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Informationen zum Thema:
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Red Blue Devils Poeten Forum
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Tschum, Latteknaller, Faninho, Rotblau

Interwiev mit Marco Streller

Startbeitrag von Rotblau am 14.08.2009 11:36

Aus der Homepage des SFV Nordwestschweiz:
Das Sommerturnier ist das grösste Fussballturnier der Schweiz. Fast jeder Junior
der Region hat schon an diesem Turnier teilgenommen. Hast du als kleiner FC
Aesch Junior auch am Sommerturnier gespielt?

Es ist schon lange her, aber ich kann mich gut erinnern, dass ich mehrere Male daran
teilgenommen habe. Leider habe ich es nie gewonnen.
Was für eine Bedeutung hatten solche Breitensportgrossanlässe für dich in deiner
Juniorenzeit?

Als kleiner Junior spielt man natürlich gerne an solchen Grossanlässen, wo es viele
Teilnehmer und Zuschauer hat. Das motiviert einen richtig. Das Turnier ist wichtig für die
Region Nordwestschweiz. Es hat eine lange Geschichte, und es bietet vielen Kindern
Jahr für Jahr die Möglichkeit, ihre ersten Fussballernstkämpfe zu spielen.
Auch in diesem Jahr werden wieder etwa 4'000 Kinder am Turnier teilnehmen. Viele
dieser Kinder träumen von einer Fussballkarriere, wie du sie hast. Was müssen
diese Kinder machen, um ein Fussballstar zu werden?

Träumen ist wichtig, aber man sollte sich nicht darauf fixieren. Es ist ebenso wichtig, dass
die Kinder die Schule ernst nehmen und einen seriösen Lebensstil führen, wenn sie älter
werden. Und es gehört auch ein bisschen Glück dazu.
Was für eine Rolle spielen dabei die Eltern?
Die Eltern nehmen eine wichtige Rolle ein, doch das Ziel Profi zu werden, muss vom Kind
kommen und nicht von den Eltern. Meine Eltern haben mich immer unterstützt bei allem,
was ich gemacht habe. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Wie wichtig sind in dieser ganzen Angelegenheit die Dorfclubs, wie z.B. der FC
Aesch, wo du bis zum Alter von 16 Jahren gespielt hast?

Diese Clubs sind enorm wichtig. Im Dorf hast du den Fussballplatz vor der Tür, und du
kannst immer spielen. Es ist auch nicht optimal, wenn man den Dorfclub und damit sein
vertrautes Umfeld zu früh in Richtung Grossclub verlässt.
Vom FC Aesch bist du zum FC Arlesheim gewechselt und bist über die 2. Liga zum FC
Basel gekommen. Hat der FCB d i c h beim Sco u t i n g übersehen?

Der FCB war zu jener Zeit noch nicht so gut organisiert wie heute. Da wurden schon einmal Spieler wie Atila Sahin, Beni Huggel und ich übersehen.
Diese Zeiten sind jetzt vorbei - der FCB hat ein sehr gutes Scouting Netzwerk auf der
ganzen Welt.
Glaubst du, dass es heutzutage noch möglich ist, über den Amateurfussball in
einen Proficlub zu kommen?

Ich glaube, das ist heutzutage sehr schwer. Ausnahmen wird es jedoch immer geben.
Generell würde ich sagen, dass ein Spieler mit spätestens 14 Jahren zu einem Proficlub
wechseln sollte.
Glaubst du, dass dir etwas fehlt in deiner sportlichen Ausbildung, weil du nicht in
einem Grossclub ausgebildet worden bist?

Überhaupt nicht. Beim FC Aesch erhielt ich eine exzellente Ausbildung unter Werner
Mogg. Wir spielten damals in den höchsten Juniorenligen der Schweiz. Wir waren dem
FC Basel ebenbürtig. Mit dem neuen Spitzenfussballkonzept des Schweizerischen
Fussball Verbandes hat sich einiges geändert, und eine solche Ausbildung in einem Dorfverein ist praktisch nicht mehr möglich.
Der Jun i o r e n s p i t zen f us s b a l l konzentriert sich nun auf ein paar wenige Grossclubs in der Schweiz. Ich denke, eine gute fussballerische Ausbildung ist sehr wichtig, da sie auch hilft, Verletzungen zu vermeiden.
Was bedeutet es dir, wieder in der Region Fussball zu
spielen?

Mein Familie und Freunde sind mir sehr wichtig. Deshalb
ist es auch ein Privileg, im besten Club der Schweiz
spielen zu können und das noch in der Region, in der ich
aufgewachsen bin.
War es mit Beni Huggel abgesprochen, dass ihr beide
gleichzeitig wieder zurück in die Schweiz kommt?

Klar haben wir darüber gesprochen, als wir in der
Bu n d e s l i g a wa r e n . Wä h r e n d me i n e n
Vertragsverhandlungen war es sicher auch ein Thema,
doch als Spieler hat man nicht einen grossen Einfluss auf
so etwas. Da kommen so viele Faktoren zusammen, bis
ein Transfer zustande kommt.
Wie kann man sich die Freundschaft zwischen dir und Beni Huggel vorstellen?
Mit Beni habe ich eine ganz spezielle Beziehung, dich ich sehr schätze. Beni war mein
Trauzeuge, und ich bin der Götti seiner Tochter. Solche Freundschaften sind im Fussball
aber nicht normal; man hat normalerweise nur Kollegen.
Was für einen Einfluss hattest du auf den Transfer von Alex Frei zurück in die
Schweiz?

Einer der stillen Investoren, die den Transfer von Alex finanziert haben, bin ich nicht.
Doch bei meiner kirchlichen Trauung habe ich versucht, ein bisschen Einfluss zu nehmen
mit der Platzreservation. Mit Alex bin ich sowieso gut befreundet. Vor seinem Wechsel
nach Basel haben wir normalerweise einmal pro Woche telefoniert. Alex Frei und du sind ja eigentlich Konkurrenten im Sturm, beim FCB und in der Nationalmannschaft.
Da wir nun beim FCB mit zwei Stürmern spielen, sollten wir eigentlich keine Konkurrenten sein. In der Nationalmannschaft ist Alex als Captain gesetzt, aber auch dort spielen wir mit zwei Stürmern. Vielleicht ist es ja ein Vorteil, dass wir schon beim FCB das ganze
Jahr hindurch zusammenspielen.
Beim FCB gehörst du auch schon zu den älteren Spielern. Hast du schon
irgendwelche Pläne für die Zeit nach deiner Fussballkarriere?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe ja eine Bankenlehre gemacht, doch ich kann mir nicht
wirklich vorstellen, wieder zurück ins Bankenmetier zu wechseln. Ich will noch lange
Fussballspielen.
Vielen Dank für das Interview und wir wünschen dir weiterhin alles Gute und viel
Erfolg mit dem FC Basel.

Antworten:

danke!

von Faninho - am 14.08.2009 12:45

Interwiev mit Beni Huggel

"Klartext" 04/09 zum Thema Medienpräsenz: (http://www.klartext.ch/detail.php?PH...9-08-11-581723)

Medienmensch: Benjamin Huggel
„Boulevard ist mir grundsätzlich zuwider“

Von den Medien erwartet Benjamin Huggel nichts mehr. Während seiner Karriere ist der Basler Fussballprofi im Umgang mit Medienschaffenden um einige Illusionen ärmer geworden.

Klartext*: Herr Huggel, was ist die häufigste Frage, die Ihnen Journalisten stellen?
BENJAMIN HUGGEL: Meistens muss ich etwas zum Spielverlauf sagen. Radiojournalisten sind Spezialisten. Die fragen: „Und, Benni Huggel, wie wars?“ Und dann kannst du erzählen, was du willst. Ich mag es lieber, wenn man mir konkrete Fragen stellt.
Klartext: Haben Sie sich im Laufe der Jahre auf gewisse Fragen Standardantworten zurechtgelegt?
HUGGEL: Das versuche ich zu vermeiden.
Klartext: Sagen Sie rundheraus, wenn das Spiel schlecht war?
HUGGEL: Ich habe gelernt, dass Schönreden nichts bringt. Am Anfang meiner Karriere habe ich in Interviews immer zu gut über das geredet, was auf dem Feld passiert ist – wohl auch über meine eigene Leistung. Unser Job ist nun mal resultatabhängig. Wenn du gewinnst, ist es gut, wenn du verlierst, ist es schlecht. Dagegen musst du nicht ankämpfen – vor allem nicht in so kurzen Interviews nach dem Spiel.
Klartext: Das ist ja auch eine Stärke von Ihnen: Journalisten fragen gerne Benni Huggel, weil er die Sache pointiert auf den Punkt bringen kann.
HUGGEL: Ich sehe schon: Ich habe einen Ruf zu verlieren.
Klartext: Wollen Sie bei Ihren Auftritten ein bestimmtes Bild von sich vermitteln?
HUGGEL: Ich bin einfach ich. Ich hab schon Hunderte von Interviews gegeben. Es ist gar nicht möglich, dass man sich da verstellt. Vielleicht kann das ein sehr guter Schauspieler – ich kann es nicht. Ich kann auch meine Emotionen nicht verbergen. Damit habe ich mich abgefunden. Wie ich mich mit so vielem abgefunden habe.
Klartext: Zum Beispiel?
HUGGEL: Ich musste lernen, mich für nichts mehr zu schämen. Mein Schamgefühl tendiert gegen Null.
Klartext: Wie meinen Sie das?
HUGGEL: Ich spreche davon, was in der Öffentlichkeit über mich geredet und geschrieben wird. Es kann morgen in der Zeitung stehen, ich sei ein schlechter Vater, der nie zu Hause ist. Oder irgendeine andere Lüge.
Klartext: Und das ist Ihnen egal?
HUGGEL: Zu sagen, dass es mich gar nicht interessiert, wäre gelogen. Aber ich weiss mittlerweile, dass ich es nicht ändern kann. Am Anfang meiner Karriere habe ich mich kaputtgemacht: Vieles habe ich zu persönlich genommen. Ich musste mir eine gewisse Gleichgültigkeit zulegen, sonst wäre ich total abgedreht. Man kann es sowieso nicht allen recht machen. Das sage ich immer zu den jungen Spielern: „Das ist die erste Lektion, die ihr lernen müsst. Es gibt solche, die finden euch doof, und solche, die finden euch toll.“

Klartext: Beeinflusst es Sie, wie Ihre Leistung in den Medien beurteilt wird?
HUGGEL: Ich weiss, dass es Spieler gibt, die aus einer positiven Beurteilung in der Zeitung Selbstvertrauen ziehen. Ich kann das nicht.
Klartext: Warum nicht?
HUGGEL: Weil ich das Lob von Journalisten nicht für bare Münze nehme, aber auch deren Kritik nicht. Medienleute können mir nicht sagen, ob ich in Form bin oder nicht. Vielleicht ist das falscher Stolz, wer weiss. Aber ich habe in meiner Karriere immer gespielt, war nie längere Zeit auf der Bank. Und trotzdem war die Berichterstattung manchmal schlecht.
Klartext: Beurteilen die Journalisten Dinge, von denen sie keine Ahnung haben?
HUGGEL: Journalisten haben leider die Tendenz, kein ausgeprägtes Fachwissen zu haben. Ein Journalist, der selber Trainerkurse besucht hat und versucht, Fussball wirklich zu verstehen – das wäre was. So aber wird das Spiel immer reduziert auf das Resultat und die Torschützen. Das finde ich störend. Ich mag Zeitungen, die viel Hintergrund liefern.
Klartext: Hintergrund zu Fussball?
HUGGEL: Es gibt auch noch andere Themen. Wenn zum Beispiel zur Europameisterschaft selbst in der „Tagesschau“ ein Bericht aus dem Camp der Schweizer Nati kommt, dann muss ich sagen: Jetzt reichts. Man kann doch wegen Fussball nicht das Weltgeschehen auf die Seite stellen.
Klartext: Sagen Sie viele Interviewanfragen ab?
HUGGEL: Ich gebe nur die Interviews, bei denen ich das Gefühl habe: Die Journalisten sind wirklich interessiert, und es geht etwas tiefer. Boulevard ist mir grundsätzlich zuwider. Ich wehre mich dagegen, da mitzumachen. Dabei könnte man die Zusammenarbeit mit diesen Blättern für eine geschickte Karriereplanung nutzen. Das könnte ich aber mit mir nicht vereinbaren.
Klartext: Wie können denn die Medien zu einer Fussballerkarriere verhelfen?
HUGGEL: Es läuft so: Die Spieler, die bei Homestories mitmachen, bekommen gute Noten. Eine Geschichte hier, eine Information da, und schon heisst es: XY ist in bestechender Form. Die Medien können Leistungen überhöhen und aus einem guten Spiel ein hervorragendes machen. Das kann eine Karriere zumindest beschleunigen. Auf die Länge gesehen setzt sich Qualität aber durch. Das ist meine tiefe Überzeugung.

Klartext: Wie ist Ihr Verhältnis zu den Sportjournalisten?
HUGGEL: Ich halte mich auf Distanz. Sie sind zwar immer freundlich, aber sie wollen auch etwas. Und wenn es nicht läuft, hauen sie dich in die Pfanne.
Klartext: Welche Berichterstattung hat Sie persönlich am meisten getroffen?
HUGGEL: Nach dem Türkei-Vorfall 2005** gab es einen Bericht, in dem ich als Heulsuse bezeichnet wurde. Ich habe mich als Opfer dargestellt, weil ich mich auch als solches gefühlt habe. Doch ich musste erkennen, dass ich für die Medien nicht als Opfer tauge. Im Bericht wurde ich verglichen mit einem Kind, dem man das Znünitäschli weggenommen hat. Das hat mich sehr getroffen.
Klartext: Doch Sie konnten die Medien auch als Plattform nutzen, um Ihre Sicht darzustellen.
HUGGEL: Das dachte ich auch. Die Medien aber haben nicht verstanden, was ich ihnen sagen wollte. Es ist da viel Ungerechtigkeit passiert. Ich finde, dass nur diejenigen, die dabei waren, die Situation beurteilen können und dürfen. Wer hier lebt, kann sich nicht vorstellen, was dort abgegangen ist. Und darum war es unmöglich, das später im Studio mit einem schönen Sätzchen darzustellen.
Klartext: Warum ist Ihnen diese Berichterstattung so nahegegangen?
HUGGEL: Wenn jemand meine Leistung kritisiert, ist das „part of the job“. Diese Sache aber war sehr emotional und die Urteile seitens der Presse sehr persönlich.
Klartext: Sind Sie gestärkt aus dieser Erfahrung herausgegangen?
HUGGEL: Ich denke: Ich hab da meinen letzten Rest Unschuld verloren. Das hat wehgetan, denn ich hatte immer Angst, dass dieses ganze System Öffentlichkeit mir meine Illusionen raubt und dass ich nicht mehr an das Gute im Menschen glauben kann. Ich versuche immer noch, mich dagegen zu wehren, dass mich das alles verändert. Deshalb will ich auch mein Privatleben aus der Öffentlichkeit heraushalten.
Klartext: Funktioniert das?
HUGGEL: Mehr oder weniger. Aber ich komme schon immer wieder in Situationen, die ich total peinlich finde. Da besuche ich zum Beispiel eine Messe und plötzlich schreit einer: „Das ist doch Benni Huggel.“ Und dann dreht sich jeder um. Mittlerweile werde ich überall in der Schweiz erkannt. Das stört mich und ist auch für meine Frau und die Kinder nicht immer angenehm.
Klartext: Sie sind jetzt schon seit zehn Jahren Profifussballer. Können Sie sich mit dieser Berühmtheit nicht abfinden?
HUGGEL: Das muss man, ob man will oder nicht. Es nervt mich trotzdem. Allein die Moral, die auf uns Fussballer projiziert wird, was wir alles vorleben und nicht machen sollen, das ist zum Heulen. Schon bei einer Schwalbe wird geschrieben, wir seien kein Vorbild für die Jugend. Ich höre oft, damit hätte ich rechnen müssen, als ich Profifussballer wurde. Aber ich habe als Kind angefangen, Fussball zu spielen, weil ich Freude daran hatte, und nicht, weil ich berühmt werden wollte. Ich habe vielleicht mal davon geträumt, in einem grossen Stadion ein Goal zu schiessen. Nicht vom Berühmtsein. Als Kind kannst du dir ja gar nicht vorstellen, was das heisst.
Klartext: Wünschen Sie sich einen Fussball ohne Berühmtsein?
HUGGEL: Fussball ohne die negativen Seiten des Berühmtseins – das wärs.
Klartext: Aber dabei genauso viel Geld verdienen.
HUGGEL: Natürlich. Nein, im Ernst: Ich weiss schon, wie es läuft. Die Popularität ist natürlich auch ein Bestandteil meines Lohns. ?


von Latteknaller - am 14.08.2009 12:58

Re: Interwiev mit Beni Huggel

Sehr gescheites Interview. Merci!

(Und merci dafür, dass du die Adresse von Klartext mitlieferst - ich wusste gar nicht, dass es diese gescheite Zeitung noch gibt.)

von Tschum - am 14.08.2009 15:06
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