Bundesliga profitiert von der Begeisterung bei der Fußball-WM

Startbeitrag von Betty Bossi am 10.08.2006 06:34

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Bundesliga profitiert von der Begeisterung bei der Fußball-WM

Obwohl internationale Spitzenspieler nicht nach Deutschland wechseln, ist das Interesse der Zuschauer und der Wirtschaft an der neuen Saison größer als je zuvor

Von Ralf Köttker und Burkhard Riering

Berlin - Allianz-Arena in München. Ein Ort, der Erinnerungen weckt. An einen sonnigen Freitagnachmittag, ein volles Stadion und an ein Fußballspiel, dass Massen mobilisierte. 4:2 gewann die Nationalmannschaft an jenem 9. Juni 2006 zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Morgen beginnt hier die neue Saison der Bundesliga. Bayern München gegen Dortmund statt Deutschland gegen Costa Rica. Anpfiff für die neue Zeitrechnung nach überfüllten Fanmeilen und schwarz-rot-goldenen Fähnchen an den Autos.

Die Schauspieler sind andere. Ab morgen kämpfen in den deutschen Stadien nicht mehr die Weltstars um die begehrteste Fußballtrophäe an. An 34 Spieltagen geht es wieder um Meisterschaft, Europapokalplätze und gegen den Abstieg. Mühsamer Ligaalltag, auch wenn dieses Wort niemand gern hört. Die Manager nicht, die Spieler nicht und auch die Fans nicht. Schließlich soll die Party weitergehen. Alle reden vom Boom und der WM als Begeisterungsbeschleuniger. "Wir hoffen, die großartige Stimmung der WM mitnehmen zu können", sagt Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Die Branche ist optimistisch, und die unzähligen Umfragen in der vor einigen Wochen noch kollektiv jubelnden Bevölkerung verstärken die Stimmung. Das jüngste Begeisterungsbarometer vermeldet der "Stern". Demnach haben neben den gleichbleibend interessierten Bürgern in diesem Jahr elf Prozent der Befragten ein stärkeres Interesse an der Bundesliga.

Wem das zu theoretisch ist, dem bleibt der Dauerkartenverkauf. Großvereine wie Bayern München (35 000), Borussia Dortmund (44 000) oder der Hamburger SV (32 000) vermelden Rekordabsätze und mussten die Ausgabe stoppen, um Restkontingente freizuhalten. "Vergangene Saison hatten wir schon Rekordzahlen, aber wir gehen davon aus, dass wir diese Saison die Zuschauereinnahmen noch steigern können", sagt Hackmann.

Eine Eintrittskarte für ein Spitzenspiel in München oder Hamburg zu bekommen, ist fast schon so schwierig wie der Erwerb eines WM-Tickets. Die Bundesliga zieht, auch wenn es kaum internationale Stars zu sehen gibt. 93,7 Millionen Euro haben die 18 Klubs der ersten Liga bisher auf dem Transfermarkt investiert. Von den Stars der WM hat aber offenbar keiner den Wunsch verspürt, unbedingt in den hübschen deutschen Stadien zu spielen. Im Vertragspoker um den Niederländer Ruud van Nistelrooy verlor Bayern München gegen Real Madrid, am Wettbieten um die Weltmeister des italienischen Zwangsabsteigers Juventus Turin beteiligte sich erst gar kein Bundesligaklub. Namhafte Neue wie Pierre Wome, Diego in Bremen oder Vincent Kompany beim Hamburger SV sind selten. Die teuersten Verstärkungen wurden zwischen den Vereinen verschoben. Daniel van Buyten (Hamburg) und Lukas Podolski (Köln) wechselten für jeweils zehn Millionen Euro zum FC Bayern, Per Mertesacker für bis zu 8,5 Millionen Euro Ablöse von Hannover nach Bremen. Alte Gesichter in neuen Trikots.

Dass zeitgleich Spieler wie Michael Ballack, Tomas Rosicky oder Dimitar Berbatow Deutschland verlassen haben, darf keinen Einfluss auf die Attraktivität der Bundesliga haben. "Die WM hat gezeigt, dass die Leute vor allem schönen Fußball sehen wollen", beruhigt Klaus Allofs, Sportdirektor bei Werder Bremen. "Und begeistert haben doch die jungen deutschen Talente, die weiter in der Bundesliga spielen und den modernen Angriffsfußball verkörpern", ergänzt Hackmann.

Sportlich bleibt die Bundesliga trotz aller Eigenwerbung im europäischen Vergleich trotzdem nur Mittelmaß. Aber zumindest wirtschaftlich vermarktet DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hierzulande ein "echtes Premiumprodukt". 98 Prozent der Bundesbürger ist die Marke Bundesliga ein Begriff - und somit eine begehrte Werbeplattform. Für die neue Saison haben die Klubs mit 94,6 Millionen Euro beim Trikotsponsoring einen Rekord aufgestellt. Nach einer Analyse von "Sport+Markt" klettern die Einnahmen damit im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent. Dazu stimmen die Aussichten auf weitere Steigerungen der Fernsehrechte-Vermarktung positiv. In einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "Ernst&Young" bewerten 25 Erst- und Zweitligamanager ihre wirtschaftliche Lage deutlich besser als in den Vorjahren. "Die Begeisterung muss man ausnutzen, das legt sich auch wieder", fordert Christoph Metzelder, der die WM als Spieler erlebt hat.

Bei der Erschließung neuer Zielgruppen setzt die Liga zum Beispiel auf Frauen, "die wir durch die schönen, modernen Arenen an den Sport binden wollen", so Hackmann. Ebenfalls noch viel Spiel nach oben bietet die Auslandsvermarktung, wo die DFL bisher nur fünf Prozent vom Umsatz generiert. "Im Ausland hat die DFL bisher zu wenig für die Markenbildung gemacht, da besteht großer Nachholbedarf", sagt Stephan Schröder von "Sport+Markt".

Dass die Bundesliga im internationalen Wettbewerb ohne Superstars punkten kann, ist zweifelhaft. Und es ist fraglich, ob die Begeisterung anhält, wenn die Tage kürzer und kälter werden. "Wir können die Stimmung erhalten", sagt Bayern-Manager Uli Hoeneß, "wenn wir gute Ware anbieten."

Artikel erschienen am Do, 10. August 2006
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