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Goofy, Betty Bossi

Nicht nur für Fasnächtler ...

Startbeitrag von Betty Bossi am 05.02.2002 00:00

bz-SAMSTAGSINTERVIEW /

Als langjähriger Fasnächtler kennt Schorsch vom Haafebeggi II die Fasnacht wohl wie kein zweiter. Er äussert sich zur Tradition, zu Neuem und zu Tabus bei den Pointen.
Vorfasnachtsveranstaltungen sind untrügliche Zeichen dafür, dass die drei «scheenschste Dääg» nahe sind. Schorsch vom Haafebeggi II, ein erfahrener Basler Fasnächtler, äussert sich im bz-Samstagsinterview zur Fasnacht im allgemeinen und zum Ernst der Fasnacht.

bz: Schorsch, haben Sie dieses Jahr noch nicht genug Fasnachtsluft geschnuppert?

SCHORSCH VOM HAAFEBEGGI II: Ich war ja erst in der 35.Vorstellung des «Mimösli». Das sind rund zwei Drittel dessen, was noch vor mir ist. Wir sind eine solch glatte Truppe, dass man nie genug Fasnacht haben kann.

Es passiert also nicht, dass Sie sich am Morgestraich, am 18.Februar, sagen werden: Jetzt habe ich genug und bleibe im Bett?

Nein. Denn ich bin ja auch Mitglied einer Gesellschaft, die natürlich auch erwartet, dass ich sie unterstütze, indem ich mit ihnen unterwegs bin. Zudem bin ich auch nicht dauernd voll im Einsatz. Am Dienstag werde ich als Vortrab mit meinem Zug gässle.

Man hat den Eindruck, dass es immer mehr Vorfasnachts-Veranstaltungen gibt, die zudem schon früh im alten Jahr beginnen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Betrachtet man den Publikumsaufmarsch an den zahlreichen Vorfasnachtsveranstaltungen etwa in Basel - ­«Mimösli», «Charivari», «Drummeli»­ -, so hat man nicht den Eindruck, dass es zuviele solcher Anlässe gibt. Die meisten sind ausverkauft.

Beim «Mimösli» waren die 18000 Billette innert anderthalb Tagen weg.
Ausverkauft -­ wird die Fasnacht also immer kommerzieller?

Fasnacht war ja immer ein Geschäft. Etwa für Textilhändler, Kostümschneider, Larvenmacher, Laternenmaler, Instrumentenhändler ­ und wohl auch für viele Wirte. Sehr viele Fasnächtler investieren jedes Jahr sehr viel Geld in die «drei scheenschte Dääg». Das war eigentlich immer so, auch in schlechteren Jahren. Vielleicht waren die Stoffe früher weniger exklusiv, und das Kostüm war weniger chic. Ich bin jetzt zum 51.Mal dabei ­- und es war nie anders.

Hat sich denn in Sachen Fasnacht gar nichts verändert?

Vor 20, 30 Jahren hat man sich vielleicht noch etwas kreativer an der Fasnacht betätigt. Viele haben ihre Larven selber hergestellt, die Laternen selber bemalt und die Kostüme noch selber geschneidert. Was völlig verschwunden ist, sind die Fasnachtsanlässe in den Aussenquartieren. Vor Jahrzehnten herrschte im Gundeli, in der Breiti, in Kleinhüningen reges Fasnachtstreiben. Heute hat sich die Fasnacht sehr stark in die Innenstadt verlagert. Dies finde ich schade. Inzwischen wird es auch den Wirten dort zuviel. Sie beklagen sich, sie kämen in dem Gedränge nicht mehr zum Servieren und machten deshalb zu wenig Umsatz ­ womit wir wieder beim Kommerziellen wären...

Den Bängglern wird oft vorgeworfen, es fehle heute an Biss und Courage. Stimmt dieser Eindruck?

Es gibt sicher Unterschiede. Einige Bänggler wollen zum Schmunzeln anregen, mit einer gelungenen Pointe, einem Wortspiel. Mir selber, der seit über 50 Jahren dabei ist, reicht dies aber nicht: Ich will, dass die Leute herzhaft lachen können. Die politischen Verse der Schnitzelbänggler sind heute alle lieb, die Bänggler greifen nicht mehr mit so spitzem Speer an. Das liegt wohl an der Zeit; es geht uns allen gut. Die Kampfmoral gegenüber der Obrigkeit hat deutlich nachgelassen. Man sagt die Dinge heute freundlicher, und eher lustig als bissig.

Und wie ist es mit dem Vorwurf, die Qualität der Schnitzelbängge habe abgenommen?

Den Vorwurf habe ich auch schon gehört. Früher gab es vier, fünf Bänggler pro Jahr, die man sich merkte, und die auch für mich Vorbild waren. Das ist aber auch heute noch so. Nur sind die Leute ­- vor allem wegen des Fernsehens ­- sehr verwöhnt und anspruchsvoll geworden. Sie messen alles am deutschen Karneval und am deutschen Kabarett. Und sie überhören die guten Verse und guten Pointen im eigenen Umfeld. Kurz: Die Schnitzelbängg sind nicht schlechter geworden.

Gibt es Themen, über die man sich nicht lustig macht?
Eigentlich sollte man sich über alles lustig machen dürfen. Bei einigen heiklen Themen ist es aber schon vorgekommen, dass man die Schnitzelbänggler angerufen hat, man möge sich bei diesem oder jenem Thema zurückhalten. Letzlich muss es jeder Bänggler selber wissen. Ich selber werde sicher keinen Vers über den 11.September, über Tote oder über schwere Unglücksfälle machen. Man darf aber nicht vergessen, dass auch die Neigung Betroffener zunimmt, Schnitzelbänggler und Kabarettisten mit Ehrverletzungsklagen für künftige Scherze zum Schweigen zu bringen. Solche Versuche gehen auf Kosten der Bissigkeit, zweifellos.

Ein fester Bestandteil der Basler Fas- nacht sind die alljährlichen Seitenhiebe Richtung Zürich. Fällt einem Bänggler dazu überhaupt noch etwas Neues ein?

Das ist ja nicht unbedingt böse gemeint. Aber wir Basler können doch nichts dafür, wenn die Zürcher uns jedes Jahr rechtzeitig eine Steilvorlage liefern.

Die Grundelemente der Fasnacht kennt man. Gibt es da auch Raum für neue Formen?

Die Fasnacht hat eine lange Tradition. Sie ist ein Kulturgut. Daran wollen vie- le aktive Fasnächtler nicht rütteln. Dafür habe ich auch Verständnis. Ganz neu in seiner Form erscheint mir seit zwei, drei Jahren das «Charivari». Dort versucht man mit Erfolg, neue Formen und Elemente in die Fasnacht hineinzubringen. Gezeigt werden auch traurige oder besinnliche Seiten. In den Kritiken hat das «Charivari» beste No- ten erhalten. Dieser Mix aus Heiterem und Ernstem ist beim Publikum offenbar sehr gut angekommen.

Sind auch Guggen als neue Elemente der Basler Fasnacht zu verstehen?

Inzwischen gehören Guggen zu den festen Bestandteilen. Es gibt sehr viele Guggen, für viele sind es bereits zu viele. Aber mit der Fasnacht ist es wie mit den Olympischen Spielen: Mitmachen ist wichtig. Das Problem hat damit angefangen, dass Beizer angefangen haben, Guggen einzuladen, wo wir Schnitzelbänggler bereits vertraglich verpflichtet waren. Zeitlich ist es dann schwierig, dass die Bänggler ihre Verse singen und die Guggen ihre drei oder vier Stücke spielen können.

Es scheint, die Fasnacht bietet kaum mehr Raum für Spontanes?

Ohne eine gewisse Organisation lässt sich ein solcher Grossanlass mit internationaler Ausstrahlung wie die Basler Fasnacht nicht mehr durchführen. Deshalb müssen diverse Guggenverbände -­ FG-Gugge, IG Gugge -­ die Auftritte der einzelnen Guggen organisieren. Ähnlich verhält es sich ja auch mit den Bängglern.

Ist die Basler Fasnacht zu erfolgreich geworden?

Die Basler Fasnacht ist wohl auch in einem gewissen Sinne «Opfer» ihres Erfolges geworden. Sie ist in der ganzen Schweiz, ja in ganz Europa bekannt. Zahlreiche Fernsehstationen bemühen sich jedes Jahr um Aufnahmen. Diesen geeignete Standorte und Lokale zu bieten, erfordert eine gewisse Organisation. Grossen Raum für Spontanes bleibt da kaum. Hingegen viel Spontanes, viel Kreativität erlebt man etwa in Basel an der Kinderfasnacht. Hier sind Familien mit Kindern dabei, die sonst gar nicht, oder nicht mehr, Fasnacht machen. Hier wird noch vieles selber gemacht. Am Dienstag sieht man am Nachmittag deshalb auch Supersachen.

Wenn man die Fasnacht von aussen betrachtet -­ Organisation, geregelte Abläufe, festgelegter Cortège -­ so erhält man den Eindruck, dass Fasnacht keine lustige Sache ist. Auch auf Kritik reagiert man oft unwirsch. Warum fehlt Fasnächtlern oft die Fähigkeit, Kritik mit Humor zu nehmen?

Weil die Fasnacht tatsächlich eine ernste Angelegenheit ist. Denn die Fasnächtler bereiten sich während Monaten ernsthaft auf die tollen Tage vor. Sie üben regelmässig, feilen an den Bängg oder bauen an den Wagen. Man ist mit viel Engagement, Herzblut und Emotionen dabei. Und auch das Gässle ist kein Schenkelklopfer-Anlass. Hier unterscheidet sich die Basler Fasnacht etwa von der deutschen Fasnacht oder auch Fasnachten in der übrigen Schweiz, auch in der Nordwestschweiz. In den Dörfern und Stedtli, so habe ich festgestellt, dominieren in der nächtli- chen Fasnacht die Guggen.

Nach den Anschlägen in New York und Washington erscheint Besinnlichkeit durchaus am Platz. Einige empfehlen sogar, deswegen ganz auf die Fasnacht zu verzichten.

Was halten Sie davon?
Gar nichts. Die Fasnacht bietet vielen Menschen die Möglichkeit, für einige Stunden und Tage den Alltag zu vergessen, etwas Abstand zu gewinnen von Schreckensmeldungen aus aller Welt. Es hat sich ja schon während des Golfkriegs 1991 gezeigt, dass ein Verzicht auf die Fasnacht nicht populär ist. Wer es nicht passend findet, Fasnacht zu machen, kann ja immer noch den diversen Anlässen, vom Morgestraich über den Cortège bis zu den Schnitzelbängg, fernbleiben.

Antworten:

S kunnt alls wie nöcher... Wenn d vo luter Nervosität, will friehner hesch dörfe in der Junge Garde d Latärne mole, immer und überall umezeichnisch, wie s bi minere Kollegin dr Fall isch.



von Goofy - am 05.02.2002 00:07
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