wird schlecht gezahlt und mäßig gespielt. Auf der anderen Seite der Erde aber, in Shanghai und Hongkong stehen die Vereine hoch im Kurs und werden genau beobachtet. Denn in den asiatischen Wettbüros und den Cyberwetten im Internet wird nicht nur auf Sieg oder Niederlage der Belgier gesetzt, oft wird irgendwo auf der Welt auch das genaue Ergebnis gewettet - und erstaunlich oft gibt es dabei Millionengewinne.

Denn in Belgien, so der derzeitige Stand der Dinge, kümmert sich eine Gruppe von speziellen "Spielbetreuern" darum, die gewünschten Resultate zu kaufen. Stürmer, Verteidiger, Torleute, Trainer, Schiedsrichter und Manager - erst waren es 14 Namen, jetzt sind es mehr als 50, die in belgischen Fußballkreisen als bestechlich gehandelt werden. Da fallen reihenweise Tore aus abseitsverdächtiger Position, und auf Videoaufzeichnungen lässt sich bewundern, wie gekonnt Torleute neben den Ball greifen können. Dabei ist von Summen zwischen einigen Tausend Euro bis einer Million die Rede, eingebettet in Tathergänge wie aus einem Fernsehkrimi.

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden Wohnungen und Büros durchsucht, Telefone werden abgehört. Der Fußballverband sichert Zeugen derweil zu, auf Verbandsstrafen zu verzichten, während die andere Seite auch vor handfesten Drohungen nicht zurückschreckt, damit so wenig Beteiligte wie möglich ihr Schweigen brechen. Da kann es schon mal geschehen, dass auf einer nächtlichen Autofahrt ein quer schleudernder Mercedes den Weg versperrt und kräftige Herren einem aussagefreudigen Spieler den Rat erteilen, doch lieber nichts zu sagen. Die belgische Fußballwelt ist derzeit voll von solchen Geschichten.

Dutzende von Spielen in der ersten und zweiten belgischen Liga sollen betroffen sein, und immer weitere zweifelhafte Resultate tauchen auf und zwar vor allem dort, wo der chinesische Geschäftsmann Zhenyun Ye seine zahlungskräftigen Finger im Spiel hat. Er hat sich in mehrere belgische Fußballklubs eingekauft und inzwischen wohl das Land verlassen. Wie das flämische Nachrichtenmagazin Knack erfahren haben will, widmet er sich derzeit dem finnischen Fußball, wo er den Vizemeister AC Allianssi übernommen haben soll. Das erste Spiel unter dem neuen Eigentümer und den vom ihm mitgebrachten belgischen Betreuern verlor der Klub spektakulär mit 0:8. Eine Untersuchung ist im Gange.

Praktisch keine Limits

Begünstigt wird der Betrug durch die nahezu unkontrollierbaren Möglichkeiten der weltweit rund 1700 Wettseiten im Internet, über die jährlich geschätzte zwölf Milliarden Dollar umgesetzt werden. Während europäische Buchmacher die Einsätze begrenzen, auffällige Wetten registrieren und weitermelden, gibt es auf asiatischen Websites praktisch keine Limits. Selbst auf belgische Zweitligisten, die zu Hause vor nicht mehr als ein paar Hundert Zuschauern spielen, werden plötzlich Riesensummen gesetzt, und schlecht bezahlte Spieler geraten bei Gehältern um 1500 Euro schon mal in Versuchung, zumal einige Manager mehrere Spieler unterschiedlicher Vereine betreuen.

Fälle von Manipulation gab es schon früher. So schmierte der Chef des RSC Anderlecht, Constant Vanden Stock, 1984 einen spanischen Schiedsrichter, um im Uefa-Cup-Halbfinale gegen Nottingham Forest besser auszusehen. Der Deal flog erst vor wenigen Jahren auf. Nur weil die Tat verjährt war, entkam Anderlecht den üblichen Sanktionen, die beim belgischen Fußballbund bis zum Ausschluss aus dem Ligafußball führen können.

Im derzeitigen Fall von offenbar massenhaftem Wettbetrug liefern sich die Anwälte immer härtere Wortgefechte, während der Fußballbund mit einer Art Kronzeugenregelung um Geständnisse wirbt. Für den Rechtsbeistand des schwer betroffenen Vereins La Louvière, Laurent Denis, möglicherweise ein Grund, einem Spielervermittler zwei kräftige Burschen zu schicken, bei denen es sich um ehemalige Leibwächter des chinesischen Drahziehers des Wettskandals gehandelt haben soll, wie die flämische Tageszeitung De Morgen erfahren haben will.

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