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vor 15 Jahren, 2 Monaten
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Betty Bossi

Schluss mit Geldverbrennen

Startbeitrag von Betty Bossi am 09.03.2003 16:32

9. März 2003, 07:23, NZZ am Sonntag


Schluss mit Geldverbrennen

Der Ausstieg der GC-Eigner zeigt die Imagekrise im Fussball auf

ram. Die Häme hatte eine kurze Halbwertszeit. Frühpensionär Roger Schawinski unterstellte in der «Weltwoche» den GC-Eignern Fritz Gerber und Rainer E. Gut «lebenslänglich» - lebenslänglich, was deren Engagement von rund 70 Millionen Franken beim Fussballklub vom Zürcher Hardturm betraf. Schawinski lag falsch. Tags darauf wurde bekannt, dass die beiden Wirtschaftsführer beim GC den geordneten Rückzug antreten.

Damit geht ein Kapitel zu Ende, dessen Beginn 1999 euphorisch gefeiert wurde. «Der Fussball hat gewissermassen den Ritterschlag der Wirtschaft erhalten», kommentierte etwa der «Tages-Anzeiger» den Einstieg der beiden Topmanager im GC. Dieser Ritterschlag sah die Zukunft des Fussballs dank sprudelnden TV-Geldern, Champions League und Merchandising in der boomenden Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Die Namen Gerber und Gut - Synonyme für Seriosität und wirtschaftliches Denken - galten als Paten für diese Zukunft. Dreieinhalb Jahre später ist alles anders. Die Unlust der Geldgeber, weiter à fonds perdu zu zahlen, zeigt, dass in der Schweiz die Nationalligavereine den Wandel von patriarchaler Vereinsmeierei zu professionellen Managementstrukturen noch nicht geschafft haben. Der Ausstieg von Gerber und Gut signalisiert, dass der Schweizer Fussball weiterhin weniger einem kühl kalkulierenden Betrieb denn vielmehr einer Geldverbrennungsanlage gleicht. Obwohl sich viele Vereine mit der Gründung von Aktiengesellschaften transparentere Strukturen geben wollten, hat sich der Zustand des Klubfussballs nicht so entwickelt, dass dieser als Partner für Investoren aus der Wirtschaft attraktiver geworden wäre. Im Gegenteil.

Dass man gerade beim Nobelklub Grasshoppers mit dieser Situation konfrontiert wird, ist symptomatisch. «Wir wissen nicht, was kommt», gesteht GC-Zentralpräsident Michael Funk mit Blick auf die Zukunft. Funks Zukunftsperspektive entspricht derjenigen des ganzen Schweizer Klubfussballs. «Altbacken und undynamisch», beschreibt etwa Fritz Stalder, Leiter der weltweit tätigen Sport-Consulting- Firma Fritz Kaiser Group, die helvetische Profiliga und ortet Mauschelei statt professionelle Managementstrukturen. «Zudem gibt es zu wenig glamouröse Figuren wie die Yakin-Brüder und zu viele Negativschlagzeilen», so Stalder. Nachrichten von Schuldenwirtschaft, veruntreuten Millionen und Klubpräsidenten, die sich mit dem Auto im Luganersee selbst ertränken, zeugen nicht gerade von einem Umfeld, in dem man erfolgreich Image- Kampagnen oder Investitionen mit Aussicht auf Rendite tätigt. «Der Schweizer Fussball spielt in unserem Konzept zurzeit keine Rolle», sagt denn auch UBS-Mann Björn Wäspe, Leiter Sponsoring Schweiz. Lieber setzt man in der grössten Schweizer Bank auf Projekte mit globaler Ausstrahlung wie Ernesto Bertarellis Segelteam Alinghi.

Sogar in der Credit Suisse, seit vielen Jahren Hauptsponsor des Fussballverbandes, reagiert man zum Stichwort Klubfussball zurückhaltend. «Wir würden uns grundsätzlich schon mehr Professionalität wünschen», sagt Urs Wyss, Leiter des CS-Sponsorings. Wyss betont indes die Bedeutung der Klubs für die Nachwuchsarbeit und verweist auf die «riesige Aufgabe EM 2008, die einen enormen Professionalisierungs-Schub bringen wird». Die neuen Stadien, so Wyss, würden diesen Vorgang beschleunigen.

Ob neue Stadien auch bessere Strukturen bei den Vereinen bedeuten, ist offen. Denn alle Stadionprojekte sind so vorsichtig konzipiert, dass sie auch ohne Klubfussball rentieren müssten. Das gilt für den Basler St.-Jakob-Park wie für das geplante Stadion Zürich. Dort ist von der Stadt und der Credit Suisse das Stadion als Immobilien-Investment mit branchenüblicher Renditevorgabe geplant. Buchhalterisch ist Fussball eine unsichere Grösse.

«Natürlich gehen wir davon aus, dass im Stadion Zürich Fussball gespielt wird. Und ich bin überzeugt, dass es im Umfeld vom GC nach wie vor viele Leute gibt, die dem Klub unter die Arme greifen können», hofft Stadtpräsident Elmar Ledergerber.

Klar ist, dass die Zeit der Mäzene und Klub-Patriarchen abgelaufen wäre. Nur ist das in den Klubs noch nicht erkannt. Ausser von den geläuterten Fritz Gerber und Rainer E. Gut.

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