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Red Blue Devils Poeten Forum
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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
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Betty Bossi, Fanti

Wo bitte bleibt die Bürotreue?

Startbeitrag von Betty Bossi am 23.02.2007 14:14

Wo bitte bleibt die Bürotreue?

Söldner, Verräter, Charakterschweine - so werden Kicker beschimpft, die den Verein wechseln. Dauer-Bayer Scholl, "Uns Uwe" und der "Treue Charly", die ewig Treuen, werden noch heute vom Publikum geliebt. Was für eine verlogene Diskussion, sagt Christoph Biermann.


Mario Gomez ist ein toller Fußballspieler, ein netter Typ, und den VfB Stuttgart findet er richtig gut. So gut, dass ihm der Club angeblich sogar was wert ist. "Vereinstreue ist mir wichtiger als das große Geld", sagt er. Nun ist es bestimmt kein kleines Geld, das er in Stuttgart verdient, sonst hätte er seinen Vertrag dort nicht bis 2011 verlängert, aber darum soll es hier nicht gehen. Bemerkenswert ist eher, dass die "Bild"-Zeitung die Bekenntnisse des 21-Jährigen unter der Überschrift veröffentlichte: "Lest das mal, ihr Fußball-Söldner!"


Damit befeuerte das Fachorgan für Aufrichtigkeit und Treue eine Debatte, die zu den Klassikern gehört. Es scheint nach wie vor einer Menge Leute ordentlich auf die Nerven zu gehen, dass Fußballprofis nicht nur viel Geld verdienen, sondern dass sie auch noch die Arbeitgeber wechseln. Anders als Uwe Seeler etwa, der trotz Angeboten aus Italien in Hamburg blieb und "Uns Uwe" wurde oder Karl-Heinz Körbel, der sich in 602 Spielen für Eintracht Frankfurt den Beinamen "Treuer Charly" verdiente. Dass die Fußballprofis früher seltener zu anderen Vereinen gingen, hatte jedoch mit Charakterstärke wenig zu tun.

Bis zum Bosman-Urteil 1995 galt nicht einmal die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Wenn ein Vertrag abgelaufen war, musste erst ein anderer Club gefunden werden, der eine Ablösesumme für den Spieler zu bezahlen bereit war. Das allein schränkte Wechsel stark ein. Außerdem lagen die Beträge früher oft nicht so weit auseinander, wie das heute der Fall ist, wenn man zu einem Spitzenverein wechselt. In der Frühzeit der Bundesliga konnte es sogar von wirtschaftlichem Vorteil sein, zu bleiben, weil man sonst seine Kleinökonomie aus Tankstelle, Vertreterjob und Werbung gefährdet hätte. Auch das ist ein Grund, weshalb es früher eher "Uns Uwe" oder den "Treuen Charly" gegeben hat.

Inzwischen jedoch ist der Begriff "Vereinstreue" schon deshalb unangebracht, weil die Profis nicht mehr bei Vereinen spielen, sondern Verträge bei GmbHs oder anderen Fußball-Unternehmen unterzeichnet haben. Aber würde man in anderen Branchen von "Büro-", "Fabrik-" oder "Kaufhaustreue" sprechen, wenn es um den Wechsel zu einem besseren Arbeitsplatz geht? Zumal nicht nur die Arbeitnehmer weniger treu sind, sondern auch die Arbeitgeber.

Tribüne als Strafe für Untreue

Zweifellos wäre es gut, wenn die Spieler länger bei Clubs blieben und sich das Publikum über viele Jahre mit ihnen identifizieren könnte. Die große Beliebtheit von Mehmet Scholl in München ist ein Beispiel dafür. Als Fan möchte man vertraute Gesichter im eigenen Team sehen. Den Treuen verzeiht man auch eher mal eine Schwächeperiode. Doch die Debatte über Vereinstreue ist verlogen, weil man die lange Verweildauer bei einem Club nicht einfordern kann. Sie ist keine moralische Kategorie, sondern muss im Wechselspiel zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber entstehen.

Oft genug kommen aber gerade jene in den Vertragsverhandlungen zu kurz, die schon länger in einem Club sind oder bereits als Jugendliche dort spielten. So war es offensichtlich auch beim Wechsel von Ashkan Dejagah, der als 14-Jähriger zu Hertha BSC kam und im Sommer zum VfL Wolfsburg wechseln wird. Das Management der Berliner war darüber so empört, dass sie den Offensivspieler am letzten Wochenende auf die Tribüne setzten. Dabei hatte sein Vergehen darin bestanden, dass er einen Vertrag unterschrieben hatte, der offensichtlich besser war als das Angebot seines Stammvereins.

Doch eine Mannschaft, bei der die Spieler überdurchschnittlich lange bleiben und sich entsprechend mit einem Club identifizieren, schafft man nicht, in dem man Spieler an den Pranger stellt. Es ist eine der schwierigsten und zugleich wichtigsten Managementaufgaben. Wenn man sie gut löst, verfügt man über Spieler, die für den Verein sogar auf Geld verzichten würden. Oder zumindest den Eindruck verbreiten.

Antworten:

Zue däm Thema e feine Zwaizyyler us unserem Zeedel:

Entlarvt sinn Spiiler, wo vo Club zue Club dien switche -
will sy halt numme no uff s Gäld kusmanovice.




von Fanti - am 23.02.2007 14:35
Vom Allerfeinsten

von Betty Bossi - am 23.02.2007 15:01
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