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vor 10 Jahren, 9 Monaten
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Betty Bossi

Ottmar Hitzfeld

Startbeitrag von Betty Bossi am 18.02.2007 13:02

DIE WELT.de
Ottmar Hitzfeld
"Wir sind angeschlagene Giganten"
Der Plan, mit einem Sieg in Aachen Selbstvertrauen für das Champions-League-Achtelfinale am Dienstag gegen Real Madrid zu tanken, ging schief. WELT.de sprach mit Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld über Aussichten, Chancen und Sehnsüchte.

Von Markus Lotter

WELT.de: Herr Hitzfeld, haben Sie eine Erklärung dafür, dass Bayern München problemlos die Gruppenphase der Champions League überstanden hat, in der Bundesliga aber schon so oft verloren hat wie seit Jahren nicht mehr?
Ottmar Hitzfeld: Erklärbar ist das mit der Psyche der Spieler. Der Druck in der Champions League ist ein anderer. Die Mannschaft sagt sich: Wir sind hier nicht Favorit, aber wir können das gewinnen. Das ist der Unterschied.

WELT.de: Manch Münchner hofft, dass sich Geschichte wiederholt. 1975 landete Bayern in der Liga nur auf Platz elf, gewann aber den Europapokal der Landesmeister.
Hitzfeld: Das Niveau kann man überhaupt nicht mehr vergleichen. Das ist heute eine Europaliga, in der man schon in der Gruppenphase äußerst komplizierte Partien zu bestreiten hat. Früher ist man doch erst im Halbfinale auf einen richtig schweren Brocken gestoßen.

WELT.de: Ist Bayern München gegen Real Madrid Außenseiter?
Hitzfeld: Was das Geld anbelangt, das die Spieler dort verdienen, auf jeden Fall. Ich möchte einmal festhalten, dass der FC Bayern letztendlich mehr leistet als Real Madrid. Das ist einfach höher einzustufen, wenn man sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg vereint. Aber zu Ihrer Frage: Ich glaube nicht, dass Madrid klarer Favorit ist, vielleicht ein bisschen, sagen wir: 51 zu 49 Prozent. Es sind zwei angeschlagene Giganten, die hier aufeinandertreffen. Wir können uns aber berechtigte Hoffnungen machen weiterzukommen.

WELT.de: Sind Sie auch der Meinung, dass David Beckhams Karriere von seinem Umfeld negativ beeinflusst wurde?
Hitzfeld: Das möchte ich so nicht sagen. Becks ist ein absoluter Profi. Ich habe ihn als Trainer der Weltauswahl vor einigen Jahren persönlich kennengelernt. Er ist in Manchester von Alex Ferguson gut erzogen worden. Vom Charakter her ist er ein großer Sportler. Er ist ein vorbildlicher Fußballspieler mit einem großen Herz und nicht nur eine Werbeikone.

WELT.de: Aber Beckham ist erst 31, steht aber dennoch im Herbst seiner Karriere?
Hitzfeld: Beckham ist wie Mehmet Scholl. Mit einer Flanke oder einem Freistoß kann er ein Spiel auf den Kopf stellen. Man verliert im Alter zwar an Fitness, seine Kreativität verliert man aber nicht. Beckham ist einer der gefährlichsten Spieler von Real Madrid.

WELT.de: Sie haben als Bayern-Trainer sechs der zehn Duelle gegen Real gewonnen. War die Aussicht auf eine weitere Auseinandersetzung mit Real mitentscheidend für Ihre prompte Zusage gegenüber Manager Uli Hoeneß?
Hitzfeld: Das mit der Meisterschaft ist natürlich nicht unbedingt eine dankbare Aufgabe. Aber Bayern ist für mich eine Herzensangelegenheit. Auch ohne Champions League hätte ich zugesagt, aber es fiel mir dadurch natürlich leichter. Das ist schon ein besonderer Reiz, sich mit den besten Mannschaften Europas zu messen. Und es ist ein Geschenk des Himmels, wenn man gegen Real Madrid antreten darf, gegen die Königlichen. Die weißen Trikots, das Estadio Santiago Bernabeu. Der Mythos ist immer noch da.

WELT.de: Und Sie sollten doch schon einmal Teil dieses Mythos werden, oder?
Hitzfeld: Das stimmt. Ich hatte zwei Angebote von Real Madrid vorliegen, 1997 und zuletzt 2004. Aber man sollte der Sprache mächtig sein. Für mich ist die Basis meiner Arbeit Kommunikation. Ohne Spanisch würde das nicht gut gehen. Und irgendwie war auch der richtige Zeitpunkt nie gegeben.

WELT.de: Träumen Sie davon, dass dieser Zeitpunkt doch noch einmal kommt?
Hitzfeld: Nein. Ein Traum geht doch schon in Erfüllung, wenn man jetzt gegen die spielen darf. Damit konnte ich ja bis vor Kurzem nicht rechnen.

WELT.de: Als TV-Experte hatten Sie Möglichkeiten, sich ein Bild von der Entwicklung des europäischen Klubfußballs zu machen. Ihre Analyse?
Hitzfeld: Vor allem im spielerischen Bereich hat der Fußball einen großen Fortschritt gemacht. Es gibt immer mehr Direktspiel. Das ist wirklich frappant.

WELT.de: Hat man mit Fußball made in Munich da noch eine Chance?
Hitzfeld: Das Sportliche muss mit dem Wirtschaftlichen immer im Einklang stehen. Aber sicherlich muss Bayern München investieren, um im Konzert der Großen weiter mitspielen zu können. Aber wenn man tatsächlich einen Spieler für 30 Millionen Euro holt, dann muss es passen. Und es bleibt dabei: Wenn eine deutsche Mannschaft im Finale der Champions League steht, ist das immer eine Sensation. Die Besten spielen nun mal in England, Spanien und auch immer noch in Italien. Deutschland kommt da erst an vierter Stelle.

Artikel erschienen am 17.02.2007
WELT.de 1995 - 2007

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